Bei der Youth Classic 2017 gewannen nur die Kinder

Leo, Jonas und Diyor triumphieren in Bad Soden am Taunus – DWZ-Auswertungen und sämtliche Partien bereits verfügbar

Von Mike Rosa – Als Organisator Hans-Walter Schmitt zur Halbzeit der 4. Youth Classic ankündigte, sämtliche Erwachsene außer dem Team der Chess Tigers müssten 5 Minuten nach Rundenbeginn den Spielsaal verlassen, ging ein Raunen durch die Reihen, und das Echo war durchaus geteilt. Vom 30. September bis einschließlich 03. Oktober 2017 lud das Chess Tigers Training Center in enger Zusammenarbeit mit dem SC Bad Soden und der Stadt Bad Soden am Taunus in das Bürgerhaus Neuenhain Kinder und Jugendliche ein, sich in drei Altersklassen um Preise und Pokale im Gesamtwert von über 2.500,- Euro auf dem Schachbrett zu messen.

Gespielt wurden in den drei Turnieren 9 Runden Schweizer System mit der Bedenkzeit 60 Minuten pro Spieler und Partie und 30 Sekunden Bonus pro Zug ab Zug 1. Es bestand Notationspflicht, und die Turniere wurde natürlich zur DWZ-Auswertung eingereicht. Den üppigen Preisfonds verdankte der Schachnachwuchs in der Hauptsache der Taunussparkasse, dem regionalen Energieversorger Mainova AG und der Firma ChessBase – dem Weltmarktführer in Sachen Schachsoftware. Jedes Kind spielte an einem hochwertigen Holzbrett mit schönen Figuren, und bei dem Modus waren digitale Uhren aus dem Hause DGT unabdingbar.

Es gab einen großen Analyseraum – ebenfalls bestückt mit Holzspielmaterial sowie ein üppig bestuhltes Foyer mit allerlei Spiel- und Lesematerial zum Zeitvertreib für Groß und Klein. Für einen Minipreis konnten sich die Erwachsenen mit Getränken versorgen, alles unter 18 wurde von Cornelia Schmitt gratis mit Getränken und Snacks bedacht. Im Turniersaal befand sich stets mehr als ausreichend und gut geschultes, erwachsenes Personal, welches bei sämtlichen Regel- und sonstigen Fragen auch beim jüngsten Teilnehmer Antwort wusste.

Der üppig gedeckte Gabentisch

107 Kinder & Jugendliche und keine Eltern

Wenn die Chess Tigers ein Schachevent ausrichten, dann machen sie es richtig, und damit sind wir wieder am Anfang dieses Berichts. Bei aller Planung und dem Blick für Details, bei Jugendturnieren gibt es eine nicht einplanbare Unkonstante – die Begleiter der Kinder. Wir sprechen hier nicht von der Masse, denn die weiß, dass ihre Kinder die Partien alleine spielen müssen und können. Die Masse weiß, wie schädlich es ist, seinem Schützling die ganze Partie über auf die Finger zu starren, Gesten zu machen, hörbar zu schnaufen oder was auch immer zu tun, um Einfluss auf das Geschehen zu nehmen.

Die Masse weiß, dass man einem Veranstalter nicht mit physischer Gewalt droht, wenn er einen des Saales verweist. „5 Minuten nach Rundenbeginn verlassen alle Erwachsenen für 60 Minuten den Turniersaal!“ war die Folge einiger Weniger, die den persönlichen Ehrgeiz vor das Wohl der Kinder stellten und unbelehrbar dafür sorgten, dass man sich als Beobachter zumindest nicht sicher sein konnte, dass kein direkter Einfluss genommen wurde. Das ist im Sinne der vielen fairen Eltern und Trainer und im Besonderen der hohen Ethik des Schachsports nicht hinnehmbar. Die Chess Tigers wehren sowohl im täglichen Training als auch bei ihren Turnieren jeglichen Anfängen ab der ersten Unterrichtsstunde. Das müsste man nicht extra erwähnen, gäbe es nicht immer wieder gegenteilige Beispiele.

