Doppelsieg für van Foreest in Amstelveen

  • 3
    Shares

Bei Lucas habe ich – da ich vor Ort war und an mehreren Schauplätzen – einige Momente live mitbekommen. Bei Jorden habe ich – da ich vor Ort war – live eigentlich nur Ergebnisse mitbekommen und muss den Rest hinterher rekonstruieren (sein Turnier wurde ja live übertragen, und alle Partien sind auch hinterher verfügbar). Dritte Siegerin war Anne Haast. Worum geht es? Um die niederländischen Schnellschach-Meisterschaften für Damen und Herren sowie um ein auch noch relativ stark und leicht international besetztes Schnellschach-Open im Rahmenprogramm.

Das Titelfoto – letztes von einer Reihe eigener Fotos – gebe ich zwei Spielern. Der junge Herr rechts ist Jorden van Foreest, der vergleichsweise alte Herr links ist Robert Ris. Er war während der Siegerehrung permanent auf der Bühne, andere schauten nur nacheinander vorbei – manchmal alleine, mal auch mehrere gleichzeitig. Ris hatte das Ganze organisiert, zusammen mit Ris – Sohn Robert ist IM und Schachprofi (das wahrlich nicht nur als Spieler), Vater Wim war mal Rektor des Austragungsort Keizer Karel College. Wie der eine in seiner Rede erwähnte und der andere dann bestätigte, endete vor kurzem ein Internet-Match IM Ris – GM van Foreest mit einem klaren Sieg für den IM, der damit quasi “heimlicher” NL-Meister ist. Aber diese Partien kenne ich nicht, also spielen sie im Beitrag keine Rolle.

Turnierseite

Zunächst die Endstände, wobei ich zweimal alle Teilnehmer(innen) erwähne und einmal nicht:

CNE NK Herren (alle GMs): van Foreest 5/7, Giri und Bok 4.5, van Wely 4, Sokolov und Smeets 3, van den Doel 2.5, Timman 1.5. Jorden besiegte Anish im direkten Duell und remisierte zum Schluss gegen Benjamin. Bei Altmeister Timman waren vom Partieverlauf her durchaus mehr Punkte drin, aber im Schnellschach ist (wie übrigens auch bei anderen Bedenkzeiten) nur die Schlusstellung relevant.

CNE NK Damen: Haast 5.5/7, de Mie 4.5, Keetman und Paulet 4, Lanchava und de Jong-Muhren 3, Kazarian und Ratsma 2. Haast begann mit einer – sowohl was Elozahlen als auch was Partieverlauf betrifft überraschenden – Niederlage gegen Keetman und wurde im weiteren Turnierverlauf doch wieder die “Chefin”.

Brainwave-Schnellturnier: IM van Foreest 6.5/7, GM de Vreugt und IM van der Werf 6, IM Kuipers 5.5, usw. – insgesamt 68 Teilnehmer in der A-Gruppe, darunter weitere Titelträger. In der B-Gruppe (Elo unter 1800) 46 Teilnehmer, naturgemäss null mit Schachtitel.

Weiterhin ist dies auch ein Reisebericht. Anreise diesmal per Bus, Fähre, Bus, Zug und zweimal Metro, ab der Metrostation dann noch 5-10 Minuten zu Fuss – dachte ich jedenfalls, wobei man Entfernungen auf einem Internet-Stadtplan ohne Masstab schwer schätzen kann. Es war an sich einfach, ab Metro Ouderkerkseweg dieser Strasse folgen und dann irgendwann rechts. Aber es war morgens kalt mit Nieselregen – also in einem Wohngebiet Sonntag morgens auch kaum jemand, den man fragen konnte. Ein Herr war doch in seinem Vorgarten und informierte mich: noch ca. 400m, dann rechts (insgesamt war es ab Metro ca. 15 Minuten). Dann war ich angekommen – Fotos entstanden später, ich ging sofort hinein um mich aufzuwärmen und meine Brille abzutrocknen.

Das sieht aus wie eine Schule.

Ja, das ist das Keizer Karel College.

