Novum beim 34. Böblinger Open

Ein Beitrag von Karlheinz Vogel – Wie jedes Jahr gab es die klassische win-win-win Situation: manche Schachclubs haben ihr Spiellokal in einem Hotel. Da gibt es reichlich Säle, Räume und um diese Jahreszeit oft gähnende Leere. In Böblingen ist das anders. Hier hat der lokale Schachclub mit dem Hotelbetreiber ein attraktives Paket geschnürt und zur Belohnung ein volles Haus.

Und das ist nicht nur für den Verein und das Hotel sondern auch für die Spieler interessant: faire Preise, kurze Wege sowie gutes Essen und Getränke, die nur deswegen so günstig sein können, weil auch die Hotelküche vom Verein gekapert wurde.

Und dass hier ein eingespieltes Team arbeitet, merkt man an allen Ecken und Enden. Nur ein Beispiel: direkt hinter der Tür im großen Saal ist ein Schiedsrichtertisch, so dass die Phonzahl auf dem Gang bei Bedarf schnell reduziert werden kann, und die Spieler nicht gestört sind. Trotz oder wegen vier Schiedsrichtern gab es keinen Protest und Missverständnisse konnten schnell geklärt werden.

Der rührige Pressewart Hans-Peter Remmler versorgte die lokale Presse mit Infos. Die Zeitungsartikel wurden offline auf ein Flip-Chart geklebt. Online sind sie auch hier:

http://www.svw.info/images/stories/referate/presse/pressespiegel/2017/BBB-2017-12-22-Seite22.pdf

http://www.svw.info/images/stories/referate/presse/pressespiegel/2017/BBB-2017-12-27-Seite17ext.pdf

http://www.svw.info/images/stories/referate/presse/pressespiegel/2017/BBB-2017-12-28-Seite23ext.pdf

http://www.svw.info/images/stories/referate/presse/pressespiegel/2017/BBB-2017-12-29-Seite23ext.pdf

… und wenn im Neuen Jahr die Druckerpressen wieder anlaufen, wird wohl auch der Bericht vom 29. 12., aber zumindest der Abschlussbericht im Pressespiegel zu finden sein.

Das Preisgeld ist ordentlich, aber eben nicht so, dass sich ein 2700-er hierher verirrt. Trotzdem: sieben GM, siebzehn IM sowie mehr als zwanzig FM und dazu vier weibliche Titelträger sind ein stolzes Niveau. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die ersten Runden für die nominell Stärkeren zum Selbstläufer wurden. Zum einen war da eine sowohl zahlenmäßig und ELO-technisch starke chinesische Gruppe, bei der zum Beispiel der titellose Ke Mu eine ELO von 2436 aufwies. Des weiteren kamen auch der 15-jährige IM Iniyan Panneerselvam aus Indien sowie mit Jen Sheng Ng ein CM aus Malaysia. Letzterer sicherte sich mit 5,5 Punkten bei einem Gegnerschnitt von 2200 den Wertungspreis unter 2100 ELO

So gab es bereits nach vier Runden niemanden mehr, der nicht wenigstens ein Remis abgegeben hatte. Arik Braun, einem wilden Handgemenge nie abgeneigt, schaffte zwei Siege gegen potenzielle Mitkonkurrenten und kam so von den vier Spielern mit 5 Siegen und 4 Remis auf die beste Wertung. Platz zwei und eine GM Norm gingen nach Indien: bei der Siegerehrung erkundigte sich Mario Born sicherheitshalber „wie spricht man ‘Panneerselvam’ richtig aus?“.

Mads Andersen – Iniyan Panneerselvam

Wer mit 15 so eine Performance abliefert, den kann man zukünftig ruhig auf dem Radar haben. Platz drei ging an den ELO-Favoriten Mads Andersen aus Dänemark – auch aus Dänemark reiste eine größere Gruppe an. Misa Pap war der letzte der noch 7 Punkte erreichen konnte, aber durch sein Remis in Runde eins konnte er seinen wertungstechnischen Nachteil nicht mehr aufholen.

