Frauenbundesliga: Baden Baden ist deutscher Meister

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Für die Schwäbisch Haller Damen hat es nicht gereicht, sie mussten sich nach hartem Kampf der OSG Baden Baden mit 1,5-4,5 geschlagen geben. Damit holte sich der Rekordmeister den Meisterpokal zurück. Baden Baden ging mit 4 Spielerinnen aus den ersten 6 der Weltrangliste an den Start – die chinesische Weltranglistenerste gab ihr Debüt in der Frauenbundesliga, dazu kamen Anna und Mariya Muzychuk und Alexandra Kosteniuk. Trotzdem war es ein enges Match, das hohe Ergebnis gibt nicht ganz den spannenden Verlauf des Wettkampfs wieder. Auch die Abstiegsentscheidung ist gefallen: zurück in die 2. Liga müssen Leipzig, Erfurt und Kiel. Aufsteiger Hofheim sicherte sich mit einem klaren 5-1 gegen Kiel den Klassenerhalt. Den Bronze-Rang schaffte Bad Königshofen, dafür reichte ein 3-3 gegen Hamburg.

Die Baden Badener Meistermannschaft

Hier die Zusammenfassung von den einzelnen Spielorten natürlich mit Konzentration auf das Meisterschaftsfinale in Schwäbisch Hall.

Spielort Schwäbisch Hall

In Schwäbisch Hall kam es am Sonntag zu einem echten Finale um die deutsche Meisterschaft zwischen Titelverteidiger Schwäbisch Hall und Rekordmeister Baden Baden. Der Spielplan hatte es möglich gemacht, dass diesmal die beiden dominierenden Mannschaften der letzten 3 Jahre in der letzten Runde aufeinandertrafen, und natürlich hatten beide Mannschaften auch mitgemacht: Schwäbisch Hall hatte alle Begegnungen gewonnen, und Baden Baden nur ein Unentschieden gegen Bad Königshofen abgegeben, als man aufgrund der Mind-Games in China ziemlich ersatzgeschwächt antreten musste. Damit war klar, dass Siege am Samstag vorausgesetzt, Baden Baden gewinnen musste und Schwäbisch Hall ein Unentschieden zur Titelverteidigung langte.

Doch zunächst kam die Pflicht am Samstag, wobei Baden Baden gegen Deizisau die nominell etwas schwerere Aufgabe als Schwäbisch Hall gegen Karlsruhe hatte. Schwäbisch Hall spielte im Fernduell mit seinen ersten 6 Brettern, Baden Baden unter anderem mit den Muzychuk-Schwestern und Alexandra Kosteniuk.

Schwäbisch Hall gewann mit 5,5-0,5 gegen Karlsruhe, dabei erreichte Annmarie Mütsch, letztes Jahr ja noch für Schwäbisch Hall am Start, ein sehr beachtliches Remis am Spitzenbrett gegen Nino Batsiashvili, zwischendurch hatte sie sogar nach einem Bauerneinsteller von Nino besser gestanden. Manuela Mader verschmähte gegen Alina Kashlinskaya eine Zugwiederholung und stellte die Partie wenig später ein.

Im Parallelmatch zeigte Deizisau eine starke Leistung gegen Baden-Baden und holte gegen den Topfavorit 3 Remisen durch Zoya Schleining gegen Anna Muzychuk, Natalia Straub gegen Marija Muzychuk und Anzhelika Valkova gegen Ekaterina Kovalevskaya. Auf die Folter spannte die Teamkollegingen Hanna Marie Klek, die diesmal mit dem Auto anreiste und bei der Durchfahrt des Kochertals von einem LKW der Hohenloher Molkerei aufgehalten wurde, sodass sie erst mit ca. 15 Minuten Verspätung am Spielort eintraf.

Batsiashvili-Hou Yifan

Osterhasen für alle Spielerinnen

Nach einer kurzen Nacht (der Umstellung auf Sommerzeit sei Dank) startete dann um 9:00 das entscheidende Match um die deutsche Meisterschaft zwischen Schwäbisch Hall und Baden Baden. Schwäbisch Hall ging wenig überraschend mit der gleichen 6 wie am Vortag an die Bretter. Bei Baden Baden gab tatsächlich die Weltranglistenerste Hou Yifan ihr Bundesligadebüt, da sie auch ab Samstag in Karlsruhe an den Start geht, von den Gastgebern durchaus nicht unerwartet. Sie ersetzte Ketino Kachiani Gersinska und traf auf Nino Batsiashvili. Das letzte Aufeinandertreffen beider Spielerinnen war beim Isle-of-Man-Open an die Georgierin gegangen, Hou Yifan hatte also noch eine Rechnung offen. Damit traten für Baden Baden 4 Top-10-Spielerinnen und gleichzeitig Trägerinnen des Männer-GM-Titels an, für Schwäbisch Hall mit Nino Batsiashvili eine Top-10-Spielerin und designierte Männer-GM. Es war sicher eins der am stärksten besetzte Match der Frauenbundesliga, wenn nicht das stärkste überhaupt, alle Spielerinnen wiesen eine Elo von über 2400 auf, 5 Spielerinnen sogar von über 2500 bzw. 2600.