Ich war pünktlich kurz vor Ende der zweiten Runde, eine Partie lief noch – Fotos im weiteren Bericht ein bisschen nach dem Zufallsprinzip, einige Momente verpasste ich (u.a. die im Nachhinein turnierentscheidende Partie in Runde 4). Jedenfalls Timman wollte ich eigentlich auch individuell fotografieren, aber war in passenden Momenten mehrfach zu spät dran.

Bok-Sokolov lief zu diesem Zeitpunkt (12:16:04) noch und wurde dann remis – Bok wurde dann Remiskönig: fünf von sieben Partien, wenn man die beiden anderen gewinnt ist es (jedenfalls für ihn) ein gutes Turnier.

Mehr aus der dritten Runde:

Anna-Maja Kazarian trennte sich immer irgendwann von ihrer Mutter (im Publikum) und sass relativ früh am Brett – von Kopf bis Fuss auf Schach eingestellt, auf anderen Fotos deutlicher. Rechts abgeschnitten Bianca de Jong-Muhren, der Ton zum Foto fehlt auch.

Giri sass auch bereits am Brett und sollte dann remis spielen – natürlich, sein Gegner war Benjamin Bok. Wer ist der andere Herr auf dem Foto? Da muss sich der Leser noch ein kleines bisschen gedulden.

Auf diesem Foto neben van den Doel und Timman auch Harry Gielen.

Auf diesem Foto besser erkennbar, nur die lange Nase passt nicht ganz ins Bild. Seine vielen Fotos hat er offenbar bisher noch nicht auf Flickr veröffentlicht, aber ich habe ja eigene. Meine Ausrüstung kann ich nicht zeigen – ein Handy kann zwar viel, aber kein Selfie von sich selbst!

Anne Haast gegen Tea Lanchava, die man auch ohne Namensschild und von weitem erkennen kann. Einen Fotomoment hatte ich da mehrfach verpasst: Haast hatte sich mehrfach offenbar bereits entschieden, zögerte dann mit der Hand über dem Brett und wechselte dann doch wieder in diese oder eine andere Konzentrationspose. In dieser Partie (und vielen anderen) funktionierte es, sie gewann souverän. In Runde eins hatte sie nach wechselhaftem Verlauf und zwischendurch klarer Gewinnstellung gegen Maaike Keetman verloren.

Keetman gewann dann auch gegen Kazarian und Ratsma (diese Siege wohl eher “einkalkuliert”) und führte nun mit 3/3. Dieses Tempo hielt sie nur durch im Sinne von “remis, ich doch nicht!” – es folgten drei Niederlagen und zum Schluss noch ein Sieg. Als Zuschauer vor Ort sieht oder hört man übrigens nur “klack, klack, klack” – irgendwann dann ein Händedruck und auch damit ist nicht immer deutlich, wie die Partie endete.

Und nun Anna-Maja Kazarian gegen Mariska de Mie (die Tasche hat sie vielleicht von Rosa Ratsma ausgeliehen).

Jorden van Foreest um 13:10:36 mit Handy – darf er das (und die Bühne verlassen) während der Runde? Ja, denn seine Partie war bereits beendet – Schwarzsieg gegen Sokolov: dessen Qualitätsopfer war vor der schwarzen Rochade offenbar korrekt, danach (16.-0-0 17.Le3? LxTa4 18.Dxa4 ohne Schachgebot) nicht mehr. Generell schnappten sich mehrere Spieler direkt nach ihren Partien ihr Handy (von der im ersten Kazarian-Foto sichtbaren Garderobe), darauf dann oft kurz danach eine Schachstellung, wohl Schnellanalyse der gerade beendeten Partie.

Zuvor für Jorden ein Sieg gegen van Wely, Revanche für die Niederlage bei der anderen NL-Meisterschaft 2017, und eine Niederlage gegen Smeets. Da lag es nicht an der Eröffnung – 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.a4!? war immerhin Zugumstellung zu einer Blitzpartie Carlsen-Radjabov 1-0 (1.a4 e5 2.e4 Sf6 3.Sc3 Sc6 4.Sf3 usw.). Aber später fand JvF im Turmendspiel (mit 6 Minuten gegen 30 Sekunden) den wohl fast einzigen Verlustzug.

