Laskers 100% und die Folgen

Um in den Kampf um die Weltmeisterschaft eingreifen zu können, forderte Emanuel Lasker im Jahr 1892 Siegbert Tarrasch zu einem Wettkampf heraus, den dieser jedoch mit dem Hinweis ablehnte, Lasker möge bitte erst einmal ein großes Turnier gewinnen. Stattdessen zog Tarrasch es vor, mit Chigorin einen Wettkampf zu bestreiten, da dieser mit Steinitz bereits zweimal um die Weltmeisterschaft gekämpft hatte, wobei er selbst die großen Turniere in Breslau 1889, Manchester 1890 und Dresden 1892, welche er gewonnen hatte, als Referenz vorzuweisen hatte.

Aufgrund fehlender schachlicher Perspektiven in Europa reiste Emanuel Lasker Ende 1892 nach Amerika, wo er gegen verschiedene amerikanische und kubanische Meister antrat. Dabei besiegte er unter anderem den hochgehandelten Amerikaner Showalter mit +6 -2 = 2 . Im Herbst 1893 gewann er dann das Impromptu-Tournament in New York mit 13+ =0 -0 und deklassierte den zweitplatzierten Albin mit 4,5 Punkten. Dieser Erfolg ließ die Schachwelt aufhorchen. Während Chigorin und Tarrasch immer noch ihren Wettkampf spielten, forderte der forsche Lasker mit dieser Empfehlung Steinitz zu einem WM-Kampf heraus und Steinitz nahm an.

Vom Turnier in New York sehen wir Laskers 10. Sieg gegen den Meisterspieler William Pollock. Die Position nach dem 7. Zug von Schwarz erweckt bei den heutigen Meisterspielern wenig Vertrauen, wurde aber auch von Wassily Smyslov in seiner Partie gegen den polnischen Nationalspieler Kostro, bei der Schacholympiade 1960, gespielt. Es ist beeindruckend wie sich Lasker mit einfachen Mitteln ein positionelles Übergewicht erspielt, welches er aber mit einem ungenauen Damenzug aus der Hand gibt. Danach entsteht ein offenes für beide Seiten gleichwertiges Endspiel, bei dem Pollock auf die materielle Karte setzt. Lasker interpretiert die Stellung aber anders und entwickelt mit einem weit vorrauschauendem Bauernopfer eine starke Initiative, die ihm am Ende auch den vollen Punkt beschert.

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