Kroatien spielt wie Russland oder Deutschland

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Den Bericht am Ruhetag der Mannschafts-Europameisterschaft beginne ich mal mit dem Zwischenstand nach fünf von neun Runden: Kroatien 9, Ungarn, Russland, Armenien 8, Israel, Aserbaidschan, Frankreich, Rumänien 7, Deutschland (Wertungsbeste) und noch sieben Teams 6, usw. . Aus Respekt vor und/oder Mitleid mit einem Nachbarland der Niederlande und Deutschlands erwähne ich nicht, wer momentan mit 0-10 Mannschaftspunkten Letzter ist.

Warum spielte Kroatien wie Russland oder Deutschland? Russland spielte diesmal anfangs nach dem Motto „einer gewinnt, keiner verliert“ – immer noch haben sie im Schnitt 2,5 Brettpunkte pro Wettkampf, allerdings nicht mehr optimal-effizient über die Runden verteilt. Deutschland spielte damals 2011 in Porto Carras ähnlich, jedenfalls in den entscheidenden Runden – zuvor gab es auch mal Ausrutscher wie ein 3,5-0,5 gegen die Ukraine oder ein 1-3 gegen Bulgarien. Kroatien macht es diesmal ähnlich, wobei sie in Runde 5 beinahe mit einem Tag Verspätung weiterhin Russland kopierten. Nach den vier verbleibenden Runden wissen wir, ob es nach den EM-Titeln für Deutschland im Schach sowie im Fussball für Dänemark und Griechenland (die spielten mit ihrem Coach Otto Rehhagel auch nach dem Motto „die Null muss stehen“) eine weitere Überraschung gibt.

In den ersten fünf Runden gab es bereits diverse Überraschungen, wobei Deutschland einem aufmüpfigen Aussenseiter brutal – allerdings nur vorübergehend – einen Dämpfer verpasste. Auch in Runde 5 war ein (nicht so brutaler) Sieg gegen Kroatien möglich – statt 1,5-2,5 war 2,5-1,5 denkbar. Es kam anders, und das hat zwei Konsequenzen: Deutschland ist nach aktuellem Stand doch nicht voll im Medaillenrennen, und Matthias Bluebaum bekommt doch nicht das Titelbild. Stattdessen gebe ich es „allen“ – Fotos von der Turnierseitebzw. der dazu gehörenden Facebook-Seite, fotografiert haben Anastasia Karlovich und (dann angegeben) Niki Riga. „[Riga]“ bezieht sich also nicht auf die lettische Hauptstadt – Lettland spielt im Turnier nicht mit.

FRauen

Bisher bezieht sich alles auf das offene Turnier – „offen“ heisst, dass Männer und eventuell Frauen mitspielen dürfen und dass im Turnier noch alles offen ist. Nur zwei Elofavoriten – Ukraine und England punktgleich mit Deutschland – haben wohl schon zu viel Boden verloren, um noch um Medaillen (jedenfalls um Gold) mitzuspielen. Auf dem Titelbild (eventuell vergrössern) erkennbar, dass es [links] auch ein Damenturnier gibt. Da ist vielleicht schon eine Vorentscheidung um Gold gefallen, Stand vorne: Russland 10, Georgien, Ukraine, Polen, Türkei 8, usw. . Das sind die ersten vier der Setzliste – nach Wertung auch genau so und recht deutlich sortiert – plus die Türkei. Die Nummer fünf der Setzliste Deutschland dagegen momentan auf Platz 21 mit 4-6 Mannschaftspunkten, soviel sei bereits verraten: es lag nicht an einer haarigen Entscheidung von Elisabeth Paehtz vor dem Turnier. Zu Russland sei bereits verraten: die Damen machten es generell wie die Herren, fast immer 2,5-1,5, und doch anders – in drei von fünf Matches zwei Siege und eine Niederlage. Dabei besiegten sie bereits Georgien und die Ukraine.

