DSAM Magdeburg 2017 – Donnerwetter, die Jugend wird immer stärker

Wir geben zu, den 1961 geborenen Sieger der A-Gruppe, St.Paulis Bernd Wronn, noch zur Jugend zählen zu wollen, ließe sich nur mit “immer so alt wie man sich fühlt” rechtfertigen. So ist er nun eben ein Hoffnungsspieler. Ausnehmend nett, stark und überhaupt: 4,0 Punkte aus 5 Partien in der A-Gruppe (TWZ 2101-2300), dadurch ein halber Punkt Vorsprung vor “der Meute” gaben den Älteren unter uns Hoffnung auf vielleicht doch noch mögliche Erfolge.

Aber gleich hinter sich spürte Meister Wronn den heißen Atem der Jugend: Zweiter wurde nämlich der erst 13jährige Alex Dac-Vuong Nguyen von der SG Leipzig mit 3,5 Punkten. In der Schlussrunde führte der junge Mann von der Pleiße sogar, so dass es also zum Gaudium der Umstehenden ein echtes Finale in der A-Gruppe gab, in dem sich (noch) die Erfahrung durchsetzte. Klar, wer nicht mitspielt, findet solche Schachkrimis einfach nur unterhaltend, am besten noch garniert durch irgendwelche Streitfälle – jene, die es konkret betrifft, bekleiden da zumeist und natürlich völlig überraschend eine andere Position.

Hartmut Zieher

Moritz Weishäutel (Elo 2077, DWZ 2065) von Empor Erfurt wurde 2004 geboren, ist also ebenfalls erst 13 Jahre jung. Das war kein Hinderungsgrund, sondern anscheinend fast ausschlaggebend für ihn, alle Spieler der Gruppe B zu überflügeln … alle? Nicht ganz, denn Moritz hatte “nur” die beste Feinwertung unter gleich drei weiteren (!) Spielern mit 4,0 Punkten, nämlich dem Buxtehuder Ralf Schöngart, dem durch einen vorigen Erfolg ohnedies schon finalqualifizierten Robert Siemes aus Ratingen und Philip Röder aus der Hansestadt Wismar. Dass in dieser Liste keine Frau auftaucht, hat einen simplen Grund: In den ersten beiden Leistungsklassen mischte keine Dame mit, womöglich Folge der supergeschickt zeitgleich angesetzten Frauen-Bundesligen.

Aber es geht weiter mit diesem jungen Gemüse, das einen erstaunlichen Biss hatte: In Gruppe C war der Potsdamer Tyron Milare in ganz schlechter Form. Mit 1787 Elo / DWZ 1776 auf Setzplatz 56 nur 4,5 Punkte – das muss doch besser gehen, oder? Wohl kaum! Mit 90% der maximal möglichen Punkte rauschte der 11jährige (!!) durch das Turnier und hielt so die 4-Punkter Uwe Kausch, Michael Domröse, Jürgen Olschik und Heiko Schlierf “auf den Plätzen”. Man kommt sich plötzlich so alt vor …

Mit Alba Perez Celis von dem Verein mit dem malerischen Namen “Malchower Schachinsel” taucht in dieser C-Gruppe die damit beste Dame des Turniers auf. 2,5 Punkte sind 50% (ebenso viele erzielte die Magdeburgerinnen Christine Giebel und Claudia Meffert) und damit ein hoch respektables Ergebnis, zumal die Spielbedingungen mit viel Platz, Swimmingpool, ausgezeichnetem Essen, aufmerksamen Service, freundlichem Turnierpersonal, tollen Treffpunkten in Lobby und Analyseräumen völlig ungeeignet waren – oder?

Schach macht auch glücklich

In der D-Gruppe gab es 4,5 Punkte. Und zwar für jeden der an 1-3 Platzierten. Der Connaisseur weiß: Jetzt kommt’s auf die Feinwertung an! Mehr noch: Um Platz 1 – der Preis kann nicht geteilt werden – musste sogar gewürfelt werden! Der 1970 geborene Hermann Enneking hatte Glück. so dass der 1961 geborene Jörg Kompe … auch Erster war. Schachlich ergab sich ja durch den Brühwürfel gar kein Unterschied, der gelangte ausschließlich wegen des zu unterhaltenden Publikums und zur nur so möglichen Preisvergabe auf die Bilder der Weltpresse. Dr. Martin Nädler (geb.1964) als Feinwertung-Dritter reitet ebenso wie die genannten Kollegen nicht (mehr) auf jener Jugendwelle, die das Turnier insgesamt wie ein Hurrikan rockte, es geht also auch anders.

Lena Oswald als Teil der “Oswald-Sisters” ist 15 Jahre jung: Die macht mit bei der Jugendwelle des deutschen Schachs. Perfekt mit drei aus drei ins Turnier gestartet, schloss die auf Platz 79 Gestartete ihr gut gelungenes Turnier auf Rang 7 ab.

Lenas 2005 geborene, also viiiiel jüngere Schwester Hannah Oswald machte es noch besser, allerdings in der E-Gruppe: Als Nummer 34 ins Rennen gegangen, nahm Hannah am Ende sogar die verdienten Glückwünsche zum zweiten Platz entgegen! – Zwölf Jahre. Das ist eindeutig Jugendwelle. Davon gab’s in dieser Gruppe eine ganze Menge, noch nicht der starke Erste, Hüseyin Turp (1964 geboren), aber doch die Hoke-Brüder aus Parensen (2003 und 2006, Platz 4+5 in E) und der Zweite Areg Khanbekyan (2005) werden noch mehr Positives von sich hören lassen. Weil Kinder sich sehr schnell entwickeln können (ja, auch aus der Grundposition), ist es leicht möglich, dass auch die 2009 geborene Anna Elisabeth Dornheim, eine Magdeburger Schachzwergin, die 2008 auf die Welt gekommene Magdeburgerin Nare Khanbekyan, die 13jährige Ronja Wiese von ebenda oder doch noch der 1934 geborene CM Hubert Walkewitz ihre Leistungszahlen raketenartig nach vorne schießen werden. Die zuständigen Teile der Stadt Magdeburg jedenfalls werden das aufmerksam verfolgen, wie deren Vertreterin Frau Claudia Sturm in ihrem schönen Grußwort-Vortrag unterstrich. Turnierseite

(Ralf Mulde)

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