Remisserie in London

Zwei von bisher fünfundzwanzig Partien hatten dann doch Sieger und vor allem Verlierer. Zweimal profitierte Caruana – einmal davon, dass sein Gegner von Anfang an (für GM- bis Weltklasse-Verhältnisse) schlecht spielte, einmal davon dass der andere irgendwann den Faden verlor. Damit müsste ich eigentlich dem Italo-Amerikaner das Titelbild geben, aber – so sehe ich es – nicht er sondern Karjakin sorgte für ein Ende der Remisserie.

Der Zwischenstand vor dem bzw. am Ruhetag zeigt, wer neben Karjakin dann auch lieb war zu Caruana: Caruana 3.5/5, Vachier-Lagrave, So, Nakamura, Nepomniachtchi, Adams, Carlsen, Aronian 2.5, Karjakin und Anand 2.

Dieses Foto aus Runde 4 von Spectrum Studios, einige andere auch (dann angegeben), die meisten von Lennart Ootes – alle ab Turnierseite über Flickr.

Nicht alle Remispartien waren langweilig, wobei sich die Spieler oft pünktlich nach 31 Zügen einigten – Remisverbot vor dem 30. Zug, das kann man allerdings mit einer Zugwiederholung umgehen und auch das passierte mitunter. Ein Leitmotiv in meinem Bericht wird auch, wie John Saunders die Remisserie in seinen Berichten für die Turnierseite interpretierte, rechtfertigte oder erklärte. Nun Runde für Runde:

Runde 1:

Zwei Spieler ohne aktive Elozahl: links Garry Kasparov, der sich bei der Chess Tour generell zeigt und fotografieren lässt, rechts Demis Hassabis – wer ist das denn? Er hatte mal als 13-jähriger Elo ca. 2300, dann beendete er seine Schachkarriere und gründete die Firma DeepMind, später von Google übernommen. Heute war er Gastgeber für die erste Runde im Google Headquarter. Wohl nicht zufällig während London Classic und TCEC-Computerweltmeisterschaft verkündete DeepMind später eine Erfolgsgeschichte, aber das ist nicht Thema dieses Beitrags.

Hier die beiden zusammen mit Spielern mit aktiver Elozahl – Carlsen und Caruana sowieso, auch Malcolm Pein im Hintergrund hat einen IM-Titel und spielt jedenfalls gelegentlich selbst Schach (britische 4NCL und ab und zu ein Open). Carlsen verwarf dann Hassabis’ Vorschlag 1.c4 und entschied sich für 1.d4. Es wurde angenommenes Damengambit und remis – Weiss stand wohl zwischenzeitlich besser, das reichte um einen Carlsen-Sieg vorherzusagen (eine ausgeglichene Stellung plus Carlsen-Hype reicht auch).

Anand hatte hinterher gute Laune, obwohl er seine Chancen gegen Nakamura nicht nutzte. Nakamura stand wohl zunächst besser, aber überzog dann mit 27.h4 und 28.g5 – Anand war nahe daran, ihn dafür zu bestrafen. Das war wohl die einzige Partie der ersten Runde, in der ein anderes Ergebnis als Remis denkbar war.

Karjakin zeige ich nicht wegen seinem soliden Schwarzremis gegen den soliden Michael Adams, sondern da er nur in dieser Runde im Chess Tour Jackett erschien. Danach bekam er vielleicht einen Anruf aus Moskau: “Zieh bitte [vielleicht auch ‘gefälligst’, wie höflich sind Russen?] ab sofort Dein eigenes Sponsorjackett an. Die Chess Tour hatte Dich 2015 und 2016 ignoriert, dieses Jahr ging es nicht, nächstes Jahr ‘unklar’ – wir unterstützen Dich langfristig.” Ob die Chess Tour 2018 überhaupt stattfindet – eine Bemerkung von John Saunders später im Turnier könnte man gegenteilig interpretieren.

Nun schrieb Saunders “It was a little disappointing that Google’s state-of-the-art City venue could not have been rewarded with some more exciting headlines for its generosity in hosting the opening round of the Classic but that is often the way with our game when played at its most stratospheric level. The same thing happened in round three of August’s Sinquefield Cup in Saint Louis, which featured nine of the ten players who now line up in London.” [Übersetzungen oft etwas frei: Etwas enttäuschend, dass Google für seine Gastfreundschaft nicht mit aufregenderen Schlagzeilen belohnt wurde. Aber so ist es oft, wenn Schach auf höchstem Niveau gespielt wird. Das passierte auch in Runde drei des Sinquefield Cup, mit neun der zehn London-Teilnehmer.] TR: Google bekam durchaus Schlagzeilen, und quasi-identische Turniere in Saint Louis und London sind vielleicht Teil des Problems.

