75 Jahre Schachnovelle – Bilder zum Jubiläum

Warum Stefan Zweigs Erzählung für mich immer wieder eine künstlerische Herausforderung ist … von Elke Rehder

Ausstellungsplakat (Gestaltung: Isabel Stolze, http://www.stolze-kommunikation.de/)

Ausstellungsplakat (Gestaltung: Isabel Stolze, http://www.stolze-kommunikation.de/)

In den 1980er-Jahren beschäftigte mich in London der Ausspruch von Boris Spasski „Schach ist wie das Leben“. Damals fertigte ich die ersten Skizzen zu diesem Thema. 1990 las ich zum zweiten Mal die Schachnovelle, die ich schon aus dem Deutschunterricht in der Schulzeit kannte. Diesmal entdeckte ich in der Erzählung Hintergründe, die mir in der Jugend verborgen geblieben waren. So erkannte ich, dass der Pazifist Stefan Zweig auch ein politischer Schriftsteller war und dass diese kleine Novelle sein eigentliches Vermächtnis an die Nachwelt ist.

1991 malte ich ein großformatiges Ölbild mit dem Titel „Irrationale Stellung“, welches einen Bauern auf dem Schachbrett und einen anderen Bauern unter dem Brett zeigt. Diese gegensätzliche Situation symbolisierte für mich das Exil, welches nicht nur Zweig erfahren musste. Millionen Menschen litten unter dieser Isolation und unter dem Verlust der Heimat. 1992 zeigte ich dieses Gemälde neben einer Rauminstallation und Skulpturen in einer Ausstellung mit dem Titel „Schach – Spiegel der Gesellschaft“ in der Berliner Galerie Buschgraben. Zur Eröffnung las der Schauspieler Till Hagen Passagen aus der Schachnovelle, die wechselseitig durch Musikkompositionen auf dem Konzertflügel interpretiert wurden.

Ich war so fasziniert von der Schachnovelle, dass ich ab 1993 in meiner Edition „Elke Rehder Presse“ unbedingt die Schachnovelle neu herausgeben wollte. Ich versuchte mehrfach vergeblich, vom Fischer Verlag eine Genehmigung für die vollständige Textwiedergabe zu bekommen. 1996 habe ich dann zur Frankfurter Buchmesse ein Mappenwerk mit sechs Holzschnitten ohne den vollständigen Text der Schachnovelle herausgegeben.

Dank der persönlichen Unterstützung durch Frau Ulrike Erber-Bader von der Gesellschaft der Bibliophilen war es mir 2004 endlich möglich, meine sechs Holzschnitte mit einem neu überarbeiteten Text in 100 nummerierten Exemplaren zu veröffentlichen. Dieses wertvolle Buch zählt heute zu den raren Ausgaben der Schachnovelle.

In den vergangenen 25 Jahren schuf ich Gemälde und Grafiken, die in internationalen Buchausgaben und auf Plakaten im In- und Ausland Verwendung fanden.

[1] Exil 1942 Rechts: „Die Welt von Gestern“, Deutschland (Schwarz-Rot-Gold) und Österreich (Rot-Weiß-Rot), eine Welt die Zweig verloren glaubte. Im Zentrum: Der isolierte Heimatlose. Links vor ihm liegt „Brasilien. Ein Land der Zukunft“ (Flagge Grün-Gelb-Blau).

[2] „Ich Schwarz – Ich Weiß“   Dr. B. Textstelle: „Ich musste mir statt der alten Partien neue erfinden. Ich musste versuchen, mit mir selbst oder vielmehr gegen mich selbst zu spielen.“

[3] Elke Rehder mit „Bauer“

Als Journalist und Kunstkenner Raymund Stolze mich Anfang 2017 fragte, ob ich zum 75. Jubiläum der Schachnovelle – die deutschsprachige Erstausgabe erschien am 7. Dezember 1942 in Buenos Aires in einer limitierten Auflage von 300 Exemplaren – meine Werke in der Anna-Ditzen-Bibliothek zeigen würde, sagte ich sofort zu. Ich nutzte die verbleibende Zeit und malte sechs großformatige Bilder auf Leinwand. Diese neuen Bilder werden nun als Premiere erstmals vom 24. November bis 8. Dezember in Neuenhagen bei Berlin in einer kleinen Ausstellung der Öffentlichkeit gezeigt.

ELKE REHDER

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PS: Übrigens haben sich die Veranstalter ein tolle Preisfrage ausgedacht: Welche Partie hat Stefan Zweig skizzenhaft und unter Verfremdung ihres Ablaufs in seine Erzählung eingebaut?– Wer sich daran beteiligen möchte, der sollte einfach die Seite des Berliner Schachbundes besuchen unter dem Link https://www.berlinerschachverband.de/entry/id-75-jahre-schachnovelle-ausstellung-und-lesung.html. Es lohnt sich!

PPS: Wir empfehlen unseren Lesern einen Besuch der Homepage der Künstlerin, u.a. mit vielen weiteren Werken zu schachlichen Motiven.

PPPS: Schließlich als Nachtrag noch der Link auf die Seite von Isabel Stolze, der Gestalterin von Austellungsplakat und zugehörigem Flyer: http://www.stolze-kommunikation.de/

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One thought on “75 Jahre Schachnovelle – Bilder zum Jubiläum

  1. Als Editor des Beitrags muss ich ergänzen, dass nun auch der Flyer als pdf-Dokument vorliegt; Sie finden den Link ganz unten im PPPS! Außerdem wollte ich den etwas versteckten Termin der Ausstellung hervorheben: 24. November bis 8. Dezember, in Neuenhagen bei Berlin.
    B. Müller-Clostermann

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