Frauenbundesliga: Baden Baden macht ernst

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In der Frauenbundesliga hat der Tabellenführer Schwäbisch Hall mit zwei Siegen gegen Rodewisch und Leipzig die weiße Weste gewahrt. Dicht auf den Fersen bleibt dem deutschen Meister die Startruppe aus Baden Baden, die gegen den Tabellendritten aus Hamburg überzeugend mit 5,5-0,5 gewann. Vorentscheidungen fielen im Abstiegskampf. Hofheim steht nach dem Sieg gegen Erfurt dicht vor der Rettung, schon sicher für die nächste Saison planen können Lehrte und Karlsruhe. Vor dem Abstieg stehen Leipzig, Kiel und Erfurt. Auch die Aufsteiger in die Bundesliga stehen fest: Harksheide im Westen und Bayern München im Süden schafften den direkten Wiederaufstieg, aus dem Osten steigt mit Pankow mal wieder eine Mannschaft aus der Hauptstadt auf.

Hier die Zusammenfassung der Geschehnisse von den einzelnen Spielorten:

Spielort Hofheim

Hier stand alles im Zeichen des Abstiegskampfs. Zunächst entledigte sich Lehrte mit einem überzeugenden 4,5-1,5 gegen Hofheim aller (zugegebenermaßen nur noch theoretischen) Abstiegssorgen. Hofheim zog tags drauf mit verstärkter Mannschaft nach (Sonja Bluhm und Caroline Rieseler rückten in die Mannschaft), gegen 5 Erfurterinnen (warum Doreen Troyke am Sonntag nicht spielen konnte, ist mir nicht bekannt) gab es ein glattes 4,5-1,5. Bei 3 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist der Aufsteiger fast gesichert. Mit einem Sieg gegen Kiel in der nächsten Runde kann man die letzten Zweifel beseitigen und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen.

Bad Königshofen gewann zweimal glatt und ist jetzt Dritter, die Bronzemedaille wird in der nächsten Runde im direkten Vergleich mit Hamburg ausgespielt.

Spielort Schwäbisch Hall

Erstmals im Optima-Sportpark, der Heimspielstätte des deutschen Meisters im American Football, den Schwäbisch Hall Unicorns, traten Schwäbisch Hall und Reisepartner Deizisau gegen die sächsischen Mannschaften aus Rodewisch und Leipzig an. Gegen Rodewisch hat sich Schwäbisch Hall bisher immer schwer getan, und die Begegnung am Samstag war keine Ausnahme. Rodewisch kam praktisch mit stärkster Aufstellung, und es entwickelte sich ein heißer Kampf, in dem alle 6 Partien nach teilweise turbulentem Verlauf entschieden wurden. Das Titelbild zeigt übrigens das Maskottchen der Schachmiezen, das bei jedem Spiel dabei ist.

Zunächst geriet Schwäbisch Hall 0-1 in Rückstand. An Brett 6 begab sich Iva Videnovas Dame etwas auf Abwege und fehlte dann bei der Verteidigung, ihre Gegnerin ließ sich den Vorteil nicht nehmen, gewann Material, und nach der Zeitkontrolle musste Iva die Waffen strecken. Dabei ließ Iva eine spektakuläre Rettung mit Damenopfer aus, nach der ihre Stellung nur leicht schlechter gewesen wäre, das fand aber erst der Computer hinterher. Danach schlug die Hallerinnen zurück: Alina Kashlinskaya, Sabrina Vega-Gutierrez und Karina Ambartsumova gewannen nach zum Teil turbulenten Verlauf. Karinas Gegnerin Martina Korenova versuchte ein gut aussehendes Läuferopfer auf h7. Karina kassierte das angebotene Material und verteidigte sich umsichtig, ließ einige Doppelschachs mit Dame und Springer zu, aber es gab halt weder ein Matt noch ein Dauerschach. Somit gewann sie am Ende. Sabrina hatte gegen Melanie Lubbe Glück: die deutsche Nationalspielerin ließ einen klaren Gewinnzug aus, man muss aber sagen, dass die Stellung in der Situation ziemlich unübersichtlich war, und Zeit hatte Melanie auch nur noch wenig. Nur Alina gewann souverän gegen die Polin Joanna Majdan-Gajewski. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Ekaterina Atalik gegen Anastasia Bodnaruk höchstens um ein Remis kämpfte. Am Ende verwertete die Rodewischer Spitzenspielerin ihren Vorteil eindrucksvoll sicher und verkürzte, sie schaffte jetzt im 4. Spiel gegen Schwäbisch Hall den 4. Sieg.

