Zauberschach – Wie man mit einer Niederlage berühmt wird

Die heutige Partie selbst zu kommentieren ist gar nicht möglich, denn diese wurde zu häufig, in Form von Artikeln und Schachvideos, gewürdigt. Im wesentlichen begnüge ich mich mit den Anmerkungen aus Hans-Joachim Hechts Buch „Rochaden – Schacherinnerungen“.

Das hier gleich gezeigte Kombinationsmotiv war damals nicht neu. Der 19. Zug von Michael Tal erinnert an die berühmte Partie Lilienthal – Capablanca, aus dem Turnier zu Hastings 1934/1935.

Um die Bedeutung der Partie für den Sieger zu ermessen, muss man wissen, dass der Schachzauberer aus Riga Lette war und die Letten sich von den damaligen Machthabern „besetzt und unterdrückt“ fühlten. In einem von Michael Tal im Jahr 1980 veröffentlichten Buch über das Schaffen bekannter lettischer Spieler, beginnt Tals Partienauswahl mit der Partie gegen Hans Joachim Hecht.

Die Stellung nach dem 18. Zug von Schwarz (ohne den schwarzen Bauern auf c5) „ist Objekt eines Werkes der aus Riga stammenden lettischen Künstler Juta & Mareks, die auf einem in changierenden Bronzetönen gehaltenen Schachbrett die Figuren abbilden“.

Nach Tals 19. Zug wurde es unruhig im unmittelbaren Umfeld dieser Partie. Ein Demobrett wurde schnellstens aufgebaut und die Zuschauer strömten in Richtung dieses Brettes. „Ausserdem standen Tals Manschaftskollegen wie die Orgelpfeifen um das Brett“.

Bei der Schacholympiade 1962 in Varna war die Ausgangssituation für die westdeutsche Manschaft vor dieser Runde im Finale A so, dass man in der Vorrunde bereits gegen die sowjetische Auswahl gespielt hatte und die Schwarzspieler mit Darga gegen Spasski und Mohrlok gegen Tal jeweils heftige Niederlagen hinnehmen mussten, so dass sie nicht noch einmal vorgeführt werden wollten. Diese Aufgabe mussten nun andere übernehmen. Dem Buch von Hans-Jochim Hecht kann man zudem entnehmen, dass die Erwartungshaltung die folgende war:“die Weissen machen remis – die Schwarzen werden freundlich verabschiedet“. Hechts Absichten für die Partie waren die Besten, „so fest wie nur möglich zu stehen und keine Komplikationen zuzulassen“.

Etwa 25 Jahre nach der Partie drehte sich in einem Münchener Kaufhaus ein Mann nach Hans-Jochim Hecht um und sagte:“Sie kenne ich. Sie haben doch gegen Tal verloren“! Dann liess er einen verdutzten Hajo Hecht zurück.

Na dann mal los!

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