1. Kissinger Schachzauber 2018 – Sieger: GM Andreas Heimann

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Text: Dr. Stefan Lang – Nach einem Eröffnungsfehler stellte FM Dr. Hofstetter seinen Widerstand gegen GM Teske etwas früh nach nur 12 Zügen ein. Nach 30 Zügen ergab sich bei IM Sukandar und GM Heimann (Bild) eine dreimalige Stellungswiederholung, die Letzterem schon einmal den Turniersieg nach Wertung sicherte.

Der Sieger: GM Andreas Heimann

GM Khotenashvili packte in ihrer Partie gegen GM Prusikin mit Schwarz die scharfe moderne Benoni-Eröffnung aus und gab damit zu verstehen, auch mit Schwarz auf Gewinn spielen zu wollen. Sie geriet allerdings in einer komplizierten Stellung in starke Zeitnot und lebte ab dem 25. Zug von den Bonussekunden.

Nachdem ihr Gegner an einer Stelle den sofortigen Gewinn ausließ, wurde es jedoch noch einmal spannend. Am Ende gewann GM Prusikin jedoch studienartig mit einer Mattdrohung bei stark reduziertem Material, die Schwarz zur Aufgabe zwang. Durch die Niederlage konnte GM Teske in der Tabelle noch auf Platz 2 vorbeiziehen.

IM Mkrtchian gewann eine Partie mit gegenseitigen Freibauern gegen FM Dr. Schnelzer. Im 37. Zug verlor Dr. Schnelzer seinen Freibauern durch den falschen Läuferzug (Lf5-e4 statt Lf5-g4) und gab nach geschaffter Zeitkontrolle die Partie auf.

In der letzten Partie des Turniers konnte Manfred Wallinger den “white wash” vermeiden, legte die Partie mit Weiß sicher an und erreichte in einem Doppelläuferendspiel ein sicheres Remis.

Endstand:

Nr. Teilnehmer TWZ 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Punkte SoBerg
1. Heimann,Andreas 2576 ** ½ ½ 1 ½ ½ 1 1 1 1 7.0 26.50
2. Teske,Henrik 2483 ½ ** ½ ½ ½ ½ 1 1 1 1 6.5 23.75
3. Khotenashvili,Bel 2486 ½ ½ ** ½ ½ 0 1 1 1 1 6.0 21.50
4. Mkrtchian,Lilit 2378 0 ½ ½ ** ½ 1 ½ 1 1 1 6.0 21.00
5. Sukandar,Irine Kh 2387 ½ ½ ½ ½ ** ½ 0 1 1 1 5.5 20.25
6. Prusikin,Michael 2516 ½ ½ 1 0 ½ ** 1 0 ½ 1 5.0 21.00
7. Heidenfeld,Mark 2359 0 0 0 ½ 1 0 ** 1 1 ½ 4.0 13.25
8. Hofstetter,Hans-J 2175 0 0 0 0 0 1 0 ** ½ 1 2.5 6.50
9. Schnelzer,Reinhol 2189 0 0 0 0 0 ½ 0 ½ ** 1 2.0 4.25
10. Wallinger,Manfred 2150 0 0 0 0 0 0 ½ 0 0 ** 0.5 2.00
TurnierseitePresseartikel
Runde 8
Nach knapp 3 Stunden stellte die Co-Tabellenführerin GM Khotenashvili ihre Gewinnbemühungen gegen GM Teske ein. Nach einem Bauernopfer in der Eröffnung für das Läuferpaar und offene Turmlinien hatte sie Kompensation, aber nicht mehr. Am Ende Remis durch dreimalige Stellungswiederholung. Nach einer weiteren halben Stunde brachte GM Heimann seine Weißpartie gegen Wallinger nach Hause. Nach der Eröffnung hatte er hängende Bauern belagert, doch Wallinger opferte unter Abtausch eines Bauern und der weißfeldrigen Läufer einen davon und suchte sein Heil im Schwerfigurenendspiel mit Minusbauer. Nachdem jedoch die Damen und ein Turmpaar getauscht waren, verwertete der Favorit den Vorteil routiniert. Damit liegt GM Heimann nun vor der Schlussrunde mit einem halben Punkt Vorsprung in Führung.

