Das Erbe von Tarrasch

  • 5
    Shares

Zu Beginn der 80er Jahre griff der junge Garry Kasparov mit Schwarz auf eine Eröffnungsidee zurück, die einst von Dr. Siegbert Tarrasch in die Turnierpraxis eingeführt wurde. Anfangs erzielt er mit ihr grosse Erfolge, bis er dann im ersten Weltmeisterschaftskampf 1984 gegen Anatoli Karpov die eine oder andere bittere Niederlage hinnehmen musste. Die Auswirkung ist bekannt, Kasparov wandte sich danach lange Zeit der Grünfeld-Indischen Idee zu.

Dabei wird gerne übersehen, dass die Eröffnung von Grunde her nicht widerlegt und nach wie vor spielbar ist, denn sie bietet genügend Möglichkeiten auf ein dynamisches verwickeltes Spiel. Ein Verfechter dieser Eröffnung vor Kasparov, war lange Zeit auch der deutsche Grossmeister Dr. Helmut Pfleger, der mit dieser Eröffnung einen seiner wichtigsten Siege feierte. Für viele Schachfreunde ist dies vermutlich die beste Partie seiner Karriere.

Erinnern wir uns, in der 2. Hälfte des vorherigen Jahrhunderts waren die sowjetischen Schachspieler stets das Mass aller Dinge. Der eine oder andere Sieg gegen einen Vertreter der sowjetischen Schachschule war und ist auch heute noch eine vorzeigbare Visitenkarte. Sein Kontrahent in dieser Partie, gespielt bei der Schach-Olympiade 1978, war der mehrfache russische WM-Kandidat Lew Polugajewski, ein Verfechter des Zuges 1.d4 in der Eröffnung.

Wenn wir uns an die letzte Kolumne erinnern, so war Dr. Helmut Pfleger gegen Michael Tal durchaus bereit, in einem wichtigen Moment, die Zerstörung seiner Bauernstruktur am Königsflügel zu zulassen. Tal lehnte dankend ab und die Partie endete remis. In dieser Partie erhielt Polugajewski die gleiche Einladung und konnte ihr nicht widerstehen.

Print Friendly, PDF & Email