Hübners Urteil

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Zusammen mit Emanuel Lasker und Wolfgang Uhlmann gehört Robert Hübner ohne wenn und aber zu den drei stärksten deutschen Schachspielern aller Zeiten. Die ehemalige Nr. 3 der Welt-Rangliste ist nicht nur für eine selbstkritische und akribische Analyse der praktischen Partien bekannt, sondern hat auch von je her stets ein enormes Interesse an der Geschichte des Schachspiels gezeigt. Einige seiner Analysen und Veröffentlichungen haben zu historischen Umbewertungen geführt. Dank seines perfekten schachlichen Verständnisses und seiner langen Erfahrung in  direkten Duellen mit Weltklassespielern, ist er wie kaum ein anderer dazu geeignet, den Gehalt lang zurückliegender Partien und die Bedeutung alter Meister zu beurteilen.

Vor gut einem Jahrzehnt erschien sein Buch über Emanuel Lasker, bei dem er sich nicht nur mit Laskers ersten WM-Match beschäftigte, sondern auch die Zweikämpfe vor und nach dem ersten WM-Kampf bis 1910 beurteilte. Seine Abhandlung über die Weltmeisterschaft von 1894 schloß eine Lücke, denn bis dahin gab es nur das Wettkampfbuch, das direkt nach dem Match erschien.
Robert Hübner vertritt die Auffassung, dass der Wettkampf das früheste Beispiel für schwerblütig-langwieriges, positionell-strategisches Kampfschach ist. Seiner Auffassung nach vermochte erst wieder Michael Botwinnik derartige Stellungstypen herbeizuführen. Für manche Stellungsmuster hat Lasker Verfahren entwickelt, die bis heute maßgebend sind. Zudem beurteilt er die Anzahl der groben Fehler als gering.

Den Kampf der Kontrahenten in den ersten 7 Partien schätzt er als ebenbürtig ein. Erst nach der unglücklichen Niederlage in der 8. Partie geriet Steinitz aus dem Gleichgewicht, was laut Hübner die Ursache für den anschließenden Einbruch war. Nach fünf Niederlagen in Folge findet der Titelträger erst nach dem letzten Ortswechsel von Philadelphia nach Montreal und der damit verbundenen zweiwöchigen Pause zu seinem Spiel zurück.

Heute sehen wir die 11. Partie, die nach frühem Damentausch ein facettenreiches Endspiel bietet, welches sich zu studieren lohnt. Ich wünsche viel Spass beim Studium der Partie.

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