Fairness vor Recht

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In diesem Artikel

http://www.chess-international.de/archive/79011

waren die Böblinger die Leidtragenden und verloren kampflos 0:8, weil sie einer Spielverlegung Ihrer Stuttgarter Gegner zustimmten und dabei einen folgenschweren Fehler begingen.

Hört sich komisch an, war aber so: Weil einige der Stuttgarter Stadtfreunde bei der Seniorenmeisterschaft mitspielten, wollte Stuttgart den Termin vom 24.09 auf den 22.10. verlegen. Dabei ist den Böblingern folgender Fehler unterlaufen: Ein Spieler, der am 24. September bereits im Einsatz war, wurde als Ersatzspieler am 22. Oktober eingesetzt. Das ist insofern nicht verwunderlich, denn wenn drei Mannschaften am gleichen Tag spielen, kann es schon mal Nachrücker geben. An solchen Tagen stellen sich die Mannschaften in der Regel von alleine auf: wer da ist, spielt eben.

Der Staffelleiter hatte jedoch auf Grund dieses Formfehlers gemäß der Turnierordnung keine andere Wahl als alle Böblinger zu „nullen“. Das wollten die Stuttgarter SF nicht auf sich sitzen lassen und so berichtete Carsten Karthaus im Februar Newsletter des württembergischen Schachverbands (S.7) folgendes:

<Zitat C. Karthaus>

Dazu möchte ich von dem Verbandsligaspiel zwischen Böblingen und den Stuttgarter Schachfreunden berichten. Die Stuttgarter Schachfreunde hätten durch den falschen Einsatz eines Böblinger Spielers einen verlegten Mannschaftskampf mit 8:0 gewonnen, da

Böblingen einen Spieler eingesetzt hat der am ursprünglichen Spieltag auch gespielt hat. Jetzt hatte Böblingen seinen eigentlich mit 6:2 gewonnen Mannschaftskampf mit 0:8 verloren. Stuttgart wollte das Spiel verlegen und Böblingen hatte dem zugestimmt. Jetzt

hatte Böblingen das Nachsehen, nur weil sie Stuttgart entgegengekommen sind? Stuttgart wollte die geschenkten Punkte nicht haben und forderte, dass die sportliche Lösung gewertet wird. Schlussendlich bedarf es eines Gnadengesuchs des Präsidenten, um für Böblingen „Gnade vor Recht“ ergehen zu lassen. Ohne das faire Verhalten von Stuttgart wäre das nicht möglich gewesen.“

Es ging dann doch nicht 6:2 aus, weil der betroffene Böblinger Spieler zwar immer noch genullt wurde, aber immerhin fließt sein am Brett erkämpfter Sieg in die DWZ Auswertung ein.

Der entsprechende Vermerk des Staffelleiters sieht jetzt so aus:

Spiel verlegt auf den 22.10.2017 um 10:00 Uhr
Bemerkung des Staffelleiters: Böblingen hat an dem Ersatztermin der Spielverlegung einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler eingesetzt, der am ursprünglichen Termin bereits bei Böblingen 3 eingesetzt war. Durch die Anerkennung des Gnadengesuchs wurde das eigentliche Ergebnis (6:2) statt auf 0:8 (Regelung der WTO) nur auf 5:3 herabgestuft (Frolik verliert kampflos, DWZ-Wertung bleibt jedoch bei 1:0). Erklärung zur Anerkennung des Gnadengesuchs siehe Rundschreiben. (Philipp Müller, 14.1.2018)

Quelle: http://ergebnisse.svw.info/show/2017/2113/runde/1/

Fazit: mit dem Willen zur Fairness sind manchmal auch Lösungen möglich, die juristisch eigentlich nicht beabsichtigt sind. Die Stuttgarter Reaktion ist um so höher einzuschätzen, da sie dadurch ihre Abstiegswahrscheinlichkeit laut Ligaorakel auf 45,8 % erhöht und damit den schwarzen Peter, den zuvor die Böblinger hatten, mit übernommen haben.

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