Frauenbundesliga: 3-3 zwischen Baden-Baden und Bad Königshofen

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Am vergangenen Wochenende fand die zweite Doppelrunde der Frauenbundesliga statt, außerdem wurde die Einzelrunde der Reisepartner untereinander komplettiert. Neuer Tabellenführer ist Titelverteidiger Schwäbisch Hall vor dem punktgleichen Hamburger SK. Titelfavorit Baden-Baden folgt einen Punkt dahinter. Gegen Bad Königshofen gab es nur ein 3-3 Unentschieden, auch dadurch begünstigt, dass Baden-Baden nicht alle Topspielerinnen ans Brett bringen konnte. Das Titelbild gebührt sicher Alexandra Kosteniuk – siehe unten im Bericht.

Hier die Zusammenfassung der Ereignisse an den einzelnen Spielorten.

Spielort Kiel

Die spannendsten Begegnungen fanden am Samstag statt. Hamburg schlug die Rodewischer Schachmiezen mit 4-2, die auf ihre Topspielerin Anastasia Bodnaruk verzichten mussten. Dabei machten die Hamburgerinnen ihre Punkte insbesondere an den hinteren Brettern durch Filiz Osmanodjy, Teodora Rogozenco und Alina Zahn. Den einzigen Rodewischer Sieg schaffte Melanie Lubbe gegen Judith Fuchs, weil Judith in der Zeitnotphase den Überblick über den Gesamtspielstand verlor und zu riskant fortsetzte. Leipzig gewann knapp 3,5-2,5 gegen Kiel und machte einen Big-Point gegen den Abstieg. Für Kiel wird es damit immer enger im Abstiegskampf.

Am Sonntag wurde es deutlich: Rodewisch schlug Kiel mit Wut im Bauch mit 6-0, Hamburg gewann mit dem gleichen Ergebnis gegen Leipzig.

Spielort Deizisau

Die meiste Spannung versprach die Freitagsbegegnung von Schwäbisch Hall gegen Deizisau. Nachdem es Ende April beim Bundesligafinale einen äußerst knappen Sieg für Schwäbisch Hall gegeben hatte, der letztendlich den Weg zur Meisterschaft frei machte, wurde wieder ein enges Match erwartet. Aufgrund des freitäglichen Berufsverkehrs startete der Kampf mit geringfügiger Verspätung, ausgerechnet der Schiedsrichter war im Stau hängengeblieben. Dann wurde es aber doch eine klare Sache für Schwäbisch Hall, auch weil Deizisau gerade an den hinteren beiden Brettern nominell recht deutlich unterlegen war.

Schon nach knapp 3 Stunden war die Entscheidung gefallen. Irina Bulmaga (immerhin gegen die Nummer 5 Deutschlands Hanna Marie Klek), Jovana Rapport und Petra Papp gewannen glatt, dabei übersah Petra Papps Gegnerin nach 20 Zügen ein 2-zügiges Matt. Kurz darauf endete die Partie zwischen Deimante Cornette und Elena Levushkina im Dauerschach, und das war schon die Entscheidung. An Brett 1 machte Yuliya Naiditsch mit ihrem zweiten Sieg innerhalb von zwei Wochen gegen Ekaterina Atalik den Ehrenpunkt für Schwäbisch Hall, an Brett 2 schlug Lela Javakhishvili Zoya Schleining. Damit stand ein klares 4,5-1,5 für Schwäbisch Hall zu Buche.

Die Wochenend-Paarungen von Schwäbisch Hall und Deizisau gegen Erfurt und Lehrte versprachen weniger Spannung, unter anderem auch dadurch, dass Erfurt nur 5 Spielerinnen ans Brett bringen konnte. Schwäbisch Hall schaffte wie im Vorjahr zwei 6-0-Siege, Deizisau ließ gegen Erfurt zwei und gegen Lehrte drei Remis zu. Insbesondere Fiona Sieber gegen Yuliya Naiditsch und Nicole Manusina gegen Hanna Marie Klek zeigten ihre Kampfkraft, beide verteidigten fast 5 Stunden lang schlechtere Stellungen zum Remis.

