Die chinesische Mauer hielt, die Hüfte nicht

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Nach 75 Partien ohne Niederlage jetzt im Krankenhaus: Ding Liren. (Illustration: Willum Morsch)

Das NorwayChess-Turnier wird als Wettstreit der Versehrten und Unwilligen in die Schachgeschichte eingehen, selbst wenn alle Teilnehmer die verbleibenden Runden verletzungsfrei überstehen. Erst wollte Fabiano Caruana gar nicht antreten, dann drohte Shakh Mamedyarov wegen Zahnschmerzen auszufallen, dann stürzte Ding Liren vom Fahrrad und brach sich sie Hüfte. Statt am Brett zu sitzen, liegt er nun im Krankenhaus.

Von der längsten Serie ohne Niederlage ist Ding Liren gleichwohl noch ein gutes Stück entfernt. Und diese Serie gehört nicht, wie man meinen könnte, dem als „Schachmaschine“ bezeichneten Exweltmeister José Raúl Capablanca (1888-1942), der als kaum besiegbar galt. Zwar bliebt Capablanca von 1916 bis 1924 ungeschlagen, spielte in dieser Periode aber nur 63 Partien. Für den Chinesen endet damit vorläufig eine Serie von 75 Partien ohne Niederlage.

Zuletzt im August 2017 (gegen Anish Giri) kassierte er eine Null, seitdem trotzt die chinesische Mauer jedem Ansturm. Die Klasse seiner Gegnerschaft macht Dings Serie umso beeindruckender: Unter anderem im World CupGrand Prix und Kandidatenturnier blieb er gegen reihenweise 2.700+-Spieler ungeschlagen. Sein Lauf führte ihn auf Rang vier der Weltrangliste, wo er sich nun vor Vladimir Kramnik und weniger als 3 Punkte von den 2.800 entfernt eingereiht hat.

Den Spitzenplatz in der Statistik belegt nach einer Erhebung von New in Chess jemand, dessen Spiel als Gegenentwurf zu Capablancas Solidität durchgehen würde: der lettische Exweltmeister und Schach-Feuerwerker Mikhail Tal blieb 1973/74 über 95 Partien ohne Niederlage und toppte damit noch seine 86 verlustfreien Partien, die ihm 1972/73 gelungen waren. Laut NIC steht er damit auf Platz eins und zwei der Rekordliste der Unbesiegbaren. Angesichts seiner Risikofreude ist das allemal überraschend, auch wenn seine Gegnerschaft während dieser Serien den einen oder anderen schwächeren Spieler in offenen Turnieren beinhaltet.

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