Das ganze Turnier über sahen die Kinder, was es zu gewinnen gab

Ein Spielsaal voller Kinder – mal mehr und mal weniger konzentriert zu Werke – ist herzerwärmend, und gleich herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Die nervösen, teils nach Hilfe suchenden Blicke zum Begleiter gingen erst ins Leere und blieben dann aus. Eine Stunde reichte, dann waren (leider) die meisten Partien in der U10 und U14 beendet, aber die Qualität an den vorderen Brettern nahm zu. Insgesamt nahmen 107 Kinder teil. Im Kids Open U10 waren es 40 Teilnehmer, im Youth Open U14 traten 49 an und im Juniors Open U18 immerhin 18, was für 9 Runden Schweizer System natürlich grenzwertig ist. Wie verhindert man, dass so viele junge Vereinsspieler irgendwann aufhören, wäre ein Thema für einen anderen Artikel. Die Youth Classic versteht sich hauptsächlich als Förderturnier für Einsteiger, die ihre erste DWZ erspielen oder die bestehende verbessern möchten.

Diyor Bakiev gewann das Kids Open U10

Im Kids Open U10 hatte die eine Hälfte bereits eine DWZ, die andere Hälfte gab sich Mühe, eine zu erhalten. Weil Bennet Hagner vom Frankfurter TV beschloss, trotz passenden Alters nicht in der U10, sondern bei den U14ern zu spielen, war Diyor Bakiev vom SV Frankfurt-Griesheim der klare Ratingfavorit und wurde dieser Rolle ungeschlagen bei drei Remisen mit 7,5 Punkten gerecht. Für sein junges Alter spielt er erstaunlich diszipliniert und zeigt kaum Nerven. Das brachte ihm neben einem schönen Pokal das Chessbase 14 Megapaket und damit die perfekte Ausrüstung für künftiges Training am Rechner.

Mit einem Stapel Weltmeister-DVDs aus der Master Class-Serie von ChessBase durfte sich auf Rang zwei Dennis Amrhein von den SF Barsinghausen trösten. Er verwies knapp nach Drittwertung alias Sonneborn-Berger-Wertung Max Pick vom SK Kerpen auf den dritten Rang. Bestes Mädchen wurde mit starken 6 Punkten Hannah Ramien von der SG Porz nach Buchholz vor der punktgleichen Frieda von Beckh vom SC Eschborn. Ganz im Sinne des Events kam eine kleine Überraschung namens Arin Özyar daher. Noch ohne DWZ ausgestattet wurde er der beste U10er des gastgebenden SC Bad Soden und erhielt dafür den ersten Pokal seiner jungen Karriere.

Endstand Kids Open U10
Pl.TeilnehmerTWZPunkteBuchhSoBergSRV
1Bakiev,Diyor15977,55141,75630
2Amrhein,Dennis1455750,537,75621
3Pick,Max1379750,536702
4Ohler,Julius1540651,532,25441
5Ramien,Hannah116964827,5522
6Burkart,Lloyd Shang98564626522
7von Beckh,Frieda1523645,529,5522
8Weyerer,Noah1109645,528,75441
9Gräf,Kilian Gabriel1183643,527,5603
10Nguyen,Jenny Ha-Linh10955,546,524,5513
11Pessotschinski,Lars9955,544,522,25513
12Meuer,David1034550,524504
13Ruppert,Henry1109548,524,25423
14Kamleiter,Noah86754824504
15Kleingarn,Frederik942545,521,5504
16Fefer,Borys054218504
17Seemann,Max0537,518504
18Rhein,Rune0536,519504
19Huang,Justin0535,517,5504
20Trinz,Nikita04,54015414
21Atar,Efecan7934,539,517414
22Vick,Edward044214405
23Hartl,Jan787441,517405
24Özyar,Arin0439,513,5405
25Sadri,Adrian76543814,5405
26Gossen,Michael0437,513403
27Kramer,Theodor043614404
28Ranches,Levon0434,510405
29Güttler,Maximilian0429,56,5405
30Thees,Julian7983,534,58,75315
31Malsy,Lotte03,5317315
32Müller,Mirelle-Fabienne703344,511306
33Paukstyte,Arina034011306
34Geyer,Vincent03314,5306
35Belyakova,Anna0328,54,5302
36Pöpplow,Peer02,5398,75216
37Wagner,Felix02323207
38Kim,Yun Seo02293,5207
39Abu-Tir,Talha02283203
40Zhou,Felix Junyi01312108