Erik van den Doel machte wieder Überminuten, zu seiner Partie gegen Timman vier weitere Fotos:

Immer mehr Kibitze – auch wenn man die Fotos vergrössert ist eigentlich nur erkennbar, dass nur noch relativ wenige Klötze auf dem Brett sind. Aber kurz danach war sie vorbei, die Entscheidung demnach wohl bereits gefallen.

Dieses Foto von Ivan Sokolov, solo vor verwaistem Brett, um 13:16:10. Über weite Strecken der Partie stand Timman mit Schwarz besser, dann stand zwar auch mal van den Doel mit Weiss besser, aber dann schien remis unvermeidlich – bis Timman statt des naheliegenden 48.-Txg6+ mit 48.-Lf6?? erfolgreich an einem Selbstmatt bastelte. Danach dauerte die Partie noch etwa eine Minute.

Bei den Herren lagen nun van Foreest, Giri und Smeets vorne – alle 2/3, aber vor Runde 4 erst mehrere Exkurse. Ich hatte die Gelegenheit zu einer Unterhaltung mit Robert Ris. Schon im Vorbericht erwähnte ich, dass dieses Turnier Teil bzw. Abschluss einer Schachwoche in Amstelveen war, worum geht es da eigentlich genau? Laut Robert Ris vor allem Aktivitäten/Angebote für Grundschüler – macht er wohl regelmässig, nicht nur eine Woche im Jahr. Ris und Ris, Vater und Sohn, erschienen zu diesem Thema auch gut 30 Minuten im Lokalfernsehen. “Wenn sie 12 Jahre alt sind und immer noch Interesse am Schach haben, können sie in einen Schachverein eintreten. Allerdings ist Zukertort [der nach einem ehemaligen Weltklassespieler benannte örtliche Verein] damit überfordert, sie haben Mitgliederstop. Verstehe ich nicht, sie können doch einen weiteren Vereinsabend einrichten und eventuell Trainer einstellen.”

Als Beispiel für Aktivitäten zuvor (ich war ja nur Sonntag vor Ort) ein Foto, das Robert Ris auf Twitter veröffentlichte – workshop in der örtlichen Bibliothek, Simultanspieler wohl Hing Ting Lai. Jugend- und Schulschach auch am Sonntag anderswo im Keizer Karel College, dazu eigene Fotos:

Das (mit digitalen Schachuhren) ein Qualifikationsturnier für die NL-Jugendmeisterschaften

Das wohl Grundschulschach (eine Lehrerin spielt mit?).

Das auch. Vermutlich steht Schwarz auf Gewinn – drei Minusbauern kann Weiss (auf diesem Niveau) eventuell verkraften, null gegen zwei Türme ist allerdings ein Problem – hatte Weiss bei der Lektion “Remisfaktor ungleichfarbige Läufer” etwas falsch verstanden? Analoge Schachuhren haben sie entweder, weil nicht genug digitale verfügbar sind oder weil man dieser Altersgruppe pfleglichen Umgang mit Material nicht zutraut. Im weiteren Partieverlauf hat Weiss dann auch die Uhr umgestossen (diesen Fotomoment verpasste ich) und wurde von einer Zuschauerin, vermutlich der Mutter, ermahnt: “Junge, übertreib’ es nicht!”.

