Palma Grand Prix: Aronian wieder Spielverderber für MVL?

Mit welcher Einstellung gingen die achtzehn Spieler in das Turnier? Zwei können und wollen sich noch für das Kandidatenturnier qualifizieren. Maxime Vachier-Lagrave bzw. sein Ghostwriter hat sich auf seiner Homepage dementsprechend geäussert, die Vorschau im Auftrag beginnt mit “C’est la dernière chance. Le finish d’une année 2017 haletante mais éprouvante” [Das ist die letzte Chance. Das Ende des ebenso atemberaubenden wie anstrengenden Jahres 2017]. Dann wird der Rechenschieber bemüht, was andere auch machten: Wie kann MVL sich für das Kandidatenturnier qualifizieren, und wie würde es nicht reichen? Teils liegt es ja auch daran, was sein Konkurrent Radjabov im selben Turnier anstellt – in einigen Fällen (geteilter erster bis vierter oder geteilter zweiter bis dritter Platz) reicht es nur, wenn Radjabov nicht genauso gut (oder besser) abschneidet. Im zweiten Fall wäre er genau punktgleich mit Grischuk in der GP-Gesamtwertung – welche Tiebreaks dann greifen siehe allerletzter Absatz.

Der andere Kandidat-Kandidat Radjabov ist damit bereits erwähnt – ich weiss allerdings nicht, ob er auch eine persönliche Homepage hat. Man könnte übrigens einwenden, dass nach dem November 2017 noch der Dezember 2017 kommt – aber dieser Monat (mit jedenfalls London Classics und russischer Meisterschaft) ist kandidatenturnierqualifikationstechnisch irrelevant.

MVLs Ghostwriter fragt sich auch, ob die anderen – speziell Aronian, Nakamura, Ding Liren, Svidler und Giri – unbeschwert (l’esprit libéré) aufspielen oder unter mangelnder Motivation leiden. Einige haben sich in Interviews geäussert, das ist der Youtube-Kanal zum Turnier. Aronian sagte, dass er gerne von seiner Situation (über Weltcup bereits qualifiziert, in der GP-Serie dagegen ohnehin chancenlos) profitieren will. Nakamura sagte tendenziell auch “einfach Schach spielen”, in anderen Interviews auch, dass er eine Rolle als eventueller Spielverderber durchaus mit gemischten Gefühlen sieht. Für Svidler ist es ein schönes Turnier, da er so dem Winter in St. Petersburg entfliehen kann – jedenfalls vorübergehend: danach spielt er wohl die russische Meisterschaft in … St. Petersburg. London wäre klimatisch auch nicht viel besser, und im Januar spielt er dann nicht etwa in Gibraltar sondern in Wijk aan Zee (seit gestern offiziell bekannt). Auch Aronian freut sich, auf den Balearen zu spielen – “ich war bereits auf Mallorca und Menorca – noch nie auf Ibiza, und dafür bin ich inzwischen zu alt”.

Vallejo sagte dagegen “endlich mal ein Turnier in Spanien” und als Ziel im Turnier “endlich mal ein Sieg in der GP-Serie”. Um das bereits zu erwähnen: Vallejo hat bereits beide Ziele erreicht (Leidtragender einer, der bei diesem Turnier eher kein ‘Klimaflüchtling’ ist), Svidler hat definitionsgemäss sein Ziel bereits bei Ankunft am Flughafen vor der ersten Runde erreicht (im geographischen und damit auch im übertragenen Sinn). Für Aronian sieht es derzeit gut aus, für MVL und Radjabov dagegen “unklar”.

