Rilton Cup 2017-2018

Zwischen WM in Riad und Wijk aan Zee sowie – teils parallel – Gibraltar nichts los? Ja, wenn man sich nur für Spieler mit Elo 2700+ interessiert, ansonsten gab es jede Menge offene Turniere. Mehrere Turniere, z.T. noch nicht beendet, bekommen wohl einen Kombi-Bericht, der Rilton Cup in Stockholm bekommt nun angesichts der Menge des vorhandenen Materials einen eigenen Bericht.

Entwicklungen im Turnier vorab kurz beschrieben: erst dominierte Polen, dann schloss Norwegen zur Spitze auf, dann gewann Russland. Jeweils waren es nicht Spieler mit Elo 2700+ (Wojtaszek, Duda, Carlsen, zu viele um alle zu nennen) – die fehlten beim Rilton Cup und waren teilweise in Riad anderweitig beschäftigt. Deshalb hat auch eine Schwedin nicht mitgespielt und dann doch vorbeigeschaut. Auch von denen, die mitspielten, lagen nicht unbedingt die bekanntesten Namen zwischendurch oder am Ende vorne.

Das kam am Ende heraus: Alekseenko 7.5/9, Chigaev, Antipov, Rasmussen 7, Salomon, Aravindh, Gledura, Hammer, Sasikiran 6.5, usw. . Die Gruppe mit 6/9 wird nach Wertung angeführt von Piorun, Tari und Grandelius – noch weniger Punkte erzielten u.a. Krasenkow, Volkov (elobester Russe im Turnier), Sokolov und viele andere mehr. Insgesamt 126 Teilnehmer im Rilton Cup (es gab noch parallele Turniere), einer muss da Letzter werden – es erwischte den Schweden Lennart Evertsson mit 0/8 plus, da ein Spieler nach sechs Runden aufhörte, Sieg gegen Freilos. Bis auf Evertsson haben alle genannte Spieler den GM-Titel, wobei einer ihn offenbar im Laufe des Turniers verlor (ich dachte, für GM-Titel gibt es lebenslang?).

Das Titelfoto bekommt natürlich Kirill Alekseenko – Fotoquelle Turnierseite Fotograf der sehr fleissige Lars OA Hedlund. Wie letztes Jahr hat er nahezu alle Teilnehmer(innen) abgelichtet, auch aus Eloturnier (<2200, dafür hat Evertsson sich qualifiziert – es sei denn weitere Turniere anno 2018 laufen für ihn besser) und Rilton1800 (Elo-Obergrenze). Foto-Auswahl für Galerien diesmal nach etwas anderen Kriterien als 2017 – mitunter bemühe ich auch das Archiv vom letzten Jahr um festzustellen, was neu ist oder auch nicht. Eine Schachfamilie bekommt diesmal ihre eigene Galerie, aber nun erst zum Turniergeschehen:

Bei Partien fiel mir unter anderem auf: relativ oft wurde lang rochiert, nicht immer eröffnungstypisch – manchmal wurde auch gar nicht oder dann künstlich rochiert. Schwerpunkt werden die letzten drei Runden, aber aus gegebenem Anlass auch Foto und Diagramme zu Runde eins:

IM Ippolito – GM Sasikiran 1-0! – da er keine Carlsen-Privilegien bekam, musste der an eins gesetzte Inder das Spitzenbrett danach abgeben. Wie kam das zustande?

Hier steht Schwarz zwar etwas Slawisch-beengt, aber durchaus OK – auch der etwas im Abseits stehende Lb3 ist (noch) kein Problem. Nach 14.-c5?! (14.-Sb6, 14.-Db6) 15.d5! hatte Schwarz dann Probleme, die er nicht lösen konnte – er spielte 15.-e5, 15.-exd5 16.Sd2 wäre auch problematisch. Das kam am Ende dabei heraus:

Nach drei Runden hatten nur noch Piorun, Aravindh und der spanische IM Jaime Santos Latasa 100%, die GMs trafen tags daraus aufeinander:

Richtig geraten, der Inder Aravindh sitzt rechts und hat Schwarz – es wurde (eher geräuschlos) remis. Das schaffte auch Santos Latasa gegen (erster echter Prüfstein) Krasenkow, andere konnten aufschliessen und nach Runde vier hatten sieben Spieler 3.5/4 – am überraschendsten der finnische IM Sammalvuo (nach Pflichtsieg in Runde eins Remis gegen Hammer und Siege gegen Volkov und Kotronias). So ging es für ihn nicht weiter, am Ende keine GM-Norm.

