World Mind Games in China

Die Turniere in Huai’an (insgesamt sechs) hatten dabei nicht den Status Weltmeisterschaft – die kommen noch, ebenfalls an einem exotischen Ort (Riyadh in Saudi-Arabien). De fakto ist es stattdessen Nachfolger der Amber-Turniere. Im polnischen Kattowitz dagegen parallel die offenen Europameisterschaften im Schnell- und Blitzschach – “offen” im Sinne von “für beide Geschlechter” (die Damen hatten ja zuvor schon ein eigenes Turnier in Monaco) und “Schweizer System, offen für alle aus Europa”.

Insgesamt acht Turniere in einem Artikel bedeutet, dass ich kaum auf Partien eingehen kann (es waren ja tausende …) und auch nur bedingt auf den jeweiligen Turnierverlauf. Acht, da in China nach Schnell- und Blitzschach auch noch Baskisch gespielt wurde. So war es anfangs geplant, nun verteile ich es doch über zwei Beiträge.

Das Titelbild gebe ich Vladislav Artemiev, der in China im Blitzschach überraschte – Insider vielleicht nicht. Dafür gab es neben einem Stofftier dann auch knapp 10.000 Euro, und es hatte auch Konsequenzen für seine Blitzelo. Ich bespreche zunächst die Turniere in China – alle Fotos von Gu Xiaobing via Turnierseite. Muss man sich den Namen Gu Xiaobing merken? In China hat er schon öfters fotografiert, anderswo meines Wissens nicht.

Aus Huai’an jeweils nur die ersten drei (plus eventuell punktgleiche Spieler/innen) und wenig bis nichts zum Turnierverlauf, die deutsche Teilnehmerin bespreche ich separat.

Schnellschach der Herren: Andreikin, Mamedyarov und Le Quang Liem 4.5/7 – so nach Tiebreak sortiert, aber das Preisgeld wurde gleichmässig geteilt (alle 8500 Euro) und sie bekamen auch dasselbe Stofftier:

Der Sieger zentral, Silber links, Bronze rechts – beim nächsten Foto ist diese Information relevant. Zu diesem Turnier erwähne ich nur noch, dass Grischuk (3/7, Platz sieben bis zehn) und Artemiev (2.5/7, Platz elf bis zwölf von zwölf) im Schnellschach nicht so erfolgreich waren.

Schnellschach der Damen: Stefanova, Anna Muzychuk, Mariya Muzychuk, Lagno, Ushenina alle 4.5/7 – 4450 Euro für alle, Stofftiere und Medaillen nur für die ersten drei:

Sie haben sich für die Siegerehrung auch noch fast einheitlich angezogen, und dabei zuvor umgezogen. Stofftiere verstecken die Farbe der Medaillen – ich gehe davon aus, dass Anna Muzychuk links steht und Mariya Muzychuk rechts (ganz sicher bin ich mir nicht, Chessbase hatte sie auch mal verwechselt).

Blitz der Herren: Artemiev und Grischuk 16/22 (2-0 für Artemiev im direkten Mini-Match), Andreikin 14/22. Nur Andreikin konnte sein Schnellschach-Ergebnis etwa wiederholen, dafür nun Mamedyarov mit 7/22 am Tabellenende zusammen mit Korobov.

Die Sieger diesmal mit Offiziellen, Andreikin dachte “ich muss das Stofftier doch nicht noch einmal der Kamera präsentieren”.

Für alle hatte es auch angenehme Elo-Konsequenzen: Artemiev (Elo +79) nun von zwölf auf zwei in der Weltrangliste, Grischuk (+123) von dreissig zurück auf sieben, Andreikin (+57) von siebzehn auf neun. Der Ausflug nach Saint Louis hatte sich für Grischuk nur finanziell gelohnt. Blitz-Elozahlen und Ranglistenplätze kann man bei derlei extremen Sprüngen durchaus relativieren – dabei “gehört” Grischuk durchaus in die top10, und Artemiev und Andreikin waren auch bei anderen Gelegenheiten im Blitzschach jedenfalls besser als im Normalschach. Verlierer gab es natürlich auch, z.B. Mamedyarov: Elo -83, von 19 auf 52.