Nach 2 Stunden Spielzeit konnte man noch nicht viel sagen, nur an Brett 2 hatte Anna Muzychuk Vorteile gegen Ekaterina Atalik, die sie dann auch zur Baden Badener 1-0 Führung nutzte. Danach endete die Partie zwischen Annas Schwester Mariya und Lela Javakhishvili remis. Lela blieb mit diesem Remis die komplette Saison mit 7,5/9 Punkten ungeschlagen und sicherte sich auch den Schach-Ticker-Preis für die beste Spielerin der Saison (siehe unten).Wie meistens fiel die Entscheidung in der Zeitnotphase. Alexandra Kosteniuk schaffte an Brett 3 gegen Alina Kashlinskaya die Vorentscheidung, sie gewann eine lange Zeit unklare Partie zum 2,5-0,5. Damit brauchte Baden Baden nur noch einen Punkt zum Titel. Deimante Cornette hatte Ekaterina Kovalevskaya auf ein Qualitätsopfer verzichtete, das ihr klaren Vorteil gebracht hätte – wer weiß, wie der Kampf geendet hätte, wenn Schwäbisch Hall hier voll gepunktet hätte. Dafür ließ sie sich auf wilde Komplikationen ein – so um den 35. Zug gab kaum einer der Zuschauer noch einen Pfifferling für Deimantes Stellung, aber irgendwie schaffte sie es, bei beidseitiger Zeitnot den Laden zusammenzuhalten, und nach der Zeitkontrolle verflachte die Partie und endete im Dauerschach. Damit war aber die letzte Chance für eine Wende aus Schwäbisch Haller Sicht dahin, denn Irina Bulmagas Stellung gegen Anna Zatonskih war völlig ausgeglichen. Trotzdem spielten beide noch lange weiter, über 105 Züge spielten sie ihr Damenendspiel aus – wer gewinnen wollte, war nicht ganz klar, am Ende stand dann doch ein leistungsgerechtes Remis. Derweil stand Nino Batsiashvili gegen Hou Yifan fast die ganze Partie zumindest bequemer. Im 40. Zug übersah sie aber eine Springergabel, die eine Figur kostete. Auch danach war die Stellung noch nicht klar, aber Nino verpasste einige bessere Fortsetzungen und ließ sich zu allem Überfluss in allerdings schon verlorener Stellung mattsetzen. Damit gelang Hou Yifan ein toller Einstand in der Frauenbundesliga, gleichzeitig war es ihr vorbehalten, den Punkt zur Baden Badener Meisterschaft zu machen.

Selfies von Baden BadenSchwäbisch Hall wartet am Computer auf Irina Bulmaga

Am Ende stand damit ein klarer 4,5-1,5 Sieg, vielleicht einen halben Punkt zu hoch, aber in jedem Fall hochverdient. Wolfgang Fiedler, Turnierleiter Frauen im DSB, nahm dann gegen 14:30 die Siegerehrung vor und überreichte dem Kapitän von Baden Baden Thilo Gubler den Meisterpokal.

Schwäbisch Hall beim Oberbürgermeister

Die Schwäbisch Haller Mannschaft freute sich trotz der verpassten Meisterschaft über die Vizemeisterschaft und darüber, dem Topfavoriten aus Baden Baden auch diese Saison wieder alles abverlangt zu haben, und wurde noch am gleichen Abend bei einem Empfang im Rathaus vom Schwäbisch Haller Oberbürgermeister geehrt.

Im bedeutungslosen Parallelspiel schlug Deizisau Karlsruhe mit 3,5-2,5. Mara Jelica, die letztes Jahr in Berlin die Bundesligasaison beschloss – sie spielte (und gewann) die allerletzte noch laufende Partie – wollte sich darauf diese Mal nicht wieder einlassen und einigte sich mit ihrer Gegnerin Veronika Kiefhaber schon nach 10 Zügen auf remis. Den Deizisauer Sieg sicherten Hanna Marie Klek und Marina Noppes, die ihre Partien gewannen. Bemerkenswert das zweite Remis von Annmarie Mütsch an diesem Wochenende an Brett 1, diesmal gegen Zoya Schleining.

Die Liveübertragung funktionierte diesmal reibungslos, die Partien können unter anderem hier nachgespielt werden, sind aber auch bei Chess24 verfügbar.

Spielort Hamburg

In Hamburg sicherte sich der SC Bad Königshofen durch ein 3-3 gegen Gastgeber Hamburg Platz 3 in der Abschlusstabelle. Hofheim gewann hoch mit 5-1 gegen Kiel und sicherte sich damit endgültig den Klassenerhalt, Kiel fiel dadurch auf den geteilten letzten Platz zurück. Hier war besonders der Sieg von Sonja Bluhm gegen Marta Michna bemerkenswert. Am Sonntag gab es Favoritensiege für Hamburg gegen Hofheim und Bad Königshofen gegen Kiel.

