Magdeburg erlebt das zweite DSAM Turnier der Saison

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Im schönen H+ Hotel Magdeburg lauert das Matt! Gleich um die Ecke, überall. Aber die 391 Spielerinnen und Spieler, darunter 43 Damen (11%) bleiben unerschrocken. Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM startete am Freitag gewohnt pünktlich um 10:00 Uhr und wird wohl ebenso pünktlich am Sonntagmittag um 14:15 Uhr mit der Ehrung der Sieger schließen. Die drei FM (Famose Meister) Hendrik Hoffmann, Björn Bente und Matthias Liedtke sowie der “Nicht-FM” Hartmut Zieher (vielleicht lehnt der Hanseat Titel aus Überzeugung ab?) werden schon qua Rating zum Favoritenkreis gerechnet. Aber so lange nicht die letzte Uhr gedrückt und der letzte Bauer eingestellt … naja, warten wir’s ab. In der ersten Runde lief noch alles glatt für das FM-Trio, nur Hartmut Zieher ließ vorerst noch ein bisschen Leine und begnügte sich mit einem Remis.

Turnierseite

Dieses Turnier wird vom Deutschen Schachbund veranstaltet und wurde von eben diesem (auch) damit gekrönt, dass darin die “Deutsche Frauen Schach-Amateurmeisterin” 2017/2018 der A- (B, C, D, E, F, G) Gruppe” gekürt wird. Es ist schon etwas erstaunlich, dass die für die besten Kategorien in Betracht kommenden Spielerinnen in Magdeburg daran gehindert wurden, an den Start zu gehen, weil derselbe Deutsche Schachbund gleichzeitig eine Runde der Damen-Bundesliga ausspielen ließ. So kam es, dass die nominell beste Spielerin des Turniers, nämlich Christine Giebel (Elo 1852 / DWZ 1777) vom USC Magdeburg, “erst” in der C-Gruppe auftaucht. Aber: Es ist eben so wie es ist. Und die rund vierhundert Brett-Artisten werden sich garantiert nicht davon abhalten lassen, dieses Turnier zu ihrem Erlebnis, ja, zum Schach-Höhepunkt werden zu lassen. Manchmal hat eben nur der Gegner andere Vorstellungen, aber da muss man eben durch.

Jüngste Teilnehmerin an diesem Turnier ist eine gerade erst sieben Jahre “alt” gewordene Dame mit armenischem Vornamen: Tatevik Mia Stepanjan, Startnummer 59 in der Gruppe G vom ESV 1888 Wittenberge, hatte in der ersten Runde spielfrei (souveräner Sieg) und hat in der aktuell laufenden Runde 2 David Kappe aus Barleben am Brett zu Gast. Spricht man über die Jüngsten kommt stets auch das Pendant ins Spiel, CM Hubert Walkewitz, Jahrgang 1934, von Grün-Weiß Niemegk. Als ältester Wettkämpfer nahm er sich zu früher Stunde mit einer Null in der Tabelle das Recht, es langsam angehen zu lassen und die anderen in Sicherheit zu wiegen. Der erste in der Wiege ist nun zur Stunde Christoph Klanten – wird er dieser raffinierten Strategie etwas entgegen zu setzen haben?

Die Grußworte zu Beginne jedes DSAM-Turniers haben einen doppelten, vielleicht dreifachen Sinn: Zunächst einmal geben sie der Turnierleitung ein paar Momente, die Paarungslisten zu erstellen, zu prüfen (!) und auszuhängen. Für die Vereine der Region ist es nicht zu unterschätzen, dass sich somit wichtige Stellen der Verwaltung einer Stadt mit den Schachvereinen ihrer Region, ihrer Entwicklung und nicht zuletzt mit den positiven “Nebenwirkungen” des Schachs beschäftigen. Wer davon gehört hat, wird vielleicht auch später einmal Zuschüsse bewilligen, Räume frei machen etc. Und für den Öffentlichkeits-Referenten des jeweiligen Verbandes (falls vorhanden) könnte es, wiederum zum Wohle der Vereine seiner Region, ein guter Aufhänger sein, in den Tageszeitungen oder beim Landes- und Kreissportbund über den Spieler Meierschulze zu berichten, der doch gerade beim DSAM-Turnier vom Bürgermeister gelobt wurde.

In diesem Fall war erst ganz knapp vor dem Turnier Claudia Sturm eingesprungen, sie ist Mitarbeiterin in der für uns genau passenden “Fachbereichsleitung für Schule & Sport der Stadt Magdeburg”. Und sie hielt eine inhaltlich formidable Ansprache, in der es hieß: “Schon im beginnenden Oktober dieses Jahres 2017 wurde mit dem Magdeburger Open ein anderes großes Turnier mit 240 Spielern veranstaltet, wir können also sagen: Der Schachsport steht in Magdeburg in prächtiger Blüte!” Besonders ging Frau Sturm auf das Schulschach in ihrer Stadt ein, das ja auch dem Deutschen Schachbund ein wichtiges Anliegen ist. “Der edukative Wert, der dem Schach anhaftet; die Phantasie wird gefördert, ebenso die Logik, die Kombinationsgabe und das räumliche Vorstellungsvermögen, auch das Gedächtnis wird trainiert – das alles sind magische Kräfte, die man auch in der Schule gut gebrauchen kann. Durch die spielerische Konfliktlösung verbessert sich ganz nebenbei die soziale Kompetenz der Schüler.” Auch dieser Aspekt wird durch die deutsche Schachbewegung ganz praktisch in vielen hundert Kindergärten umgesetzt und wissenschaftlich begleitet, so etwa in der begeisternden Initiative von Ralf Schreiber im “Schach für Kids”.

(Text: Ralf Mulde, Fotos: Ingrid Schulz)

Teilnehmerzahlen

 

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Veröffentlicht unter DAM |