Zurück zu hohem Niveau: Robert Ris ist stolz auf das sehr starke Teilnehmerfeld bei den NL-Meisterschaften im Schnellschach, stärker als bei der Meisterschaft mit klassischer Bedenkzeit. Dafür gibt es wohl drei Gründe: genug Preisgeld um alle zur Teilnahme zu bewegen (und auch der Amateur Jan Smeets hat Zeit für ein eintägiges Turnier am Wochenende). Es passte in Giris Terminkalender, der Termin wurde offenbar entsprechend gewählt. 2016 hatte er doch keine Zeit (Tal Memorial war, warum auch immer, wichtiger), 2015 ist er beim Weltcup gerade rechtzeitig ausgeschieden – Ris: “Ich war wohl der einzige Niederländer, der Giris Niederlage im Halbfinale begrüsste” [Giri konnte sich dann ja nach Elo für das Kandidatenturnier qualifizieren]. Dieses Jahr war zunächst, wie 2015 und 2016, ein Termin im Oktober vorgesehen – das kollidierte dann mit dem Isle of Man Open (bei dem Giri zwar nicht mitspielte, aber mehrere andere Niederländer). Und für die andere NL-Meisterschaft kann man sich bei der offenen niederländischen Meisterschaft qualifizieren – generell schafft das ein etwas schwächerer Spieler.

Bei den Herren fehlten eigentlich nur Robin van Kampen (Student) und Erwin l’Ami. Laut Ris ist l’Ami derzeit im Ausland – “hat nichts mit Schach zu tun, und er verfolgt das Turnier im Internet!”.

2015 war ein Poppodium in Amstelveen Austragungsort, seither diese Schule – eventuell weniger repräsentativ, Ris dazu: “Auf dem Poppodium war nur Platz für NK Rapid, kein Rahmenprogramm – damit auch weniger Zuschauer. Nun kommen auch Teilnehmer der anderen Turniere sowie Eltern. Ausserdem war es teuer, das Poppodium für einen ganzen Tag zu mieten [Sponsordeal offenbar nicht möglich?].” Ris abschliessend: “Wenn Du noch weitere Fragen hast, besser heute als später per email. Manchmal bekomme ich am Tag hundert emails und kann dann nicht alle (schnell) beantworten!”

Ich mache zunächst weiter beim Brainwave-Schnellturnier, durchaus auch recht starkes Teilnehmerfeld:

Wenn man die Namen auf dem Foto nicht lesen kann, sieht man zumindest, dass recht viele einen Schachtitel haben. Zuerst ein Gesamteindruck:

Und nun einige, die ich unter den Teilnehmern erkannte:

FM Jasel Lopez (prost!), mein Erstrundengegner in einem anderen Schnellturnier – das wurde remis.

GM Harmen Jonkman – auch gegen ihn spielte ich mal (mit klassischer Bedenkzeit) remis. Ist einige Jahre und (für ihn) Haare her, ich erkannte ihn trotzdem. Beide nominell recht klar bessere Spieler würden womöglich bei nächster Gelegenheit gegen Thomas Richter gewinnen – sofern sie diese Chance bekommen.

Diesem jungen Herrn, der vielleicht für die Kamera posiert, bin ich noch nie am Brett begegnet. Lucas van Foreest hier zentral – später wurde er zur Randfigur, da er ab einem gewissen Zeitpunkt immer an Brett eins spielte.

Gegen GM Dennis de Vreugt hatte ich mal eine Blitzpartie verloren, ihn hätte ich nicht mehr erkannt.

Gegen IM Yochanan Afek habe ich vor kurzem im Schnellschach verloren und erkannte ihn trotzdem – ich begegnete ihm ja schon mehrfach, und es besteht kaum Verwechslungsgefahr. Ich erkundigte mich nach seiner Gesundheit, da er (so stand es auf der Turnierseite) ein Turnier in Haarlem wegen Herzproblemen absagen musste. Afek: “Thanks for your concern – aber das war dann ein Missverständnis. Beim Kardiologen war ich für einen Routinecheck, abgesagt hatte ich wegen Problemen mit meinen Augen.” Das ist dann jedenfalls nicht lebensbedrohlich (Lichtverhältnisse auf diesem Foto sind weder seine noch meine Schuld).

Später im Turnier Marc Helder (rechts) gegen Tjark Vos – Schwarz (Elo 2029) hat dann Weiss (Elo 2222) mehrere Figuren abgeknöpft und gewann diese Partie. Für Marc (in Heerhugowaard noch Niederlage gegen u.a. einen gewissen Thomas Richter) war es diesmal ein erfolgreiches Turnier – nach 0/2 am Ende 4/7. In diesem Turnier hätte ich eventuell auch mitspielen können – allerdings musste ich dann noch früher morgens anreisen, und Reporter zur Landesmeisterschaft ginge nebenbei nicht.