Damit lag es an Deimante Cornette den Sieg sicherzustellen. Sie stand im Mittelspiel stark unter Druck, konnte sich aber befreien und selber Vorteil erlangen. Und tatsächlich gewann sie am Ende ihr Damenendspiel gegen Regina Theissl-Pokorna, die das erste Mal seit über einem Jahr wieder für Rodewisch am Start war, und mit deren Mitwirken eigentlich niemand richtig gerechnet hatte. Die Österreicherin machte es ganz zum Schluss Deimante einfach, als sie Damentausch zuließ, der in ein gewonnenes Bauernendspiel führte. Aber vermutlich war die Stellung da auch schon hinüber.

Im Parallelspiel gewann Deizisau glatt 5-1 gegen Leipzig, wobei Simona Gheng erst kurz vor Ende der 30-minütigen Karenzzeit eintraf und die Nerven ihrer Mannschaftskolleginnen ganz schön auf die Folter spannte. Hochklassisch hier die Partie an Brett 1 zwischen Karina Szczepkowska-Horowsk und Yuliya Naiditsch, die in einem leistungsgerechten Remis endete. Die Abwicklung ins Bauernendspiel wurde von beiden a Tempo gespielt, beide hatten zu diesem Zeitpunkt schon alles bis zum Ende durchgerechnet.

Leider fiel halber Wege die Liveübertragung aufgrund eines Rechnerabsturzes aus, die Partien wurden aber nach dem Ende nachgeliefert und können bei Chess24 nachgespielt werden.

Am Sonntag gabe es eindeutige Ergebnisse. Schwäbisch Hall schlug Allianz Leipzig deutlich mit 5,5-0,5, und die Rodewischer Schachmiezen zeigten ihre Krallen und gewannen überraschend hoch 5-1 gegen Deizisau. Deizisau holte gerade mal zwei Remis an den hinteren Brettern.

Handys der Spielerinnen

Schwäbisch Hall trat mit der gleichen Mannschaft wie am Vortag an, während Leipzig an Brett 6 Heidemarie Kluge für Heike Germann einwechselte. Die Partie an Brett 6 war dann auch die erste, die endete, Iva Videnova brachte ein hübsches leicht zu übersehendes Damenopfer und setzte ihre Gegnerin wenig später einfach matt. Nachdem sie am Vortag das wohlmöglich rettende Damenopfer ausgelassen hatte (siehe oben), ließ sie sich heute nicht zweimal bitten. Auch die anderen Partien kippten nach und nach in Richtung der Favoritinnen, nur Sabrina Vega Gutierrez musste in ein Remis gegen Katrin Dämering einwilligen. Am längsten wehrte sich Karina Szczepkowska-Horowsk, verlor aber am Ende im Endspiel gegen Ekaterina Atalik. Für Alina Kashlinskaya waren es polnische Tage: nach ihrem Sieg gegen Joanna Majdan-Gajewski schlug sie tags drauf Klaudia Kulon. Alina meinte hinterher, die Partien hätte man ja auch gleich in Warschau spielen können, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem polnischen GM Radek Wojtaszek lebt. Dieses Mal funktionierte auch die Liveübertragung reibungslos, die Partien gibt es ebenfalls bei Chess24.

Hier ein paar Fotoeindrücke aus Schwäbisch Hall:

Spielort Baden Baden

Hier stand alles im Zeichen des Spitzenspiels zwischen Baden Baden und Hamburg, hatten doch die Hamburgerinnen in den letzten beiden Jahren Baden Baden jeweils einen Punkt abgenommen. Daher bot Baden Baden diesmal mit den Muzychuk-Schwestern und Alexandra Kosteniuk gleich 3 ehemalige Weltmeisterinnen auf. Originalkommentar dazu von Kapitän Thilo Gubler, der aktuell im Urlaub in Thailand weilt: „Du, das ist ganz einfach erklärt. Vor 2 Jahren mit einem Topstar 3:3. Vor einem Jahr mit zwei Topstars 3:3. Daher liegt es doch nahe, diesmal mit mindestens 3 Topstars zu spielen“. Antwort Andi Albers (Hamburg): „Dann versuchen wir mal, uns für nächstes Jahr den vierten Stern zu verdienen“.

