Rennstadtteam vor dem Saisonauftakt in Mülheim am Wochenende

Von Dieter Auer – Nach dem Erreichen des Titels Deutscher Vize-Meister 2017 war die Welt in der Renn- und Schachstadt Hockenheim noch in Ordnung. Trotz vielseitiger Bemühungen ist es den Hockenheimer Verantwortlichen  nach dem Ausstieg des Sponsors WIRSOL SOLAR AG immer  noch nicht gelungen, Ersatz zu beschaffen. Auch die Mitgliedschaft in der Sportregion Rhein-Neckar e.V. brachte in der wirtschaftlich starken Region keine Sponsorenvermittlung zustande, so dass man mit gemischten Gefühlen in die neue Bundesligasaison geht. Der Titel im Schach  „

Sasikiran Krishnan

Deutscher Vize-Meister 2017“ findet in der Großen Kreisstadt Hockenheim zwar hohe Wertschätzung. In der Metropolregion Rhein-Neckar und ihren Förderstrukturen zählt dieser Titel nicht.

Unter diesen Aspekten hilft es vermutlich wenig, dass mit dem russischen Weltmeister der Jahre 2002-2004, Ruslan Ponomariov und dem indischen Großmeister  Sasikiran Krishnan der Kader nochmals verstärkt werden konnte, da der Einsatz der starken Spieler –  wie in der Liga  praktiziert und üblich – in direkter Abhängigkeit von  dem Bundesliga-Etat steht.

Bereits der Saisonauftakt am Wochenende 21./22.Oktober gegen SV Mülheim Nord und gegen SV Werder Bremen könnte zum Stolperstein werden, zumal das Rennstadtteam in der Vorsaison gegen Mülheim eine überraschende Niederlage bezogen hatte. Das Hockenheimer Management mit den Brüdern Günter und Dieter Auer und Mannschaftsführer Blerim Kuci hält an der Zielsetzung, einen Spitzenplatz in der Liga belegen zu wollen,  dennoch fest und ist optimistisch.

Die zweite Mannschaft aus der Metropolregion Rhein-Neckar, Speyer-Schwegenheim, startet beim Reisepartner OSC Baden-Baden gegen SF Deizisau und SK Schwäbisch Hall und dürfte vor nahezu unlösbaren Problemen stehen. Speziell von SF Deizisau erwartet man, dass der Aufsteiger um die Spitzenplätze mitmischen wird, auch wenn dem Team der Ruf,  Nachwuchs- und Jugendmannschaft des OSC Baden-Baden zu sein, einhergeht. Schwäbisch Hall zählt nach der Meldeliste ohnehin  zu den Mitfavoriten.

Positiv sieht man in der Schachvereinigung 1930 Hockenheim e.V. die Entwicklung im Jugendschach. Neuzugang Valeriy Kazakovskiy aus Weißrussland gilt als großes Talent, was sein in jungen Jahren erreichter Titel „Internationaler Meister“ unter Beweis stellt. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die Zahl der Mitglieder auf über 100 angewachsen ist.

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2 thoughts on “Rennstadtteam vor dem Saisonauftakt in Mülheim am Wochenende