Später noch Carlsen-Hype von Saunders: “Nepomniachtchi … opted for a draw in a position in which he might have held an infinitesimal advantage of the type that Carlsen might try to nurse during a long grind but others understandably decide is unwinnable.” [Nepomniachtchi verzichtete auf Versuche, (gegen Aronian) einen minimalen Vorteil zu verwerten – derlei macht/kann nur Carlsen.]

Das Ganze wie gesagt im Google Headquarter, noch zwei Fotos:

Die Bühne

Das Ganze aus der Zuschauer-Perspektive, nur an diesem Tag Eintritt frei. Danach war bereits Ruhetag, da sie mehr als etwa achtzehn Stunden brauchten, um ihr equipment zum Olympia Centre zu transportieren. Tata Steel Chess schafft das bei grösseren Abständen (von Wijk aan Zee nach Haarlem oder Utrecht oder …) schneller, aber in London herrscht offenbar permanentes Verkehrschaos, auch nachts. Ausserdem haben sie ja grössere Turnierlogos.

Runde 2:

Vor der Runde, dann werden die Spieler nach und nach auf die Bühne gerufen. Dahinter nun zahlende Zuschauer, ausverkauft war es offenbar nicht.

Zu den Partien – Musik am ehesten in zwei von fünf, immerhin.

MVL-Nakamura 1/2 – auf dem Foto erkennt man, dass Nakamura zwar seinen Rasierapparat, aber nicht seine Red Bull Dose vergessen hat. Ausserdem erkennt man Konturen der sizilianischen Drachenvariante – so wollte Nakamura nach eigener Aussage bereits beim Grand Prix in Palma de Mallorca gegen den Franzosen spielen, der dann mit (1.e4 c5 2.Sf3 d6) 3.Lb5+ derlei Pläne vereitelte. Sie spielten die prinzipielle Hauptvariante, da vor allem Weiss – manchmal auch Schwarz – mehrere Möglichkeiten hat waren es nach 17.Dd3 nur noch fünf Datenbank-Partien. Und dann geschah … zunächst lange nichts: Nakamura überlegte 52 Minuten und neuerte dann mit 17.-Sa5 – dabei hatte zuvor 17.-Dc8 für Schwarz prima funktioniert: 4,5/5, allerdings nicht auf höchstem Niveau.

Idee von 17.-Sc6-a5 war vielleicht das dann gespielte 19.-Sa5-c6, vielleicht auch nicht. Nun konnte MVL mit 20.Sdb5! wohl positionellen Vorteil erhalten, stattdessen wickelte er ab in ein Turmendspiel mit weissem Mehrbauern – dennoch dynamisch ausgeglichen, es wurde dann remis.

So-Nepomniachtchi 1/2 begann mit dem etwas krummen 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.f3 d6 4.e4 e5 5.Se2 c5. Danach verflachte es – nun nicht wirklich, aber ab dem 24. Zug wurde wiederholt, so war es bereits nach 27 Zügen remis.

Zu Runde zwei noch Karjakin – nicht weil er gegen Carlsen geräuschlos remisierte, sondern wegen seinem von Runde eins abweichenden (und danach identischen) Jackett.

Runde 3:

Zunächst ein Bühnenfoto von Spectrum Studios

Dann zwei Ex-Weltmeister in Grossaufnahme (ebenfalls Spectrum Studios). Carlsen opferte mit Weiss theoretisch bekannt einen Bauern, hatte dann nicht voll ausreichende Kompensation, aber dann verflachte es zum Remis. Auch die anderen vier Partien endeten remis – einer den ich bereits mehrfach zeigte war damit im Nachhinein unzufrieden, einer der nun fotografiert wird durchaus zufrieden:

Aronian-Karjakin 1/2: Aronian opferte einen Bauern für “gewisse” Kompensation – absichtlich remis spielten die Londoner Protagonisten nicht, jedenfalls nicht alle oder immer. Die Kompensation kam ihm abhanden, 33.Kh1? kombinierte er mit einem Remisangebot – wobei er offenbar erst nach dem Remisangebot realisierte, dass dieser Zug ein Fragezeichen verdient da Schwarz nun nach 33.-Le7 viel besser steht. Karjakin hatte zu diesem Zeitpunkt noch etwa vier Minuten Bedenkzeit, überlegte, stellte fest dass er noch 30 Sekunden hatte bis zum 40. Zug (plus pro Zug 30 Sekunden delay, nicht Inkrement) und akzeptierte das gegnerische Remisangebot – sonst hätte er eventuell die Führung im Turnier übernommen, so kam es tags darauf anders.

