Damen-EM: Gunina Erste, Paehtz Sechste

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Beides war verdient – bei Elisabeth Paehtz auch (jedenfalls grob), wo sie nach Buchholz unter den Spielerinnen, die Platz 2-8 teilten, landete. Vysoke Tatry, Austragungsort der Damen-Europameisterschaft in der slowakischen Hohen Tatra (nahe der Grenze zu Polen) mit offenbar Schneeresten in den Bergen über ca. 2000m, kann man einerseits nicht mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vergleichen. Andererseits erinnerte der Turnierverlauf (potentiell) an völlig offene Turniere (weder weiblich noch aus Europa Teilnahmevoraussetzung) in Dubai und Sharjah, mit am Ende dem Sharjah-Szenario: eine Person dominierte und konnte sich am Ende zwei Remisen leisten. Das war der junge Iraner Maghsoodloo (Kurzbericht kommt vielleicht noch).

Das Dubai-Szenario war: ein Spieler (Ganguly) “steht bereits als Turniersieger fest”, verliert dann allerdings in den beiden letzten Runden, wodurch ein anderer (Flores) mit “Schweizer Gambit” das Turnier gewinnt. Wenn es so gekommen wäre, wäre es aus deutscher Sicht statt eines guten ein sehr gutes Ergebnis für Elisabeth Paehtz. “Schweizer Gambit” (bei Paehtz war es, wie bei Flores, keine Niederlage aber im Vergleich zur Konkurrenz mehr Remisen früh im Turnier) ist dabei selten bis nie Absicht. Perfekt wirkt es nur, wenn man auch zum Ende des Turniers dann starke Konkurrenten besiegt.

Nach dieser Vorrede zunächst der Endstand, bei Spielerinnen mit 8/11 in Klammern die Buchholz-Wertung: Gunina 9/11, Dzagnidze 8(74.5), Ushenina 8(74), Atalik 8(67), Stefanova 8(66/71), Paehtz 8(66/70.5), Kulon 8(65.5), Shuvalova 8(65), Goryachkina, Mammadzada, Osmak, Javakishvili, Szczepkowska 7.5, usw. . Die Spielerinnen mit 7.5/11 auch nach Buchholz sortiert, wobei es da egal war – Preisgeld wurde bei Punktgleichheit geteilt, Medaillen kann man nicht teilen. In der Gruppe mit 8/11 war es denkbar knapp zu Silber und Bronze, dann klar, dann auf Platz 4-8 wieder knapp – zwischen Stefanova und Paehtz entschied die zweite Buchholz-Wertung zugunsten der FIDE-Vertreterin (Bulgarien darf sie ja nicht offiziell vertreten).

Beste Wertung von zwölf mit 7/11 für die an eins gesetzte Mariya Muzychuk, aber auch da bekamen alle gleich viel oder wenig Preisgeld. Unter diesen zwölf auch Zoya Schleining, und um das Bild aus deutscher Sicht zu komplettieren: ebenfalls gutes Turnier für Filiz Osmanodja, Elo-neutral für Judith Fuchs, schlecht lief es für Sarah Hoolt, noch schlechter für Marta Michna und Hanna Marie Klek (ob das die Aufstellung der nächsten deutschen Damenmannschaft beeinflusst, mögen andere entscheiden).

Alle Fotos stammen von Oleksandr Martynkov auf Facebook, Titelfoto (nach dem Turnier, auch wenn sie schon zuvor zwei Goldmedaillen hatte) natürlich für Valentina Gunina. Auch im weiteren Bericht viele Fotos, daher diesmal keine Diagramme – auch wenn ich zwei, drei, zehn oder zwanzig einbauen könnte.

Getanzt wurde schon vorher bei der Eröffnungsfeier – was die Farbe blau in einem Schachturnier zu suchen hat ist Geheimnis der Organisatoren. Geredet wurde vorher natürlich auch, aber dazu keine Fotos.