Nach einem Remis zwischen den IM Heidenfeld und Mkrtchian in einer statischen französischen Struktur musste sich Dr. Hofstetter IM Sukandar geschlagen geben. Die aus einer Altbenoni-Verteidigung hervorgegangene Stellung sah nach einem Figurenopfer für 2 Bauern von Schwarz einige interessante Materialverteilungen (Turm und 2 Bauern gegen 2 Leichtfiguren, 2 Türme gegen 3 Leichtfiguren, jeweils mit einigen weiteren Bauern), doch auf dem Weg zur ersten Zeitkontrolle nahm die schwarze Überlegenheit Konturen an. Die längste Partie des Tages spielte ausgerechnet das Geburtstagskind (nach Dr. Hofstetter und einem aus dem Schiedsrichterteam schon das dritte dieser Woche): Michael Prusikin (Bild), der heute 40 Jahre alt wurde, spielte mit den schwarzen Steinen gegen FM Dr. Schnelzer in einer englischen Partie positionell druckvoll und war wohl dem Gewinn sehr nahe, konnte aber, nachdem dieser seine Dame für Läufer und Turm gab, die weiße Festung nicht knacken. Ein immenser Erfolg für den Außenseiter und eine – nach eigener Aussage – “gefühlte Niederlage” für den GM.

Runde 7
Kampfschach vom Feinsten heute beim Kissinger Schachzauber mit 5 entschiedenen Partien. Den Anfang machte GM Khotenashvili, die nach 1:45 Stunden und zwanzig Zügen gewann, nachdem FM Dr. Hofstetter sich einen vergifteten Bauern schnappte – diesmal den Randbauern auf a3, aber ebensowenig gut wie in der Runde zuvor. Somit war klar, dass nur der Sieger von IM Mkrtchian-GM Heimann (Foto) die Tabellenführung teilen würde und was sehr symmetrisch begann, sollte die längste Partie des Tages werden.

Nach knapp drei Stunden endete die Partie Wallinger-IM Sukandar, in der die Bauernraubvariante im Trompowsky-Angriff (2…c5/Db6/Dxb2) zur Diskussion stand, mit einem Sieg der Meisterin. GM Prusikin demonstrierte die Verwertung einer positionell etwas gesünderen Aufstellung gegen IM Heidenfelds holländischen Aufbau auch bei reduziertem Material. GM Teske geriet nach für ihn günstig verlaufener skandinavischer Eröffnung etwas auf Abwege und musste über Abgründe gehen, um FM Dr. Schnelzer zu schlagen, was ihm jedoch gelang.

Der Turnierfavorit GM Heimann schließlich zeigte mit Schwarz eine starke Leistung und überspielte seine Gegnerin auf dem Weg zur ersten Zeitkontrolle. Somit liegt wieder nur ein Duo in Front, für Heimann spricht das nominell leichtere Restprogramm. Aber auch GM Teske kann, einen halben Punkt hinter der Spitze liegend, noch ein Wort um den Turniersieg mitreden.

Runde 6

Heimann, Mkrtchian, Khotenashvili,

Henrik Teske

Die Breite an der Spitze wird immer dichter – so oder ähnlich würde ein ehemaliger Fußball-Bundestrainer wohl nach zwei Dritteln Schachzauber formulieren. Aus dem Duo wurde ein Trio (Bild: Heimann-Mkrtchian-Khotenashvili), nachdem GM Khotenashvili mit Schwarz FM Dr. Schnelzer ausmanövrieren konnte, aber sowohl GM Heimann mit Weiß gegen GM Prusikin als auch IM Mkrtchian (schwarz gegen IM Sukandar) nichts aus der Eröffnung herausholen konnten und sich alsbald mit einem Remis abfanden.