John Saunders am Ende seines Berichts “Fifteen Draws and what do you get?”: “The fact that the first three rounds have produced fifteen draws and no decisive results has of course become the chief talking point of the tournament, and led to wild talk of the death of chess … but this could simply be a phase that chess happens to be going through at the moment. Chess has been in these troughs during several earlier eras of the game when draws started to proliferate but the advent of exciting young players such as Tal, Fischer, Kasparov, Carlsen, etc, has usually swept away the cobwebs. … I attended this years Gibraltar and Isle of Man tournaments and didnt hear anything about draws killing the game. …  some sort of shake-up in the format of tournaments may be necessary as elite chess is getting a little bit too cosy and too much of a closed shop.” [Natürlich waren fünfzehn Remisen und null entschiedene Partien ein Thema, mit wilden Bemerkungen dass Schach ‘tot’ ist … aber das ist vielleicht eine Momentaufnahme. Schach durchlief in früheren Äras ähnliche Phasen mit vielen Remisen, das änderte sich, da aufregende junge Spieler wie Tal, Fischer, Kasparov, Carlsen auftauchten. … Ich war dieses Jahr in Gibraltar und auf der Isle of Man, keine Klagen betrifft Remistod des Schachspiels. …. vielleicht sollte man andere Turnierformate andenken, Eliteschach wird etwas zu gemütlich und zu viel geschlossene Gesellschaft.]

TR: Carlsen spielt doch in London mit, oder? Und dieser Pragmatiker passt eigentlich nicht zu den Angriffsspielern Tal, Fischer und Kasparov? Aber Carlsen-Hype muss nun einmal sein … . Bei offenen Turnieren wie Gibraltar und Isle of Man sind Remisen naturgemäss kein Problem. Eliteschach = geschlossene Gesellschaft, dazu hat die Chess Tour doch massgeblich beigetragen? Verstehe ich John Saunders richtig, dass die Chess Tour sich selbst abschaffen sollte??

Runde 4: Den Höhepunkt (oder vom einseitig gezeigten Niveau Tiefpunkt?) des Turniers hatte ich eingangs bereits, zuerst zu anderen Partien:

Nakamura und Nepomniachtchi lachend vor der Partie, aus unterschiedlichen Gründen: Nepo freute sich auf eine interessante Najdorf-Partie; Naka freute sich darauf, derlei Pläne zu vereiteln. Er wählte das nicht-prinzipielle und wenig vielversprechende 6.g3, bekam etwas symbolischen Raumvorteil, dann wurde es remis.

MVL-Carlsen 1/2: Das war das Duell der beiden Führenden in der Tour-Gesamtwertung – wobei der Franzose in London vor dem Norweger landen muss, um ihn einzuholen (Stichkampf um den Toursieg) oder zu überholen. Carlsen opferte oder verlor einen Bauern, dafür hatte bzw. bekam er zwar das Läuferpaar aber dieses war nicht unbedingt besser als das gegnerische Springerpaar. MVL fand dann nicht die richtigen Springermanöver, so wurde es remis.

Bei Anand-Aronian opferte Schwarz korrekt einen Bauern, das wurde auch remis. Ebenso So-Adams nach ungewöhnlicher Eröffnung (Wolga-Gambit mit Weiss).

Dann war da noch Karjakin-Caruana 0-1 – hurra! aus Sicht von Remisgegnern und auch aus US-amerikanischer Sicht. Caruana überraschte Karjakin mit dem Taimanov-Sizilianer (so spielte er zuvor nur selten), und dann wohl auch mit einer ziemlich irrelevanten Zugumstellung: In der Partie geschah 6.Le3 a6 7.Df3 Se5 8.Dg3 b5 (formal eine Neuerung) 9.0-0-0 Sf6, und genau diese Stellung entsteht oft nach 7.-Sf6 8.0-0-0 Se5 9.Dg3 b5. Diese provokative Reaktion auf Le3/Df3 (-h5 früher oder später gehört auch dazu) gab es übrigens auf hohem Niveau vor einiger Zeit vor allem in Schwarzpartien von Anish Giri, zu ihm komme ich noch (bzw. wir, Richter und Saunders).