“Runde für Runde” schwerpunktmässig zur entscheidenden Turnierphase, aber durch die deutsche Brille betrachtet beginne ich mit Runde 1 – zwei Deutsche an den vordersten Brettern! Das lag an der Auslosung, konkret daran dass sie weit oben in der unteren Hälfte der Setzliste eingeordnet wurden – also nicht Elisabeth Paehtz (Nummer 13 von 144). Filiz Osmanodja war Nummer 73, also zu Beginn Brett 1 gegen Mariya Muzychuk. Lange konnte sie mindestens Paroli bieten (diese und auch andere Partien könnte ich viel ausführlicher besprechen), dann drei schlechte Züge nacheinander von beiden – Pech für Osmanodja, dass sie anfing und demnach auch aufhörte. Insgesamt, so sagt jedenfalls Captain Hindsight hinterher, dennoch ein Fingerzeig für was noch geschehen sollte: gutes Turnier für Osmanodja, kein gutes Turnier für Muzychuk (Vorname muss nicht mehr sein, Anna hat nicht mitgespielt). Judith Fuchs verlor dagegen an Brett 6 recht glatt gegen Marie Sebag, da war der Elounterschied von 200 Punkten eher erkennbar als bei den 240 an Brett 1.

Runde 2 überspringe ich, in Runde 3 an Brett 3 Cornette-Hoolt 1-0 – lange war es etwa ausgeglichen, nach 54.-Ld5? wurde der weisse e-Freibauer partieentscheidend. Nach Runde 4 der erste Zwischenstand: Dzagnidze 4/4, Muzychuk, Gunina, Ushenina, Ovod, Ziaziulkina, Shvayger 3.5, usw. . Die ersten vier hatte ich bereits erwähnt, den drei anderen ging später etwas die Puste aus (gilt auch +- für Muzychuk)

Ein Turniersaal-Bild zwischendurch – welche Runde, welche Bretter, da bin ich überfragt.

In Runde 5 zwei Entscheidungen an den vordersten Brettern: Ushenina-Dzagnidze 1-0 im Königsangriff. Engines behielten angesichts weisser Drohkulisse die Nerven, Dzagnidze nicht – sie schwächte sich freiwillig mit 15.-g6. Das kostete wenig später eine Qualität, und dann wurde es noch schlimmer: nach dem Damen-Scheinopfer 33.Dg6+ hatte Schwarz genug gesehen – Weiß bekommt die Dame kurzzügig und mit Zinsen zurück. Dass es dann auch kurzzügig Matt wird, hatten die beiden Spielerinnen vielleicht noch nicht gesehen, aber netto Turmverlust war Grund genug für die schwarze Aufgabe.

Gunina-Shvayger 1-0: Weiß transformierte, geplant oder nicht, ihren Vorteil mehrfach – erst Kontrolle der d-Linie, dann stand der schwarze König etwas anfällig, und daraus entstand ein nur materiell ausgeglichenes Turmendspiel: weisse verbundene Freibauern auf der b- und c-Linie waren weiter vorgerückt und wurden vom König unterstützt, damit waren sie viel stärker als die schwarzen auf g- und h-Linie.

In Runde 6 am Spitzenbrett Ushenina-Gunina 1/2, danach hatte Gunina vorläufig genug Remis gespielt. Bei heterogenen Rochaden und schwarzem Qualitätsopfer war es durchaus gehaltvoll-ausgekämpft, vorübergehend stand Schwarz schlecht. Das gab es also auch in Guninas Partien, wobei dieses Turnier bei weitem nicht so dramatisch war wie einige andere für sie – öfters gewann sie mal aus glatter Verluststellung, verlor allerdings auch aus Gewinnstellung. Letzteres passierte diesmal gar nicht, sie blieb ungeschlagen.

