Der Beginn einer Aufholjagd

Beim Turnier zu Sankt Petersburg 1914 hingen nach der 8. Runde der Vorrunde Laskers Chancen auf eine Finalteilnahme am berühmten seidenen Faden. Nach einem inkorrekten Bauernopfer hatte er überraschend gegen Bernstein verloren. Aus den letzten drei Runden konnte er dann aber noch 2,5 Punkte erzielen und somit in die Finalrunde der besten 5 Teilnehmer einziehen. Am 10. Mai 1914 nahm er dann die schier unmöglich erscheinende Aufholjagd auf und besiegte in  der ersten Partie der Finalrunde, in einem von beiden Seiten sehr scharf geführten Duell, den damals noch jungen Alexander Aljechin.

Was ihn zu dieser Aufholjagd angetrieben hat, wissen wir nicht, jedoch ist bekannt dass nach dem Ende der Vorrunde, am 08. Mai ein Bankett stattfand, bei dem der Pianist und Komponist Sergej Prokofjew auftrat, welcher folgende Sätze in seinem Tagebuch zu dieser Veranstaltung festgehalten hat.

“Mit ausserordentlichem Interesse verfolge ich den hervorragenden Wettstreit, der in den Mauern der Schachversammlung stattfindet. Der glänzende Stil Capablancas, die Ungezwungenheit und der Scharfsinn, mit denen er seine Gegner zertrümmert, lenkten von den ersten Tagen alle Sympathien auf ihn. Lasker indes war zu guter Letzt so konsequent, so kategorisch, so klug in seinem Spiel, dass man nicht umhin konnte, sich vor dem Schachkönig zu verbeugen.”

“Ich möchte diese zwei Säulen der Schachwelt mit zwei Genies der Musikwelt vergleichen – mit Mozart und Bach. Wenn ich mir den komplizierten, tiefgründigen Lasker als den erhabenen Bach vorstelle, so den lebhaften, ungestümen Capablanca als den ewigen jungen Mozart… “.

Ich wünsche viel Spass beim Studium der Partie!

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