Zweifache Weltmeisterin nimmt nicht an der WM in Saudi-Arabien teil

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Anna Muzychuk (by David Llada)

Der Weltschachverband FIDE hat sich starke Kritik für seine Entscheidung, die diesjährigen Weltmeisterschaften (26. bis 30.12.2017), im Schnellschach und Blitz der Frauen in Saudi-Arabien auszurichten, eingehandelt. Der Ort war für viele Fans und Spielerinnen ein Schock: Riad, Saudi-Arabien.

Abgesehen davon nicht das sicherste Land zu sein (allein 2016 gab es 34 Terroranschläge), ist Saudi-Arabien für seine sehr fragwürdige Menschenrechtslage bekannt. Zum Beispiel ist Homosexualität illegal und Strafen reichen von Bußgeldern und Peitschenhieben bis hin zu Inhaftierung und sogar Hinrichtung. Anfang dieses Jahres wurde Berichten zufolge ein Mann  wegen Atheismus zum Tode verurteilt.

Frauenrechte sind ein anderes Thema. Es gibt eine strikte Trennung der Geschlechter und Einschränkungen der Freizügigkeit von Frauen. In vielen Situationen müssen sie entweder von der Familie oder von einem männlichen Begleiter begleitet werden. Bis zum nächsten Sommer bleibt das Autofahren für Frauen illegal.

Zu alledem und für das Schach am wichtigsten ist, dass Reisen nach Saudi-Arabien für Menschen aus Iran, Israel und Katar unmöglich sind, und es ist auch für die Libanesen höchst problematisch.

Die Veranstalter bieten ein rekordbrechendes Preisgeld in Höhe von 2.000.000 US-Dollar, wobei auf die Open-Veranstaltungen jeweils ein Preisgeld von 750.000 US-Dollar und auf jede Frauenveranstaltung ein Preisgeld von 250.000 US-Dollar entfallen. In jeder Veranstaltung werden 30 Preise zu verteilen sein. Eine Zahlung von 20% des genannten Gesamtpreisgeldes ist an die FIDE zu leisten.

Die mehrfache Frauen-Weltmeisterin Anna Muzychuk schrieb dazu auf Facebook:

“Die FIDE hat Ende dieses Jahres Saudi-Arabien die World Rapid und Blitz Chess Championships zugesprochen. Zuerst der Iran, dann Saudi-Arabien …  man fragt sich, wo die nächsten Frauen-Weltmeisterschaften stattfinden werden. Trotz des Rekordpreisfonds (2 Mio. US-Dollar insgesamt) werde ich nicht in Riad spielen, was bedeutet, dass ich zwei Weltmeistertitel verliere. Mein Leben riskieren, Abaya die ganze Zeit tragen? Alles hat seine Grenzen und Kopftücher im Iran war mehr als genug.”

Auf Nachfrage bestätigte Anna Muzychuk dass ihre Schwester Maria ebenfalls die Teilnahme abgesagt hat,  ebenso wie Valentina Gunina, Alina Kashlinskaya, Ana Madnadze und Jovanka Houska. Auch der Schnellschachspezialist GM Hikau Nakamura wird nicht an der WM teilnehmen.

Philipe Dornbusch, Inhaber der Nachrichtenseite ” Chess & Strategie” (Frankreich), schrieb am 17. November 2017, dass bereits 150 Spielerinnen und Spieler ihre Teilnahme abgesagt haben.

 

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2 thoughts on “Zweifache Weltmeisterin nimmt nicht an der WM in Saudi-Arabien teil

  1. Es gab immerhin auch schon FIDE-Turniere in Aserbaidschan und Armenien, bei denen Teilnahme von Spielern aus dem jeweils anderen Land zwar nicht unmöglich aber doch problematisch war.
    So fragwürdig/problematisch ein Turnier in Saudi-Arabien ist, was ist besser oder weniger schlecht – dieser Austragungsort oder gar keiner? Wie FIDE es macht, ist es falsch.
    Was Spielerinnen betrifft: chess.com hat noch mehr Stimmen sowie Details. Kosteniuk hat bereits andere Pläne, aber wird eventuell doch teilnehmen. Gunina hat andere Pläne, die eine Teilnahme (wo auch immer zu diesem Zeitpunkt Ende Dezember) offenbar ohnehin verhindern, und war sich “nicht sicher” ob sie sonst in Saudi-Arabien spielen würde. Batsiashvili wird spielen, sofern die Sicherheitslage geklärt ist [dazu: wenn jedes Land, das mal Opfer von Terroranschlägen war, nicht mehr als Austragungsort in Frage kommt, bleiben wenige übrig].
    Bei den Männern verzichtet Nakamura, Carlsen hat dagegen seine Teilnahme bestätigt bzw. “intends to participate”.

  2. Ich bin ziemlich sicher, wenn es ein Land gäbe, in dem Männer Einschränkungen unterlägen wie Frauen in Saudi-Arabien und in dem Staatsbürger Kalmykiens, der Schweiz oder der USA Einreiseverbot hätten, würde dort niemals ein FIDE-Turnier stattfinden. Aber Frauen und Israel… pft! Die sollen sich mal nicht so anstellen.

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