Zudem konnte GM Teske (Bild entstammt Runde 5) mit einem Schwarzsieg gegen den bis dahin mit Weiß verlustpunktfreien IM Heidenfeld Tuchfühlung aufnehmen und liegt mit einem halben Punkt Rückstand auf Platz 4. Ein dargebotener (und genommener) schwarzer Zentralbauer stellte sich im Nachhinein als zu stark vergiftet heraus. Im Außenseiterduell konnte FM Dr. Hofstetter gegen seinen Fernschach-Mannschaftskameraden Wallinger gewinnen, für den in diesem Turnier nichts zusammenläuft.

Runden 4 und 5
Runde 4:
Nach einer sehr schnell zum Remis verflachenden sizilianischen Igelstruktur zwischen IM Sukandar und GM Teske ließ IM Heidenfeld (Bild) mit seinem dritten Weiß-Sieg aufhorchen. FM Dr. Schnelzer wurde in einer skandinavischen Partie sein Opfer. Er hält damit Kontakt zur Tabellenspitze, an der GM Heimann erstmals einen halben Zähler gegen GM Khotenashvili abgab. Zeitgleich nach knapp viereinhalb Stunden endete die Partie Wallinger gegen GM Prusikin mit einem Sieg des Großmeisters. In der letzten laufenden Partie des Tages griff FM Dr. Hofstetter gegen die Pirc-Verteidigung von IM Mkrtchian ambitioniert an, ging dann aber in ein Endspiel mit Minusbauer, das nach 46 Zügen Schwarz den vollen Punkt bescherte. Damit liegen die Internationalen Meister Mkrtchian und Heidenfeld einen halben Punkt hinter der Tabellenspitze.
Runde 5:
Die Großmeisterbegegnung Teske gegen Heimann war von beiderseitiger Vorsicht geprägt und endete nach 30 Zügen und 1,5 Stunden Spielzeit mit einem Remis. Einen Blitzsieg in nur 16 Zügen konnte GM Khotenashvili gegen IM Heidenfeld feiern und ihn damit in der Tabelle überholen. GM Prusikin gegen IM Sukandar endete remis, die Partie hat die Remisbreite wohl nie ernsthaft überschritten. Zur Spitze aufgeschlossen hat hingegen IM Mkrtchian, die das Tabellenschlusslicht Wallinger in einer englischen Partie bezwingen konnte. Keine Gnade gab es mit dem Geburtstagskind (Bild): In der einzigen Partie, die die erste Zeitkontrolle überschritt, eroberte FM Dr. Schnelzer kurz vor dieser einen Bauern und versuchte, seinen b-Freibauern durchzubringen. Nach über fünf Stunden Spielzeit aber dann doch noch das “happy end”: Dr. Hofstetter konnte seine beiden Leichtfiguren für die letzten weißen Bauern geben, so dass Weiß die zwei Mehrspringer nichts mehr nützten – Remis!
In der Tabelle liegen nun GM Heimann und IM Mkrtchian gleichauf mit 4/5 einen halben Zähler vor GM Khotenashvili.
Runden 2 und 3

Erste Überraschungen in den Runden 2 und 3:
Zunächst begann alles normal: Der Turnierfavorit GM Heimann gewann auch seine zweite Weißpartie, diesmal gegen IM Heidenfeld. “Schwarz steht völlig passiv. Ich wusste nicht, was ich noch ziehen sollte, das nicht in wenigen Zügen zusammenbricht” erklärte er den Kiebitzen, die sich ob der frühen Aufgabe wunderten.

Das Remis bei IM Mkrtchian gegen GM Teske war schon eine leichte Überraschung, zumal Weiß zunächst besser stand und dann den Mehrbauern im Turmendspiel hatte. Zu verwerten war er aber wohl nicht.

Ausgerechnet der Turnierinitiator FM Dr. Hofstetter sorgte dann für den Paukenschlag der Runde. In einer spanischen Partie hatte er zunächst einen Mehrbauern auf d5, der aber von den gegnerischen Figuren umkreist wurde. Unter zwischenzeitlichem Turmopfer durchbrach er die Verteidigung von GM Prusikin und zwang ihn zur Aufgabe nach 33 Zügen.