Ab dem 17. Zug spielte Karjakin dann konsequent schlecht: 17.h3? (nach 25 Minuten – 17.exf6 e.p. kostet zwar ebenfalls einen Bauern, aber dann wäre die Stellung reichlich unklar), 25.Lg1? (deaktiviert diesen Läufer, warum auch immer), 26.g3? (gönnt dem schwarzen Springer das Feld f3). Das reichte an sich bereits, um diese Partie zu verlieren, 35.Sxa6?! hat die Sache dann nur noch beschleunigt. Caruana profitierte vom Überraschungseffekt, von durchaus guter eigener Vorbereitung aber vor allem vom gegnerischen Vortrag – ein Foto bekommt er nun:

Tags zuvor gab es bereits Twitter-Diskussionen zwischen Giri und Caruana, Giri hatte angefangen und mokierte sich über die vielen Remisen in London. Caruana kam dann mit dem Vorschlag, London Classic in “Anish Giri Cup” umzubenennen und erinnerte Giri an seine ebenso spektakuläre wie dumme Niederlage gegen Jorden van Foreest bei der NL-Schnellschachmeisterschaft – so wurde dieses Turnier, bzw. eine Partie daraus, auch international registriert!

Das nochmal im Saunders-Zitat: “The previous day Anish Giri had tweeted “LOL @london_chess” – if this was a reference to the notable absence of decisive games in the Classic, you might adjudge this a case of the pot calling the kettle black. I, of course, could not comment. Anyway, a little while later Fabiano Caruana took it upon himself to reply: we’re thinking of renaming it to the Anish Giri Cup. [Tags zuvor twitterte Giri “LOL @london_chess – war wohl eine Anspielung auf fehlende Entscheidungen in Partien – wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen (das entsprechende deutsche Sprichwort). Ich konnte das natürlich nicht kommentieren. Jedenfalls, etwas später schrieb Caruana “wir wollen das Turnier vielleicht in Anish Giri Cup umbenennen”.]

TR: Giri-bashing muss offenbar auch sein – Saunders kommentiert das erst und sagt dann ‘kein Kommentar’. Anish Giri Cup (AGC) passt durchaus – nach den drei Spielern, die zuvor in London alle neun Partien remisierten: Adams 2015 (für ihn war es ein Erfolgserlebnis), Giri 2016, Caruana 2015. Wie die Faust aufs Auge passt, dass Caruana mit seinem “kreativen Spiel” weitgehend Giri kopierte … .

Runde 5: Caruana durfte schon wieder gewinnen, sonst wieder viermal Remis – aber zuerst einige Fotos vorab (diese Serie von Spectrum Studios):

Ein Blick ins Foyer – Publikum nur teilweise zahlend, für Frauen und U25 mit Wohnsitz Grossbritannien war es ja gratis. Lennart Ootes – im Hintergrund mit bunten Haaren und auch Schuhen- musste wohl auch keinen Eintritt zahlen.

Auch die VIPs in der ersten Reihe verdienen in London Geld, statt Eintritt zu bezahlen.

Das gilt auch für Aronian, der sich offenbar etwas verspätete – bis kurz vor der Runde ein Blick in den Kleiderschrank “soll ich oder nicht?”. Diese Frage betrifft rote Hose beantwortete er dann mit “JA”.

Vor der Partie dann “kennen wir uns, haben wir dieses Jahr schon gegeneinander gespielt?”. Ja, es war die neunzehnte Partie zwischen Aronian und MVL, knapp die Hälfte davon (neun) im Weltcup-Halbfinale. Zwanzig oder mehr werden es nur, wenn sie am Ende in London um den Turniersieg stechen sollten und/oder wenn beide bei der WM im Schnell- und Blitzschach spielen und aufeinander treffen.

Nun übernimmt was Fotos betrifft wieder Lennart Ootes.

Nochmal diese beiden – die Partie war ein Kurzremis der interessanteren Sorte. Vachier-Lagrave überraschte Aronian in der Eröffnung und stand mit Schwarz besser – Überkompensation für zwei Bauern. Aber dann fand er nur eine Zugwiederholung.

Caruana-Anand 1-0 musste aus schwarzer Sicht nun wirklich nicht sein – auch hier stand Schwarz aus der Eröffnung heraus besser und verlor dann total den Faden. Das Ganze in einem Anti-Berliner (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3) in dem Weiss dann lang rochierte und Schwarz kurz – schwarze Angriffschancen schienen konkreter. Anand wartete mit Fehlern bis zum 32. Zug – danach war allerdings praktisch jeder der sechs verbleibenden Züge schlecht.

