Orkanturnier der DSAM in Niedernhausen 2017 beendet

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Das “H+ Hotel” in Niedernhausen vor den Toren Wiesbadens war an diesem Wochenende, dem letzten des Oktober 2017, würdiger Rahmen eines außergewöhnlichen DSAM-Turniers.

Holger Namyslo

Alle blickten verständlicherweise auf die spielstärkste Gruppe A (2101 – 2300), in der mit Holger Namyslo ein toller Spieler siegte, der in Biberach/Riß dreieinhalb Stunden Bahn-Fahrzeit (bei optimalem Verlauf … also immer) vom Turniersaal entfernt lebt, spielt und … naja, was man eben sonst noch so in Biberach tut. 3,5 Punkte aus 5 Partien waren tabellarisch Lohn seiner Anstrengungen, was aber auch auf die Spieler auf dem zweiten bis einschließlich des vierten Rangs zutraf:

Dimitri Goloborodko, SG Turm Idstein (er stand im Focus des Interesses der anwesenden Lokalpresse, denn in Idstein befindet sich der nächst gelegene Schachclub), Andreas Schulze, wiederum TG Biberach (haben die da geübt?) und Claus Pitschka, SC Garching – genau, das in Bayern, bei München. Von da sind’s 367 km. Mit dem Auto dauert die Fahrt rund 4 Stunden. Weit anreisende Amateure wie Holger Namyslo und Claus Pitschka machen keine schnellen Remis. Die wollen Schach spielen. Und sie alle kamen am Ende auf 3,5 Punkte aus 5 Partien.

Durch die nunmehr 7 statt bisher sechs Leistungsgruppen wurden die Gruppen “noch gleicher”: Es gab kaum noch echte Rating-Favoriten und entsprechend spannend war der Kampfverlauf. Man kennt sich ja gar nicht mehr aus! Die Tabellen zeigten am Ende prompt eine jeweilige Spitze mit mehreren Spielern, die eine gleiche Punktzahl aufwiesen, so dass die (sportlich etwas unbefriedigende) Feinwertung herangezogen werden musste, um die Endstände ermitteln zu können.

Sieben Spieler plus der besten Dame würden sich in jeder Gruppe und jedem der Vorturnier für das Finale im Leipziger Sommer 2018 qualifizieren. Wichtig war auch noch: “Der Spieler, der eine Elo-Zahl und eine DWZ hat, entscheidet bei seiner ersten Turnieranmeldung, welche der jeweiligen Zahl (entweder ELO oder DWZ) für die Gruppenzugehörigkeit der aktuellen Saison gelten soll.”

Dr. Tatiana Rubina

Beleg für die Leistungsdichte war auch Gruppe B. Fünf Spieler an der Spitze kontierten bei Turnierschluss 4,0 Punkte. Darüber hinaus fiel uns insbesondere die beste Dame des Turniers auf, Dr. Tatiana Rubina. Die Mannheimerin mit Elo 2022 startete hoffnungsvoll, knickte aber in der vierten Runde durch ihre Niederlage gegen Florian Lesny ab und war am Ende mit 3,0 Zählern punktgleich mit dem Vierzehnten. Ein Blick in die Ausschreibung: “Die bestplatzierte Frau der jeweiligen Gruppe (A-G) des Finales wird ausgezeichnet mit dem Titel: „Deutsche Frauenschach-Amateurmeisterin” 2017/2018 der A- (B, …) Gruppe”. Die Chancen unserer Schachfreundin sind also völlig intakt.

In Gruppe D erlebten wir nichts weniger als eine SENSATION. Lesen wir aber zunächst eine aktuelle Notiz von Roland Bettenbühl, Nucleus des SC Bad Soden: “Für die Fünfte holten Andreas Haller, sowie die beiden Väter und Söhne Torsten und Kevin Haack sowie Christofer und Henrik Fuchs die Siege sowie ein Remis von Hans Walter Schmitt, der für den vorzeitigen Mannschaftssieg sorgte.” Und dieser Kevin Haack aus der fünften Mannschaft im Taunus landete heute in der DSAM mit 100%, also fünf aus fünf, einen orkanartigen Erfolg!

Noch jemand zog aller Augen auf sich: Die kleine, 9jährige Nelly Adelmeyer von Roter Turm Halle, die in der F-Gruppe (1201-1400) die ersten vier Runden gewann und, als wir sie kurz aus den Augen ließen, die letzte gegen den Hamburger Peter Grotrian verlor, der damit Zweiter wurde. Vier aus fünf ergaben für Nelly aber noch immer den ersten Rang.

Falls Hauptschiedsrichter Egmont Pönisch mit dem Turnier irgendwelche Mühe hatte, ließ er es uns nicht wissen, obwohl, seien wir ehrlich, für die Spieler ein knorriger Streitfall pro Turnier doch immer einen gewissen Unterhaltungswert hat. Gut, man kann ja nicht alles haben … Die Hoffnung, dass sowohl Spieler als auch Turnierpersonal trotz der zahlreichen Strecken- und Bahnhof-Sperrungen (orkanbedingt – obwohl, es ist die Deutsche Bahn …) wohlbehalten wieder nach Hause kamen, stand im Vordergrund. Einige sahen sich gezwungen, noch eine Nacht dranzuhängen – wenn das Licht nicht ausging, so blitzen sie noch heute.

Turnierseite

Alle Fotos sind von Ingrid Schulz, außer, auf dem sie selbst zu sehen ist: Das ist von Heike Wischumerski.

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Veröffentlicht unter DAM |