Mich würde persönlich auch stören – andere vielleicht nicht oder weniger – dass der Geräuschpegel beim Turnier relativ hoch war. Das lag nicht an Teilnehmern dieses Turniers, sondern am Schulschach nebenan. Das war teilweise lebhaft, vor allem in den Pausen zwischen den Runden – und wenn der Schiedsrichter(?) laut-leise “psssstt” ruft, um die Paarungen der nächsten Runde zu verkünden, kann es auch stören. Die Teilnehmer das Brainwave Rapid wussten dabei wohl, worauf sie sich einlassen.

Tjark Vos ist Nummer zwei der Niederländischen Antillen, Jasel Lopez Nummer eins auf Aruba – beide wohnen aber wohl in Europa, wie auch der Israeli Yochanan Afek. Der Schwede Michel Hoetmer spielt jedenfalls für das bereits erwähnte Zukertort Amstelveen, im letzten Jahrtausend spielte er bereits mal für Utrecht – dazwischen war er offenbar einige Jahre lang wieder  “schwedischer Schwede”. Einige Fotos vom Spitzenbrett später, nun erst wieder zum Grund, warum ich vor Ort war.

Auch dieses Foto zu Runde 4 auf Twitter gefunden – ich hatte vergessen, selbst zu fotografieren. Jorden van Foreest zu Gast beim Livekommentar von (verrate ich noch nicht), Grund war van Foreest – Giri 1-0 in dieser Runde. Zu Rundenbeginn war ich nicht in diesem Turniersaal – als ich später wieder da erschien war die Partie bereits vorbei. Jordens Auftritt habe ich nur teilweise mitbekommen – er wurde u.a. gefragt, ob er sich für Schnellschach ein eigenes Repertoire zurechtgelegt hat, mehr später.

Livekommentar war auf Englisch mit ab und zu, wohl aus Versehen, etwas Deutsch. Der Herr kam mir irgendwoher bekannt vor, aber wer ist es? Nach einer späteren Runde fragte ich “Who are you – vielleicht können wir auch Deutsch reden?”. Er: “Ich bin Ilja.” Ich (leicht verwirrt bzw. begriffstutzig): “Welcher Ilja?” Er: “Wieviele kennst Du denn?”. “Hmm, Du bist nicht Schneider – ihm begegnete ich vor kurzem, er hat mehr Bart. [Auch nicht Smirin], also Zaragatski.” Damit war er einverstanden – der komplette Livekommentar übrigens noch auf chess24, aber das habe ich mir nur ein ganz kleines bisschen angehört. Ich versäumte, mich auch vorzustellen – falls er es direkt oder indirekt mitbekommt: ich bin Thomas (Nachname nicht z.B. Paehtz oder Luther).

Einmal hatte sich im Pressebereich in Wijk aan Zee jemand mir vorgestellt mit “ich bin Nick” – da fiel der Groschen noch später: der Sänger und Hobby-Schachspieler Nick Schilder.

Aus Runde 4 sonst nur ein Schwarz-Weiss Foto: Lanchava gegen Kazarian.

Das nächste Foto entstand vor Runde 5, Text dazu passt zu Runde 4: Giri sagte “vielleicht hätte ich nicht -d5 spielen sollen”, JvF darauf “ich war auch auf andere Züge vorbereitet!”, Giri: “Aha, also stand ich nach Le2 bereits auf Verlust!?”. Diese Partie begann mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.Le2!? – noch bekannt aus Partien von vor allem Grischuk, Lagno (Zufall oder nicht) und auch Kosteniuk. Mitunter gilt zwar “es gibt Regeln für alle, und Ausnahmen für Carlsen” – aber auch er kann nicht mit 1.Le2 eröffnen. 4.Le2!? ist sicher keine Widerlegung von 1.-e5 – eher denkbar bis wahrscheinlich, dass Giri das widerlegen wollte und dabei ab 9.-f5 den Bogen überspannte. Diese Vorentscheidung im Turnier durchaus kurios.