Muzychuk, Dzagnidze und Danielian konnten mit Weißsiegen gegen Ovod, Mammadzada and Osmanodja zur Spitze aufschließen. Filiz Osmanodja also vor dieser Runde auch in der ersten Verfolgergruppe, wobei “Damen-EM aus deutscher Sicht” generell später kommt. Eine Ausnahme für Elisabeth Paehtz, da sie später auch in der entscheidenden Turnierphase vorne mitmischte: heute nach zuvor relativ mässigen 3.5/5 ein Weißsieg gegen Anita Gara. Nach ruhiger Eröffnung öffnete die Ungarin die Stellung zu ihren Ungunsten, Paehtz nutzte diese Chance.

Zwischendurch ein paar Foto-Impressionen vom Austragungsort Hotel Bellevue und der näheren Umgebung:

In Runde 7 Guninas nächster Streich – Gunina-Muzychuk 1-0, damit übernahm sie die alleinige Führung und sollte sie bis Turnierende behalten. Damentausch war der Anfang vom Ende aus schwarzer Sicht, später bekam Weiß einen partieentscheidenden d-Freibauern.

Ziaziulkina-Paehtz 1/2 war turbulent. Bis zum 15. Zug noch einigermassen bekannte schottische Theorie (Vorgänger u.a. Karjakin-Kramnik, Wang Hao-Karjakin und Nepomniachtchi-Eljanov) – Paehtz blitzte das flott herunter, Ziaziulkina verwendete bereits einige, dabei auch wenige Minuten. 16.a4 war selten, immerhin bereits in Jones-Ragger 1-0 gespielt, 2017 die Vorentscheidung in der B-Gruppe in Wijk aan Zee (so bekam Gawain Jones dieses Jahr u.a. die Chance, mit Mehrfigur gegen Carlsen zu verlieren). Der Rest der Partie kurz und knapp: wechselnde Materialverhältnisse, wechselnde Vorteile, am Ende remis.

Nach dieser Runde war Ruhetag, auch dazu eine Fotogalerie:

Anastasia Bodnaruk war nicht alleine in den Bergen unterwegs, sondern Teil einer Gruppe. Auf der Hose von Polina Shuvalova (Dritte von links im dritten Foto) steht UNBEATABLE – stimmte nicht ganz, in Runde 3 hatte sie gegen Dzagnidze verloren, aber am Ende landete sie weit vorne. Ein paar Herren mischten sich unter die Damen, z.B. ganz links im fünften Foto Sergey Zagrebelny. Tags darauf wurde wieder Schach gespielt:

Runde 8 – am Spitzenbrett Dzagnidze-Gunina 0-1. Schwarz stand vorübergehend verdächtig und konnte dann im Gegenangriff gewinnen. Unter umgekehrten Vorzeichen (Schwarz gewann) passt diese Beschreibung auch zu Muzychuk-Kulon 0-1 – für die Polin (Elo 2319) der vierte Sieg in Serie gegen 2400+. Fortschritte machte auch Elisabeth Paehtz, die Daria Voit im Springerendspiel bezwang – objektiv war es wohl Remis, aber Schwarz (Voit) musste es beweisen und schaffte es nicht.

In Runde 9 war Kulons Lauf erst einmal vorbei, schliesslich traf sie auf Super-Gunina – deren partieentscheidender Freibauer diesmal auf der c-Linie, im Gegensatz zum schwarzen auf der b-Linie effizient von Figuren unterstützt. Unuk-Paehtz 0-1 war drastisch: schwarze Bauernwalze gegen den lang rochierten weißen König, und dann gaben diese Bauern ihr Leben für ein höheres Ziel – Matt (auch wenn es nicht mehr aufs Brett kam). Laura Unuk, die zuvor (und danach auch in der letzten Runde) über ihren nominellen Möglichkeiten spielte, hatte dabei einen schlechten Tag erwischt: im 12. Zug ein Bauereneinsteller, im 15. Zug der definitiv partieentscheidende Fehler, der die schwarze Bauernwalze ermöglichte.

