10th Batavia Chess Tournament

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Das Batavia-Schachturnier – im gleichnamigen Café gegenüber des Amsterdamer Hauptbahnhofs, Kneipenatmosphäre jedenfalls im Vorraum wo Spieler nach den Runden analysieren oder auch blitzen und/oder Bier trinken – wird dieses Jahr zum zehnten Mal ausgetragen. Im Laufe der Jahre wurde es stärker: die ersten beiden Auflagen 2009 und 2010 noch (fast) ohne Grossmeister, damit nur die Möglichkeit für IM-Normen – was der damalige FM Robin van Kampen 2009 schaffte. Seither immer drei Grossmeister und damit sind auch GM-Normen möglich – 2011 beinahe doch nicht, aber Gerald Hertneck sprang kurzfristig für den erkrankten Inder Barua ein. Danach wurde er übrigens Turniersieger – Elo-Favorit war er, im Gegensatz zum Turniersieger 2012 Achim Illner.

Weiter Batavia aus deutscher Sicht: 2013 konnte Hertneck seinen Erfolg nicht wiederholen, 2015 hatten Andreas Heimann und noch mehr Roland Schmaltz enttäuschende Turniere, wie auch 2017 der reaktivierte Eric Lobron. Und nun zur Gegenwart bzw. nahen Zukunft: Deutschland ist diesmal quasi durch Anna Zatonskih vertreten – zwar wohnt sie laut Teilnehmerinnenliste der US-Meisterschaft in Hartsdale, NY, aber laut anderen Quellen ist sie Ehefrau von Daniel Fridman und wohnt in Bochum. Neu dieses Jahr “internationale Damen”, neben Zatonskih auch Alina  Kashlinskaya. Bisher hatten sie nur mal (Wahl-)Niederländerinnen, u.a. Alina die früher Motoc hiess und seit Jahren l’Ami heisst, Anne (Haast) statt Anna, Zhaoqin Peng, usw. . Die andere Neuerung ist: dieses Jahr mit Ivan Sokolov ein ehemaliger Weltklassespieler.

TurnierseiteResultate Rückblick 2017Rückblick 2015

Teilnehmer:

1. GM Ivan Sokolov 2567
2. GM Alexandr Fier (BRA) 2544
3. GM Friso Nijboer 2510
4. IM Miguel Santos Ruiz (SPA) 2505
5. IM Robby Kevlischvili 2469
6. IM Alina Kashlinskaya (RUS) 2459
7. IM Anna Zatonskih (USA) 2447
8. IM Thomas Beerdsen 2445
9. FM Liam Vrolijk 2427
10. IM Manuel Bosboom 2403

Sokolov haben sie vielleicht dem neuen Hauptsponsor de Melker & Partners zu verdanken, der für die zehnte Auflage offenbar etwas tiefer in die Tasche griff. Diesmal heisst das Turnier offiziell-komplett “dMP Batavia Amsterdam Chess Tournament”, wobei Bas de Melker (letztes Foto im Schachticker-Abschlussbericht 2017) schon zuvor involviert war. Timman wollten sie dem Vernehmen nach auch, das hat dann doch (noch?) nicht geklappt. Elisabeth Paehtz stand anfangs auch auf der Teilnehmer(innen)-Liste, später dann nicht mehr – dazu habe ich nicht recherchiert.

Aber nun zu denen, die mitspielen, nach Schachtiteln und damit auch Elo sortiert. Die Grossmeister haben zwei Dinge gemeinsam: 1) Es sind voll etablierte GMs – in anderen Normenturnieren mitunter Spieler, für die der GM-Titel quasi Höhepunkt der Schachkarriere war, bzw. die den Höhepunkt ebendieser lange hinter sich haben. Das kann Titelnormen für andere eventuell erleichtern (auch wenn sie dann bei niederigerem Eloschnitt dafür mehr Punkte erzielen müssen). 2) Dennoch haben alle die letzten Monate viele Elopunkte eingebüsst. Alle hatten mal Elo über 2600 – bei Nijboer lange her (2006/2007) und damals nur vorübergehend. Sokolov ist derzeit noch Nummer 12 in den Niederlanden, letzte Elo-Katastrophe für ihn war der Rilton-Cup zum Jahreswechsel (vorher 2589, danach 2567).

