Gibraltar, auch das noch

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Das ist keinesfalls abwertend gemeint, aber eigentlich bin ich noch vollauf mit Wijk aan Zee beschäftigt – für mich (geographisch) naheliegender. Daher bekommt eines der stärksten offenen Turniere (Konkurrenz hatte es mal von Katar, und hat es von der Isle of Man) nur eine relativ kurze Vorschau – und wahrscheinlich erst dann weitere Berichterstattung, wenn Tata Steel Chess vorbei ist.

Aus der Fülle starker Namen im Feld nenne ich zunächst die ersten zwanzig (20) der Setzliste: Aronian, Vachier-Lagrave, Nakamura, Navara, Harikrishna, Le Quang Liem, Vitiugov, Ivanchuk, Duda, Wang Hao, Adams, Rapport, Cheparinov, Gelfand, Dubov, Howell, Short, Motylev, Sutovsky, Anton Guijarro. Deutsche Teilnehmer nenne ich noch, aber momentan haben wir (bis auf Nisipeanu, und der spielt nicht mit) niemand mit Elo 2666 oder mehr.

Nakamura ist mehrfacher Gibraltar-Sieger, oft nach Stichkampf. Das Titelbild (alle Fotos auf der Turnierseitegefunden) gebe ich allerdings Levon Aronian, der erstmals seit jedenfalls vielen Jahren ein Turnier nach Schweizer System spielt – Verhandlungen mit Wijk aan Zee hatten sich dem Vernehmen nach durch Missverständnisse zerschlagen, generell buhlen Wijk aan Zee und Gibraltar wohl um dieselben Spieler(innen). Wann spielte Aronian zuletzt ein vergleichbares Turnier? Dazu habe ich nicht recherchiert, vielleicht wissen ja Leser Bescheid. Einige andere der zwanzig bereits genannten Spieler konnten bereits bei früheren Gibraltar-Auflagen überzeugen, auch der zuletzt genannte junge Spanier David Anton Guijarro.

Was Gibraltar auch hat, sind sehr grosszügige Damenpreise. Daher schafften sie beim weiblichen Geschlecht, was Wijk aan Zee diesmal zur 80. Auflage bei den Herren schaffte: sieben der besten zehn, immerhin eine davon ist auch (gerade so) unter den besten 50 der Setzliste. Es sind Anna Muzychuk, Kosteniuk, Lagno, Mariya Muzychuk, Lei Tingjie, Dzagnidze. Hou Yifan ersparte sich die Zumutung, eventuell gegen andere Damen spielen zu müssen, und entschied sich für Wijk aan Zee. Viktorija Cmilyte spielt nur noch sporadisch – nur aufgrund zwei Partien in der deutschen Frauen-Bundesliga im April und Mai ist sie nicht offiziell inaktiv (danach noch ein Schnell- und Blitzturnier in Lettland). Tan Zhongyi fehlt ebenfalls, dafür spielen Nummer 11 Batsiashvili und Nummer 12 Gunina mit. Da ich für eine deutsche Seite schreibe, erwähne ich auch die Weltranglisten-24. Elisabeth Paehtz. Nun erst Spieler(innen) als Galerie:

Ähnlichkeiten der zwischen zwei Favoriten (der dritte bekam das Titelbild) eingeklemmten Damen natürlich nicht zufällig. Wie (mit welcher Frisur) Elisabeth Paehtz erscheinen wird, ist bei Redaktionsschluss nicht bekannt.

Muss die genau an 100 gesetzte Frau Paehtz Deutschland alleine vertreten? Nein, nun nenne ich diejenigen, die mehr Elo zu bieten haben: Bindrich, Svane, Buhmann, Huschenbeth, Donchenko, Kollars – die ersten beiden und die nächsten drei jeweils nebeneinander in der Setzliste, Kollars wie Paehtz auf Seite zwei (pro Seite 50 Namen). Sonst nur noch ein paar wahllos ausgesuchte bzw. zufällig entdeckte Namen: FM unter GMs auf Seite eins ist der Russe Andrey Esipenko (demnächst wird er offiziell auch GM). Auf Seite zwei die Jungstars Nihal Sarin und Praggnanandhaa aus Indien und der etwas ältere Österreicher Valentin Dragnev. Auf Seite drei die bereits fotografierte Pia Cramling, US-Altmeister James Tarjan (Kramnik kann er diesmal nicht ärgern – es gab zwar Gerüchte, dass er Gibraltar spielt aber nun spielt er in Wijk aan Zee) und weitere bekannte deutsche Namen: Keymer (Vorname Vincent) und nochmal Paehtz (Vorname Thomas). Auf Seite vier nur ein mir bekannter Name: FM Eric de Haan aus den Niederlanden. Dito für Seite fünf – Dick de Graaf.

Austragungsort wie gesagt Gibraltar, dazu ein paar Fotos:

Sturm am 18. Januar – wie auch in den Niederlanden und Deutschland

Downtown Gibraltar bei besserem Wetter

Affen haben sie auch, immer ein nettes Fotomotiv.

Gespielt wird vom 23.1. bis 1.2. ohne Ruhetag jeweils ab 15:00, bis auf die letzte Runde ab 11:00 – damit ist danach noch Zeit für eventuelle Stichkämpfe sowie die Preisausreichung. Was kann man gewinnen? Als Mann (theoretisch auch als Frau) bis zu 25.000£. Als Frau bis zu 15.000£ – eventuell noch mehr, da das mit offenen Preisen kombiniert werden kann. Als Mann, der nicht unter den ersten 15 landet (bzw. damit punktgleich ist) Ratingpreise von 1.000-3.000£ in verschiedenen Kategorien – eher wenig im Vergleich zu Damenpreisen, und pro Kategorie gibt es zwei gegenüber ebenfalls fünfzehn Damenpreisen. Was kann ich noch erwähnen? Livekommentar von Simon Williams und Jovanka Houska, Interviews von Tania Sachdev, mindestens drei Masterclasses mit Topspielern.

Soviel vorläufig zu Gibraltar – wie gesagt, voraussichtlich nur ein Abschlussbericht in dem deutsche Spieler(innen) erwähnt werden wenn sie erfolgreich abschneiden sollten. Das kann ein Geldpreis sein, ein überraschender Sieg oder – für diejenigen die es noch brauchen – eine Titelnorm.

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