Auf dem Foto übrigens ein breites Spektrum von Schnellschach-Elozahlen: Giri 2779, Bok 2619 (beides passt etwa zur Elo im Normalschach), van Foreest 2298, Smeets gar keine. Laut NL-Eloliste hat H.F.M. (Harry) Gielen nationale Elo 1746 – F.M. demnach kein Schachtitel sondern weitere Vornamen. Dazu hatte ich noch eine Frage an Robert Ris, aber zuerst musste er ein kleines technisches Problem lösen. Das technische Problem: Eine der beiden Türen zwischen Aula (Austragungsort der NL-Meisterschaften) und Foyer (Austragungsort der anderen Turniere, einschliesslich Schulschach) liess sich nicht mehr schliessen – dadurch Geräusche aus dem Foyer “und wenn demnächst die Preisausreichung ist wird es noch lauter”.

Meine Frage: “Warum wird/wurde die NL-Meisterschaft im Schnellschach nicht Elo-ausgewertet?” Seine Antwort: “In den Niederlanden werden Schnellturniere fast nie Elo-ausgewertet”, und auf meinen Einwand “ja stimmt, aber das ist doch eine nationale Meisterschaft ….”: “Das kostet Geld – FIDE verlangt dafür 200 Euro. Der Schachbund will diese Kosten nicht übernehmen, ich will es nicht vom Preisgeld abziehen. Giri hatte sich nach Elo-Auswertung erkundigt, den anderen Spielern ist es egal.” Also hat chess24 sich vertweetet mit “Jorden van Foreest improved his crazily low rapid rating by winning the Dutch Rapid Championship!”, konnten sie nicht wissen – im Gegensatz zu Robert Ris der das dann retweetete.

Geld haben sie, aber nun einmal nicht unbegrenzt – der Moment, um den Hauptsponsor nochmals bildlich zu erwähnen:

Dieses Foto aus dem Foyer, auf anderen Fotos ist die IT-Firma CNE ebenfalls erwähnt. Unterstützung bekamen sie auch von der Gemeinde Amstelveen, einer örtlichen Sportfirma und vom Königlich Niederländischen Schachbund.

Und nun wieder – dieser Bericht genauso etwas durcheinander wie mein Tag vor Ort – zum Spitzenbrett des Brainwave-Schnellturniers (natürlich verschiedene Runden):

Hier FM Jasel Lopez mit Schwarz gegen seinen Vereinskollegen GM David Klein (beide Kennemer Combinatie aus Haarlem) – nach dieser Runde war bereits klar, dass der an eins gesetzte Klein das Turnier wohl nicht gewinnt (am Ende war er Wertungsbester von sechs Spielern mit 5/7). Nach vorangegangenen Verwicklungen nun dieses Turmendspiel – könnte ich analysieren (lassen), da auch deutlich ist wer am Zug ist. Daraus wurde Turm und c-Bauer für Weiss gegen Turm, g- und h-Bauer für Schwarz der diesen Vorteil verwerten konnte. Ich hinterher zu Lopez: “In dieser Partie habe ich rein gar nichts verstanden” – er “nun ich hatte Glück”. Später übernahm dann Lucas van Foreest (hier an Brett 2 gegen IM Slingerland, neben ihm IM Kuipers) das Spitzenbrett.

Gegen IM van der Werf gewann er souverän, auf dem Foto ist es fast soweit: es folgte fxg7 Ta8 Sh5 und dann vielleicht nichts mehr.