Jonas Gallasch überzeugte noch deutlicher als 2016 im Youth Open U14

 

Im Youth Open U14 siegte mit Jonas Gallasch von der SG Porz quasi schon ein alter Hase in Sachen Youth Classic. Schon im vergangenen Jahr setzte sich der Kölner mit 7,5 Punkten durch und setzte in diesem Jahr mit 8 Zählern noch einen Halben drauf. Er blieb als einziger Teilnehmer ungeschlagen und versprach sogleich, 2018 den Hattrick anzustreben. Zum großen Siegerpokal erhielt er das Chessbase 14 Premiumpaket und damit die beste Ausstattung für künftige Großtaten. Mit einem vollen Zähler Rückstand folgt auf dem Silberrang Jan Boder von der SG Mörsdorf-Lahr, welcher wiederum lediglich nach Buchholz Jonas Riemann vom SK Bickenbach auf den dritten Rang verwies. Der bereits erwähnte Bennet Hagner wurde achtbarer Vierter und fühlte sich im Kreise der Jugendlichen sichtlich wohl. Sehr gute 6 Punkte sicherte sich Jelena Schwegler vom SK Bad Homburg, was ihr den Preis für die beste junge Dame bescherte.

Endstand Youth Open U14
Pl.TeilnehmerTWZPunkteBuchhSoBergSRV
1Gallasch,Jonas172785447,25720
2Boder,Jan165275439,25621
3Riemann,Jonas166575239621
4Hagner,Bennet16646,556,538,75531
5Lorenz,Alexander15396,54831,75612
6Werner,Tom151265130,25522
7Schwegler,Jelena1429650,529603
8Müller,Maurice-Pascal142064928,75522
9Porstendörfer,Yannik1427641,525603
10Haack,Kevin15625,555,531513
11Gräf,Jakob12685,545,522513
12Werner,Rosalie13435,54526,75513
13Goetz,Fenja12365,54424432
14Porstendörfer,Eric12535,54323,25513
15Gertel,Josef1253546,525342
16Czinkota,Michael1035544,522504
17Rahimova,Sarah98754420,5504
18Wu,Sifan126454418,5504
19Albrecht,Edwin952542,520,75423
20Senko,Daniel1229540,519,5504
21Murmann,Jonas91653817504
22Fuchs,Henrik9884,54419,25414
23Haller,Andreas10334,54217,5414
24Gärtner,Johannes8784,541,519252
25Moldenhauer,Lennart12724,541,518,25414
26Boder,Finn9684,53915,25414
27Döhne,Vincent13194,538,515333
28Koch,Laura774440,517,75324
29Haller,Christian1047440,513,5405
30Paukstys,Andrius975437,514403
30Moldenhauer,Nils738437,514405
32Litzinger,Jan805431,59324
33Markosyan,Aleksandr10484319,5405
34Wolf,Jonathan7914287,75324
35Edelmann,Viktor9993,54212,75315
36Gliesche,Joel7323,53711,75315
37Coskun,Eray7953,53510,75315
38Li,Toplink7673,5338,5315
39Edelmann,Anastasija9563,530,55,75315
40Samodurow,Georg8313,5286315
41Wisniewski,Niklas Lorenz10313408,5306
42Pfaff,Pawel1021336,56,5303
43Stapel,Max9343369,25224
44Budak,Kaan0334,511225
45Politoukhin,Nikolaj876326,55306
46Lassek,Bjarne7312,532,56,25216
47Nedilko,Marko7532,530,55,75216
48Reinmann,Paul7442,5307135
49Menz,Hendrik01303108

Max Leo Deppe mit viel Können und etwas Glück beim Juniors Open U18

 