Ausführliche Informationen gibt es im Liveticker des Autors: Freitag, Samstag, Sonntag

Hier eine Fotogalerie aus Deizisau (Fotos vom Autor):

Spielort Karlsruhe

Hier herrschte die meiste Spannung, trafen doch mit Baden-Baden und Bad Königshofen zwei Liga-Schwergewichte aufeinander. Den Auftakt machte am Freitag die Nachholbegegnung zwischen Baden-Baden und Karlsruhe, die 4,5-1,5 an den Favoriten ging. Immerhin 3 Remis schaffte der Außenseiter, der erstmals mit Jovanka Houska und Lena Georgescu seine Spitzenspielerinnen zum Einsatz brachte. Am Samstag gab es ebenfalls noch recht wenig Spannung, Baden-Baden und Bad Königshofen gewannen gegen Hofheim bzw. Karlsruhe jeweils 4,5-1,5. Allerdings gab es ein paar bemerkenswerte Einzelergebnisse: Hofheim holte an Brett 1 und 2 gegen Baden-Baden 1,5 Punkte, und im Parallelspiel holte Annmarie Mütsch im Juniorinnenduell gegen Jana Schneider ihren ersten Saisonsieg.

Am Sonntag wurde es spannend. Bad Königshofen und Baden-Baden rüsteten ihre Mannschaft kräftig auf.Bei Baden-Baden rückte Ekaterina Kovalevskaya ins Team, bei Bad Königshofen saßen Elisabeth Pähtz und Olga Girya am Brett. Aber besonders bemerkenswert war der Einsatz von Alexandra Kosteniuk, die direkt von den Mind Games aus China kam. Mannschaftskapitän Thilo Gubler holte sie nach einem 12-stündigem Direktflug um 5:45 am Frankfurter Flughafen ab und brachte sie nach Karlsruhe, wo sie um 9:00 am Brett saß und mit Valentina Gunina eine Generin auf Augenhöhe eindrucksvoll bezwang. Gleich nach der Partie reiste sie mit dem Zug nach Frankfurt, um aufgrund anderer Verpflichtungen nach Moskau zu fliegen. Das nennt man Einsatz fürs Team. Ohne Alexandra Kosteniuk hätte es für Baden-Baden ziemlich düster ausgesehen, da die anderen Topspielerinnen samt und sonders ebenfalls in China weilten.

Am Ende gab es ein 3-3 Unentschieden, das die Baden-Badener Meisterschaftschancen intakt hält. Außer Alexandra Kosteniuk gewann Ketevan Arakhamia-Grant gegen Jana Schneider, für Bad Königshofen schlug Olga Girya Ketino Kachiani-Gersinska und Dina Belenkaya Iamze Tammert. Wann Iamze Tammert zuletzt überhaupt einmal in der Bundesliga verloren hat, ist mir nicht bekannt. Durch das 3-3 kann Baden-Baden immer noch aus eigener Kraft Meister werden, noch einen Ausrutscher kann sich die Mannschaft aber voraussichtlich nicht mehr leisten.

Auch bei Karlsruhe-Hofheim wurde es spannend. Hofheim zeigte im ersten Spiel gegen einen Gegner auf Augenhöhe, dass sie nicht gleich wieder in die 2. Liga absteigen wollen und verloren nur knapp mit 2,5-3,5. Sonja-Maria Bluhm schlug nach ihrem Remis am Vortag Jovanka Houska aus England überzeugend, auch Ulrike Rößler punktete voll gegen Manuela Mader. Aber die hinteren Bretter gingen verloren, und Annmarie Mütsch schaffte den Siegpunkt gegen Christina Winterholler.

Hier ein paar Fotoeindrücke aus Karlsruhe (alle Fotos von Thilo Gubler):

Weiter geht es in der Frauenbundesliga Ende Januar unter anderem mit der Spitzenbegegnung zwischen Hamburg und Schwäbisch Hall. Auch in der nächsten Runde werden die ein oder anderen Mannschaften Mühe haben, alle Spitzenspielerinnen ans Brett zu bekommen, finden doch parallel das Tradewise-Open in Gibraltar und das Moskau-Open statt, dazu noch das Tata-Steel Turnier in Wijk aan Zee. Daher sind Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Hier die aktuelle Tabelle:

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