Zuerst zum offenen Turnier – Fotos erst ab Runde 3 bzw. abschliessend in der „traditionellen“ Galerie. Zu Runde 1: Bei der Olympiade 2016 in Baku gab es an den ersten acht Tischen achtmal 4-0 – Paarungen lauteten Nigeria-Russland, USA-Andorra, Kosovo-China, Aserbaidschan 1 – Zimbabwe, usw. . Auch dahinter meist klare Ergebnisse, die erste (und einzige) Überraschung war Bulgarien-Sudan 2-2. Deshalb verzichtet Bulgarien nun auf die Mannschafts-EM – nein, die Bulgaren sind derzeit bei ECU-Veranstaltungen nicht willkommen. In Europa sind die Leistungsunterschiede kleiner, 4-0 gab es diesmal nur an den beiden hintersten Tischen in den Matches Griechenland-Kreta und Rumänien-Schottland. Kreta ist (im Gegensatz zu Schottland) kein unabhängiges Schachland – aber Griechenland durfte drei Teams aufstellen und das dritte ist ein lokales.

Vorne dagegen knappe Ergebnisse: Russland-Slowenien 2,5-1,5 (reicht ja) sowie Italien-Aserbaidschan 2,5-1,5 (mehr als aus italienischer Sicht erwartet, weniger als zeitweise im Match möglich war). Die Ukraine demontierte dagegen Österreich 3,5-0,5 – der einzige so klare Sieg an den ersten zehn Tischen, und dann kein Hinweis auf das weitere Turnier. Die an 23 gesetzten Österreicher belegen momentan Platz 23 und hatten dabei bereits zwei sehr starke Gegner, die an 3 gesetzte Ukraine ist mit Platz 12 wohl nicht zufrieden.

Kurz zu Italien-Aserbaidschan: 3,5-0,5 für Italien war möglich! Brunello gewann mit Schwarz glatt gegen Naiditsch bzw. Naiditsch verlor mit Weiss glatt gegen Brunello. Für Fedoseev hatte eine Niederlage gegen Brunello in der letzten Runde des Europacups für Vereinsteams womöglich Konsequenzen – statt ihm spielt nun Dubov im russischen Team. Naiditsch darf für Aserbaidschan weiterhin mitspielen und verzichtete bisher auf weitere Ausrutscher (seither 3.5/4 gegen Elo unter 2600, stärkere Gegner hatte er an Brett 3 noch nicht). Radjabov stand gegen Vocaturo verdächtig und überlebte. Mamedov stand gegen Dvirnyy sehr remislich und gewann dann doch. So musste Jungstar Luca Moroni Jr. an Brett 4 seine zuvor bereits mal klar gewonnene Stellung gegen Guseinov ein zweites Mal gewinnen – das schaffte er letztlich im Endspiel, wohl mit etwas gegnerischer Hilfe und es dauerte insgesamt 98 Züge. Mamedyarov pausierte, auch andere Spitzenteams verzichteten auf ihr Spitzenbrett (an den ersten 10 Tischen spielten nur Gelfand und Giri) und bereuten das teils ebenfalls.

Ich nenne nur die weiteren halben Überraschungen mit jeweils Kurzkommentar: Moldawien-England 2-2 (Short vergeigte eine Remisstellung gegen Bologan, da er unbedingt gewinnen wollte), Israel-Norwegen 2-2 (obwohl Norwegen generell auf Carlsen verzichtet und diesmal auch auf Aryan Tari), Slowakei-Polen 2-2 (da war für die Slowakei mehr drin – aber am Spitzenbrett konnte Altmeister Ftacnik eine Gewinnstellung gegen Jungstar Duda nicht gewinnen), Deutschland-Griechenland 2 2-2 (misslungenes Nationalmannschafts-Debüt für Rasmus Svane).

In Runde 2 erwähne ich zunächst die grösste Überraschung: Niederlande-Ukraine 2,5-1,5 – Eljanov übersah gegen Giri ein taktisches Detail, Giris Landsleute l’Ami, Bok und Sokolov remisierten gegen etwa 70 Punkte elobessere Gegner. Weiterhin an den vordersten Tischen u.a.: Ungarn gewann gegen Rumänien 3,5-0,5 (musste das sein?), Russland besiegte Weissrussland 2,5-1,5 (reicht doch). Ebenfalls 2,5-1,5 Kroatien-Serbien – Match ohne Favorit – sowie Italien-Türkei – die Türkei war zumindest leicht favorisiert, aber Italien hat Brunello (Sieg gegen Yilmaz bei drei Remisen).