Fier ist derzeit, wenn er es jemals war, nicht der beste Brasilianer, aber der international bei weitem aktivste – liegt wohl auch daran, dass er mit Ehefrau Nino Maisuradze in Georgien wohnt. Laut Wikipedia (in mehreren Sprachen) heisst er komplett Alexandr Hilário Takeda Sakai dos Santos Fier – das passt in keine Turniertabelle! Ausserdem hat er den Spitznamen “no fear” und ist wohl, egal wie er insgesamt abschneidet, ein Kandidat für den Schönheitspreis. Englischsprachige Wikipedia-Autoren sagen, dass er auch ein bisschen deutsch ist (deutsch-japanische Abstammung).

Bei Damen verrate ich – im Gegensatz zu z.B. FIDE-Eloseiten, Wikipedia, … – das Alter nicht. Anna Zatonskih ist natürlich keine Teenagerin mehr, sonst wäre sie (Ausnahmen bestätigen da die Regel) nicht zweifache Mutter. Alina Kashlinskaya ist immerhin verheiratet – mit Radek Wojtaszek, der vielleicht wegen Bundesliga-Verpflichtungen keine Zeit für dieses Turnier hat. Die meisten männlichen IMs und auch FM Vrolijk sind noch ziemlich jung: Santos Ruiz *1999, Kevlishvili *2001, Beerdsen *1998, Vrolijk *2002. Der Spanier Santos Ruiz war mir kaum ein Begriff, turnieraktiv ist er (nicht nur in Spanien), Kontakte in die Niederlande hat er offenbar. Kontakte nach Deutschland hat er auch, seit dieser Saison spielt er Bundesliga für DJK Aufwärts Aachen. Die Niederländer sind mir durchaus ein Begriff – natürlich spielen sie Turniere hierzulande, aber auch anderswo.

“Jugendwahn” hatte das Batavia-Turnier nicht immer bzw. nicht komplett, dieses Jahr auch nicht komplett: Bosboom ist Jahrgang 1963 – zwei GM-Normen hat er bereits, Elo 2500 hatte er allerdings wohl noch nie. Eine Bereicherung für das Turnier ist er sicher – ich “muss” mal wieder einen meiner allerersten Schach-Artikel auf Deutsch verlinken. Bei entsprechender Form und mit etwas Glück (sein Stil ist auch ein bisschen Glückssache?) kann er durchaus weit oberhalb seines letzten Platzes in der Setzliste landen, oder zumindest den Schönheitspreis bekommen.

Zum Schluss noch die üblichen Fakten: Gespielt wird Donnerstag, 22. Februar bis Sonntag, 4. März 2018 jeweils ab 14:00 (Mittwoch 28.2. Ruhetag, letzte Runde ab 12:00). Zeitkontrolle ist 40 Züge in 90 Minuten plus 30 Minuten für alle verbleibenden Züge mit 30 Sekunden Inkrement ab dem ersten Zug. Eintritt für Zuschauer im Café Batavia kostenlos, Speisen und Getränke natürlich nicht. Erfahrungsgemäss im Publikum auch weitere Schach-Titelträger – das bin ich nicht, aber vielleicht schaue ich auch ein- oder zweimal vorbei um entsprechende Kontakte zu pflegen, Atmosphäre zu schnuppern (auch wenn ich sie bereits kenne) und Reporter zu spielen.

LIVE: 

23/02 bis 04/03 ab 13 Uhr jeden Tag

28/02 ist Ruhetag

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