Stand nach dieser Runde: Gunina 8/9, Ushenina, Stefanova, Paehtz, Atalik 7/9, usw. – das Dubai-Sharjah-Szenario: zwei Runden vor Schluss hatte eine Person einen vollen Punkt Vorsprung auf die ersten Verfolger (hier Verfolgerinnen).

Runde 10 – es war soweit: Showdown zwischen Paehtz und Gunina am Spitzenbrett. Dass Paehtz zuvor nur Gegnerinnen mit Elo unter 2400 hatte, lag zum einen am relativ verhaltenen Start ins Turnier, zum anderen war sie eben immer in der oberen Elohälfte punktgleicher Spielerinnen. Paehtz-Gunina 1/2 war angesichts der Turniersituation gut für Schwarz, und im Titel- oder auch Medaillensinn zu wenig für Weiß. Es begann mit 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Sf3 Sf6 5.c3 Sc6 6.Lf4, was ist das denn? Man kann sagen, Theorie vermeiden und den Kampf im Mittelspiel suchen. Man kann auch sagen, nicht allzu ehrgeizig. Spätere Stellungen wurden öfters via d4/Lf4 (und von Schwarz -c5 nebst -cxd4 exd4) erreicht. Auffällig auch, dass hier beide lange flott spielten, während an Nachbarbrettern früh Bedenkzeit investiert wurde.

Zur Partie: Nach Guninas forschem 14.-f5 hatte Paehtz etwas Oberwasser, nachdem sie das vorübergehende Bauernopfer 24.-e5 erlaubte verflachte es zum Remis. Paehtzs Ansatz in dieser Partie kann man vielleicht als “dosiertes Risiko” bezeichnen – jede Person muss dabei entscheiden, ob sie (oder er) das Maximum will oder eventuell eher das (auch im finanziellen Sinn) bereits Erreichte absichern will.

Die anderen Verfolgerinnen spielten ebenfalls Remis: Atalik und Stefanova gegeneinander ausgekämpft (Atalik war wohl nahe am Sieg), die heruntergeloste Ushenina gegen Osmak in 16 Zügen – wobei beide bereits viel Bedenkzeit verbraucht hatten.

Dzagnidze konnte durch Weißsieg gegen Girya aufschliessen – mit 1.f4!? wollte sie es wissen, stand allerdings danach tendenziell eher schlechter als besser. Am Ende hatte Girya konditionelle Probleme: 37.-Tg2-g4 war vorteilhaft, dann muss Weiß für jedenfalls gewisse Remischancen das ‘Messer’ 38.Txh6+ usw. finden – am Ende einer Abwicklung aus weisser Sicht Turm und drei Bauern gegen Turm, Läufer und Bauer. Aber sie hatte nur die Kraft für 37.-Tg2-g3?, und nun hatte Weiß eine Gabel mit Figurengewinn statt -verlust.

In der elften und letzten Runde diese Paarungen: Gunina(8.5)-Atalik(7.5), Stefanova(7.5)-Dzagnidze(7.5) und Paehtz(7.5)-Ushenina(7.5). Gunina reichte natürlich ein Remis, alle anderen mussten im Goldsinne auf Guninas Niederlage hoffen. Im Medaillensinne waren die beiden anderen Partien Armageddon mit klassischer Bedenkzeit: Weiß (schlechte Wertung) musste gewinnen, Schwarz (gute Wertung) reichte ein Remis. Wie Flores in Dubai hatte Paehtz dabei in den letzten beiden Runden zweimal Weiß, und insgesamt dreimal Weiß in den vier letzten Runden.