Service für deutschsprachige Leser: Deutschland gewann 3,5-0,5 gegen die Slowakei, obwohl sie wiederum auf Nisipeanu verzichteten. Die Slowakei machte übrigens danach so weiter wie zuvor: noch dreimal 2-2, allerdings nun gegen etwa gleichwertige Gegner (Griechenland 2, Österreich und Mazedonien offiziell FYROM). Österreich bekam nach der Ukraine Aserbaidschan vorgesetzt; diesmal verlor auch Ragger (gegen Mamedyarov) und es wurde aus österreichischer Sicht 0-4 – schwächere Gegner wegputzen, das kann Aserbaidschan. Die Schweiz besiegte Belgien, das bisher (nun verrate ich es doch) alle Matches verlor. Die Eidgenossen belegen momentan, an 26 gesetzt, Platz 29.

Zu Runde 3:

Ungarn-Niederlande 2-2 – viermal Remis, auch am Spitzenbrett Leko-Giri. Da ist man geneigt zu sagen „natürlich“, aber es war ein prinzipielles Duell im Najdorf-Sizilianer, das eben keinen Sieger und keinen Verlierer hatte.

Tschechische Republik – Russland 1,5-2,5 – wie Jan Gustafsson mehrfach im Livekommentar sagte: „ein Pferd springt nicht höher als es muss“. Pferde haben vier Beine, Russland hat vier Spieler (bzw. fünf, aber einer pausiert jeweils) – jeweils war ein anderer Matchwinner: zunächst Vitiugov, dann Matlakov, und nun Nepomniachtchi mit Sturmsieg gegen Laznicka – der vielleicht nach dieser Partie denkt „Caro-Kann, lass nicka das sein“.

Kroatien-Armenien 2-2: vier Remisen, damit waren die Kroaten wohl zufriedener. Alle ohne grössere Aufregungen – Melkumyan-Martinovic kurz nach der Zeitkontrolle, die drei anderen Partien nach 30 oder etwas mehr Zügen (Remisverbot vor dem 30. Zug). Aronian hatte danach noch stärkere bzw. renommiertere Gegner als Saric und zuvor Papaioannou, also erschien er in den nächsten Runden in T-Shirt statt Hemd.

Zum nächsten Match eine Szene vorab:

Nisipeanu begrüsst den italienischen Kapitän Arthur Kogan, der sich demütig verbeugt – ahnte er bereits, was kommen würde? Was Movsesian auf diesem Foto macht, da bin ich überfragt – sein Gegenüber wurde nicht abgelichtet. Deutschland-Italien 3,5-0,5 – auch Brunello verlor (gegen Georg Meier), nur Nisipeanu remisierte – machte er bisher immer, heute gegen Vocaturo.

Ansonsten erwähne ich nur, dass Aserbaidschan beim 2-2 gegen Spanien wieder einen Mannschaftspunkt verlor (Anton Guijarro – Mamedyarov 1-0), und dass die Ukraine Aufbaugegner Portugal 3,5-0,5 wegputzte.

Runde 4: Am Spitzentisch spielte Russland gegen Ungarn wieder nach dem Motto „dreimal Remis und eine entschiedene Partie“, etwas hatten sie dabei durcheinander gebracht: diese sollte man dann gewinnen, nicht verlieren. Ungarischer Held war Viktor Erdos, russischer Depp ausgerechnet der tags zuvor erfolgreiche Ian Nepomniachtchi. Erdos wählte eine scheinbar harmlose aber nicht ganz ungiftige Variante mit frühem Damentausch, konnte „auf zwei Ergebnisse spielen“ und bekam das ideale. Grischuk und Leko zeigten, dass man doch auch in 20 Zügen Remis spielen kann, wenn man ab dem 16. Zug wiederholt – Leko hatte Schwarz, Grischuks Bedenkzeit wurde bereits etwas knapp, da er für den 9.-14. Zug insgesamt gut 70 Minuten investiert hatte.