In Runde 5 legte Piorun noch einen drauf – zu Liang-Piorun 0-1 habe ich kein Foto, aber zwei Diagramme:

Es begann eher ruhig mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 (Endspiel nein danke) 4.-Lc5 5.0-0 Sd4 (das verhindert Weiss oft mit 5.c3 oder auch 5.Lxc6) 6.Sxd4 Lxd4 – gilt als ausgleichend für Schwarz, auch wenn der Ld4 später mit c2-c3 befragt wird. Dann rochierte Schwarz allerdings lang und zum Diagramm (nach 31.Ld1) können wir zunächst feststellen: Weiss hat Luft vor dem eigenen König, aber noch keine offenen Linien – die verschaffte er sich unter Bauernopfer am Damenflügel. Nun kam der Doppelfehler 31.-Lxd1? 32.Dxd1? – warum das Fragezeichen für Dxd1, es ist doch total logisch und “erzwungen”? Weiss konnte hier mit 32.Txb7! klaren Vorteil erhalten (32.-Kxb7 33.Sa5+, und auch sonst hat Schwarz keine Freude an seiner Mehrfigur) – Pflicht für Schwarz war 31.-Lxc4.

Nun tat Schwarz, was er schon zuvor tun konnte und musste – mit 32.-Sc5 b7 überdecken – und bekam schnell Oberwasser, das war dann die Schlusstellung:

Schwarz hat ein paar Mehrbauern (einen wird er schnell mit -h1D “opfern”) und an seinem Königsflügel alles überdeckt – letzter Zug war 42.-c5, Weiss gab auf.

Die fünf anderen mit zuvor 3.5/4 spielten alle Remis, Piorun lag alleine vorne. Insgesamt sieben Spieler mit zuvor 3/4 gewannen, u.a. erzielte Norwegen 50% – anders als wohl erwartet: GM Hammer – IM Nihal Sarin 0-1 – Weiss landete aus einer “normalen” katalanischen Stellung heraus in einem sehr schlechten Endspiel. Sowie GM Sokolov – GM Salomon 0-1 – ein schlechter Tag (nicht der einzige) für Ivan Sokolov. Johan Salomon hat den GM-Titel, nach dem Turnier hat er auch wieder fast GM-Niveau (aus Elo 2475 wurde Elo 2497).

Runde 6: Piorun spielte gegen Grandelius remis. In einem asymmetrisch-komplizierten Endspiel stand der Schwede mit Schwarz vorübergehend klar besser, aber wickelte falsch ab – fünf Bauern gegen Springer und Bauer war nur remis, König gegen König am Ende natürlich sowieso.

Nihal Sarin – Krasenkow 0-1 – optischer Kontrast und interessante Partie. Weiss rochierte im Damengambit lang, Schwarz kurz. Beiderseitiger Bauernsturm vor dem gegnerischen König brachte nichts konkretes, dann wurde erst einmal manövriert. Dann öffnete Krasenkow die Stellung vor seinem König, warum das denn? Um mit dem Turm über die h-Linie einzudringen und so den gegnerischen König entscheidend anzugreifen.

Antipov beendete den Lauf von Tapani Sammalvuo und konnte so ebenfalls zur Spitze aufschliessen, aktueller Zwischenstand: Piorun, Krasenkow und Antipov 5/6, elf Spieler mit 4.5/6. Polen lag vorne, aus zwei Gründen nicht überraschend dass es diese Spieler waren: Krasenkow und Piorun waren Nummer zwei und drei der Setzliste, und sie waren die einzigen Polen im Turnier. Wie gesagt, ein Zwischenstand der sich schon tags darauf änderte:

Runde 7:

