Medaillen in Riad für Anand, Ju Wenjun und andere

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Diese beiden – aus Indien und China – bekamen jeweils zwei Medaillen und werden daher bereits im Titel erwähnt, Vishy Anand bekommt auch das Titelfoto. Weitere Medaillen gingen an Russland – insgesamt vier aber keine goldene – sowie nochmals China, Deutschland, Georgien und auch Skandinavien. Letztere nicht etwa an Pia Cramling, die ihr hohes Tempo vom ersten Blitztag nicht durchhalten konnte, sondern an Magnus Carlsen der am zweiten Blitztag mehr als genug gegnerische Geschenke bekam – so war die Welt am Ende für ihn in Ordnung.

Keine Medaillen gab es, was führende Schachnationen betrifft, für die USA (recht kleine Delegation  ohne die stärksten Spieler), die Ukraine (zwar fehlten die Muzychuk-Schwestern, aber andere hatten eventuell Chancen), Aserbaidschan, Frankreich und Armenien (Mamedyarov, Vachier-Lagrave und Aronian punkteten nicht genug).

Aus deutscher Sicht: In den offenen Turnieren haben Georg Meier sowie im Schnellschach auch Igor Khenkin mitgespielt, Elopunkte eingebüsst und kein Preisgeld gewonnen. Positiv da allenfalls, dass Georg Meier am ersten Blitztag zeitweise an vorderen Brettern spielte – neben Niederlagen gegen Yu Yangyi, Karjakin und Svidler kam auch ein Sieg gegen Ding Liren dabei heraus. Zu den Damen: Im Schnellschach ist Elisabeth Paehtz bereits erwähnt, natürlich später noch etwas mehr. Marta Michna da im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Sarah Hoolt darunter. Im Blitzschach war Platz 17 für Paehtz “weder schlecht noch gut”, Platz 20 für Michna sicher ein Erfolg – lange spielte sie noch weiter vorne, erst am Ende war doch Paehtz nach Punkten beste deutsche Teilnehmerin. Sarah Hoolt auch da klar im Elosoll (wie aussagekräftig Schnellschach- und Blitzelo ist ist ein anderes Thema).

Ich nenne zunächst die vordersten Plätze von allen vier Turnieren (etwas mehr als nur die jeweils ersten drei), dann einige Worte zum Turnierverlauf und jede Menge Fotos – ab Turnierseite über Facebook.

Schnellschach offenes Turnier: Anand, Fedoseev, Nepomniachtchi 10.5/15, Bu Xiangzhi, Carlsen, Grischuk, Savchenko, Mamedov, Guseinov 10 – das muss reichen auch wenn viele bekannte Namen noch fehlen. Gut, Svidler – Wertungbester von neun mit 9.5/15 – kann ich noch erwähnen. Die drei zuerst genannten bekamen jeweils 150.000$, die Medaillen wurden so verteilt: Anand gewann den Stichkampf gegen Fedoseev, Nepomniachtchi hatte die schlechteste Wertung und bekam daher Bronze.

“Wer ist Vladimir Fedoseev?” – diese Frage stellt sich inzwischen nicht mehr, immerhin war er Nummer acht der Setzliste.

Schnellschach Damen: Ju Wenjun 11.5/15, Lei Tingjie 11, Paehtz 10.5, Khotenashvili, Le Thao Nguyen Pham, Dzagnidze, Fataliyeva, Atalik 10, usw. – auch hier diverse bekannte Namen, darunter alle Russinnen, weiter hinten in der Abschlusstabelle. Die Damen sorgten bei Medaillen für klare Verhältnisse.

Auch Ju Wenjun bekommt ein individuelles Foto.

Blitzschach offenes Turnier: Carlsen 16/21, Karjakin und Anand 14.5, Wang Hao und Aronian 14, Ding Liren, Petrosian, Yu Yangyi, Korobov, Mamedyarov, Svidler 13.5. Beste Wertung von sieben Spielern mit 13/21 für Vachier-Lagrave und Grischuk. Warum Carlsen am Ende klar vorne lag, dazu komme ich noch.

Der Norweger mal wieder ohne Bart(versuch), jedenfalls am zweiten Blitztag. Vachier-Lagrave hatte sich dagegen nicht rasiert, vielleicht war das falsch – wobei er nach dem ersten Tag Zweiter war und Carlsen zu diesem Zeitpunkt Platz 20 einnahm. Noch asymmetrischer spielte Levon Aronian – bei Halbzeit bzw. nach 11 von 21 Runden nur auf Platz 68. Zu diesem Zeitpunkt lag er direkt hinter Ivanchuk, der diesmal zwei schlechte Turniere erwischte: Platz 98 im Schnellschach, Platz 59 im Blitz – da er jeweils Nummer sechs der Setzliste war, kostete es auch insgesamt 191 Elopunkte (99+92).

