Aeroflot-Vorschau

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Schach-Deutschland fiebert derzeit dem nächsten Bundesliga-Wochenende entgegen – neutrale (und auch ausländische) Beobachter wohl am ehesten dem Spitzenkampf Baden-Baden – Solingen, andere vielleicht auch dem Match ihres Vereins bzw. eines lokalen oder befreundeten Vereins. Schon Dienstag beginnt dabei in Moskau ein zwar kleines (94 Teilnehmer in der A-Gruppe) aber feines offenes Turnier. Aus deutscher Sicht interessant: der Sieger hat dann im Sommer einen Termin in Dortmund, neben immerhin 18.000 Euro bekommt er auch einen Freiplatz im Superturnier mit – wohl auf jeden Fall wieder Kramnik, Rest derzeit noch nicht bekannt.

Solingen und Baden-Baden haben ihren Spielern offenbar die Teilnahme am Aeroflot-Open verboten, zum Beispiel Schwäbisch Hall sieht das anscheinend lockerer oder hat keine Kontrolle über seine russischen Bundesliga-Spieler. Wie üblich nenne ich erst die nominell besten Teilnehmer, diesmal 15: Fedoseev, Vidit, Andreikin, Mamedov, Matlakov, Artemiev, Inarkiev, Najer, Kamsky, Sargissian, Sasikiran, Korobov, Piorun, Sjugirov, Sethuraman. Kommt der Sieger aus diesem Kreis? Gut möglich, aber in der Vergangenheit haben oft Spieler jedenfalls vorne mitgemischt, mit denen man zuvor nicht unbedingt rechnete. Schafft Fedoseev (diesmal nach Setzliste Nummer eins, letztes Jahr nur Nummer achtzehn) was zuvor nur Le Quang Liem schaffte – Aeroflot zweimal nacheinander gewinnen? Das wissen wir dann nach neun von neun Runden.

Die ersten fünf haben Elo über 2700 – auch Mamedov, seit Dezember 2017 nach einem starken Auftritt bei der Europameisterschaft für Nationalteams. Artemiev ist sehr nahe dran, einige andere hatten es bereits mal – vor kürzerer oder längerer Zeit für kürzere oder längere Zeit. Das Titelfoto zeigt den Austragungsort Hotel Cosmos.

Wen sollte ich noch erwähnen? Natürlich die beiden deutschen Teilnehmer Matthias Bluebaum und Rasmus Svane – Nummer 17 und 41 der Setzliste. Russen natürlich ohne Ende, ein paar Namen: Gordievsky, der in der Challenger Gruppe in Wijk aan Zee einen recht guten Eindruck hinterliess, Khalifman (immerhin Ex-Weltmeister), Antipov (dito bei den Junioren), Oparin (war mit seinem Auftritt in Gibraltar insgesamt zufrieden), Potkin und Savchenko – auch recht bekannte Namen, aber bereits untere Hälfte der Setzliste. Aus der Rubrik Jungtalente – wie jung ist jung? Jedenfalls (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) Aravindh, Tari, Tabatabaei, Esipenko, Firouzja, Nihal Sarin, Abdusattorov, Aryan Chopra, Praggnanandhaa und weil er Österreicher ist nenne ich auch noch Valentin Dragnev, Nummer 88 von 94. FM Esipenko und IM Abdusattorov haben bereits alle Voraussetzungen für den GM-Titel erfüllt, aber ihn noch nicht offiziell erhalten – bei Praggnanandhaa fehlen dagegen weiterhin zwei Normen.

Damen sind relativ spärlich vertreten, wohl da beim Aeroflot Open mit Männern ziemlich gleichberechtigt – es gibt nur je einen Senioren-, Damen- und Juniorenpreis für alle Turniere (auch B- und C-Turnier, entscheidend beste TPR) im Gesamtwert von 2500 Euro. Junior ist definiert als “in diesem Jahrtausend geboren”, Senior als vor 1958 geboren, Dame ist nicht definiert – aber im Schach gibt es meines Wissens, im Gegensatz zu anderen Sportarten, keine zweifelhaften Fälle. Eindeutig weiblich sind jedenfalls im A-Turnier Goryachkina, Pogonina, Abdumalik und Karavade, im B-Turnier haben sie Konkurrenz von u.a. Nechaeva (beste Elozahl hier) und Assaubayeva (wohl bekannter). Wenn ich mich schon auf dieses Niveau begebe (Elo 2300-2550, diverse Ausnahmen am unteren Ende) noch ein paar Namen: Rogozenco (Bundestrainer, kümmert sich vielleicht auch um Bluebaum und Svane), Papin (auch als Schachjournalist bekannt), Balashov (Favorit für den Seniorenpreis?), insgesamt auch in dieser Gruppe immerhin 15 Grossmeister und insgesamt 35.000 Euro Preisgeld (8.000 für den Sieger).

Nun ein paar allgemeine Infos: Gespielt wird ohne Ruhetag vom 20.-28. Februar jeweils ab 15:00 Ortszeit (13:00 in Mitteleuropa). Wer dann noch Lust auf Schach hat, kann auch am 1. März beim Blitzturnier mitspielen. Einige andere, vor allem Moskauer, haben vielleicht nur dafür Lust bzw. Zeit und eventuell Interesse am ersten Geldpreis von 5.000 Euro. Geldpreise (in der A-Gruppe 18.000/10.000/7.000/4.000 Euro usw., insgesamt 30 Geldpreise) werden bei Punktgleichheit nach dem Hort-System aufgeteilt – Tiebreak erst Anzahl Schwarzpartien, dann gegnerischer Eloschnitt (ohne den stärksten und schwächsten Gegner). Bedenkzeit ist im A-Turnier 100 Minuten für die ersten 40 Züge, 50 Minuten für die nächsten 20, 15 Minuten für den Rest und 30 Sekunden Zugabe ab dem ersten Zug.

Zur Länderstatistik nochmals durch die Bundesliga-Brille: Die Niederlande fehlen, vielleicht da viele Bundesliga für Schaakgezelschap Solingen spielen – bzw. zumindest soll der Gegner noch nicht wissen, wer auf jeden Fall nicht mitspielen wird – und einige auch für DJK Aufwärts Aachen, das ja auch gegen Baden-Baden spielt. In Solingen (bzw. nächstes Wochenende in Aachen) wird ausserdem eventuell u.a. Indisch, Ungarisch und Österreichisch gesprochen – Inder sind dennoch reichlich in Moskau vertreten, sie haben ja viele starke und/oder ehrgeizige Spieler. Viele Namen hatte ich bereits, insgesamt sind es im A-Turnier 16 (bei 33 aus Russland) und im B-Turnier 33 (50 aus Russland). Im A-Turnier sonst am häufigsten vertreten Armenien (zu siebt) und China (zu fünft, keine sehr bekannte Namen).

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