An den beiden anderen Brettern versuchte Russland vergeblich, etwas bessere Endspiele zu verwerten und so mindestens einen Mannschaftspunkt zu retten. Einen Moment lang stand Almasi gegen Dubov zuvor glatt gewonnen, da er im Schwerfigurenendspiel mit Damen und Türmen plötzlich Mattangriff bekommen konnte. Stattdessen wanderte Dubovs König über das ganze Brett – Almasi musste, um gegnerischen Mattangriff zu verhindern, einen Bauern geben und das Turmendspiel war dann remis.

Deutschland-Polen 2-2 – ein gutes Ergebnis aus deutscher Sicht, da Polen leichter Favorit war. Bluebaum gewann gegen Piorun und hatte nun 3,5/4 auf seinem individuellen Konto, Meier verlor im Turmendspiel gegen Duda. Drei gegen zwei Bauern am Königsflügel ist doch remis, zumal der weisse Mehrbauer einer der verdoppelten g-Bauern war? Hier nicht unbedingt: diese Bauernstruktur war aus weisser (Dudas) Sicht jedenfalls kein Nachteil, und beide hatten noch einen b-Bauern – bzw. Meier später nicht mehr, und der weisse b-Bauer war partieentscheidend. Ob und wie lange es in der Remisbreite war, kann ich nicht beurteilen.

Zwischendurch ein bzw. zwei andere Fotos:

Was macht Gelfand zwischen den Damen? Hat er sich beim Spaziergang durch den Turniersaal verirrt und sucht verzweifelt sein eigenes Brett?

Nicht unbedingt – hier (Foto aus Runde eins) kibitzt er offensichtlich beim Damenturnier.

Jedenfalls zuvor (noch mit Jackett) sass er auch mal am Brett und hat zu Israel-Kroatien 1,5-2,5(!) ein Remis gegen Ivan Saric beigetragen. Die Entscheidung fiel am zweiten Brett: Bosiocic-Rodshtein 1-0.

Armenien-Niederlande 2,5-1,5 (Foto Riga) war vom Matchverlauf her turbulenter. Zwar war Movsesian (wie auch mitunter bei anderen Mannschaftsturnieren, diesmal hat er derzeit 1,5/5) Schwachpunkt im armenischen Team, bzw. Gegner Erwin l’Ami war gut drauf und hatte mit einem ungewöhnlichen Qualitätsopfer im Endspiel letztendlich Erfolg, aber Sargissian (gegen Bok) und Melkumyan (gegen Sokolov) konnten das überkompensieren. Sargissian stand wohl immer einfach gut. Sokolovs weisse Figuren standen zunächst „schön“ (Dc6, Sd6, Se5), dabei aber wackelig. Zehn Züge später standen dann die Figuren, die er noch hatte, recht wahllos auf dem Brett herum – Melkumyan bekam Oberwasser bzw. hatte es hier bereits.

Nur noch einige weitere Ergebnisse: Türkei-Ukraine 2.5-1.5 – war’s das bereits betrifft Medaillenchancen für die Ukraine? England-Italien 2-2 – da gehen die Meinungen auseinander, wer den Sieg verpasst hat. Howell überzog ein Remisendspiel gegen Dvirnyy und verlor, wobei England zu diesem Zeitpunkt ein Remis gereicht hätte. Das lag daran, dass Short eine Verluststellung gegen Brunello plötzlich noch gewann. Aserbaidschan-Moldawien 4-0 – nächster Aufbaugegner für die Azeris.

Nigel Short hinterher zu Gast bei Jan Gustafsson im Livekommentar

Runde 5:

Ungarn-Armenien 2-2 – wer Aronian (sein T-Shirt später noch besser im Bild) da einen Kaffee oder Tee bringt, ist nicht erkennbar. Verausgabt hat er sich gegen Leko nicht unbedingt – Remis nach genau 30 Zügen, da sie auch im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, gleicher Anzahl Bauern und symmetrischer Bauernstruktur brav noch vier Züge ausführten. Inkonsequent lediglich, dass Aronian Lekos Remisangebot nach 30.-Ke7 akzeptierte – statt abzulehnen, 31.Ke2 zu spielen und selbst Remis anzubieten, dann wäre die Schlusstellung perfekt symmetrisch. Das Ganze entstand aus der Berliner Mauer mit weissem 5.Te1. Man konnte lesen, dass Leko seinen Schwiegervater Arshak Petrosian, Teamkapitän der Armenier, wohl nicht ärgern wollte – aber Remis gegen Aronian ist auch mit Weiss wohl ohnehin ein schönes Ergebnis.

