Zoff beim SK Schwäbisch Hall – Interview mit Mario Meinel

Mario Meinel (Foto) ist ein Teil der Mannschaftsleitung des Frauenteams des deutschen Meister SK Schwäbisch Hall und ist seit über 40 Jahren Mitglied. Er war Mitbegründer des Frauenteams und viele Jahre ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen tätig. Zur Krise im SK Schwäbisch Hall interviewte Franz Jittenmeier Mario Meinel, der ganz nah am Geschehen ist..

1. Was sind die Gründe dass beide Seiten sich so diametral gegenüber stehen?

Nachdem einige Sponsoren nicht mehr zu Verfügung standen und das Geld knapp wurde, war für einige Vorstandsmitglieder klar dass die Frauen abgemeldet würden.
Besonders der Captain des Herrenteams sieht Frauenschach als überfüssig an.
Nachdem bereits zur Saison 2016/17 die Abmeldung der Frauen erwogen wurde haben wir einen Mitgliederversammlungsbeschluß herbeigeführt, damit wir als kleine Gruppe finanziell und organisatorisch eigenständig die Schachbundesliga führen können. Für die Saison 2017/18 gibt es in der Mitgliederversammlung einen identischen Beschluss.

2. Welche Maßnahmen wurden ergriffen um den Streit beizulegen ?

In einer Vielzahl von Vorstandssitzungen konnte kein Einvernehmen über die eigenständige Finanzierung und Organisation der Frauen erreicht werden. In der Mitgliederversammlung hat der Vorstand dafür plädiert die Frauen abzumelden. In einigen Gesprächen wurde ein 6-Punkte-Vertrag fixiert der vorsah, das die Abt. Frauenschach sich 5 Jahre eigenständig finanzieren und organisieren soll und dass die Abt. Frauenschach dem Schachklub dafür 4.000 Euro einmalig bezahlen soll. Dieser Kompromiss und eine vorgesehene Satzungsänderung wurde von den Hardlinern im Vorstand abgelehnt.

3. Inwieweit geht der Streit ins Persönliche ?

Insbesondere Thomas Marschner wurde massiv persönlich angegriffen und nun aus dem Verein ausgeschlossen. Auch gegen Johannes van Bergen läuft ein Ausschlussverfahren. Das ist besonders Verwunderlich, da Johannes van Bergen am 28.11. für sein ehrenamtliches Engagement in Vereinen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird! Ich denke der Schreiber dieser Zeilen wird auch mit dem Bann des Ausschlusses belegt werden. Was nicht entschuldbar ist, sind Tiraden eines Vorstandmitgliedes, der die Förderer der Frauen öffentlich verdächtigt,dass sich diese Männer nur wegen der hübschen Spielerinnen der Frauen-Schachbundesliga sich verpflichtet fühlen. Das ist weit unter der Gürtellinie.

4. Welche Chancen gibt es, der der SK nach Innen und Außen wieder geeint wird?

Die Chancen sind sehr gering, weil der 1.Vorsitzende eine Reihe von Mitglieder des Bridgeclub zu Mitglieder des Schachklubs gemacht hat, damit er seine Macht nicht verlieren kann.

5. Was ist passiert, dass die Abmeldung der Frauen nicht erfolgte?

Wir haben einen Schriftverkehr mit den Vorstand über einen breiten Verteiler von deutschen Schachbund und Schachverband Württemberg geführt und gedroht dass wir Schadensersatzklage stellen, wenn gegen die Beschlüsse der Mitgliederversammlung der Vorstand die Frauen abmeldet.Dies hat geführt dass die Abmeldung nicht erfolgt ist. Der Württembergische-Schachpräsident Armin Winkler hat sich klar zu dem Frauenteam positioniert.

6. Ist der Etat für die kommende Saison gesichert?

Von unserer kleinen Gruppe und der VR-Bank ist die Finanzierung voll gesichert! Der Konflikt, siehe die ersten Ergebnisse, hat die Saisonvorbereitung nicht beeinflusst.

7. Welche Reaktionen gab es von Vereinsmitgliedern und Sponsoren?

Wir werden von zahlreichen Vereinsmitgliedern und insbesondere vom Sponsor VR-Bank Schwäbisch Hall unterstützt. Keiner kann verstehen dass die Frauen abgemeldet werden sollen, wenn sie durch eine kleine Gruppe voll finanziert ist.

8. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn es zu keiner Einigung kommt?

Falls wir das Frauenschach weiterführen wollen, der Vorstand aber nicht mitgeht, wäre die Konsequenz die Gründung eines neuen Vereins. Wenn dann aber die Bundesligarechte nicht übertragen werden, müssten wir in der Regionalliga neu beginnen.

9. Um was geht es Hauptsächlich ? Geld, Macht, Neid?

Hier geht es Hauptsächlich um Neid! Das Frauenteam wird in der Öffentlichkeit mehr Wahrgenommen als das Männerteam. Dann der verzeifelte Kampf um den Machterhalt des Gesamtvorstandes. Kritische Mitglieder werden mundtot gemacht. Geld? Bei den Förderen des Männerteam ist genug vorhanden. Hier geht es nicht um Recht, sondern um Recht haben!

10. Ihre persönliche Meinung zu der momentanen Situation:

Mir blutet das Herz! So ein Chaos wie es zur Zeit herrscht habe ich beim SK in 40 Jahren nicht erlebt. Die Art und Weise wie Thomas Marschner seinen Ausschluss erfahren hat, war ein mieser Stil! Man hatte nicht den Mut es dem Thomas persönlich zu sagen. Thomas ist ein Vorbild ehrenamtlicher Tätigkeiten im Verein! Hier beim SK wird Ehrenamt mit Füßen getreten. Auch der frühere Turnier und Spielleiter Gregor Krenedics wurde nach 25 Jahren Ehrenamt einfach abserviert. Auch die Androhung eines Ausschlusses von Johannes ist mies.
Sollte es zur einer Abspaltung kommen ist der SK Schwäbisch Hall 1936 zwecks Zukunfsperspektiven am Ende.

Danke für das Gespräch

Das Interview führte Franz Jittenmeier

Lesen Sie auch: Dicke Luft beim SK Schwäbisch Hall – Ein Beitrag von Dr. Thomas Marschner

und im Haller Tageblatt: Der Karren scheint festgefahren

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