Den Vogel gezeigt: eine Klatsche für das Wunderkind

  • 1
    Share

Nichts ist beim Schach undankbarer, als gegen ein Kind zu spielen. Weil junge Leute viel schneller besser werden, als ihr Rating das reflektieren könnte, sind sie in der Regel deutlich unterbewertet. Was auf dem Papier nach einer lösbaren Aufgabe aussieht, mag sich auf dem Brett als unangenehmer Brocken erweisen, der uns leicht eine Menge Elopunktekosten kann.

Rechenstark, aber ahnungslos

Es gibt Gegenstrategien. Junge Leute können in der Regel rechnen wie die Teufel, aber sie wissen nichts über Schach. Also legen wir die Partie ruhig an und führen sie in strategische Gewässer, so dass der junge Gegner nichts zu rechnen hat und an seiner Ahnungslosigkeit zugrunde geht.

Der elfjährige Inder Karthik Thrish ist so ein Fall. Im Frühjahr 2018 hat er schon seinen ersten Großmeister besiegt, trotzdem reist er noch mit einer bescheidenen Elo-Zahl von 1.842 von Turnier zu Turnier (in der nächsten Elo-Liste wird er schon über 2.100 haben). Zuletzt spielte er beim Bamberg-Openmit und bekam dort Gelegenheit, sich mit der Creme des deutschen Jugendschachs zu messen.

IM Roven Vogel

Einerseits dürfte Roven Vogel nicht begeistert gewesen sein, in der letzten Runde in Bamberg gegen einen derart unterbewerteten Gegner zu spielen. Andererseits ist Vogel als 18-Jähriger erwachsen genug, das fehlende Schachverständnis des vermeintlichen Supertalents auszunutzen.

Roven Vogel fliegt in Deutschland ein wenig unter dem Radar, obwohl er einer der bemerkenswertesten jungen deutschen Schachspieler ist. U-16-Weltmeister möchte Vincent Keymer erst noch werden, Vogel war es schon, und aktuell ist er amtierender deutscher U-18-Meister. Im Vergleich zwischen diesen beiden zeigten Vogels Partien in Bamberg deutlich, dass er der reifere Spieler ist, auch wenn Keymer nominell fast zu ihm aufgeschlossen hat.

Weiterlesen auf dem Schachblog: Perlen am Bodensee”

Print Friendly, PDF & Email