Die Partien aus Hamburg wurden ebenfalls live übertragen, hier die Links zum Nachspielen:

http://hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2017_2018/Runde10/tfd.htm
http://hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2017_2018/Runde11/tfd.htm

Spielort Erfurt

Hier ging es für die Gastgeberinnen und Allianz Leipzig darum, den Abstieg vielleicht doch noch zu vermeiden, oder zumindest noch auf Platz 10 vorzurücken, der im Falle eines Rückzugs oder eines Aufstiegsverzichts noch den Klassenerhalt bedeuten könnte. Mit dem Klassenerhalt wurde es nichts mehr, da Hofheim gegen Kiel gewann, Leipzig schaffte aber mit einem klaren Sieg gegen Erfurt und einem Unentschieden gegen Lehrte einen versöhnlichen Saisonabschluss. Rodewisch gewann zweimal und belegt am Ende Platz 5, herausragend bei den Schachmiezen Anastasia Bodnaruk, die an Brett 1 6/6 holte. Für den Schach-Ticker-Preis (siehe unten) kam sie nicht in Frage – dafür waren 8 Partien nötig.

Schach-Ticker-Preis

Auch im Schachticker-Wettbewerb ist die Entscheidung gefallen, hier die Zusammenfassung von Raymund Stolze:

Spannung war bei der letzten Doppelrunde auch bei der Wahl für die Bundesliga-Spielerin des Jahres angesagt. Diese Auszeichnung vergibt der Schach-Ticker bereits zum fünften Mal und wir freuen uns, dass die Dortmunder Fotografin Christiane Köhne (http://www.christiane-koehne.de/) dafür zwei sehr schöne Schachbilder gespendet hat. Die Wertung ist in beiden Kategorien übrigens höchst einfach: Gewinner sind jene beiden Frauen, die prozentual das beste Ergebnis erzielt haben. Bei Gleichstand gibt der Elo-Durchschnitt der Gegnerinnen den Ausschlag. Allerdings müssen jeweils mindestens acht Partien gespielt werden.

“Fußballroboter auf Abwegen”, Preis für die beste Nachwuchsspielerin

“Geisterschach” für die Bundesligaspielerin des Jahres

In der Königsklasse „Bundesliga-Spielerin des Jahres“ konnte sich Lela Javakhisvili von Vizemeister SK Schwäbisch Hall durchsetzen. Die noch 33-Jährige, die ihr Heimatland Georgien zwischen 2004 und 2016 bei sieben Schacholympiaden vertreten hat und 2008 mit Team-Gold holte, kam auf 7,5 Punkte aus 9 Partien (83 Pozent). Damit ist sie, die seit der Saison 2016/17 bei den Hallern spielt zugleich die Topscorerin aller eingesetzten Frauen in der höchsten deutschen Spielklasse. Auf die Plätze 2 und 3 verwies sie Tatjana Melamed vom SC Bad Königshofen (6,5/8=81%) und Ketevan Kachiani-Gersinska von Meister Baden-Baden (6/8=75%).

Für den Titel „Nachwuchsspielerin der Saison“ – hier durften die Kandidatinnen beim Start in die Spielzeit 2017/18  [1. Oktober 2017] noch nicht 23 Jahre alt gewesen sein – konnten sich Cecile Haussernot (OSG Baden-Baden) 5/6 und Filiz Osmanodja (Hamburger SK) 6/8 beste Hoffnungen machen. Doch die Französin wurde nach der siebten Runde nicht mehr eingesetzt, sodass die bis dahin einzige Konkurrentin der Medizinstudentin an der Berliner Humboldt-Universität kampflos das Feld räumen musste. Filiz hingegen, die 2014 mit dem Vizeweltmeistertitel in der Altersklasse U18, ihren bisher größtem sportlichen Erfolg feierte,konnte sich mit 6/10=60% nicht ins Ziel retten, denn sie verlor ihre letzten beiden Partien. Profitiert hat von diesem unerwarteten Einbruch ihre Hamburger Mannschaftskollegin Teodora Rogozenco [4. Juli 2000] mit 5.5/9= 61%, die sich auf der Zielgeraden SO diese Auszeichnng schnappte. Fotofinish heißt das wohl und wird die 17-jährige Tochter des Bundestrainers Dorian Rogozenco ganz sicherlich motivieren, bei der Team-WM 2018 in Bad Blankenburg von 11. bis 18, Juli für Deutschland dabei zu sein.

Ergebnisse und Tabelle

Alle Ergebnisse gibt es hier , interessante statistische Details zur Frauen-Bundsliga-Spielzeit 2017/18 finden Sie unter diesem Link.

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