Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM Brühl 2018 beendet

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Die Sieger (Foto: Carmen Voicu-Jagodzinsky)

Draußen tobte der Karneval – drinnen der König nach c3

Christian Friedrich Köhler

Sollte einer der 353 Teilnehmer durch den Zauber des Karnevals in den Brühler Alleen zur Annahme verleitet gewesen sein, dass zu dieser Zeit im Turniersaal kaum ernsthaft gespielt werde, also mit leichter Hand geopfert, Punkte wie ein Lächeln verschenkt, … Unwissender, wenn Du das geglaubt hattest, wird Dein König zu den vielen gehört haben, denen in der ersten Runde zwischen Gruppe A bis G (ja! 7 Leistungsgruppen!) die Krone über die Ohren gezogen wurde. Schlagen darf man den ja nicht. Aber die Turnierleiter fanden später viele solcher Majestäten in den Kästen …

Christian Friedrich Köhler vom Godesberger SK siegte in der schwierigen A-Gruppe auf den Flügeln der Fastnacht sensationell mit einem ganzen Punkt Vorsprung! Um ihn davon abzuhalten, hätte in der letzten Runde die Turnierzweite, Großmeisterin WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky, Sv Hemer, ihre Schwarz-Partie gegen den DSAM-Routinier Detlev Wolter gewinnen müssen, tat sie aber nicht, oder ihr für das bundesdeutsche Leistungsschach zuständige Gatte Andreas Jagodzinsky hätte mit Weiß gegen CF Köhler mindestens siegen müssen. Wäre, hätte, Fahrradkette – auch mit vereinter Kraft eines spielstarken Ehepaares war der Bonn-Godesberger nicht davon abzuhalten, als Erster die Glückwünsche von Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan entgegen zu nehmen. Wer so wie Christian Friedrich Köhler mit 4,5 aus 5 taifunähnlich durch das Turnier stürmt, ist ein großartiger Sieger.

Eine ähnlich imponierende Leistung wie die von CF Köhler bot der erst 9-jährige Philipp Leon Klaska vom Düsse

Familie Jagodzinsky

ldorfer Schachverein 1854, Elo 1153, DWZ 1226, Teilnehmer einer Jugend-Weltmeisterschaft, machte in der F-Gruppe (1201-1400) vier aus fünf und wurde hinter dem Kölner Fred Büchel strahlender Zweiter dieser Riege! Da kommt noch was … aber der Leistungsschach-Referent des DSB war ja im Saal; es ist registriert worden. Selbstredend bietet dieses Niveau noch keinen sicheren Aufschluss darüber, ob das blonde Kind ein riesiges Talent sei oder genau da stagnieren wird; auch nicht, ob Phillipp in einigen Jahren, mit vierzehn oder siebzehn, überhaupt noch Schach spielen wird – Harfe ist ja auch ganz schön, auch Briefmarkensammeln kommt bestimmt noch mal wieder -, für den Moment aber erfreuen sich alle am überraschenden Erfolg des Kleinen.

Staatssekr Milz NRW Prsd Niederhaeuser TD Dr Jordan

Natürlich gab es in sieben Leistungsgruppen noch myriaden weiterer schachlicher Heldentaten. Der Autor hat sich redlich bemüht, möglichst viele davon auf der Turnierseite zu beschreiben – einige aber werden nur in der Erinnerung der Augenzeugen (oder Mitleidenden) erhalten bleiben. Solltest Du es noch immer für einen Scherz rheinischer Frohnaturen in der Zeit der Saturnalien halten, gegen Kinder antreten zu müssen, obwohl wir doch immer und immer wieder gewarnt haben, so werden Dir die Gewinn-Partien von Sieger-Typen wie Max Pick (*2007), Philipp Leon Klaska (*2009!!), Linus König (*2003), Matteo Metzdorf (*2007) und von Matt-Kämpferinnen wie Jovana Miljkovic, Sarah Hund und Carmen Voicu-Jagodzinsky, der ehemaligen Jugend-Weltmeisterin (der Kreis schließt sich!) die Augen geöffnet haben. Natürlich hatten alle Teilnehmer – einschließlich des Turnierpersonals – jede Menge Spaß an den drei Tagen von Brühl, aber ohne Konzentration, Energie, Leistung und guten Kenntnissen der Eröffnungen und Endspiele, mithin: sportüblicher Arbeit und Mühe, ging auf Seiten der Spieler natürlich gar nichts.

Dieses knallharte und doch zauberhaft charmante Turnier hatte diesmal einen Damen-Anteil von 8,8%, was dem jüngst veröffentlichten DSB-Anteil der Damen von 9,01% entspricht (https://www.schachbund.de/news/deutscher-schachbund-waechst-weiter.html). Immerhin, zählt man alle Figuren auf dem Brett mit, also auch die Bauern, = 16 pro Farbe, haben die Damen einen Anteil am Schach von nur 6,25% … ‘tschuldigung, das war jetzt eher die Alaaf-Abteilung. Die erwähnten 9,01% sind selbstverständlich viel, viel zu wenig. Aber man scheint sich in den Vereinen doch (endlich) konstruktiv Gedanken zu machen, wie das ändern kann. Die DSAM sieht sich auch hier in der (freudigen) Pflicht, diese Bestrebungen zu verstärken.

Alle Fotos: Ingrid Schulz. Texter: Ralf Mulde    Turnierseite

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Veröffentlicht unter DAM |