John Saunders macht daraus “It was another triumph for Fabiano’s positive, confident play from what looked a fairly innocuous opening, creating a position that was imbalanced and just sharp enough to induce a few errors when the pressure built up.” [Ein erneuter Triumph für Fabianos positives, selbstsicheres Spiel aus einer scheinbar harmlosen Eröffnung. Er produzierte eine unbalancierte Stellung, scharf genug für ein paar gegnerische Fehler unter Druck.] TR: Kann man auch negativ spielen?? Generell hat Saunders das dringende Bedürfnis, einen Amerikaner zu loben.

Carlsen-So 1/2 – zwischendurch sah es so aus, dass Carlsen auch mal gewinnen sollte (So liegt ihm durchaus). Ich gebe Chessbase auf Englisch das Carlsen-freundliche Wort: “Magnus Carlsen played a masterful game against Wesley So, achieving a won endgame, only to blunder it and draw. … Facing a strange novelty in the Berlin on move five(!), he proceeded to outplay his opponent in a vintage display. He maneuvered the game into a winning endgame, until he finally went astray.

Auch das etwas frei übersetzt: Carlsen spielte grossartig – Ave Carlsen Halleluja! – bis er dann nicht mehr grossartig spielte. Dass So sich einige Ungenauigkeiten leistete, um in einer schlechten Stellung zu landen, ist nicht der Rede wert. Dass Carlsen dann eine Gewinnchance verpasste, ist dagegen erstaunlich. Zur Eröffnung: wieder ein anti-Berliner – 5.-Sd4 war selten (zuvor nur auf Niveau Elo unter 2100), Carlsens 5.Lg5 dabei auch (zuvor auf Niveau 2400+ nur von Kamsky und Bartel, deren Gegner Giri und Goganov eben was anderes spielten, 5.-h6). Daraus entstand dann irgendwie ein für Weiss besseres bis gewonnenes Endspiel, das Carlsen nicht verwerten konnte.

Die beiden anderen Remispartien nicht unbedingt der Rede wert, Adams-Nakamura 1/2 trotz sizilianischer Drachenvariante. Nochmal Spectrum Studios zum Drumherum:

Dieser Junge beginnt offenbar erst mit “Chess in Schools” – in der zweiten Unterrichtsstunde kommt, dass man pro Zug nur eine Figur bewegen darf.

Noch kurz zu anderen Turnieren in London: Bei der British Knockout Championship gewannen in der ersten Runde die Favoriten – nur ein Match hatte keinen Favoriten, da eliminierte Luke McShane Gawain Jones (Sieg in 125 Zügen in der zweiten Partie). In den Halbfinal-Matches zunächst je viermal Remis, dann gewannen McShane (gegen Short) und Howell (gegen Sadler) im Armageddon. Im Finale zunächst ein Remis, dann profitierte Howell in Remisstellung von einem gegnerischen Turmeinsteller – toll, dass diese Partie Sieger und Verlierer hatte! In der dritten Partie konnte McShane ausgleichen.

Stand im FIDE-Open nach sechs von neun Runden (Runde sieben läuft momentan noch): Melkumyan, Hawkins, Vakhidov 5.5/6, elf Spieler darunter Alexander Donchenko 5/6, die Elofavoriten Motylev und Sargissian und weitere Spieler 4.5/6, usw. .

Zurück zu den Weltklassespielern: Wenn Caruana weiterhin Geschenke bekommt, erzielt Carlsen den Chess Tour Gesamtsieg im Schongang – in Runde 6 u.a. MVL-Caruana. Es kann natürlich auch sein, dass der Franzose nicht einverstanden ist und stattdessen selbst gewinnt – dann ist das Turnier vorne wieder offen und erweist sich Saunders’ Ankündigung, dass Caruana seinen Triumph einmal beim Sinquefield Cup wiederholt, als voreilig. In diesem Falle müsste Carlsen doch auch gewinnen, gegen seinen Lieblingsgegner Nakamura erscheint das auch mit Schwarz durchaus möglich. Der Schachticker bleibt dran, schaut allerdings gleichzeitig auch auf die russischen Meisterschaften – jede Menge entschiedene Partien … .

 

 

 

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One thought on “Remisserie in London

  1. Zum letzten Foto: Das sieht für mich mehr danach aus, als wenn der Junge die Figuren für eine neue Partie aufbaut. 😉

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