Und nun der Zwischenstand nach fünf von neun Runden und damit auch Rechtfertigung für das Titelbild – alle Fotos ab Turnierseite über Facebook, Fotograf Valeriy Belobeev: Aronian 3.5/5, Vachier-Lagrave, Nakamura, Ding Liren, Svidler, Harikrishna, Jakovenko 3, Giri, Radjabov, Tomashevsky, Rapport, Riazantsev 2.5, Li Chao, Eljanov, Vallejo, Inarkiev 2, Gelfand und Hammer 1.5. Also derzeit kein geteilter erster Platz für MVL – Schuld ist Aronian, der ihn bereits im Weltcup-Halbfinale nach atemberaubendem und anstrengendem Duell (haletant et éprouvant) eliminiert hatte. Ein mit so vielen Spielern geteilter erster Platz würde allerdings auch nicht reichen – das weiss er sicher selbst, dafür braucht er weder mich noch seinen Ghostwriter Admin-MVL. Also muss er in den verbleibenden vier Runden noch mindestens eine, besser zwei Partien gewinnen (und dabei keine verlieren) – das gilt ähnlich auch für Radjabov.

Ich zeige zunächst alle, Foto von der Eröffnungsfeier. Da fällt Aronian bereits auf – daneben auch Tomashevsky, obwohl seine Kleidung perfekt zu Hintergrund und Untergrund passt.

Und noch ein Foto vorher – Gala war angesagt, hier erkenne ich auf den ersten Blick niemand.

Runde 1 begann nach Wunsch für MVL und war dabei auch ein erster Fingerzeig darauf, für wen Palma (jedenfalls nach derzeitigem Stand) kein gutes Turnier ist: MVL-Gelfand 1-0 – diesmal war der Franzose gut vorbereitet auf Gelfands Bauernopfer 8.-d5 im beschleunigten Drachen-Sizilianer, mit dem letzterer zuvor mehrfach erfolgreich war. Remis mit Schwarz ist ein Erfolg, das schaffte Gelfand u.a. beim GP-Turnier in Moskau gegen Giri und Vachier-Lagrave. Zu dieser Partie kein Foto aber immerhin ein Diagramm das auch einen anderen “Sieger” des bisherigen Turniers zeigt, das Schachfeld d6:

Das ist die Schlusstellung – wobei der Freibauer auf d6 (und/oder sein Kollege auf c5) da nicht bleiben, sondern nach dem nächsten weissen Zug 34.Dd5 weiter laufen wird.

Giri-Rapport 1-0 – Konturen der ungewöhnlich-rapportianischen Eröffnung hier wohl nicht mehr sichtbar. Später gewann Giri im Springerendspiel, obwohl nur Rapport da einen Springer hatte – Giri dagegen zu viele Freibauern.

Inarkiev gewann locker-leicht gegen einen indisponierten Li Chao. Remispartien ignoriere ich in diesem Bericht generell, es sei denn sie sind “turnierrelevant” oder haben Bezug zum (Fern-)Duell zwischen Mamedyarov, Grischuk, MVL und Radjabov. Zur Erinnerung: die ersten beiden qualifizieren sich für das Kandidatenturnier, wenn die letzten beiden (bzw. bei Mamedyarov jedenfalls einer der beiden) das nicht schaffen. In diesem Sinne sollte ich erwähnen, dass Radjabov mit Weiss in 12 Zügen gegen Riazantsev remisierte.

Auch das sei hier noch erwähnt: Für mich ist dieses Turnier eine ‘nostalgische’ Erfahrung. Ich bin kein Chessbase-Premiummitglied, diesmal haben nur diese Zugang zur Liveübertragung. Auf der Turnierseite sehe ich nur die jeweils aktuelle Stellung sowie den letzten Zug, nicht wie sie entstand. Also sehe ich die kompletten Partien – so war es “früher” generell – immer erst hinterher.

Runde 2: Sieger treffen auf Sieger, so ist es im Schweizer System.

Giri-MVL später 1/2. Der symbolische erste Zug jeweils am Spitzenbrett – Giri korrigierte danach Mallorca-Tourismusdirektorin Maria Paula Guinard und entschied sich für 1.e4. Das konnte Frau Guinard nicht wissen, Giri spielt etwa ebenso oft ihren Vorschlag 1.d4 und gelegentlich auch andere erste Züge – wenn sie Ahnung vom Schach hat, hätte sie bei MVL wohl richtig auf 1.-c5 getippt. Es wurde ein Najdorf-Duell nach bekannten Mustern, im 14. Zug hatte MVL mehr Vertrauen in Dawid Niekras (Elo 2291) als in Maxime Vachier-Lagrave (Elo 2803) und wich von einer eigenen Partie gegen Caruana ab. Giris 17.Thg1 nebst Qualitätsopfer 18.Txg4 war dann auch neu gegenüber Konguvel-Niekras, Najdorf Memorial 2017 – laut MVL hinterher stand auch das noch in seinen ‘files’ aber Details konnte er am Brett nicht problemlos reproduzieren. Giri bekam wohl etwas Oberwasser, und dann wurde es remis – Absicht kann man keinem der beiden unterstellen.