Deshalb das Novum: Arik Braun ist der erste Sieger, der seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen konnte.

Bernd Schneider – Arik Braun das wilde Handgemenge folgt noch, David Ortmann kiebitzt

GM Chen Li kam zwar ebenfalls auf 5 Siege, allerdings bei einer Niederlage gegen Braun. IM Christopher Noe hatte ein Remis zu viel, um ganz vorne dabei zu sein, dafür gelang ihm eine Kombination, die unter Damenopfer ein gegnerisches Abzugsschach verhinderte und so ein Matt ermöglichte, das in jedes Taktiklehrbuch passen würde. Igor Naumkin, war der dritte der 6,5 aus 9 schaffte.

Von den vielen Spielern mit 6 Punkten möchte ich nur die beiden FM Benedict Krause und FM Jonas Rosner herausgreifen: Mario Born freute sich mit Ihnen über ihre jeweils dritte IM- Norm und das, obwohl sie dann im nächsten Jahr kein Startgeld mehr zahlen müssen.

Überhaupt, die Siegerehrung. Mario Born machte das kurz und knackig, indem er jeweils die Preisträger einer Gruppe en bloc nach vorne holte. So ging die Ehrung zügig von statten. Trotzdem war ihm deutlich anzumerken, dass er viele Spieler persönlich kennt und sich mit ihnen über ihre Gewinne freut: herzlich ohne unnötige Längen, wo doch alle müde waren und heim wollten.

Nur ganz kurz zur B-Gruppe: Marc Gibicar verlor seinen Titel aus dem Vorjahr an Felix Begri (7,5 aus 9). Die Plätze zwei und drei gingen an Familie Gheng: Sohn Dominik vor Mutter Simona mit je 7 Punkten. Tyron Milare schaffte als Vierter ebenfalls noch 7 Punkte. Die größte Überraschung war m.E. der jüngste Teilnehmer der B-Gruppe, Marius Deuer. Mit 9 Jahren auf Platz 39 gesetzt und zwischendurch an Brett zwei spielend, schaffte er mit zweitbester Wertung 6 Punkte und Platz 11.

ganz links- Marius Deuer, der jüngste Teilnehmer des B-Turniers

In der C-Gruppe kam Alexander Foksha ohne Wertungszahl, verlor in Runde eins und ließ acht Siege folgen. Wenn er so weiter macht, wird er seinen Titel nicht verteidigen können, weil er im nächsten Jahr in der B-Gruppe spielen muss.

Für alle, die jetzt noch ein wenig stöbern wollen, hier der Link zur Homepage, mit Partien, Bildern, Resultaten und Auswertungen – alle Fotos sind von dieser Webseite:

http://boeblinger-open.de/index.php/de/

und last not least noch zwei Hinweise zu weiteren Turnieren:

Ab dem 2. Januar 2018 steigt in Schwäbisch Gmünd ab 10 Uhr das 30. Staufer Open mit einem Gesamtpreisfonds von über 9.000 €. Mit A- und B-Gruppe sowie einem Kinderturnier am 4. Januar. Näheres unter:

www.staufer-open.de

Katrin Leser und Carolin Diermeier bei der Analyse im Vorraum

und für alle, die Spaß am Blitzen haben:

am 13. Januar 2018 findet in Stuttgart ab 14 Uhr das Werner-Hoffmann-Gedenkturnier (ehemals Neujahrsblitzturnier) der Stuttgarter SF statt. Im Startgeld von 10 € (Jugendliche und Vereinsmitglieder 6 €) ist ein wenig Verpflegung enthalten. Zusätzlich bekommt jeder Teilnehmer einen Sachpreis.

Wo: Bürgerzentrum West (1. OG Bürgersaal),

Bebelstr. 22, U2- / U9 Haltestelle Schwab- / Bebelstraße

Anmeldung und Einlass ab 13 Uhr, Meldeschluss 13:30

… wie meinte ein erfahrener (Mit-)Spieler: die Parkgebühren der Tiefgarage können das Startgeld deutlich übertreffen.

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