Deutsche Amateurmeisterschaft DSAM in Kassel: Eröffnet!

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Kassel. Warum eigentlich? In Berlin spielen gerade in Nosferatu-Atmosphäre die Kandidaten aus, wer irgendwann gegen Mac Carlsen antreten muss, in der zeitgleich

Die Eroeffner Schlangestehen fuer Fotografin Ingrid Schulz DSB – Hugo Schulz – Stefanie Schneider – Stadrrat H Jordan – TD Dr Dirk Jordan

angesetzten Frauenbundesliga wird das Meisterteam ermittelt, eine seltsam unbeachtete Europameisterschaft in Batumi, Georgien (das also zu Europa gehört?), greift auch genau jetzt Platz, weltweit ordnen Hasen und Häsinnen die Ostereier nach Farbe für das bald ausbrechende Fest … reicht das nicht? Nein. Die deutschen Schach-Amateure der DSAM haben sich längst ihren eigenen, wichtigen Platz erobert.

Stadtrat Hendrik Jordan (angeblich nicht verwandt mit TD Doc Jordan), von der documenta-Stadt Kassel als Repräsentant zum Grußwort entsandt, spürte das gut und fügte der Frage “Ist Schach Sport?” pointenreiche Nuancen hinzu. Auch bei dieser Gelegenheit zeigte sich, dass diese Grußworte, mithin der Kontakt zwischen (Geld gebender) Verwaltung und Schachsport für die Spieler (!) wichtig sind: “Oft kommt die Frage auf, wieso denn Schach überhaupt Sport sei, denn größere Bewegung fällt für den Spieler ja nur beim Weg zur Ergebnismeldung und auf dem zum Kaffee-Ausschank an.”

Nun zitierte der Kasseler den ehemaligen DSB-Chef Willi Weyer: “Heute verstehen wir das Schachspiel als Sport, der den ganzen Menschen fordert. Fast alle dem Sport zugeschriebenen Eigenschaften weist das Schachspiel auf und zeigt zusätzliche wichtige Merkmale für die Bildung der Persönlichkeit, die anderen Sportarten fehlen. Schach erzieht zu

Eigentl aber gut gelaunt – Frank Jaeger und Martina Jordan – DSAM Handkasse

folgerichtigem Denken, erhöht die Kombinationsfähigkeit, regt die schöpferische Phantasie an, hebt den Mut zum Risiko, fördert die Entschlusskraft, übt die kritische Einstellung zu sich selbst und anderen gegenüber, stärkt Geduld und Zuversicht.” Wäre es unter Schachspielern üblich, begeistert aufzuspringen und im Beifall zu explodieren, hätte man es sich hier vorstellen können. Das DSAM-Team hielt den Atem an. Ist übrigens ungesund. Aber Schacher sind keinen Enthusiasmus gewöhnt. Dann eben eher innerlich.

Die hessische Frauenreferentin Stefanie Schneider zeigte sich der Herausforderung des Profis vollauf gewachsen, hier im Saal unter der Herkules-Kolosssalfigur rhetorisch mithalten zu können und lieferte eine sprachlich elegante Betrachtung des jetzigen (und zukünftigen) Frauenschachs zwischen Kreis Bergstraße und der Wilhelmshöhe ab. Und mit WFM Jovana Miljkovic, SV Lingen; Cecilia Lange, Oberschöneweide; Elina Heutling, Magdeburg; Bettina Baumann, Koblenz; Tatevik Mia Stepanjan, Wittenberge und noch knapp siebzehntausend weiteren Damen hatte sie ja auch eine breite Auswahl an Fixpunkten im schönen Spielsaal.

“Wie immer geht es am Freitag los und am Sonntag geht alles mit der fünften Runde zu Ende”, sagte Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan, dessen oft zitierter Satz “Ein Turnier beginnt mit der Eröffnung und hört (erst) mit der Ehrung der Sieger auf” auf den bei der DSAM gelebten Usus abzielt, dass Preise nur an real Anwesende übergeben werden. Die hohe Quote der Teilnehmer, die bei der Gelegenheit dem (heute mal) besseren Spieler Respekt und Beifall zollen und die so für eine stilvollen Abschluss sorgen, geben “Mr. DSAM” immer wieder Recht. Ob die Rating-Favoriten, die drei FM Julian Grötzbach, Björn Bente und Uwe Kersten, zu den Geehrten gehören werden oder vielleicht doch Richard Bethke aus Neuberg oder ganz Andere, das werden wir in zwei Tagen wissen – und werden es den Lesern des Schach-Tickers weitersagen.   Turnierseite

(Text: Ralf Mulde, alle Fotos: Ingrid Schulz)

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