Blitzschach Damen: Dzagnidze 16/21, Gunina 16, Ju Wenjun und Lagno 14, Cramling, Tan Zhongyi, Kosteniuk, Abdumalik, Kulon 13.5, usw. . Ju Wenjun gewann das direkte Duell gegen Lagno (in der letzten Runde!) und damit Bronze. Nach dem ersten Tag hatte Pia Cramling noch einen Punkt Vorsprung auf Dzagnidze und Gunina, anderthalb auf Lagno und Buksa (nach 8/11 noch 3.5/10) und noch mehr auf alle anderen, z.B. drei Punkte auf Ju Wenjun. Cramling wurde registriert und fotografiert, Dzagnidze offenbar nicht.

Nun nacheinander etwas mehr zu den Turnieren, bei Schnellschach der Herren beginne ich bereits mit Runde eins:

Carlsen – Bu Xiangzhi 0-1! Wie schon beim Weltcup in Tiflis wurde Carlsen Opfer eines chinesischen Königsangriffs – konkretes Schach ist nicht unbedingt sein Ding, lieber laviert und manövriert er und wartet auf gegnerische Fehler. Übrigens spielte er dennoch weiterhin an Brett eins, warum eigentlich? Ein norwegischer Fernsehsender hatte keine Lust, seine Kameras zu bewegen – und Schach ohne Carlsen ist für sie uninteressant. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Norweger zu Recht am Spitzenbrett spielte.

Pantsulaia – Vachier-Lagrave 1-0! Ahnte der Franzose vor der Partie bereits, was geschehen sollte? Zunächst wurde er vom Georgier eingeschnürt/überspielt, dann vergab Pantsulaia seinen Vorteil und einen halben Zug lang war gar das nach Elo “korrekte” Ergebnis möglich – Elo 2839 gewinnt doch noch gegen Elo 2654? MVL nutzte diese Chance nicht und stand sofort und nun definitiv auf Verlust.

In Runde 2 war Vladmir Dobrov ein netter Aufbaugegner für Carlsen, dann traf er auf Pavel Eljanov:

Der war öfters lieb zu ihm, diesmal nicht oder nur ein bisschen – Carlsen entwischte aus schlechter Stellung mit Remis.

Auch in Runde vier wurde Carlsen fotografiert, oder war sein Gegner Salem Saleh das Fotomotiv? Diese Partie gewann der Norweger, und dann auch noch gegen Kasimdzhanov, der freundlicherweise plötzlich den Überblick verlor. Immerhin insgesamt nun 3.5/5, andere machten es besser:

Zum Beispiel Baadur Jobava, der für seine 4.5/5 am ersten Tag ein Interview bekam, allerdings im weiteren Turnierverlauf zurückfiel (Remis spielte er weiterhin nur sehr sporadisch, genauer gesagt noch einmal – aber neben drei Siegen auch sechs Niederlagen im Restturnier). Fedoseev erzielte ebenfalls 4.5/5.

Die echte Spitzenpaarung tags darauf Fedoseev-Jobava 1-0 an Brett zwei: ein wildes unkonventionelles Duell mit dem besseren Ende für den Russen – vielleicht weil Jobava am Ende mehr als Remis wollte und weniger bekam.

Kuzubov-Grischuk 1-0 in derselben Runde ein unerwartetes Ergebnis

Ebenso van Foreest – Harikrishna 1/2, jedenfalls nach Schnellschach-Elo – 2298 hielt gegen 2687 remis. Jorden van Foreest ist natürlich im Schnellschach unterbewertet, vermutlich auch noch nach diesem Turnier bei dem er 103 Elopunkte gewann (mehr als alle anderen Teilnehmer).

Ebenfalls aus dieser Runde GM Vallejo – IM Tissir und dahinter GM Howell – FM Saeed, da gewannen jeweils die Elo- und Titelfavoriten. Fotografisch mache ich weiter mit Peter Svidler:

Runde acht gegen Carlsen, das wurde eher geräuschlos remis – wie auch nebendran die echte Spitzenpaarung Anand-Fedoseev.