Der Sieg gegen GM de Vreugt war nicht so souverän … . Später (hier vielleicht noch nicht) hatte van Foreest eine wohl schlechte Stellung und auch Rückstand auf der Uhr – zeitraubend, den Laden zusammen zu halten. Dann allerdings verbrauchte Dennis de Vreugt viel Zeit auf der Suche nach einem Gewinnweg, und nun stand LvF jedenfalls auf der Uhr besser. Weiss schnappte sich eine zweite Dame vom Nachbarbrett (Partie bereits beendet), a8D konnte Schwarz unter Figurenverlust mit-Lxa8 beantworten. Später suchte Weiss eine weitere Dame – links von ihm, aber die fehlte an Brett 2. Aufstehen und sich an Brett 3 bedienen hätte zu viel Zeit gekostet, rechts (da stand die andere weisse Dame neben dem Brett) suchte er zunächst nicht. Kurz nach h8D stand es so: Weiss zwei Damen und null Sekunden, Schwarz eine Dame und noch etwa anderthalb Minuten – Schwarz gewinnt.

Lucas dazu: “So ist es manchmal ohne Inkrement – wenn er Remis angeboten hätte war ich einverstanden.” Im Brainwave-Turnier wohl kein Inkrement, da der Terminplan (der ohnehin nicht genau eingehalten wurde) sonst durcheinander käme – zwischendurch einmal Pause damit Spieler was essen können, dafür mussten sie eventuell in der Cafeteria Schlange stehen. In den CNE-Turnieren war pro Runde (Zeitkontrolle 15 Minuten plus 10 Sekunden Inkrement) eine Stunde vorgesehen – das reicht generell, und wenn eine Runde z.B. durch ein langes Damenendspiel (mehr als 90 Züge) doch länger dauert kann man das kompensieren. Verpflegung (belegte Brote) in einem Nebenraum.

Zurück zu den NL-Meisterschaften:

Die Herren standen (siehe Foto oben), die Damen sassen vor der fünften Runde – jedenfalls de Jong-Muhren, Paulet und Haast. Rechts unterhält sich Maaike Keetman per Handy mit anderen.

In Runde sechs gewann Jorden van Foreest gegen Jan Timman. Ich war erst gegen Ende mal wieder beim Livekommentar, Zaragatski fasste die Partie etwa so zusammen: “Glanzleistung von Jorden – erst flotter Königsangriff, dann saubere Endspieltechnik”. Engines teilen diese Einschätzung jedenfalls nicht komplett und bezeichnen das weisse Angriffskonzept ab der Neuerung 15.Sg3 (zuvor französische Theorie) als mutig bis übermutig bis inkorrekt. Im Partieverlauf waren alle drei Ergebnisse möglich – Remis am ehesten durch Dauerschach. Natürlich die Frage, ob man eine Schnellpartie auf die Engine-Goldwaage legen sollte (Zaragatski verzichtete darauf), aber Timman war jedenfalls nicht chancenlos. Letzter Knackpunkt diese Stellung:

Stellung nach 28.Th1-e1? – objektive Zeichensetzung, es war Zeit für 28.Sxg6 nebst Dauerschach, wobei 28.Lc3 auch mit 0.00 bewertet wird. Befürchtete Timman auf 28.-Txf6! 29.Te8+ Tf8 30.De7, und hatten beide übersehen dass Schwarz mit 30.-Dg1+ kontern kann? Oder hatten beide hier 29.Sxd5 Te6! übersehen? Dann ist 30.Sxb6 Txe1+ 31.Kd2 c1D+ nebst -Dxg5 ein Damengewinn für Schwarz, und alle anderen weissen Züge verlieren auch.

Nach 28.-Ld7? 29.Lxd7 Dxf6 30.Dxf6 Txf6 31.Le6+ Kh8 32.Lxd5 usw. das bereits erwähnte Endspiel – Weiss hat zwei Leichtfiguren für einen Turm, die schwarzen Bauern auf b3 und c2 sind nicht mehr potentieller Sargnagel sondern Fallobst, schwarzes Gegenspiel am Königsflügel (ein Bauer kam bis f2 aber nicht weiter) unzureichend.

Zaragatski wechselte etwas zwischen Partien und erklärte, dass Giri mit Schwarz gegen Sokolov schlecht steht, dann gewann plötzlich Giri – da teilen Engines Iljas Verwunderung.

