Laskers Meilenstein

Als Emanuel Lasker 1894 im Weltmeisterschaftskampf gegen Wilhelm Steinitz siegte, war dies für viele nur das logische Resultat, des vermeintlich ungleichen Kampfes zwischen Jung und Alt. Viele Schachgrößen jener Zeit, darunter Dr. Siegbert  Tarrasch oder  der Amerikaner Harry Nelson Pillsbury, wollten die Rangordnung im Weltschach schnellst möglich korrigieren.

Das bedeutende Turnier von Hastings 1895 verzeichnete die stärksten Spieler der damaligen Zeit am Start, welches der Amerikaner Harry Nelson Pillsbury vor Tschigorin und Lasker gewann, dabei aber gegen diese beiden Schachgrößen verlor. Beim folgenden 4-er Einladungsturnier in Sankt Petersburg 1895/1896, wo Tschigorin, Lasker, Pillsbury und Steinitz eingeladen waren und jeweils 6 Partien gegeneinander spielten, hatte Lasker einen schweren Stand gegen Pillsbury. Er verlor die ersten beiden Partien und remisierte die Dritte. Am 4. Januar 1896 fand das vierte Treffen der Beiden statt. Bei einem erneuten Sieg Pillsburys hätte man davon ausgehen können, dass Pillsbury der erste Herausforderer des neuen Weltmeisters sein würde.

Doch die Schachgöttin entschied sich an diesem Tag zugunsten Laskers. Pillsbury verkraftete die Niederlage nicht, denn er verlor auch die nächsten 5 Partien. Heute geht man davon aus, dass Pillsbury schon damals an den Folgen einer Krankheit litt, die ihn 10 Jahre später, frühzeitig aus dem Leben reißen sollte. Lasker gewann das Turnier am Ende mit 11,5 Punkten aus 18 Partien vor Steinitz, der somit als legitimer Herausforderer angesehen wurde.

Diese vierte Partie steht mit den Zügen 17… Tc3 und 18… Ta3 nicht nur für Laskers unerschöpflichen Ideenreichtum am Brett, sondern ist im weiteren Verlauf  auch ein starkes Zeugnis für Laskers kompromisslose Haltung während einer Partie. Lasker selbst bezeichnete diese Partie als die beste Partie seiner Karriere. Ein Urteil über das man streiten kann, wenn man seine strategische Glanzleistung beim Turnier in Sankt Petersburg 1914 gegen Capablanca betrachtet. Auf jeden Fall dürfte es die wichtigste Partie in der damals noch jungen Karriere gewesen sein.

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