Die größte Spannung um den Turniersieg bot das Juniors Open U18. Früh zeichnete sich ein Zweikampf zwischen Lokalmatador Max Leo Deppe vom SC Bad Soden und Marius Bajorski vom SV Hofheim ab. Nachdem man sich in Runde 4 im direkten Duell recht unspektakulär friedlich getrennt hatte, und Deppe einen halben Punkt Vorsprung verteidigte, standen für den ersten Schüler des Chess Tigers Training Centers alle Ampeln auf Grün für den Gesamtsieg. Doch in Runde 6 überspannte er gegen Daniel Schwarz von der SG Idstein in ausgeglichener Stellung ohne Not den Bogen und musste zusehen, wie Bajorski seinerseits mit einem Sieg vorbeizog. Aber in Runde 8 war Caissa Deppe besonders gewogen, als Robin Gallasch von der SG Porz Bajorski so lange zur passiven Verteidigung zwang, bis dieser entnervt und viel zu früh aufgab. Die Schlussrunde avancierte zum lockeren Auslaufen für Deppe, der sich mit 7,5 Punkten den größten Pokal und den Umschlag mit saftigen 300,- Euro schnappte. Für Bajorski blieben immerhin 200,- Euro, und Robin Gallasch erhielt als Dritter noch 100,- Euro. Bestes – allerdings auch einziges – Mädchen wurde Veronika Gossen vom Wiesbadener SV. Dennoch hatte sie sich ihren Pokal samt Preis redlich verdient, denn sie trat mit der niedrigsten DWZ an und schlug sich durchaus achtbar gegen die großen Kerle.

Endstand Juniors Open U18
Pl.TeilnehmerTWZPunkteBuchhSoBergSRV
1Deppe,Leo Max17607,54636,5711
2Bajorski,Marius182374834,75621
3Gallasch,Robin17446,54730,5612
4Stobbe,Frederik1692649,531522
5Schwarz,Daniel1611643,524,75522
6Schwarz,Matthias169454822423
7Pyshny,Anton1519544,518423
8Vogt,Johannes146153617,25423
9Arnold,Aaron12854,54315,75414
10Nelle,Jan Michael04,54016414
11Schubert,Ansgar11354,53010,25414
12Werndl,Jan Frederik1341441,514,25324
13Englert,Georg122743711324
14Gossen,Veronika9534369,5324
15Arnold,Jan14013,539,58,5315
16Sandvoss,Leonard0230,53,5207
17Schirra,Louis0133,55103
18Siebert,Yannick0132,52108

Der Stadtverordnete Dr. Frank Blasch und Organisator Hans-Walter Schmitt verteilten jede Menge Pokale und Preise

 

Natürlich war es dem Chef der Chess Tigers eine besondere Freude, seinem Schüler der ersten Stunde den Pokal zu überreichen

 

Die Siegerehrungen wurden eine würdige Feier für alle Siegerinnen und Sieger, da erfreulich viele Teilnehmer und Eltern blieben. Bestimmt hatte auch das Versprechen, dass jeder Spieler einen kleinen Preis erhalten würde, dazu beigetragen, und so holten sich alle am Ende noch eine exklusive Bonbon-Dose der Chess Tigers mit dem Konterfei von Weltmeister Garry Kasparov ab. Eine besondere Freude war, dass es sich die Stadt Bad Soden nicht nehmen ließ einen offiziellen Vertreter zur Siegerehrung zu entsenden. Bürgermeister Norbert Altenkamp ist bekennender Schachfan und -förderer, konnte dieses Mal aber aufgrund einer für ihn erfolgreichen Bundestagswahl nicht persönlich anwesend sein. Er wurde Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Main-Taunus und macht nun in Berlin Politik. Doch mit dem Stadtverordneten Dr. Frank Blasch kam jemand, dem man sogleich anmerkte, dass er gerne da war. Die Aussichten, dass die Stadt Bad Soden den städtischen und regionalen Schachboom und die Youth Classic im Besonderen weiterhin fördert, sind offenkundig bestens.

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