Dana Reizniece-Ozola – eine Schachgroßmeisterin geht ihren Weg!

Von Werner Fischer – Wer sagt denn, dass Spitzenspieler/innen im Schach einseitig begabt sind – und auch nicht alle haben einen Spleen? Ein Vorurteil, welches sich hartnäckig hält; insbesondere unter Nichtschachspielern. Unter Schachspielern ist weitgehend bekannt, dass Meisterspieler auch im richtigen Leben zu ausgezeichneten Leistungen in der Lage sind. Man denke z.B. an die Weltmeister Emanuel Lasker (Mathematiker und Philosoph, der mit Einstein disputierte), Jose Raul Capablanca (Diplomat), Alexander Alexandrowitsch Aljechin (Jurist / Dr.?), Max Euwe (Mathematiker und FIDE-Präsident 1970-1978) und Wassili Wassiljewitsch Smyslow (Opernsänger) – also alles angesehene Berufe, die alleine schon den ganzen Menschen fordern können.

Wer jetzt aber denkt, dass nur Männer in den Kreis der Multitalente gehören wird aktuell durch die Karriere der WGM Dana Reizniece-Ozola (*06.11.1981) aus Lettland eines Besseren belehrt. Mit ihren gerade mal 36 Jahren hat sie schon einen erstaunlichen Lebensweg hinter sich. Bereits mit 15 wurde sie lettische Meisterin, sowie jeweils Zweitplatzierte bei den Jugendweltmeisterschaften 1995 (U14) und 1998 (U18) und ist bis heute dem Schachsport aktiv verbunden. Das lässt sich allein daran ablesen, dass Dana Reizniece-Ozola seit 1998 an acht Schacholympiaden (letztmals 2016) und vier Mannschafts-europameisterschaften der Frauen (letztmals 2015) teilnahm. Nicht vergessen werden sollte, dass diese beachtliche Schachspielerin auch Mitglied in einem deutschen Schachverein ist, nämlich der SG 1871 Löberitz (Oberliga / 2. Bundesliga) und auch schon als Gastspielerin für den SC Leipzig-Gohlis in der Frauenbundesliga antrat. Soweit die schachliche Expertise, welche sie als überdurchschnittliche Spielerin ausweist, aber noch kein Grund ist, hier einen ausführlichen Artikel darüber zu schreiben.

Viel interessanter ist, dass von ihr – sozusagen nebenbei – ein Studium abgeschlossen wurde und ihr beruflicher Weg sie bis an die Spitze des lettischen Finanzministeriums geführt hat. Im Detail war es ein Studium an der Hochschule Ventspils (deutsch Windau). Sie hat Wirtschaft und Management studiert und machte dabei auch Station bei der US-Raumfahrtbehörde NASA und an der privaten “Internationalen Weltraum-Universität” (ISU) im Elsass. Ab 2014 war sie für zwei Jahre Wirtschaftsministerin und seit Februar 2016 ist sie jetzt Finanzministerin. Bei der in dieser Woche durchgeführten Kür des Chefs der Eurogruppe trafen sich die Finanzminister der Eurostaaten um ihren Primus inter pares zu wählen. Zu den vier Kandidaten gehörte Dana Reizniece-Ozola – eine eindrucksvolle Leistung.

Last but not least sei noch darauf hingewiesen, dass Dana Reizniece-Ozola vierfache Mutter ist, was allein schon ein Fulltimejob ist. Es handelt sich also ganz offensichtlich um eine Frau, die voll im Leben steht und nach eigener Aussage das Schachspiel zur Entspannung betreibt, was ja nicht ausschließt, dass man auch unter diesen Umständen anspruchsvolle Leistungen abliefern kann.

Siehe: Finanzministerin schlägt Weltmeisterin

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One thought on “Dana Reizniece-Ozola – eine Schachgroßmeisterin geht ihren Weg!

  1. Da wäre z.B. auch Viktorija Cmilyte. Sie hat zwar als Politikerin wohl weniger erreicht (offenbar nur einfache Abgeordnete im litauischen Parlament), als Mutter auch “weniger” (nur dreifach von zwei Vätern, Shirov und PH Nielsen), aber als Schachspielerin doch deutlich mehr als Dana Reizniece-Ozola.

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