Remis bei Krasenkow-Piorun, man ist geneigt zu denken “natürlich unter Landsleuten”. Allerdings stand Piorun mit Schwarz zuvor jedenfalls besser, konnte es aber nicht konkretisieren. Mehr zu einigen anderen Partien:

Bei Tari-Antipov 1-0 setze ich das erste Diagramm schon nach acht Zügen:

Das war Französisch Abtausch, Schwarz will hier wohl lang rochieren und Weiss hatte etwas dagegen: 9.b4! Sxb4 10.Db3 Sc6 11.Dxb7. Weiss stand nun gut, aber dabei blieb es nicht – Stellung nach 32.Tb1:

Schwarz hatte dann eben 13.-Kf7 gespielt, nebst Bauernsturm am Königsflügel und potentiellem Sargnagel f3 für den gegnerischen König. Was nun? 32.-Sxa2!, das ging! Weniger um den geopferten Bauern zurück zu erhalten, eher damit der Springer den gegnerischen König belästigen kann – 33.Txb7 Sc3 nebst -Se2+, und etwas besseres hätte Weiss hier nicht. Stattdessen kam 32.-Tb8 33.Tb3 Sxa2? – zu spät! Nach diversen anderen Zügen stünde Schwarz weiterhin besser, nun hat Weiss nach 34.Ld2! alles unter Kontrolle – Unterschied zu Varianten zuvor ist wohl vor allem, dass Türme eventuell statt auf b1 auf b3 abgetauscht werden, und von b3 aus geht (wenn die schwarze Dame diesen Bauern nicht mehr deckt) Dxf3.

“Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”. Dieses Gorbatschow-Zitat aus dem Jahr 1989 kannten der aktuelle Juniorenweltmeister Tari und sein Vorgänger Antipov nicht unbedingt (mal abgesehen davon, dass es “laut Google” so nie gefallen ist). Weiter ging es:

Stellung nach 38.Ke2, zwischendurch konnte Weiss 36.Dxf3 spielen, was nun? Schwarz hat 38.-Txb3 39.Dxb3 Dg4+, und nun sollten sich beide mit Dauerschach begnügen. Stattdessen kam 38.-Te8+? 39.Te3 Txe3+ fxe3, und nun musste Schwarz den Rückzug antreten – der Sa2 fällt zwar nicht, aber steht bleibend im Abseits. Das kam dabei heraus:

Noch nicht die Schlusstellung, aber den Rest konnte Antipov sich vielleicht sparen (und ich verzichte auf weitere Diagramme).

Der spätere Turniersieger Alekseenko gewann ebenfalls, ebenfalls nicht ganz souverän bzw. auf Umwegen: Hillarp Persson – Alekseenko 0-1

Hier hatte Schwarz sich in einer Reti-Struktur einen Bauern geschnappt und dann lang rochiert – wohl in der Annahme, dass alles überdeckt ist. Engines rufen/brüllen nun 15.Lxc6 das geht und ist sehr gut für Weiss!

Stellung dann nach 19.Se5 Sg4 – Schwarz will sich entlasten und Weiss erlaubte es: 20.Saxc6 Sxe5! usw. – richtige Idee, falscher Springer: 20.Sexc6 war hier angesagt, mit weissem Vorteil. Und wie gewann Schwarz diese Partie?

Schwarz stand schon vor 26.Tb4? etwas angenehmer (sagen jedenfalls Engines), aber nun ging 26.-Sxd3! und das machte Alekseenko. Hillarp Persson gab direkt auf: 27.Txc8+ Txc8 und nach 28.Tb1 kann der schwarze Springer sich mit 28.-Sxf2! durchfressen, 28.Th4 Tc1+ 29.Lf1 Sc5 ist offenbar auch hoffnungslos für Weiss.

Johan Salomon machte es wie Aryan Tari und gewann: Aravindh-Salomon 0-1 – auch dazu mehrere Diagramme:

Gespielt wurde Najdorf-Sizilianisch, da rochiert Weiss oft lang. Hier war ein Kurzremis möglich, wenn Weiss die richtige Leichtfigur geschlagen hätte: nach 21.Sxe6 hat Schwarz offenbar nur Dauerschach (Sa3-c2-a3, eventuell auch 21.-Sb4 22.Sd4 Sxc2+ usw.). Weiss entschied sich für 21.Sxc6 Dxc6 und nun hinge nach bxa3 sein Sc3. Es ging weiter, Schwarz nutzte Angriffschancen nicht

und hier konnte Weiss mit 29.Ld2 alles überdecken und stünde wohl etwas besser. Stattdessen kam 29.De3? und Schwarz bekam wieder Oberwasser.

