Starkes Feld bei der 80. Auflage von Tata Steel Chess

Das Teilnehmerfeld der 80. Auflage von Tata Steel Chess in Wijk aan Zee (zwei Runden anderswo) ist weitgehend bekannt. „Gerüchte“ bzw. Hinweise gab es schon zuvor: Karjakin sagte irgendwo-irgendwann, dass er „im Januar“ ein Turnier spielt, Kramnik sagte beim Europacup für Vereinstems, dass er nach mehreren Jahren mal wieder in Wijk aan Zee spielt. Neueste Entwicklungen sah ich zunächst hier und da auf Twitter, auf der Turnierseite ist es dagegen etwas versteckt: Unter ‚Players‘ steht nach wie vor „The Tata Steel Masters of 2018 will be announced soon. You can find an overview of the Tata Steel Masters of 2017 below.“ Unter „Latest News“ dagegen diese Mitteilung – 12 von 14 Teilnehmern der A-Gruppe stehen fest.

Sie erwähnen speziell „zwei fünfmalige Sieger“, Turnierdirektor Jeroen van den Berg dann auch „vier Weltmeister“. Da stutzte ich etwas – Carlsen, Anand und Kramnik, wer noch? Mamedyarov und Karjakin waren beide mal Schnellschach-Weltmeister, gemeint ist wohl die ehemalige Siegerin bei Weltmeisterschaften ohne Männer, damit Elo unter 2700 – die gefühlt siebenundzwanzigste hochkarätige Einladung für Hou Yifan, nach wie vor null für Spieler wie Fedoseev (für Dortmund hatte er sich als Aeroflot-Sieger qualifiziert), Vidit oder Duda die 2700 bereits geknackt haben. Was nicht ist kann vielleicht noch werden, zwei Namen fehlen ja noch – dazu später mehr.

Das Titelbild (Quelle Tata Steel Chess 2017) gebe ich einem Spieler, dessen erneute Einladung ich durchaus begrüsse: Baskaran Adhiban war bei der letzten Auflage (als Sieger der Challenger Gruppe 2016) durchaus erfolgreich (danach nicht immer, sonst hätte er inzwischen Elo 2700+) und darüber hinaus ein belebendes Element – am Brett und auch im Pressebereich. Auf diesem Foto wohl auch ein kleines bisschen Erwin l’Ami – der spielt vermutlich wieder in der B-Gruppe, aber diese Teilnehmer sind noch nicht offiziell bekannt.

Über/auf zwei Spieler freue ich mich auch besonders: Kramnik und Anand sind zwei Weltklassespieler, denen ich noch nie persönlich begegnet bin, nun fehlt auf meiner Liste eigentlich nur noch Peter Svidler. Nun erst alle bereits bekannten/bekannt gegebenen Teilnehmer:

Vorläufige Teilnehmerliste Tata Steel Chess Tournament 2018, Tata Steel Masters

Name Land Elo 10/2017
Weltrangliste
Magnus Carlsen Norwegen 2826 1
Fabiano Caruana USA 2794 4
Vladimir Kramnik Russland 2794 5
Shakhryar Mamedyarov Aserbaidschan 2791 6
Wesley So USA 2788 7
Viswanathan Anand Indien 2783 9
Sergey Karjakin Russland 2765 12
Anish Giri Niederlande 2762 13
Wei Yi China 2740 18
Hou Yifan China 2678 64
Adhiban Baskaran Indien 2671 75
Gawain Jones England 2662 83

 

Anand spielte zuletzt 2013 in Wijk aan Zee, seit 2014 bin ich als Reporter vor Ort auch hinter den Kulissen (zuvor viele Jahre als Zuschauer). Jeroen van den Berg erwähnt seine fünf Siege, deren „Haltbarkeitsdatum“ ist vielleicht überschritten (1989, 1998, 2003, 2004 und 2006), wobei er bei sechzehn Auftritten nur zwei relativ schlechte Ergebnisse hatte – Platz 5 in 2007, Platz 7 anno 1990. Letzteres ist nun wirklich lange her – die damaligen ersten drei (Nunn, Andersson und Portisch) sind nicht mehr Weltklasse, Kortschnoi ist gar tot. Andererseits wurde Karjakin (*12.1.1990) während oder kurz vor dem Turnier geboren, Vachier-Lagrave (*21.10.1990) vielleicht während dem Turnier gezeugt, Carlsen (*30.11.1990) sicher erst danach. Carlsen ist der andere fünfmalige Sieger in Wijk aan Zee.

Kramnik spielte zuletzt 2011 in Wijk aan Zee, für Platz eins reichte es bei elf Versuchen nur 1998 – Moment mal, damals gewann doch Anand? Viele Jahre lang wurde der Turniersieg bei Punktgleichheit schlicht und ergreifend geteilt, 2017 hätte es dann einen Stichkampf gegeben aber Wesley So war alleiniger Sieger. Ihn muss ich wohl nicht vorstellen, die anderen zuvor noch nicht genannten wohl auch nicht. Ausnahme eventuell Gawain Jones, Sieger der B-Gruppe 2017 – punktgleich mit Markus Ragger, aber jedenfalls nach derzeitigem Stand bekommt nur der Wertungsbessere einen Platz im A-Turnier. Oft wurde auch der zweite Sieger eingeladen, aber Ragger konnte sich nicht auf Niveau 2700+ etablieren – das hatte er im Januar während Wijk aan Zee, danach ging es wieder Richtung 2650 (live-aktuell nach dem Europacup noch knapp darunter und damit derzeit nicht top100).

Wer wird der dreizehnte Teilnehmer? Das, und auch die Teilnehmer der B-Gruppe, verraten sie erst im November. Jedenfalls nach Stand Januar 2017 (mein Interview mit Loek van Wely bei „Tata Steel on Tour“ in Haarlem) geht in Wijk aan Zee eine Ära zu Ende: Damals sagte van Wely, dass er eine eventuelle Einladung für die A-Gruppe wohl ablehnen würde und dass er auch für die B-Gruppe nicht zur Verfügung steht. UPDATE: Das ist auch Stand Oktober 2017 – chess.com schreibt, dass van Wely eine Einladung ablehnte (Peter Doggers war wohl auf der Pressekonferenz in Hilversum und/oder hat andere Quellen).

Der vierzehnte Teilnehmer ist der beste Subtop-Spieler (Elo unter 2750) in der ACP-Tour am 1. Dezember. Nach momentanem Stand wäre es Baadur Jobava knapp vor Maxim Matlakov – beide spielen jedenfalls noch bei der EM für Nationalmannschaften, das ist quasi auch ein Qualifikationsturnier für Tata Steel 2018!? Ein direktes Duell gibt es allerdings nicht – Jobava spielt Brett 1 für Georgien, Matlakov Brett 4 für Russland. Beide waren bei der Einzel-EM dieses Jahr erfolgreich, Jobava daneben auch beim Xtracon Open und Matlakov beim Grenke Open. Evgeniy Najer hat eventuell auch noch eine Chance, falls er die nächsten Wochen irgendwo und erfolgreich spielt.

Da ich Tata Steel Chess on Tour bereits erwähnte, auch das noch: die Auswärtsrunden sind nächstes Jahr in Groningen und Hilversum – wie in den letzten Jahren einmal alt, einmal modern: links das Akademiegebäude der Universität Groningen, rechts das „Bild und Ton“ (Beeld en geluid) Gebäude in der NL-Medienhauptstadt Hilversum. Hilversum, grob gesagt zwischen Amsterdam und Utrecht, ist ca. 60km von Wijk aan Zee entfernt, nach Groningen sind es dagegen knapp 200km.

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