Inarkiev wurde heruntergelost – nicht unbedingt eine gute Nachricht, daraus wurde dann auch Aronian-Inarkiev 1-0. Theorieduell im Damengambit mit Lf4, neu (jedenfalls auf einem Turnierbrett) 16.Sxd5 und darauf hatte Inarkiev nicht die richtige Antwort. Grundreihenprobleme für den schwarzen König waren dann relevanter als “optische” Probleme für den weissen Monarchen auf f3 bzw. g3, ersticktes Matt liess sich Inarkiev nicht mehr zeigen.

Vallejo-Radjabov 0-1 – Radjabov konnte zur Spitze aufschliessen. Es war Königsindisch, das der im höheren Sinne entscheidende Moment:

20.-e4! mit freier Sicht für den Lg7 – danach ging es dem weissen König an den Kragen, während eigener Königsangriff nie wirklich entstand.

Runde 3:

MVL-Aronian später 1/2. Wer auch immer den ersten Zug ausführte lag mit 1.e4 richtig, ist beim Franzosen auch einfacher zu erraten – ebenso danach Aronians Antwort 1.-e5. Spanisch mit d3 kennen beide, und auch die Stellung nach 9.Sc3 hatten sie vor kurzem viermal auf dem Brett – einmal am 20.9.2017, dreimal tags darauf. Was war da wo los? “Wo” kann man mit Tiflis beantworten, “was” mit Weltcup-Halbfinale Aronian-MVL. Im 15. Zug kopierte MVL dann nicht MVL sondern, vielleicht kein Zufall, Etienne Bacrot. Im 16. Zug neuerte MVL, auch das vielleicht mit seinem Helfer Etienne Bacrot abgesprochen. Wie lange beide danach noch “im Buch” waren weiss ich nicht – ohne Liveübertragung sieht man ja auch nicht, wann einer bzw. beide erstmals Bedenkzeit investierten.

Es wurde dann asymmetrisch: weisse Bauern am Damenflügel gegen schwarze Zentralbauern nebst latent Angriffschancen am Königsflügel – Vorteil Weiss, bis er falscherweise die Damen tauschte, danach wurde es remis.

Beide hinterher draussen im Interview mit Anastasia Karlovich – Aronians Hose passt zwar nicht zum Hintergrund, aber immerhin bedingt zu Karlovichs Oberteil. Aronian: “Erst habe ich Blödsinn gespielt (er kritisierte seinen Tempoverlust 28.-Lh4), dann warst Du dran. Ich wollte ja meinem Freund ein Geschenk geben … .” MVL: “That’s not how chess is working!”.

Radjabov-Giri remis nach 21 Zügen, Entscheidungen nur an hinteren Brettern. Hammer-Svidler 0-1 war hammerhart für den Norweger, der – warum auch immer – in der GP-Serie mitspielen darf. Vallejo-Gelfand 1-0 hatte ich eingangs bereits angedeutet. Diesmal spielte Gelfand im beschleunigten Drachen-Sizilianer das ebenso “bescheidene” wie übliche 8.-d6 und hatte später doch einen Bauern weniger. Ob das Endspiel dann haltbar war, da bin ich überfragt. Bis zur Zeitkontrolle zog Vallejo nur hin und her (Gelfand auch, er musste ja nichts beweisen), danach machte er Fortschritte. Ganz am Ende hatte Gelfand zwar drei Mehrbauern, aber konnte c8D nicht mehr verhindern.

Gelfand gab hinterher offenbar Autogramme – das nenne ich weltmeisterlich, auch wenn er nur mal Vize-Weltmeister war. Der aktuelle Weltmeister verweigerte dagegen Kindern mehrfach Autogramme, da er mit Remispartien unzufrieden war. Er ist ja bereits Publikum- und Medienliebling, da muss er diesen Ruf nicht auch noch rechtfertigen.