Aber vor dem Spitzenspiel musste Hamburg erstmal die Hürde Karlsruhe überwinden. Karlsruhe schickte eine starke Mannschaft ins Rennen, um den Klassenerhalt endgültig perfekt zu machen. Und das klappte überraschend schon am Samstag, stark kämpfende Karlsruherinnen holten tatsächlich ein 3-3 gegen Hamburg. Herauszuheben hier besonders der Angriffssieg von Annmarie Mütsch gegen Judith Fuchs. Ebenso überraschend spielte man dann am Sonntag aber auch nur 3-3 gegen Kiel, aber die 2 Punkte reichen für den lockeren Klassenerhalt, und jetzt kann man ganz entspannt Ende März nach Schwäbisch Hall fahren. Für Kiel kommt der Punkt höchstwahrscheinlich zu spät. Baden Baden gewann am Samstag 5-1 gegen Kiel, starke Remisen schafften für Kiel Marta Michna gegen Anna Muzychuk und Elisa Silz gegen Iamze Tammert.

Doch jetzt zum Spitzenspiel zwischen Baden Baden und Hamburg. Diesmal ließ der Titelfavorit überhaupt nichts anbrennen und gewann ganz glatt mit 5,5-1,5. Die Höchststrafe verhinderte Lyubka Genova, die remis gegen Iamze Tammert spielte. Alle anderen Partien kippten nach und nach in Richtung des Favoriten.

Hier ein paar Fotos aus Baden Baden von Hamburgs Kapitän Andi Albers:

Damit kommt es in der letzten Runde in Schwäbisch Hall Ende März zum großen Finale zwischen den Gastgeberinnen und Baden-Baden, in dem Baden-Baden einen Sieg braucht und Schwäbisch Hall ein Unentschieden reicht, zumindest wenn beide in der 10 Runde die Hürden Karlsruhe bzw. Deizisau überwinden. Die Brettpunkte werden also aller Voraussicht nach diese Saison keine Rolle bei der Meisterschaftsentscheidung spielen. Eine Härteprobe wird die letzte Runde für Langschläferinnen: zum frühen Start um 9:00 gesellt sich noch die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit.

Schach-Ticker Preis

Und zum Schluss geht es auch wieder um den Schach-Tickerpreis für die beste Spielerin der Liga und die beste Nachwuchsspielerin der Liga, hier die Zusammenfassung des aktuellen Stands von Raymund Stolze:

Spannung ist vor der letzten Doppelrunde  am 24./25. März  bei der Wahl für die Bundesliga-Spielerin des Jahres angesagt. Diese Auszeichnung vergibt der Schach-Ticker bereits zum fünften Mal und wir freuen uns, dass die Dortmunder Fotografin Christiane Köhne   dafür zwei sehr  schöne Schachbilder gespendet hat.

Für den Titel „Nachwuchsspielerin der Saison“ – hier dürfen die Kandidatinnen beim Start in die Spielzeit 2017/18  [1. Oktober 2017] noch nicht 23 Jahre alt gewesen sein – dürfen sich Cecile Haussernot (OSG Baden-Baden) 5/6 und Filiz Osmanodja (Hamburger SK) 6/8 beste Hoffnungen machen.

In der Königsklasse „Bundesliga-Spielerin des Jahres“ ist der aktuelle Stand wie folgt:  Lela Javakhishvili (SK Schwäbisch Hall)  und  Ketevan Arakhamia-Grant (OSG Baden-Baden) je 6/7. Tatjana Melamed (SC Bad Königshofen) 5/6, Mara Jelica  (SF Deizisau) 6/8.

Die Wertung ist  ist in beiden Kategorien übrigens höchst einfach: Gewinner sind jene beiden Frauen, die prozentual das beste Ergebnis erzielt haben. Bei Gleichstand gibt der Elo-Durchschnitt der Gegnerinnen den Ausschlag. Allerdings müssen jeweils mindestens acht Partien gespielt werden.

Hier die aktuelle Tabelle der Liga, alle Ergebnisse gibt es hier.

 

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