Auch die anderen nominellen Außenseiter machten es ihren Gegnerinnen lange schwer, bevor sich nach etwas mehr als 5 Stunden Spielzeit IM Sukandar gegen FM Dr. Schnelzer sowie GM Khotenashvili gegen Wallinger doch noch durchsetzen konnten. Letzteres war der erste Schwarz-Sieg des Turniers.

Die einzige Doppelrunde des Turniers sah in GM Teske ihren ersten Sieger. Manfred Wallinger hatte seine Figuren so unglücklich platziert, dass der Figurenverlust unabwendbar war.

Danach die nächste Überraschung, wieder zu Lasten von GM Prusikin. IM Mkrtchian gewann mit den schwarzen Steinen, nachdem Prusikins Opferangriff nicht durchschlug.

GM Heimann fiel es mit Schwarz zwar nicht so leicht wie in den Runden zuvor, aber letztlich musste auch FM Dr. Schnelzer seine Überlegenheit anerkennen.

IM Heidenfeld gegen FM Dr. Hofstetter mündete nach der Eröffnung in ein damenloses Mittelspiel. Nach beiderseits hohem Zeitverbrauch kam Weiß durch eine Ungenauigkeit in ein vorteilhaftes Springer gegen Läufer-Endspiel, das der IM letztlich für sich entschied.

Wieder die letzte Partie spielte GM Khotenashvili. Nach einem königsindischen Angriff hatte sie zunächst die Qualität mehr, aber IM Sukandar verteidigte sich zäh. Als sie kein Fortkommen sah, opferte sie die Qualität zurück. Allerdings schien danach eher Schwarz Vorteil zu haben, letztlich blieb nach einigen Abtauschaktionen aber ein dynamisches Gleichgewicht.

Runde 1
Nach kurzen Begrüßungsreden durch Dr. Hofstetter und Hauptschiedsrichter Jürgen Müller wurden die Uhren pünktlich um 14 Uhr zum 1. Kissinger Schachzauber gestartet.
Die erste Partie endete nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden remis. Die GM Teske und Prusikin hatten ein Turmendspiel mit 4 gegen 4 Bauern am Königsflügel erreicht. Nach knapp 3 Stunden musste der Gastgeber gegen den Turnierfavoriten die Segel streichen. Am Ende brachte der GM ein Figurenopfer für einen unparierbaren Mattangriff.

Alle anderen Partien gingen weit über die erste Zeitkontrolle. FM Dr. Schnelzer konnte in einer strategisch geprägten Partie seine Vorteile nach fünfeinhalb Stunden zum Sieg gegen seinen ehemaligen Nürnberger Vereinskollegen Wallinger verdichten. Bei Heidenfeld gegen Sukandar stand nach russischer Eröffnung eine Position mit beidseits isoliertem f-Doppelbauer zur Debatte. Letztlich landete man im Turmendspiel, in dem scheinbar zuerst Schwarz auf Gewinn spielte.

Doch nach und nach verbesserte sich die weiße Position und der Zeitverbrauch von Schwarz stieg synchron. Am Ende brachte IM Heidenfeld den letzten verbliebenen Bauer durch und gewann nach 6 Stunden Spielzeit. Den längsten Kampf des Tages (6,5 Stunden) lieferten sich zwei Damen (siehe Foto). Nach spannendem und kompliziertem Spielverlauf endete die Partie schließlich durch dreimalige Stellungswiederholung leistungsgerecht remis.

1. Runde am 13.01.2018 um 14 Uhr:

GM Heimann – FM Dr. Hofstetter 1:0
IM Heidenfeld – IM Sukandar 1:0
FM Dr. Schnelzer – Wallinger  1:0
GM Khotenashvili – IM Mkrtchian remis
GM Teske – GM Prusikin remis

allerunden

Presse:

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One thought on “1. Kissinger Schachzauber 2018 – Sieger: GM Andreas Heimann

  1. Tolle Berichterstattung. Bitte noch Partien eingeben. Nächstes Jahr noch hungrige FM einladen, Normenturnier.
    Schachliche Grüße
    IM Andreas Rupprecht

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