Noch hat es (gemeint ist nicht Autogramme erteilen) für Gelfand keine Konsequenzen, noch hat er live Elo 2703.4 – aber dieses Turnier zusammen mit zuvor dem Isle of Man Open könnte dazu führen, dass er erstmals seit 2005 den Club 2700+ verlässt.

Für Vallejo war es dagegen der erste Sieg in der GP-Serie nach zuvor neunzehnmal Remis und zwei Weissniederlagen gegen Radjabov.

Kinder sind immer ein nettes Fotomotiv, zwei habe ich (bzw. Valeriy Belobeev) noch:

Wo man die Kleidung mit Aufdruck bekommt, dazu habe ich nicht recherchiert.

Runde 4:

Aronian-Giri 1-0 – noch ahnt Giri nicht, was kommen sollte: Die Partie begann mit 1.Sf3 Sf6 2.c4 (Bauer auf der vierten Reihe, mutig) 2.-g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 (korrigiert erzwungenermassen den Fehler im zweiten Zug) 4.-Sxd5 5.d3 (bescheiden) 5.-Lg7 6.Ld2 (auch bescheiden) 6.-0-0 7.g3 (Fotomoment). Giri spielte nun forsch 7.-c5, und Aronian ebenso forsch 8.h4!? Sc6 9.h5 usw. . Alle Züge nenne ich nicht, auch wenn es nur 27 waren. Ich erwähne nur, dass Giri – so Aronian hinterher – unbedingt Damentausch anstreben musste, dies allerdings nicht tat, und dass Aronian dann weitere Bauern mobilisierte, auch im Zentrum. Und ich zeige die Schlusstellung:

Nach 27.d6 – Weiss am Zug würde gewinnen, Schwarz am Zug kann die Partie allerdings auch nicht retten.

Svidler und Vachier-Lagrave waren sich nach 18 Zügen remiseinig – geschah das aus französischer Sicht aus Versehen oder will er vor allem mit Weiss auf Sieg spielen?

Am nächsten Brett machte Radjabov es schlechter und verlor gegen Nakamura. Hier zeige ich mal nicht die Schlusstellung, sondern vielleicht die Schlüsselstellung der Partie:

20.Dd6!?? war, nüchtern-objektiv betrachtet, ein Knallbonbon ohne grosse Wirkung. Nakamura meinte allerdings hinterher, dass es psychologische Wirkung hatte da Radjabov sich von dieser Überraschung/diesem Schock nicht erholte. Es ist natürlich kein Damenopfer sondern eine Abtauschkombination: 20.-Lxd6 21.exd6 Dc8 22.Lxc8 Tbxc8=. Nakamura bezeichnete 22.-Tbxc8 statt 22.-Tdxc8 als Fehler, der offensichtliche schwarze Fehler war dann 26.-b5? 27.a6! und der schwarze Bauer auf a7 fällt. Das war dann partieentscheidend: Weiss bekam auch noch den schwarzen b-Bauern, Schwarz zwar dafür alle weissen efgh-Bauern, aber die weissen Freibauern am Damenflügel wurden unwiderstehlich.

Nicht immer war Feld d6 partieentscheidend – sei es objektiv, sei es rein psychologisch. e4 hatten wir bereits an einem besseren Tag für Radjabov, nun kommt g5:

Das (natürlich nun Weiss am Zug) war der partieentscheidende Moment in Inarkiev-Ding Liren 0-1. 16.-g5!! hatte Ding Liren mit 14.-Kh8 vorbereitet, und Inarkiev hat es – sicher nichts Böses ahnend – mit 16.Dh4? “vorbereitet”. Dieser kreative Zug war auch objektiv stark – Schwarz bekam vernichtenden Angriff über die g-Linie.

Harikrishna-Vallejo 1-0 war auch unkonventionell-kreativ. Vallejo dachte vielleicht “nun habe ich einmal gewonnen, dann kann ich auch nochmals verlieren”. Rapport-Hammer 1-0 ebenfalls ein Angriffssieg, Eljanov-Jakovenko 0-1 dagegen technisch im Turmendspiel.