Benjamin Bok gewann schon wieder – zuvor gegen Timman (relativ glatter Schwarzsieg), nun gegen van Wely, da war er für Engines Punktsieger in einem anti-Moskauer halbslawischen Damengambit. Stand vor der letzten Runde damit: van Foreest 4.5, Giri und Bok 4, van Wely 3.5, usw. . Diese vier trafen aufeinander, Giri und Bok hatten Weiss.

Das habe ich absichtlich fotografiert, aber beide Partien wurden dann vergleichsweise geräuschlos und beinahe gleichzeitig remis:

Dann dauerte es einige Zeit bis zur Siegerehrung. Loek van Wely meinte draussen im Foyer in einer Gruppe mit u.a. Marc Helder “eine Niederlage im Turnier ist akzeptabel, zwei sind zuviel”. Jorden van Foreest kam mit seinem Handy beschäftigt dazu, ich meinte “wohl Glückwünsche, ich schliesse mich da an”. “Ja, jede Menge Glückwünsche – oh das ist aber eine lange mail …”.

Wieder drinnen Spieler im Gespräch miteinander, verdeckt hinter Smeets wohl Jorden van Foreest.

Giri nahm sein “Schicksal” recht locker – zuvor gab er Autogramme, nun posiert er mit jungen Fans (ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube die fotografierende Dame/Mutter gewann das Brainwaves B-Turnier). Rechts ist Lucas van Foreest zu schnell für meine Kamera, aber seine blauen Schuhe sind gerade so erkennbar. Zwei Bühnenfotos reiche ich noch nach:

Beide aus Runde 3, im zweiten oben die Liveübertragung – gut gemeint, aber bei den Lichtverhältnissen im Saal extrem unklar … .

Die Siegerehrung verzögerte sich weiter, da es im Damenturnier – warum auch immer – plötzlich einen Stichkampf gab:

RR (Rosa Ratsma) liess sich von BB (Benjamin Bok) vertreten, AH (Anne Haast) von AG (Anish Giri), dessen Idee das Ganze war.

Später mit Kibitzen und Livekommentar. Die erste Partie gewann Giri souverän, die zweite wurde plötzlich abgebrochen – Siegerehrung!

Erst warme Worte von Robert Ris – Dank an alle, Sponsoren, Spieler, Zuschauer.

Fenna de Jong weckte bei Anne Haast (Beruf Grundschullehrerin) Mutterinstinkte – nicht zum ersten Mal, zuvor jedenfalls auch im Januar in Wijk aan Zee. Ihr Freund Stefan Kuipers scheint das allerdings zu ignorieren. Familie de Jong-Muhren ist übrigens demnächst zu viert, das war offensichtlich und dauert vielleicht nur noch Wochen und nicht Monate.

Zweimal wurden Haast und Kuipers dann voneinander getrennt – das können sie sicher verkraften, war schliesslich zuvor auch der Fall (am selben Ort, aber nicht im selben Raum). Und vom gemeinsamen Preisgeld (für Kuipers als Vierter im Brainwave-Turnier 75 Euro, für Haast später 500) können sie einen netten gemeinsamen Abend verbringen.

Dann bekam Lucas van Foreest von Ris 400 Euro (alle Siegerfotos zeige ich nun auch wieder nicht). Startgeld im Brainwaves-Turnier übrigens recht bescheidene 5 Euro, Titelträger gratis.

Das passiert, wenn man als Fotograf eine Sekunde zu spät ist – neben diesem Foto (18:09:12) habe ich allerdings auch dieses:

Um 18:09:11 – beide zeigen Mariska de Mie

Nach ihr war Anne Haast dran

Dann Giri und Bok gemeinsam (jeweils 800 Euro, der Vierte van Wely 400, der Achte Timman noch 100)

Dieses Foto hatte ich bereits, aber zeige es abschliessend nochmals – im Umschlag 1500 Euro. Ob die van Foreest Brüder nun z.B. einen gemeinsamen Mallorca-Urlaub planen, dazu habe ich nicht recherchiert.

Print Friendly, PDF & Email

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.