Blinder Norweger lebenslang gesperrt -Betrug am Brett, kein Einzelfall

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Muss sich ein neues Hobby suchen: Stein Björnsen (Beide Fotos: Tarjei J. Svensen/Matt&Patt)

Als der Brite William Hartston 1977 das wunderbare Büchlein „Wie man beim Schach bescheißt“ veröffentlichte, waren weder der Inhalt noch der Titel ernst gemeint. Die Schachgemeinde erfreute sich an Hartstons Sammlung fiktiver Anekdoten rund um das königliche Spiel, dessen Akteure ja in Wirklichkeit über jeden Zweifel erhaben waren. Selbst wenn jemand beim ehrenvollen Wettstreit der Geistesakrobaten würde bescheißen wollen: Wie sollte das funktionieren?

O  tempora, o mores! 40 Jahre später würde niemand eine Betrugsanleitung für Schach lustig finden, und sei sie noch so augenzwinkernd abgefasst. Betrug ist ein ernsthaftes, notorisches Problem, und das auf allen Leistungsebenen, am Brett gleichermaßen wie online. Wer mit Computerhilfe gewinnt, der erschleicht sich Elopunkte, Titel und nicht zuletzt Preisgeld, das anderen zusteht.

In Norwegen hat der nationale Schachverband jetzt erstmals einen Schachspieler wegen wiederholten Betrugs lebenslang gesperrt. Der Fall von Stein Björnsen hatte schon vor zwei Jahren international Schlagzeilen gemacht, als ihn eine zweijährige Sperre ereilte. Mit dem blinden Amateurspieler hatte es einen Behinderten erwischt, was dem Fall eine besondere Note verlieh.

Nun, nach Ablauf der Sperre, setzte Björnsen seinen Siegeszug am Brett fort, wieder mit Computerhilfe. Nach dem zweiten Turniersieg in Folge zog ihn seine Föderation auf Lebenszeit aus dem Verkehr.

Weiterlesen auf: “Perlen vom Bodensee”

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