  1. Das von Raymund Stolze gezeichnete Bild stimmt so nicht: die ersten acht Bretter sind ja keinesfalls der „Stammachter“. Karpov spielt wohl nur, wenn er Zeit hat und vielleicht ohnehin im Lande ist, auch andere Ausländer wurden nur sporadisch eingesetzt: Vitiugov (nun nicht mehr im Kader, Ponomariov ist demnach nicht Verstärkung sondern etwa gleichwertiger Ersatz) und Jobava spielten letzte Saison nur vier Partien – „zufällig“ gegen Baden-Baden, Solingen und deren Reisepartner. Tomashevsky spielte ausserdem noch zwei Partien am letzten Wochenende, also 6 von 15.
    Letzte Saison war der Hockenheimer „Stammachter“ (Spieler, die 8-mal oder öfter eingesetzt wurden) Howell, Buhmann, Saric, Balogh, Wagner, Moiseenko, Baramidze und Braun. Buhmann spielte oft Brett 2, gelegentlich auch Brett 1 – nun wurde er wohl angesichts schlechterer Elo degradiert oder wechselte freiwillig an ein niedrigeres Brett. Dennis Wagner spielte generell Brett 4 – in der Saison davor übrigens noch de fakto Brett 1, aber da war er mit 4/12 etwas überfordert und machte generell nicht die erwarteten oder erhofften (Elo-)Fortschritte.
    Hockenheim braucht Ausländer (in dieser Quantität und Qualität), um eventuell Meister zu werden, andere Vereine brauchen Ausländer im Abstiegskampf. Eine Bundesliga ohne starke Ausländer würde international kaum wahrgenommen. Da kann man noch sagen „mir doch egal“, aber es wäre auch keine „Förderung deutscher (und teilweise ausländischer) Nachwuchstalente“ – die bekämen dann kaum starke Gegner, Titelnormen wären auch nahezu unmöglich.
    Mal abgesehen von anderen Aspekten: Für DJK Aufwärts Aachen sind Niederländer im wörtlichen und übertragenen Sinne naheliegend – auch unter Reisekosten-Aspekten eher als Spieler aus Berlin oder München. Gilt ähnlich für Solingen, und unter anderen geographischen Vorzeichen für Polen in den Dresdner und Berliner Teams. Für ausländische Spieler ist die deutsche Bundesliga Erfahrungs- und Einnahmequelle, gilt ebenso für deutsche Spieler in ausländischen Ligen.

  2. Es fragt sich natürlich: Zu welchen Preis hat sich der SV Hockenheim die deutsche Vize-Mannschaftsmeisterschaft erkauft? Wenn ich den gemeldeten Stammachter betrachte, so sind das von Brett 1 mit dem inzwischen 66-jährigen Anatoli Karpow, der zwar nur sporadisch eingesetzt wird, bis Brett 8 mit dem Ungarn Csaba Balogh acht Ausländer. Erst an 9 folgt mit dem ehemaligen „Schachprinzen“ Dennis Wagner der erste deutsche Großmeister {Mannschaftsaufstellung siehe http://www.schachbund.de/SchachBL/bedm.php?liga=bl&team=SV+Hockenheim ]. Warum also sollte sich ein Sponsor ernsthaft für das Team finanziell engagieren, weil das meiste Geld doch für Honorare. Übernachtungen und Fahrkosten der „Legionäre“ drauf geht. Für die gezielte Förderung der deutschen Nachwuchstalente bringt eine solche Lösung eigentlich nichts.

    Nun ist allerdings das „Rennstadtteam“, das seinen Kader für die Saison 2017-18 mit dem FIDE-Exweltmeister Ruslan Ponomarjow und dem indischen Großmeister  Sasikiran Krishnan nochmals verstärkt hat, in der Schach-Bundesliga wahrlich keine Ausnahme. Von den 128 Stammspielern der Bretter 1-8 sind 96 Ausländer, wobei neben Hockenheim auch die SG Solingen, Werder Bremen, Titelverteidiger OSG Baden-Baden und der SK Schwäbisch Hall jeweils die besten Acht so besetzt haben.

    Ich habe übrigens seinerzeit einmal vorgeschlagen, dass für jeden Ausländer im Stammaufgebot die Vereine 100 € für ein Nachwuchsprojekt als Spende beispielsweise in eine Stiftung einbringen. Das wären in der am kommenden Sonnabend (21. Oktober) beginnenden Spielzeit stolze 9600 €! Meine Idee fand jedoch kaum Resonanz oder wurde unter Protest abgelehnt. Dabei ist der Schachbundesliga e. V. doch ein gemeinnütziger Verein …

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