Grischuk freute sich auch individuell, die Dame rechts wendet sich diskret ab.

Blitz der Damen: Stefanova 14.5/22 (die schon wieder), Ju Wenjun und Kosteniuk 13.5/22

Ju Wenjun machte es bunt – ob auch in den Partien, nun die bespreche ich nicht. Mariya Muzychuk diesmal Vorletzte mit 6/22 – wer zweimal Platz zwölf belegte, da muss sich der Leser noch etwas gedulden.

Baskisch der Herren: Grischuk und Korobov 6.5/10, Harikrishna, Yu Yangyi, Andreikin 6/10

Lockenkopf Korobov hatte also auch noch ein Erfolgserlebnis. Preisgeld habe ich nicht für alle bilanziert – für Grischuk insgesamt 21.750 Euro, für Andreikin 19.833 Euro. Das an sechs Tagen (oder acht, wenn man An- und Abreise mitrechnet). Bei der russischen Meisterschaft konnte Grischuk an zwölf Tagen (11 Runden und Ruhetag) bis zu 14.000 Euro verdienen – wie realistisch das war (Svidler spielte mit) ist ein anderes Thema.

Baskisch der Damen: Zhao Xue 7.5/10, Anna Muzychuk 6.5, Lagno und Harika 5.5

Stefanova diesmal Letzte (ja, Letzte) mit 3.5/10. Was ist Baskisch eigentlich? Dazu später ein Foto.

Die deutsche Teilnehmerin war natürlich Elisabeth Paehtz, für sie gab es gute und schlechte Nachrichten. Die durchaus gute Nachricht: insgesamt 2375 Euro Preisgeld – ca. 400 Euro pro Tag (ohne Reisetage) oder 300 Euro (mit An- und Abreise) ist immer noch akzeptabel. Die schlechte Nachricht: Mehr war möglich, und das schaffte sie auch bei früheren Auflagen der World Mind Games, diesmal blieb sie unter ihren Möglichkeiten.

Drei Momente mit Foto:

Vor der allerersten Schnellpartie gegen Ju Wenjun. Später stand Paehtz vorübergehend klar besser, konnte das nicht konkretisieren und stand dann etwas schlechter. Und dann: 42.-Lf6??? – Paehtz gab sofort auf, ohne 43.Dxb5 oder gar ein von Engines gefundenes Matt in neun Zügen abzuwarten. Nach DxDb5 wären nur noch drei Damen an der Partie beteiligt, ich verzichte auf ein Diagramm.

In Runde 2 gegen Tan Zhongyi war 10.Ld3? suboptimal – auch wenn es nicht total neu war, u.a. eine Jugendsünde von Alexander Donchenko (2009 mit Elo 2067). Fünf Züge wurden danach noch gespielt, bevor Paehtz der nächsten Chinesin zum Sieg gratulierte. Die anschliessende Niederlage gegen Kosteniuk lasse ich mal aussen vor, in Runde vier gegen Ushenina fand Paehtz aus zuvor besserer Stellung heraus (auf dem Brett und auf der Uhr) ein Selbstmatt.

Tags darauf lief es gegen die dritte Chinesin besser, diesmal patzte Zhao Xue gegen Paehtz: 46.Dc3?? Se4+ 0-1 (nur zwei Fragezeichen, da es die Dame nicht einzügig sondern zweizügig einstellte).