Runde neun mit Schwarz gegen Andrey Esipenko (offiziell noch FM aber er hat den GM-Titel bereits in der Tasche). Svidlers 15-jähriger Landsmann war zuvor (unter anderem) gegen andere Russen erfolgreich – Siege gegen Artemiev, Malakhov und spektakulär gegen Karjakin, Svidler gewann trotzdem.

Ebenfalls in Runde neun Carlsen-Anand 0-1! – es schien remislich, bis Carlsen ein taktisches Detail übersah und Anand seine Chance nutzte.

Stand nach dem zweiten Tag: Fedoseev 8/10, Anand, Svidler, Wang Hao 7.5/10, usw. (7/10 u.a. Carlsen, 6.5/10 u.a. Nepomniachtchi und Mamedyarov, 5.5/10 u.a. Aronian und MVL).

Fedoseev bekam ein Interview

Anand ebenfalls

Zu Tag drei, zunächst Runde 11:

Pantsulaia hatte nach MVL auch Artemiev, Ponomariov, Ding Liren und Onischuk besiegt, nun verlor er gegen Carlsen.

Mamedov-Fedoseev 1-0 1/2 aus der Kategorie “das gibt es doch nicht” – Fedoseevs König stand zwischendurch nackt auf g4, irgendwie überlebte er (Engines sagten bis zu +11). Dass Fedoseev später einen halben Zug lang “20 Mehrbauern hatte” – nun ein Sieg aus einer zuvor total verlorenen Stellung wäre zuviel des Guten, also nutzte er die plötzliche Chance nicht.

In Runde 12 sass Carlsen erstmals (abgesehen von Runde eins) zu Recht am Spitzenbrett, da er hochgelost wurde. Daraus wurde Fedoseev-Carlsen 0-1. Carlsen tat, was er öfters tut: mit gegnerischer Hilfe ein Remisendspiel gewinnen, so übernahm er plötzlich die Führung im Turnier. Fedoseev tat, was er auch öfters tut: eine sehr gute Turniersituation verspielen – diesmal schaffte er es (abgesehen vom Stichkampf) am Ende doch nicht.

In Runde 13 an den Spitzenbrettern alles remis. Carlsen wählte gegen Wang Haos Berliner Mauer die Schlafwagen-Variante 5.Te1 und wartete auf einen gegnerischen Fehler. Der kam nicht, also Remis.

Runde 14: wieder vorne viele Remisen, bis auf Anand-Grischuk 1-0 – Grischuk griff indirekt in den Kampf um den Turniersieg ein! Nun führten Anand und Carlsen (Schwarzremis gegen Artemiev) mit 10/14, dahinter lauerten Bu Xiangzhi, Fedoseev, Svidler, Wang Hao, Nepomniachtchi und Artemiev mit 9.5/14.

In Runde 15 dann vorne diverse Partien mit Sieger und Verlierer, erst die Ausnahme:

Bu Xiangzhi und Anand waren sich nach 11 Zügen remiseinig, beide hatten dank Inkrement mehr Bedenkzeit als vor dem ersten Zug. Anand begnügte sich am letzten Tag mehrfach mit Kurzremisen und sicherte so zumindest ordentliches Preisgeld.

Carlsen-Grischuk 0-1! – Grischuk wählte mit Schwarz den Vorwärtsgang, Carlsen der ja lieber Warteschach spielt kam damit nicht zurecht und verpasste so doch noch eine Medaille. Ausserdem Nepomniachtchi-Wang Hao 1-0 – Weiss gewann früh einen Bauern, die technische Verwertung war dann nicht trivial. Das Qualitätsopfer 46.Txc5 war objektiv ein Semi-Bluff: nach 46.-dxc5 hat Weiss weder Gewinn- noch Verlustchancen, Wang Hao spielte 46.-bxc5? und kam nach 47.b6! unter die Räder.

Ausserdem Fedoseev-Artemiev 1-0 – auch das glücklich: Artemiev entkorkte in ausgeglichener Stellung eine Kombination die rein gar nicht funktionierte. Ausserdem Savchenko-Svidler 1-0 – auch da gewann Russland gegen Russland, wobei Boris Savchenko zuvor nur 9/14 hatte.

Zum Stichkampf Anand-Fedoseev nur soviel: Anand dominierte – 1.5-0.5 wurde es, 2-0 war möglich aber in der zweiten Partie war Vishy mit Remis zufrieden. Preisgeld wurde gleichmässig geteilt, es ging nur oder immerhin um Pokal und WM-Titel.