Preisgeldtechnisch war es dabei kein reiner Armageddon – Remis war für die Weißspielerinnen an Brett 2 und 3 durchaus besser als verlieren. Gunina-Atalik 1/2 war Formsache in acht Zügen – da beide Caro-Kann Theorie beherrschten brauchten sie dafür knapp drei Minuten. Atalik glaubte wohl nicht, dass sie die zuvor ziemlich souveräne Gunina mit Schwarz besiegen könnte. Paehtz und Ushenina waren sich nach zehn Zügen und beiderseits mehr verwendeter Bedenkzeit remiseinig. Paehtzs Ansatz in dieser Partie “kein Risiko”, das hatte ich bereits kommentiert.

Stefanova-Dzagnidze 1/2 war ausgekämpft, nach 57 Zügen war das Remis im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern offensichtlich. Zuvor machte Stefanova Druck auf der halboffenen f-Linie und hatte dafür zweimal einen Bauern geopfert. Besser stand sie zweifelsohne, ob sie den Sieg verpasst hat kann ich nicht beurteilen.

Zwei weitere konnten so noch den zweiten Platz teilen: Shuvalova-Muzychuk 1-0! da die Favoritin in einem Alapin-Sizilianer zu viel riskierte bzw. schlecht spielte. Ergebnis der Abwicklung 9.-Le6?! 10.Lxe6 Sd3+ 11.Ke2 Sxc1+ 12.Dxc1 fxe6: Weiß hatte ein vorübergehendes Problem – unrochierter König, später dann 15.The1 und 16.Kf1. Schwarz hatte ein strukturelles Problem – Doppelbauer auf der e-Linie. Da Shuvalova nicht energisch nachsetzte, stand Muzychuk dennoch nicht schlechter – bis sie mit 18.-0-0-0? in den weissen Angriff hinein rochierte (18.-0-0 war OK). Partieentscheidend dann 25.Txb7+! – nach 25.-Kxb7 26.Sc5+ mit Gabelfrühstück (schwarze Dame auf e6), aber 25.-Kc8 verlor auch viel Material.

Bei Cornette-Kulon 0-1 hatte Schwarz früh Oberwasser und konnte am Ende den weissen König fatal belästigen. In der Schlusstellung hatte Weiß eine “aktive” Figur, wobei der Sb5 im Abseits stand. Die anderen weissen Figuren auf der ersten und zweiten Reihe – Ta1 und Lc1 hatten sich nie bewegt, der Sd1 durchaus. Buchholztechnisch hatte Kulon etwas Pech, zwei nominell starke Gegnerinnen erwischten schlechte Turniere: Zhukova nur 3.5/11, Melia 4.5/11 bzw. eigentlich 4.5/9 – kampflose Niederlage in Runde 10 und dann verzichtete sie auf Runde 11 (war aber bei der Abschlussfeier vor Ort). Preisgeldtechnisch war es dabei egal, und eine Medaille ohnehin ausser Reichweite.

Das war nun viel Text, erst einmal wieder Bilder – die traditionellen Spielergalerien im Hoch- und Querformat:

Spielerinnenauswahl etwas nach dem Zufallsprinzip – einige zeige ich doppelt, und sei es nur damit ich die Galeriereihen fülle. Einige zeige ich auch, weil sie im Turnierverlauf deutsche Gegnerinnen hatten. Was mir generell auffällt, auch im Vergleich zu Damenfotos bei anderen Turnieren: kaum jemand lächelt – wobei es im Einzelfall Ansichtssache ist, wer mit geschlossenem Mund lächelt. War es sooo ein schweres Turnier? Verzichtete der Fotograf meistens auf gestellte Fotos? Sabrina Vega Gutierrez habe ich doppelt – sie kann beides: ohne Brille lächeln und sich mit Brille auf ihre Partie konzentrieren. Unter anderem Laura Unuk habe ich auch doppelt, von ihr gibt es warum auch immer sehr viele Fotos. Elisabeth Paehtz hätte ich nicht ohne weiteres erkannt – sie wechselt oft Frisur und auch Haarfarbe, nun hat sie sich offenbar an Ushenina (war auch mal dunkelhaarig) angepasst.