Zwischenzeitlich schien möglich, dass Erdos wieder Matchwinner für Ungarn würde, und Movsesian erneut Schwachpunkt im armenischen Team. Aber Erdos konnte seinen leichten Endspielvorteil mit Schwarz nicht ausbauen oder wollte es vielleicht nicht unbedingt – Computer sagen, dass er auch in der Schlusstellung etwas besser steht. Aber es wurde remis, die beiden anderen Partien auch.

Schon sind wir beim eingangs erwähnten Match Kroatien-Deutschland, auch hier zunächst eine Szene vorab:

Nisipeanu gut gelaunt, Rogozenco (stehend) und Bluebaum konzentriert. Gerade kommt auch der Glatzkopf Bosiocic, und B gegen B wurde die Schlüsselpartie dieses Matches und vielleicht gar des bisherigen Turniers.

Dann ging’s los. Saric ist auch da, Bosiocic versteckt sich auf diesem Foto – wusste er, was zunächst geschehen sollte? Aus der Eröffnung heraus verlor Bosiocic eine Qualität, bzw. Bluebaum gewann eine Qualität. Immerhin stand der Kroate mit Schwarz aktiv und konnte den Gegner zu 26.Lxe4 bewegen – Abtausch des Fianchettoläufers gegen einen Springer, Schwarz hat das Läuferpaar und Weiss einen potentiell etwas luftigen König. Bosiocic trickste dann mit 33.-e3!? 34.gxf4 (musste das sein?) 34.-Tg6+ und nach 35.Kf1?? kippte die Partie – 35.Kh1, nur so! Das schwarze Läuferpaar kostete Weiss einen ganzen Turm – immerhin hatte er zuvor eine Mehrqualität und bekam auch noch zwei Bauern. Damit gewisse Remischancen, die später mal konkret wurden. Aber wieder wählte Bluebaum das falsche Feld für eine Figur, diesmal nicht 61.Lb6= sondern 61.Ld6 mit erneuter Verluststellung, und noch eine Chance bekam er nicht. Es war ausserdem offenbar auch die falsche Figur für dieses Feld, 61.Td6 ging anscheinend auch. Was Bluebaum da nicht gesehen hat bzw. zu Unrecht befürchtete, müsste man ihn selbst fragen.

Rest alles remis, also Kroatien-Deutschland 1.5-2.5 2.5-1.5.

Polen besiegte Weissrussland 3-1, Russland tat gegen die Türkei auch etwas fürs Brettpunktkonto – das eventuelle spätere Tiebreaks beeinflusst.

Erstes Foto von Niki Riga – wer spielte eigentlich gegen wen simultan? Nepomniachtchi gegen die Türkei (wenn man genau hinschaut, sitzt Dubov allerdings auch am Brett), oder Emre Can gegen Russland? Nepomniachchi konnte seine eigene Partie (nach Niederlage tags zuvor) sicher remis halten, seine Kollegen gewannen alle – Russland-Türkei 3.5-0.5. Matlakov stand schnell auf Gewinn, Grischuk und Dubov besiegten ihre Gegner im Endspiel. Nebenbei hat Matlakov (3/4, TPR 2760) derzeit auch klare Vorteile im ACP Tour Rennen um den letzten Platz in Wijk aan Zee 2018 gegenüber Jobava (0.5/3, TPR 2421). Ab TPR 2700 gibt es gestaffelt zusätzliche Tourpunkte, die Jobava nach derzeitigem Stand braucht – Matlakov nur wenn Jobava diesbezüglich punktet.