Und danach noch ein Interview mit Anand, nicht immer machte das Anastasia Karlovich. Zu Anands Turnier insgesamt: neben den bereits genannten Siegen gegen Medaillenkandidaten Carlsen und Grischuk erwähne ich vor allem den spektakulären Sieg gegen Leko in Runde zwei. Endergebnis eines Opferangriffs war eine Stellung mit Dame gegen drei Leichtfiguren – soweit aus gegnerischer Sicht OK, aber Anand hatte dazu zu viele (Frei)Bauern. Daneben auch noch simple aber hübsche Damenopfer gegen Demchenko und McShane die jeweils – vorteilhaftes Tauschgeschäft – den gegnerischen König gewannen.

Bei Fedoseev tue ich mich schwer, einzelne Partien hervorzuheben, stattdessen noch ein Zitat gegen Ende des ersten Tages: “Ich weiss selbst nicht, was für mich erreichbar ist – vielleicht Platz drei oder fünf” – dann wurde es noch mehr … .

Nepomniachtchi begann verhalten: Remis gegen Laznicka und Georgiev, Sieg gegen Andriasian, Niederlage gegen Vidit war zusammen nur 2/4. Dann allerdings 4.5/5, eine vermeidbare Niederlage gegen Carlsen und am letzten Tag drei Weissiege und zwei Kurzremisen – mit Schwarz gegen starke Gegner (Anand und Svidler).

Zum Damenturnier etwas knapper und eher “Spielerin für Spielerin”, wobei ich mit der Nummer eins der Setzliste beginne:

Auch im Damenturnier bereits in Runde eins ein Favoritensturz: Zawadzka-Lagno 1-0! – wenn da ein Klassenunterschied erkennbar war, dann zugunsten der gut 200 Elopunkte “schlechteren” Weisspielerin, die Lagnos Sizilianer zerlegte. Lagno verlor im weiteren Turnierverlauf auch noch gegen Zatonskih, Saduakassova und Batsiashvili, ausserdem noch vier Remisen gegen nominell glatt unterlegene Gegnerinnen. Bibisara Assaubayeva war dabei mit zuvor Schnellschach-Elo 1949 noch unterbewerteter als Jorden van Foreest im offenen Turnier – 9.5/15 gegen durchweg Elo 2350+ brachte Platz 10 und satte 166 Elopunkte. 9/15 für Lagno war Platz 23 und kostete 62 Elopunkte.

Die zweite nominell starke Russin Alexandra Kosteniuk erzielte anfangs 9/13, dann kam Georgien – Niederlagen gegen Dzagnidze und Khotenashvili in den letzten beiden Runden. Nach Runde 13 hatte sie noch Medaillenchancen, am Ende war es Platz 15.

Nun zu den Medaillengewinnerinnen: Ju Wenjun hatte mit 5/5 einen perfekten ersten Tag, ihr letztes Opfer war

Bela Khotenashvili, die nach vier Runden ebenfalls 100% hatte. Am zweiten Tag dann zunächst vier Remisen.

Das gegen Danielian hatte Konsequenzen – eine Runde lang musste sie das Spitzenbrett abgeben an die mit ihr nun punktgleichen Goryachkina und Le Thao Nguyen Pham. Die Vietnamesin mit sehr starkem Turnier, Niederlagen nur gegen die Chinesinnen Ju Wenjun und Lei Tingjie. Ju Wenjun gewann ausserdem noch zwei Partien – insgesamt ein souveräner Start-Ziel-Sieg.

Lei Tingjie war auch durchgehend vorne mit dabei – einzige Niederlage in Runde vier gegen Landsfrau Ju Wenjun.

Paehtz spielte nach dem Motto “nicht verlieren und ab und zu eine Partie gewinnen” – relativ gleichmässig über die Runden verteilt: Runde 1, 3, 5, 8 sowie – wichtig – 13 und 14. In der letzten Runde dann Remis in sieben Zügen gegen Ekaterina Atalik. In einer Runde hing “ungeschlagen” dabei am seidenen Faden – Weiss gegen Batsiashvili in Runde acht, Stellung nach 69.Kh3:

Natürlich steht Schwarz auf Gewinn, nach 69.-Kg5 sagen Engines gar “Matt in 20”. Aber Batsiashvili entschied sich für 69.-Kg6??? und nach 70.Dxg4+!! gewann Paehtz das noch! Derlei Fehler machte sie bei den World Mind Sports Games mitunter selbst, nun überliess sie das der Gegnerin. Wohl etwas unfair, dass ich ihre anderen Gewinnpartien nicht würdige – aber ich schliesse hier erst einmal ab, Blitzturnier und weitere Bilder kommen später.

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