Gerade fand er 33.-h6! und konnte nun, da 34.gxh6 Lf6! aus weisser Sicht fatal ist, Bauern einsammeln.

Das war dann die Schlusstellung.

Neuer Zwischenstand: Piorun, Krasenkow, Tari, Alekseenko, Gledura, Salomon 5.5/7, acht Spieler 5/7

Runde 8 – zu Alekseenko-Krasenkow 1-0 zwei Diagramme:

Zuvor ein unkoventioneller (Anti-)Sizilianer: 1.e4 e5 2.Sc3 Sc6 3.Lb5 – auch dieses Mischprodukt gibt es. Schwarz rochierte (mal wieder) lang und nun war 20.-exf5 einfach, gut und erzwungen – ausgeglichene Stellung. Stattdessen kam 20.-Sxe5?! – vermutlich ein bewusstes, dabei nicht ganz korrektes Figurenopfer: 21.Lxb7+ Kb8 22.Lxa6 Lc5, Schwarz hat nicht genug Angriffspotential. Das kam später dabei heraus:

Und Schwarz gab auf.

Brett zwei Piorun-Tari milde ausgekämpft remis, Brett drei Gledura-Salomon 0-1:

Ausnahmsweise rochierte niemand lang (auch Weiss danach kurz), der junge Ungar spielte hier nach dem aus Superturnieren bekannten Motto “gegen Norweger muss man patzen”, eingeleitet mit 16.Sc4? Lxc4 17.dxc4 mit hässlichem Doppelbauern. Das war noch nicht genug, um schlechter zu stehen, aber später landete er in diesem Endspiel:

Traurig aus weisser Sicht – der schwarze Sh6 wird ja wieder ins Geschehen eingreifen.

Hier steht Schwarz so gut, dass er mit 39.-Txa7! 40.Txd6 Taa2 usw. eine Figur opfern konnte (und im Gewinnsinne musste).

So stand es zum Schluss.

An Brett 5 und 6 dann Russland – IM Santos 2-0: GM Antipov – IM Santos Latasa 1-0 war dabei recht souverän, GM Chigaev – IM Santos Ruiz 1-0 eher nicht, aber …

der 18-jährige Spanier schaffte es, Turm gegen Turm und Springer zu verlieren (ich erwähne nur nebenbei, dass beide in einem positionellen Najdorf-Sizilianer kurz rochiert hatten). Hier ist vieles remis – Königszüge natürlich nicht, aber alle Turmzüge nach denen Schwarz eventuell Seitenschachs hat (alles auf der h-Linie ausser natürlich -Th8, alles auf der siebten Reihe bis e7). Es kam 99.-Tc7?? 100.Tb2+! (nur so) 100.-Ka3 101.Tb5! (nur so) 101.-Ka2 102.Kc2 Ka3 103.Kb1

und Schwarz hat keine gute Parade gegen 104.Tb3#, er versuchte noch 104.-Tb7!? 105.Sxb7! – nur so, alles andere ist Remis, auch 105.Txb7?? worauf Schwarz wohl spekulierte.

Stand vor der letzten Runde: Salomon und Alekseenko 6.5/8, Piorun, Grandelius, Tari, Rasmussen, Chigaev, Antipov 6, usw. – die Russen in beiden Gruppen mit jeweils der schlechtesten Wertung, also mussten sie gewinnen. Das schafften sie, wie auch Rasmussen und vier der zehn Spieler mit derzeit 5.5/8.