Aserbaidschan-Tschechien 3-1 (Foto Niki Riga) u.a. dank Mamedyarov-Navara 1-0 in einer spektakulären Partie. Damit hat Mamedyarov auch mal wieder Elo live über 2800 und ist momentan Nummer zwei weltweit – beides jedenfalls bis zur nächsten Runde, siehe unten.

Niederlande-Rumänien steht ja auch auf dem Foto, ich ergänze das Ergebnis 1.5-2.5. An Giri lag es nicht, er besiegte Lupulescu mit einem positionellen Damenopfer auf lange Sicht – für die Dame hatte er Turm, Springer, null Bauern und komplette Kontrolle über die Stellung. Aber Parligras gegen l’Ami und Nevednichi gegen van Foreest konnten das aus rumänischer Sicht überkompensieren. Aus NL-Sicht: wieder eine Opfer-Glanzpartie (tags zuvor von l’Ami) und wieder null Mannschaftspunkte.

Ich erwähne noch, dass die Ukraine es gegen Italien genauso gut machte wie Deutschland (ebenfalls 3.5-0.5 – 4-0 oder 3-1 war möglich, die Partie an Brett 4 Kravtsiv-Moroni war chaotisch und wurde am Ende remis), sowie dass England es gegen Griechenland 2 besser machte als Deutschland: 2.5-1.5 trotz oder wegen Kelires-Short 1-0.

In Runde 6 die Spitzenpaarungen Ungarn-Kroatien, Polen-Russland und Armenien-Aserbaidschan – da ist das zu erwartende Aronian-Mamedyarov auch ein Duell um Elo 2800+ (Aronian hat derzeit 2799.9) und Platz zwei in der Live-Eloliste. Wer in der offiziellen Dezember-Liste Nummer 2 einnimmt, liegt neben den danach noch drei Runden auf Kreta auch am nächsten Mittelmeer-Turnier – Grand Prix in Palma de Mallorca mit u.a. Vachier-Lagrave und Aronian. Deutschland trifft auf die Türkei.

Zum Damenturnier kurzer und knapper: Runde 1 – Überraschungen nur in einzelnen Partien, die Favoritinnen gewannen alle mindestens 2.5-1.5. Russland trotz oder wegen Tsolakidou-Gunina 1-0 2.5-1.5 gegen Griechenland, Deutschland sicher 3-1 gegen die Slowakei.

Runde 2: Russland gewann wieder 2.5-1.5, heute gegen die Tschechinnen – trotz oder wegen Goryachkinas Niederlage gegen die titellose und fast 300 Elopunkte schlechtere Kristyna Novosadova. Deutschland bekam mit Polen bereits einen „Brocken“ und verlor 1-3.

Runde 3:

Bereits das erste Spitzenduell Russland-Ukraine – Ergebnis, na klar doch, 2.5-1.5 für Russland. Untypisch, dass drei Partien relativ geräuschlos remis endeten. Gunina profitierte von einem taktischen Fehler Usheninas und entschied das Match für die Russinnen.

Deutschland-Tschechische Republik (nur) 2-2. Paehtz mit standesgemässem Sieg gegen WGM Worek, Hoolt und Michna konnten etwas kleinere Elovorteile nicht am Brett „beweisen“, Novosadova war gut drauf und gewann auch gegen Levushkina.

Runde 4: Spanien-Polen 2-2 am Spitzentisch war eine Überraschung bei vier Weissiegen. Spanien hatte zuvor die jeweils nominell etwas besseren Teams aus Rumänien und der Türkei 3.5-0.5 weggeputzt (sagte ich auch mal beim offenen Turnier, die Spanierinnen sind keine Putzfrauen!).

Georgien-Russland 1.5-2.5 – langweilig war es bei drei entschiedenen Partien nicht, aber effizient aus russischer Sicht.

Deutschland traf an Tisch 9 auf ihre alten Bekanntinnen aus Aserbaidschan (Foto Niki Riga), diesmal trennte man oder frau sich unfriedlich 2-2 – vier Schwarzsiege! Jeweils zählten Computer am Ende bis zum Matt, bzw. am Spitzenbrett Mammadzada-Paehtz weigerten sie sich, die Schlusstellung zu analysieren: es war Matt auf dem Brett.