Einige bekannte Namen “fotografierte” ich, ohne sie bisher zu erwähnen – Mitfavoritinnen (nach Elo die sie haben oder jedenfalls mal hatten) mit schlechtem Turnier. Mariya Muzychuk hatte ich bereits erwähnt – drei Niederlagen, dennoch wenig Eloschaden (-8) da sie durchgehend vorne mitspielte und demnach auch oft (sechsmal) gewann. Bela Khotenashvili (6.5/11) spielte dagegen, an sieben gesetzt, nur sporadisch an den ersten zehn Brettern. Das gilt auch für die an 2 gesetzte Nino Batsiashvili, ebenfalls 6.5/11. Gar nicht lief es für Natalia Zhukova – da sie seit Mai 2016 bereits gut 60 Elopunkte eingebüsst hatte, diesmal nur an 22 gesetzt. Aber das war eher kein Grund für sieben Niederlagen in Runde 4-7 und 9-11, so sind 46 weitere Elopunkte futsch.

Zu den Medaillengewinnerinnen: Gunina schrieb quasi Schachgeschichte – ihr dritter EM-Titel nach 2012 und 2014. Das schaffte zuvor niemand, Zhukova (2000 und 2015, nächstes Mal demnach 2030?), Cramling (2003 und 2010), Lahno (so hiess sie vor ihrem Verbandswechsel, inzwischen Lagno, 2005 und 2008) und die mittlerweile inaktive Tatiana Kosintseva (2007 und 2009) schafften es zweimal. Bei den Männern bzw. politisch korrekt (und einmal Bronze für Judit Polgar) im offenen Turnier wurde bisher niemand zweimal Europameister, und nur wenige bekamen mehrere Medaillen – am erfolgreichsten Jobava mit zweimal Silber und zweimal Bronze. Bei den Damen dagegen Stefanova und Kosintseva mit fünf Medaillen (letztere sieben mit zwei für Schwesterherz Nadezhda), Mkrtchian mit vier. Gunina dagegen nur drei, für sie gilt alles oder nichts? Generell ist das Teilnehmerfeld im offenen Turnier wohl deutlich breiter. Bei dieser Damen-EM noch bemerkenswert: Silber und Bronze für die Europameisterinnen 2017 (Dzagnidze) und 2016 (Ushenina). Ushenina hatte zuvor drei schlechte Damenturniere in Serie (Türkische Liga, Europacup für Vereinsteams und EM für Nationalmannschaften) bei denen sie insgesamt ca. 50 Elopunkte verlor, nun kommen wieder 21 dazu.

Nun zu den deutschen Teilnehmerinnen: Zu Elisabeth Paehtz ist alles gesagt – gut, effizient, der letzte Medaillenwille fehlte vielleicht aber das ist nicht unbedingt Kritik. Was es finanziell brachte – siehe unten. Elotechnisch brachte es neun Punkte, also fast ein Brettpunkt mehr als bei den Gegnerinnen die sie hatte “normal”. Weiter in der Abschlusstabelle: Zoya Schleining mit 7/11, das brachte 12 Elopunkte. Unter anderem 3.5/6 gegen Elo über 2400 – Siege gegen Khotenashvili und Pogonina (die auch ein schlechtes Turnier erwischte), Remis gegen Goryachkina, Batsiashvili und Bodnaruk, einzige Niederlage gegen Atalik. Partien habe ich mir angeschaut, aber das sprengt nun den Rahmen dieses Beitrags. Filiz Osmanodja mit für ihre Eloverhältnisse Superturnier, mit K-Faktor 20 Elo +52 – 4/11 war demnach normal, es wurde 6.5/11. Früh im Turnier drei Siege in Serie gegen Pogonina, Vega Gutierrez und Zawadzka, ihr viertes relativ prominentes Opfer wurde ausgerechnet Sarah Hoolt. Drei Niederlagen gegen (bereits erwähnt) Muzychuk, Danielian und Nechaeva konnte sie da verkraften.