Runde 9: Bei so vielen Partien mit Sieger und Verlierer nochmals jede Menge Diagramme, wo fange ich an? Natürlich am Spitzenbrett Salomon-Alekseenko 0-1:

Nach 14.gxh5, wie kam das denn zustande? Aus … Slawisch Abtausch. Diese Stellung gab es bereits bei Vitiugov-Aronian, Aljechin Memorial 2013 – Aronian spielte richtig 14.-Df6! (15.Se5 Sc6 16.Sxc6 Lxc6 17.Lxh7 0-0-0 und später remis), Alekseenko spielte eigentlich falsch 14.-h6?! 15.Lg6+ Ke7 und nun war 16.Se5! sehr unangenehm, aber es kam 16.h4?! Sc4! und die schwarze Welt war wieder in Ordnung. Später stand es so:

Ausgeglichen, aber Weiss verlor kurzzügig: 21.hxg5 Tac8 22.Tc2? Txc2 23.Lxc2 Tc8 24.Ld1? La4!

0-1

Brett 2 Rasmussen-Piorun 1-0 war zum Haareraufen für den Polen (der dänische Glatzkopf hat derlei Probleme nicht). Rochiert haben sie dabei gar nicht oder letztendlich doch:

Hier war 11.Kxf1 (nebst g3 und Kg2) eigentlich eher angesagt als das gespielte 11.Txf1, aber auch Schwarz verzichtete auf die Rochade: 11.-exd5 12.Sa4 Sfd7?! (12.-b5!) 13.Lxe7 Kxe7

Und nun? 14.e4! und da 14.-dxe4 15.Sg5 unerfreulich ist, verliert Schwarz einen Bauern: 14.-Te8 15.exd5 Kf8+ 16.Kd1

Beide können nicht mehr rochieren, aber das kann man reparieren – nach 23 Zügen:

Weiss hat quasi lang rochiert, und er hat derzeit zwei Mehrbauern. So stand es zum Schluss:

Schwarz hat endlich kurz rochiert, Weiss hat zwischenzeitlich Kb1-c2-b3-a2 gespielt und drei Mehrbauern, Schwarz hat genug gesehen.

An den nächsten fünf Brettern gewann wieder Schwarz, z.B. Grandelius-Antipov 0-1:

Rochade musste aus schwarzer Sicht nicht sein, bzw. der Gegner hat es eben verhindert (das entstand übrigens nicht etwa aus Französisch, nein es begann mit 1.e4 c5 2.c3).

Der Königsturm kann auch so mitspielen – immer noch ausgeglichen, später nicht mehr:

0-1

Tari-Chigaev 0-1 war aus weisser Sicht vermeidbar:

Dieses Turmendspiel ist trotz weissem Mehrbauer remislich, das Bauernendspiel nach 36.Txd6+?? Ke7 37.Txh6 (muss sein) 37.-gxh6 dagegen glatt verloren für Weiss. 36.Txd6+ dabei kein Zeitnotpatzer, sondern nach 13 Minuten gespielt. Am Ende stand es so:

Weiss gab auf (48.g5 h5!).

Und “schon” sind wir am Ende des Turniers. Erwähnt seien noch die Ergebnisse an den nächsten Brettern: Hillarp Persson-Sasikiran 0-1, Krasenkow-Gledura 0-1, Narayanan-Hammer 0-1, Aravindh-Kulaots 1-0 (gegen den Trend pro Schwarz und gegen einen nach Elo ziemlich gleichwertigen Gegner). Der zwischenzeitlich mit führende Krasenkow hat also seine beiden letzten Partien verloren. Allzu viel Zeit für Wunden lecken hat er nicht, demnächst spielt er in der B-Gruppe in Wijk aan Zee.

Nun noch die bereits erwähnten Galerien – ich beginne mit einer schwedisch-spanischen Schachfamilie:

Was hat sich gegenüber 2017 verändert? Damals spielte Pia mit, diesmal nicht – Mann und Tochter haben ihr den Ausflug nach Riad offenbar verziehen, es hatte sich ja gelohnt (dafür wurde sie geehrt). Juan Bellon besitzt mehrere Pullover – ob das 2017 bereits der Fall war, da bin ich überfragt. Etwas anderes hat sich geändert: seit September 2017 ist er im Schach offiziell Schwede. Anna Cramling (Elo 1978) darf bzw. muss weiterhin im B-Turnier mitspielen – da hat sie diesmal 65 Elopunkte gewonnen, noch fehlt einiges zu Elo 2200 aber sie ist ja (immer) noch jung (*2002).