Elisabeth Paehtz bekommt nun ein kleines Ständchen von mir: „Sag‘ mir wo die dreadlocks sind, wo sind sie geblie-hie-ben?“. Ihr Schach litt keinesfalls darunter, bisher 4.5/5. Das haben im Damenturnier insgesamt sieben Spielerinnen, darunter die bereits erwähnten Stavroula Tsolakidou und Kristyna Novasadova – Paehtz ist allerdings die Einzige am Spitzenbrett. Im offenen Turnier schaffte es nur Rauf Mamedov, für Bluebaum war es möglich und nun hat er 3.5/5.

Runde 5: Russland-Spanien 3-1, na sowas! Für die Spanierinnen war mehr drin, eventuell gar ein Mannschaftsremis, aber am Ende rettete aus russischer Sicht Gunina ein Remis gegen Ana Matnadze, und Goryachkina gewann ein nicht unbedingt gewonnenes Turmendspiel gegen Delgado Crespo. Etwas überraschend Italien-Polen 2-2 bei vier Remisen.

Rumänien-Deutschland 2.5-1.5 (Foto Niki Riga) – auch in dieser Runde konnte Paehtz nur eine Partie gewinnen. Deutschland war mit 1.5-2.5 noch eher gut bedient, da Alina l’Ami gegen Levushkina jedenfalls klar besser stand und dann bei luftigem gegnerischem König unnötig die Damen tauschte. Das wurde remis, Brett 2 und 3 ging an Rumänien.

Ursachenforschung zum bisherigen Abschneiden der deutschen Damen: An Paehtz liegt es nicht, aber sonst nur Levushkina etwa in Normalform. Das Experiment mit Josefine Heinemann an Brett 2 (bisher 0.5/3) funktioniert auch nicht – auch nicht im Sinne von „dann erzielen wir dahinter mehr Punkte“.

In Runde 6 ist Polen vielleicht die letzte Hürde für Russland, und Tisch 2 Georgien-Ukraine eventuell eine Vorentscheidung auch über Silber – es sei denn, sie trennen sich 2-2. Deutschland trifft an Tisch 11 auf die Niederlande mit bisher ebenfalls enttäuschendem Turnier. Losglück für Elisabeth Paehtz: Für eine erhoffte GM-Norm, es wäre die dritte, braucht sie insgesamt drei Gegnerinnen mit GM-Titel (ohne W davor): Monika Socko hatte sie bereits (das wurde remis), das NL-Spitzenbrett Zhaoqin Peng (Elo 2362) hat zwar kein GM-Niveau und hatte es nie, aber da sie mal Europameisterin war hat sie den „männlichen“ oder „offenen“ oder W-freien GM-Titel. Wenn die Niederlande Paehtz ärgern wollen, pausiert Peng in Runde 6 erneut, wie in Runde 5 gegen Weissrussland.

Für GM-Ambitionen von Elisabeth Paehtz muss Deutschland wohl die Niederlande besiegen, dann wären drei Teams mit GMs am Spitzenbrett eventuell in Auslosungs-Reichweite: Armenien mit Danielian, Frankreich mit Sebag und/oder Ungarn mit Hoang Than Trang. Die drei anderen im Turnier – Kosteniuk, Dzagnidze und Anna Muzychuk – sind wohl nicht mehr in Reichweite.

Nun noch Bildergalerien, zunächst einige Teams – teils mehrfach:

Spieler(innen) im Hochformat:

Zwei – Balogh und van Wely – spielen diesmal nicht selbst, sondern sind stattdessen Teamkapitän für Ungarn und die Niederlande. l’Ami und Giri betrachten sonst mitunter dieselbe Stellung (wenn nicht am Brett, dann am Monitor), diesmal konzentriert sich jeder auf seine eigene.

Auch hier ein paar, die nicht spielen sondern stattdessen fotografieren (Emelianova), kommentieren (Gustafsson und Steil-Antoni) oder kapitänieren (Rublevsky und van Wely). Die junge Schwester (oder Tochter?) von Liviu-Dieter Nisipeanu mit dem schönen Namen Desiree di Benedetto spielt für Italien.

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