Außenministerin Österreichs gratuliert Anna Muzychuk

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Doppelweltmeisterin und Titelverteidigerin GM Anna Muzychuk (Ukraine) wird, ebenso wie ihre Schwester Maria, nicht an den Blitz- und Schnellschach Weltmeisterschaften, die vom 25. bis 30. Dezember 2017 in Saudi-Arabien stattfinden, nicht teilnehmen. Sie schrieb dazu auf Facebook:

“In ein paar Tagen werde ich zwei Weltmeistertitel verlieren – Einen nach dem Anderen. Nur weil ich mich entschieden habe, nicht nach Saudi-Arabien zu gehen. Nicht nach den Regeln eines Anderen zu spielen, nicht Abaya zu tragen, nicht begleitet zu werden um nach draußen zu kommen und überhaupt nicht, mich als eine sekundäre Kreatur zu fühlen. Vor genau einem Jahr habe ich diese beiden Titel gewonnen und war der glücklichste Mensch in der Schachwelt, aber dieses Mal fühle ich mich wirklich schlecht. Ich bin bereit, für meine Prinzipien zu stehen und die Veranstaltung zu überspringen, wo ich in fünf Tagen mehr verdienen sollte als in einem Dutzend Veranstaltungen zusammen. All das ist ärgerlich, aber das Ärgerlichste daran ist, dass es fast niemanden wirklich interessiert. Das ist ein wirklich bitteres Gefühl. Das Gleiche gilt für meine Schwester Mariya – und ich bin wirklich froh, dass wir diesen Standpunkt teilen. Und ja, für die Wenigen, die sich interessieren – wir kommen wieder!”


Diese Nachricht auf Facebook löste eine Welle der Sympathie aus. Selbst die internationalen Medien griffen das Thema auf und berichteten ausführlich über den Verzicht von Anna Muzychuk und anderen Schachspiellern/innen.

Besondere Beachtung aber fand das Verhalten von Anna Muzychuk in Österreich. Keine Geringere als die Außenministerin Karin Kneissl  schrieb an Anna folgenden Brief der Anerkennung und Wertschätzung:

 

Brief der Außenministerin Österreichs

Sehr geehrte Frau Muzychuk,

ich habe von Ihrer aktuellen Entscheidung, nicht an der Schnellschach-Weltmeisterschaft in Saudi-Arabien teilzunehmen, gehört. Der Grund dafür ist, dass Sie hinsichtlich Ihrer persönlichen Überzeugungen keinerlei Kompromisse eingehen möchten. Dafür möchte ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen.

Wettbewerbe im Allgemeinen sollten ein Werkzeug sein, um wichtige Werte wie Respekt, Vielfalt, Toleranz und Fairness zu vermitteln und können ein Beitrag zum Kampf gegen Diskriminierung sein.

Der Kampf für die Rechte von Frauen ist besonders wertvoll, wenn er von einer so brillanten und mutigen jungen Frau in der einzigartigen Position, sich für Menschenrechte einzusetzen, kommt. Ihr Beispiel, betont durch Ihr persönliches Opfer, ist eine Inspiration für Frauen und Männer in der ganzen Welt.

Ich bin sicher, dass Sie eine glänzende Zukunft vor sich haben. Ich freue mich auf Beispiele Ihres beeindruckenden Talents in kommenden Wettbewerben. Sie haben alles, was es braucht, um ein Vorbild für eine ganze Generation zu werden.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Schwester Mariya alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

[[Karin Kneissl]]

 

Übersetzung aus dem Englischen Dr. Thomas Marschner

 

Karin Kneissl (Außenministerin von Österreich)

Anna Mutychuk schrieb dazu auf Facebook:

Ich fühle mich geehrt. Ich wusste schon, dass das Einstehen für Prinzipien und Werte ist niemals vergebliche Liebesmühe. Aber die überwältigende Unterstützung, die ich nach wie vor erhalte, gibt mir große Motivation und Inspiration für künftige Herausforderungen.


 

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