Nun andere Spieler, sortiert nach Dateiname – Schachtitel ist Teil des Namens:

Der Reihe nach, wenn auch nicht zu allen Spielern: CM Thomas Bauer setzte optische Akzente und hat seine Elozahl fast bestätigt. Aus österreichischer (Elo-)Sicht: Robert Kreisl (gegen nominell unterlegene Gegner zu remislich) schaffte das nicht, Valentin Dragnev schaffte es genau.

FM Jung Min Seo (*2002) ist, trotz Name und Aussehen, Schwede – wie auch Junghyun Seo (*2006) der im Elo1800-Turnier mitspielte. Bei Nihal Sarin wie auch Awonder Liang die Fotos 2018 und 2017 nicht nebeneinander, da sie schachtiteltechnisch Fortschritte machten. FM Li Yiu hatte wohl die weiteste Anreise (aus Australien).

Nun zu den Grossmeistern: Gata Kamsky musste dieses Jahr aus gesundheitlichen Gründen absagen – laut ihm (auf der Turnierseite zitiert) hat sich seine Gesundheit in den letzten Jahren rapide verschlechtert, und nun kam noch ein Notfall dazu. Ich teile die Hoffnung der Organisatoren, dass er weiterhin/wieder Schach spielen kann. Hans Tikkanen hat sich äusserlich am meisten verändert, Ivan Sokolov zweimal in ähnlicher aber nicht identischer Pose. Sasikiran beherrscht es nach wie vor, Figuren fast mit der Nase zu berühren – siehe Foto oben und bei anderen Gelegenheiten hatte ich es selbst gesehen.

Zu den IMs: Praggnanandhaa diesmal ohne Chancen auf GM-Norm, andere hatten die durchaus und verpassten es am Ende – am knappsten Sergei Lobanov (nach meinen Berechnungen TPR 2599 und das ist nicht ganz 2600). Jaime Santos Latasa und Vasily Usmanov brauchten in der letzten Runde jeweils einen Sieg und remisierten dann. Aus deutscher Sicht: Dietmar Kolbus und Roven Vogel beide mit enttäuschenden Turnieren – zu viele Remisen: Vogel gewann nur in Runde eins (und verlor später gegen den Dänen Rasmus Thogersen, der dann auch Ivan Sokolov besiegte und trotz zum Schluss 0/2 eine IM-Norm erzielte), Kolbus verlor zu Beginn gegen Jon Ludvig Hammer (kann passieren) und remisierte dann achtmal gegen durchgehend nominell schwächere Spieler. Relativ besser machte es der Offenbacher Wolfgang Jakel: durchgehend 100 bis gut 200 Punkte stärkere Gegner – da war dreimal Remis jeweils ein Erfolgserlebnis, drei Siege auch.

Lars OA Hedlund hat Ivan Sokolov glatt den GM-Titel aberkannt (alle anderen Fotos haben, falls zutreffend, Schachtitel im Dateinamen, dieses nicht). So schlecht war 5/9 gegen titellose, FMs, IM Bellia und GM Salomon nun auch wieder nicht – allerdings kostete es ihn 22 Elopunkte. Lennart Evertsson (Elo -92) hatte ich eingangs bereits erwähnt.

Nun zu den Damen: Ellen Kakulidis, im Eloturnier Elo-Nachbarin von Anna Cramling, ist Dänin und die Freundin von Nils Grandelius (ob sie dafür den WCM-Titel bekam oder ob es andere Gründe gibt, da bin ich überfragt). Die Damen hatten es etwas leichter, Normen zu erzielen – WGM-Norm für Mai Narva. WIM-Norm für Anastasia Sazonova und auch die Australierin Giang Nguyen. Sazonova hat u.a. mit Roven Vogel … Schach gespielt, was denn sonst?

Und nun noch Siegerfotos:

Alekseenko hinterher auch im Interview mit FM Martin Lokander, der mit wechselnden Partnern/Partnerinnen für den Livekommentar zuständig war.

Zuletzt, um auch das noch zu zeigen, mit Fiona Steil-Antoni.

Print Friendly, PDF & Email
Veröffentlicht unter Open |