Deutschland-Cup Wernigerode 2017 beendet

Ralf Schöngart, 58, Buxtehude, fährt als Sieger des Deutschland-Cups und damit eines offiziellen nationalen Wettbewerbs des Deutschen Schachbundes wieder

Ralf Schoengart

zurück aus dem Harz an die Elbe. Er siegte mit 5,0 Pkt. aus 7 Partien in der besten Leistungsgruppe des D-Cup 2017 in Wernigerode. Das Turnier schielt auch in dieser Gruppe mit ihrem DWZ-Korridor 1900 bis 2199 eben nicht auf die Bundesliga schielt, dafür wurden andere Turniere geschaffen, sondern ungefähr das Niveau vieler Landes- und Verbandsligen abbildet – und das ist so schlecht ja nun nicht. Es ist den Teilnehmern jedenfalls anzumerken, dass es ihnen einfach Spaß macht – und das ist ja immer noch das Ziel eines Spiels.

Dieses Turnier, heuer mit seiner Rekordzahl von 206 Teilnehmern, ist ein Mittelding aus sportlichen und kulturellen Aspekten. Das, was es einzigartig macht, ist zweifellos das noch dazu sehr preisgünstige, wie immer von Ingrid Schulz zusammengestellte Ausflugsangebot in den West- und Ost-Harz. Ich habe einmal daran gedacht, das als einzeln Reisender zu für mich passender Zeit „auf eigene Faust“ zu machen – und nahm rasch wieder Abstand davon; zu diesem Preis ist das einfach nicht möglich, und eine angeleitete Führung oder Erläuterung des Klosters … Doms … Museums … für einen Einzelnen ist ohnehin kaum zu erhalten, vom Spaß, das mit lauter verrückten Schachspielern zu erleben, ganz zu schweigen! Ganz gewiss hat dieser Turnierteil zu der erstaunlich gestiegenen Nachfrage des D-Cup beigetragen.

Natürlich war auch wieder ein Spaziergang (manche sprachen vom Gipfelsturm) auf den Brocken mit im Programm, angeleitet von „pairing officer“, Schiedsrichter, Computer-Experten Frank Jäger. „26.09.2017: Gute Nachrichten von der DAV-Bergunfallstatistik: So wenig tödlich verunglückte DAV-Mitglieder wie im Jahr 2016 hat es seit Einführung der Aufzeichnungen noch nie gegeben.“

Diese Mitteilung auf der DSB-Seite musste zum Glück nicht verändert werden.

Geändert werden musste von Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan und seinem Team lediglich der Ort der Ehrung der Sieger. „Wir sind einfach zu erfolgreich“, lächelte er. „In den historischen Rathaussaal passen die Spieler im würdigen Rahmen einfach nicht mehr hinein. Also bleiben wir im Turniersaal.“ Wenn das schon zu den wichtigen „Problemen“ des Turniers zählt, kann’s so schlimm wohl nicht sein.

Bis es so weit war, erlebten die Spieler und ihre zahlreichen Begleiter den Miniaturenpark, in dem alle Sehenswürdigkeiten der Region im Maßstab 1:25 nachgebildet wurden, eine Stadtführung durch das nach der schlimmen Juli-Überschwemmung wieder trockene, mit malerischen Gassen gestaltete Wernigerode, das Erlebnis der einen tiefen Eindruck hinterlassenden Stiftskirche in Gernrode (Ortsteil von Quedlinburg).

Tags darauf wurde in Rübeland die riesige Tropfsteinhöhle „Baumannshöhle“ und, ähnlich urwüchsig, eine seit anno dunnemal bestehende Köhlerhütte besichtigt. Die Holzkohle für den Gillabend im heimischen Garten konnte gleich geordert werden, aber auch die Buchsbaum-Figuren des womöglich am Spiel verzweifelten Teilnehmers hätte man hier sinnvoll „refurbishen“ können. Auch die westliche Seite des Harzes wurde bereist. Unvergesslich (naja, bei Schachspielern weiß man nie …) bleiben wohl die Kaiserpfalz Goslar und die Stabkirche Hahnenklee, Halberstadt mit einer tollen Führung und das uralte Merseburg der Ottonen, wo vor ziemlich genau 1000 Jahren bei Bischof Thietmar von Merseburg viele Fäden der Politik zusammenliefen. Man fährt also wirklich nicht „nur“ zum Schachspielen nach Wernigerode. Gleichwohl wurde auf recht hohem Niveau gekämpft!

Über den Erfolg Ralf Schöngarts informierten wir schon. Über die drei Plätze hinter ihm entschied die Buchholz-Wertung: Ingo Thomas, Denis Schermer und Frank Schönfeld belegten Rang 2-4 der besten Gruppe. – In Gruppe 4 triumphierte nach Feinwertung der Hildesheimer Dr. Werner Freier vor Nikolas Egelriede. Beide erzielten je 4,0 Pkt. Auch die Plätze 3-5 wurden per Feinwertung ermittelt: Hans Schwarz, Andreas Domaske und Frank Willberg. Der Leipziger Andreas Domaske hatte am Brocken als Präsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt reichlich zu tun: Als Repräsentant seines Verbandes hielt er ein freundliches Grußwort, gleich danach hechtete er über die Tische und machte durchaus erfolgreich als Spieler mit und ehrte, nun wieder als Funktionär, die Sieger. Das Ding wäre noch gewesen, wenn er sich bei der Gelegenheit selbst hätte ehren können.

Die tollen Ergebnisse besonders der vielen jungen Spielerinnen und Spieler sollte der Leser der Turniertabelle entnehmen, auch die Berichte zu dem, was mindestens für die zahlreichen Begleiter den Hauptteil des Turniers ausmachte. Zugegeben, einigen hielten wir besonders die Daumen; aber noch war es kein Siegeszug zum Beispiel für Laura Vöcking in der Gruppe 11 oder für Anna Sophie von Rechenberg in der 12, anders als etwa für Marianne von Stepanjan, die in Gruppe 12 schöne 5,5 Punkte „knipste“.

Ein kleiner Ausblick zum Schluss: Der Deutschland-Cup 2018 findet vom 2. bis 7. Oktober 2018 im HKK Hotel Wernigerode****, Pfarrstr. 41, 38855 Wernigerode statt.    Turnierseite

(Ralf Mulde)

 

 

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Veröffentlicht unter DAM |