Runde 5 bezeichnete chess.com als “Ruhetag vor dem Ruhetag” – neunmal Remis. Am schnellsten waren sich, jedenfalls was Anzahl Züge (13) betrifft, MVL und Nakamura einig. Das MVL-freundliche Europe Echecs vermutet, dass dessen Eröffnungsvorbereitung nicht stimmte: 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.Lb5+ und dann viel Bedenkzeit verbrauchen, um theoretisch bekannte Züge zu reproduzieren (vielleicht auch um vergeblich nach Alternativen zu suchen). Laut Europe Echecs rechnete er vielleicht nur mit 1.-e5, laut mir kann es auch sein dass er von Nakamura das gehaltvollere 3.-Sd7 statt 3.-Ld7 erwartete. Eine Rolle spielte vielleicht auch sein, warum auch immer, schlechter bisheriger Score gegen Nakamura – +0=9-5, wobei er allerdings noch nie mit Weiss verloren hatte.

Radjabov spielte gegen Harikrishna “Benoni im Anzug” (1.Sf3 d5 2.c4 d4 usw.). Vielleicht paradox, aber ich betrachte Benoni mit Weiss und Mehrtempo als weniger aggressiv als Benoni mit Schwarz. Weiss will ja normalerweise etwas beweisen, 1.c4 e5 ist auch weniger zweischneidig als 1.e4 c5 …. . Jedenfalls waren nach 31 Zügen reichlich Figuren abgetauscht bei symmetrischer Bauernstellung, Remis eher nicht voreilig.

Ich erwähne noch Giri-Riazantsev 1/2 und drucke es gar fett, auch wenn nur 17 Züge gespielt wurden. Giri opferte einen Bauern, wobei er und sein (nicht namentlich genannter) Sekundant sich einig waren “niemand spielt hier 8.-Dxc2” – Riazantsev tat es. Zuvor taten es die Mongolin Davaademberel Nomin Erdene (Elo 2427) und ein gewisser Juan Pablo Quiros (Elo 1944), während stärkere Spieler (hochkarätigster Vorgänger Mamedov-Khenkin) verzichteten. Später opferte Giri noch einen Bauern, dann traute er dem Braten wohl nicht mehr und zog die Notbremse Remisangebot – Riazantsev war einverstanden.

Abschliessend noch eine Bildergalerie draussen – aus Symmetriegründen (insgesamt sechs Fotos) zwei Spieler doppelt:

Wie geht es weiter? Mittwoch mit u.a. Aronian-Svidler, Harikrishna-MVL, Nakamura-Ding Liren, Giri-Jakovenko und Tomashevsky-Radjabov.

Die Kandidat-Kandidaten haben also beide Schwarz. Radjabov ist dabei ohnehin (in diesem Turnier und tendenziell auch überhaupt-langfristig) mit Schwarz unternehmungslustiger. MVL kann auch einen Schwarzsieg gebrauchen bzw. braucht ihn in einem denkbaren Szenario für Tiebreaks mit Grischuk, bei Punktgleichheit in dieser Reihenfolge: 1) Anzahl Brettpunkte (wäre wohl identisch – ich gehe davon aus, dass 5,5/9 eventuell Platz zwei bis drei bedeutet, 6/9 dagegen mehr und 5/9 ziemlich sicher weniger), 2) Anzahl Partien mit Schwarz (da braucht MVL für Gleichstand mit Grischuk in diesem Turnier noch dreimal Schwarz, also ein Doppelschwarz in den letzten vier Runden), 3) Anzahl Siege (bei insgesamt +2=7 in diesem Turnier für MVL identisch mit Grischuk), 4) Anzahl Schwarzsiege (MVL braucht noch einen für Gleichstand mit Grischuk), 5) Losverfahren! Das wäre dann Vachier-Lagraves toute dernière chance (allerletzte Chance) – darauf sollte er es nicht ankommen lassen, zumal Tiebreak 2) für ihn unkontrollierbar und nach derzeitigem Stand unwahrscheinlich ist.

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