Und das waren die guten bis sehr guten Nachrichten aus deutscher Sicht, abweichend vom Tabellenstand nun die neutrale – Judith Fuchs (5/11) ziemlich genau im Rahmen der Elo-Erwartung. Für Sarah Hoolt war 5.5/11 dagegen etwas mehr Schatten als Licht, Elo -14. Noch schlechter lief es für Hanna Marie Klek – 5/11 gegen durchweg Elo 2207 oder weniger kostete mit K-Faktor 20 63 Elopunkte. Positiv betrachtet: 2/2 zum Schluss war Schadensbegrenzung. Und für Marta Michna, die bei 4.5/11 von K-Faktor 10 profitierte im Sinne von “nur Elo minus 40” – für sie lief es gar nicht.

Mit allen früheren Damen-EMs kann oder will ich es nicht vergleichen, nur kurz mit der 2017 in Minsk: Damals wurde Elisabeth Paehtz an 12 gesetzt Achte – etwa vergleichbar, damals allerdings ein halber Punkt Rückstand auf die Medaillenränge. Sarah Hoolt damals mit gutem Turnier und IM-Norm, Fuchs (an 74 gesetzt 76.) auch damals “neutral”, Michna damals im Elosoll aber weniger als diesmal, Osmanodja mit katastrophalem Turnier. Mal läuft es eben, und mal nicht?

Was bleibt sind nochmals Fotos von der Abschlussfeier, da lächelten viele wenn auch nicht alle:

Zu den Fotos der Reihe nach: Es gab drei Pokale – einige die keinen bekamen waren dennoch zufrieden. Gunina und Paramzina – nicht aus Versehen dasselbe Foto doppelt: zum einen erscheint hinten noch jemand, zum anderen strahlen beide vor allem auf dem zweiten Foto. Haben sie sich, nebeneinander stehend, per SMS oder WhatsApp unterhalten? Im Pressebereich in Wijk aan Zee gab es ja mal ein Internet-Match, bei dem die Spieler nebeneinander am Computer sassen.

Beim georgischen Teamfoto links Ubilava, der die Damen wohl schachlich (und moralisch?) vor Ort unterstützte. Dzagnidze hat bereits ihren Pokal, Melia wie gesagt noch vor Ort, Arabidze gewann einen der ACP-Preise (für die besten ACP-Mitglieder die sonst leer ausgingen). Die Dame rechts wird auf Facebook nicht namentlich erwähnt.

Auf dem nächsten Foto fallen zwei auf: ganz links denkt Mariya Muzychuk “nur tausendelf Euro?”, zentral Zoya Schleining da sie die Mutter (fast Oma) der anderen sein könnte. Ebenfalls auf diesem Foto Sebag, Girya, Kashlinskaya, Ticia Gara, Zeynab Mammadyarova und Milliet. Auf dem nächsten Foto Szczepkowska, Javakishvili, Osmak und Mammadzada [Goryachkina fehlt wobei sie auch 7.5/11 hatte, das Gruppenfoto von Spielerinnen mit 7/11 ist auch unvollständig]. Paehtz, Stefanova und Atalik bekamen deutlich mehr Preisgeld für noch einen halben Punkt mehr im Turnier – auch auf diesem Foto fehlen einige (Kulon wurde vielleicht wegen dunkler Haare disqualifiziert).

Was für Zettel haben die jungen Damen auf dem nächsten Foto? IM-Normen für Osmanodja, Badelka, Shuvalova und Velikic (Badelka und Velikic hatten am Ende TPR knapp unter 2450, aber offenbar eine Norm über neun Runden). Auf dem nächsten Foto neben den Medaillengewinnerin Eva Repkova – ebenfalls Schachspielerin, aber diesmal Organisatorin. Und dann posierte Gunina nochmals, offiziell und spontan.

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