Das Multitalent

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Ihn vorzustellen ist eigentlich gar nicht nötig, dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass es Schachspieler gibt, die ihn nicht kennen oder nur wenig über ihn wissen. Geboren am 6. Augst 1943 in Teplitz-Schönau im Sudetengau, verschlug es ihn früh in den Wirren jener Zeit nach Bamberg, wo er gezwungen war mit dem preußisch-bayerischen Gegensatz zu leben.

Mit 6 Jahre lernte er das Schachspiel von seinem Vater, mit dem er auch die ersten Partien spielte. 1953 gewann er gleich bei seiner ersten Teilnahme die Bamberger Jugendmeisterschaft, 1957 bei der ersten Teilnahme die bayerische Jugendmeisterschaft. Bei der anschließenden deutschen Jugendmeisterschaft in Berlin wurde er auf Anhieb geteilter Vierter.

Ob Sie es glauben oder nicht, danach zog er sich etwas vom Schach zurück und wandte sich dem Fußball und Tischtennis zu, zudem lebte er seine Mitgliedschaft bei den Pfadfindern eine zeitlang sehr intensiv. Trotzdem nahm er 1959 wieder an einer deutschen Jugendmeisterschaft teil und belegte den geteilten 2. und 3. Platz. 1960 wurde er deutscher Jugendmeister und qualifizierte sich nach einem Stichkampf mit Rolf Bernhardt (Vorjahressieger) für die Jugendweltmeisterschaft, wo er Vierter wurde.

1964 spielte er für die deutsche Nationalmannschaft bei der Schacholympiade in Tel Aviv und holte sagenhafte 12.5 Punkte aus 15 Partien, ohne Niederlage. 1974 erspielte er sich seine dritte Großmeisternorm und trug danach, nach eigener Aussage,  den Kopf noch etwas höher als vorher.

Ich sah ihn zum ersten mal 1979 auf dem Fernsehbildschirm, im damals bewährten 3. Programm, wo er die BBC/NDR-Serie Schachturnier der Großmeister moderierte. Wir verdanken ihm viele Fernsehbeiträge zum Thema Schach oder der Telekolleg-Reihe und kennen ihn auch als langjährigen Moderator der Dortmunder Schachtage. Sein Engagement für das Breitenschach ist den älteren Schachspielern sicherlich ein Begriff. Für sein Lebenswerk zum Thema Schach hat er in all den Jahren viele Ehrungen erhalten.  Die Rede ist, Sie wissen es schon längst, von Dr. Helmut Pfleger.

Er war in der Lage es mit den Besten der Welt aufzunehmen, obwohl er nie ein 100-prozentiger Berufsschachspieler war. Er liebte das exotische und damit auch das facettenreiche Leben. Seine Eröffnungen  sahen zum Teil sehr harmlos aus, dennoch wusste er stets was er tat.

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