Gegen Nana Dzagnidze noch ein halbes Erfolgserlebnis – remis. Zum Schluss eine turbulente Partie gegen Harika, die mit Weiss das Evans-Gambit entkorkte. Beide spielten danach nicht perfekt (Engines meckern gerne), am Ende von Paehtz wieder ein fataler Läuferzug: 41.-Lc7?? 42.f5 Lxe5 43.fxDe6+ und den Rest liess sich Paehtz nicht mehr zeigen: Zwar geht 43.-SxDd3 (es war also kein einzügiger Dameneinsteller) aber dann hat Weiss 44.e7 nebst 45.e8D. Insgesamt für Paehtz 1.5/7.

Im Blitzturnier zeigten dann vor allem Artemiev und Grischuk, dass man (frau natürlich eventuell auch) da besser abschneiden kann als zuvor im Schnellschach. Paehtz erzielte zwar mehr als doppelt soviele Punkte, insgesamt dreieinhalb – das war jedoch relativ: im Schnellschach sieben Runden Schweizer System, im Blitzschach doppelrundig also 22 Partien. Die Erfolgserlebnisse ziemlich gleichmässig über das Turnier verteilt: Runde sechs Schwarzsieg gegen Dzagnidze, Runde zehn Schwarzremis gegen Stefanova, Runde vierzehn Sieg wieder mit Schwarz gegen Ushenina und in Runde neunzehn auch noch ein Sieg mit Weiss gegen Mariya Muzychuk (insgesamt mit Weiss damit 1/11 – ob Paehtz sich daraufhin einen Schnaps genehmigte, dazu habe ich nicht recherchiert). Die Partien habe ich nicht durchgeklickt, nur teilweise das Engine-Urteil überflogen – blitz-typisch mitunter ein Auf und Ab.

Mit Schwarz gegen Zhao Xue setzt Paehtz gerade an zu 25.-Dxf4? – einer der Momente, in denen das Engine-Urteil kippte. Später überlebte sie das Mittelspiel und verlor im Endspiel. An Brett 2 spielte sie, da es ein Rundenturnier war.

Baskisch lief dann besser – immerhin 4/10, darunter ein 2-0 gegen Dzagnidze, die generell ein noch enttäuschenderes Ergebnis für Paehtz verhinderte. Wie gesagt: diesmal war, warum auch immer, bei Paehtz der Wurm drin, bei anderen Gelegenheiten war sie in China erfolgreicher. Eine andere Spielerin mit “ausbaufähigen” Turnieren hätte ich nicht ausfürlich besprochen – ich schreibe ja für ein deutsches Publikum.

Dzagnidze war übrigens vielleicht die konstanteste Spielerin: Platz sieben im Schnellschach, Platz sieben im Blitzturnier und Platz sieben bis neun mit Baskisch. Was ist Baskisch eigentlich? Dazu ein Foto mit Anna Ushenina:

Zwei Partien gleichzeitig gegen dieselbe Gegnerin mit vertauschten Farben. Hier ist – bei “willkürlich” verteilten Figuren – nicht einmal auf Anhieb klar, an welchem Brett sie Weiss bzw. Schwarz hat, aber das hatte sie sich sicher gemerkt. Rechts hat sie wohl Weiss – beide Könige unterstützen den/die jeweiligen Freibauern! Links fehlen auf dem Foto wohl einige weisse Figuren.

Was bleibt, sind Fotos – individuell und dann als Galerien

Die Eröffnungsfeier war natürlich vor dem Turnier.

Dann wurde – wohl in einem anderen Raum – Schach gespielt. Und nun Galerien:

Ivanchuk bekommt oft, fast “traditionell” seine eigene Galerie – auch diesmal hatte ich Ivanchuk1 bis Ivanchuk7 heruntergeladen, aber diesmal gebe ich Mamedyarov eine eigene Galerie:

Auf den ersten beiden Fotos zusammen mit Freund, Landsmann, Mannschaftskollege und Schnell/Blitzschach-Spezialist Rauf Mamedov.

Und das war’s aus China, die Weiterreise nach Polen dauert etwas – daher veröffentliche ich diesen Beitrag nun.

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