Vorschau zu Leuven (und Paris)

  • 6
    Shares

Norway Chess ist gerade erst vorbei, und schon sitzen die meisten Spieler wieder am Brett – wieder sind es insgesamt zehn Schachtage (in Stavanger einschliesslich Blitzturnier und ausschliesslich Stichkampf, der hat ja dann doch nicht stattgefunden) aber im ungewöhnlichen Rhythmus fünf Tage, drei Ruhetage und nochmal fünf Tage. Dazwischen müssen sie schliesslich knapp 350km überbrücken, und insgesamt spielen sie vierundfünfzig Partien – geht natürlich nur mit verkürzter Bedenkzeit!

Die Chess Tour enthält immer mehr Schnell- und Blitzschach, dieses Jahr hat auch das London Classic seinen Namen nur bedingt verdient. Da treffen die vier Besten der ersten vier Turniere im KO-Format aufeinander und spielen klassisch, Schnell- und Blitzschach. Noch gibt es den Sinquefield Cup mit klassischer Bedenkzeit, nächstes Jahr dann vielleicht neben St. Louis Rapid & Blitz auch St. Louis Blitz & Rapid – wäre doch innovativ, die Reihenfolge der verkürzten Bedenkzeiten umzudrehen. Vielleicht ja auch Bullet, könnte Nakamura gefallen und die Livekommentatoren müssen dann eben noch etwas schneller reden.

Thema dieser Vorschau ist allerdings Leuven und ein bisschen Paris, zwei Probleme habe ich dazu: Das erste ist für einen Vorbericht üblich – welche Fotos, wenn es noch keine Fotos gibt? Ich habe Fotos vom letzten Jahr (ab Turnierseite auf Flickr) aufgewärmt – auf dem Titelfoto fällt ja kaum auf, dass hinten auf der Bühne teilweise andere Spieler sitzen. Dass vorne auch andere Zuschauer sitzen, fällt auch nicht unbedingt auf.

Das andere Problem ist: Wie soll ich die Spieler nach Elo sortieren? Live-aktuell ist die Reihenfolge Caruana, Mamedyarov, Giri, So, Vachier-Lagrave, Nakamura, Karjakin, Anand, Aronian, Grischuk. Das ist allerdings nach (für Schnell- und Blitzschach bedingt relevanten) klassischen Elozahlen. Nach der offiziellen Juliliste (Norway Chess noch nicht ausgewertet) ist die Reihenfolge Caruana, Mamedyarov, Vachier-Lagrave, Giri, Karjakin, So, Nakamura, Grischuk, Aronian, Anand. Es gibt auch separate Elo für Schnell- und Blitzschach, bedingt aussagekräftig da große Verschiebungen von Turnier zu Turnier vorkommen. Nach Schnellschach-Elo ist die Reihenfolge Anand, Nakamura, Aronian, Grischuk, Giri, Vachier-Lagrave, Mamedyarov, So, Caruana, Karjakin. Nach Blitzelo Nakamura, So, Vachier-Lagrave, Grischuk, Caruana, Anand, Karjakin, Aronian, Giri, Mamedyarov. Und – schliesslich ist es Teil der Chess Tour – nach Universal Chess Ratings: Nakamura, Vachier-Lagrave, Caruana, Aronian, Grischuk, Mamedyarov, Karjakin, So, Anand, Giri.

Alles klar? Jeder kann Erster oder auch Letzter werden!? Im Gegensatz zu (siehe unten) 2017 gibt es keinen Favoriten für den letzten Platz. Letztes Jahr war die Chess Tour bei Freiplätzen großzügig, jedenfalls bei den Schnell- und Blitzturnieren. Diesmal wollten sie eigentlich gar keine Freiplätze, sondern zehn Spielern das Recht und die Pflicht geben, alle vier Turniere (und dann eventuell das Finale in London) zu spielen. Carlsen hat dann abgesagt – im WM-Jahr will er nicht. Caruana musste sich schon vor dem Kandidatenturnier festlegen, hätte aber vielleicht ohnehin mitgespielt – schliesslich werden zwei der vier Turniere von Rex Sinquefield finanziert, da darf er doch nicht fehlen? Kramnik wollte auch nicht die gesamte Chess Tour spielen. Karjakin rückte nach, und nun gibt es doch einen Freiplatz – in Leuven für Giri (zum Stichtag nicht top10, inzwischen wieder).

Da bei der Chess Tour Amerikaner das Sagen haben, gibt es kein Inkrement sondern “delay” – der Unterschied ist: einmal Zeitnot, immer Zeitnot, dadurch wird vielleicht mehr gepatzt und sie wollen ja Partien mit Sieger und Verlierer. Im Schnellschach gibt es 25 Minuten und 10 Sekunden delay, im Blitzschach 5 Minuten und drei Sekunden. Zuerst ist Schnellschach dran: in Leuven vom 12.-14. Juni drei Partien pro Tag ab 14:00. Dann ein doppelrundiges Blitzturnier an zwei Tagen, Freitag 15.6. ab 14:00, Samstag 16.6. ab 12:00. Der “nächtliche” Beginn am Samstag muss sein, da vor der Preisausreichung eventuell noch ein Stichkampf fällig ist. Im Stichkampf geht es dieses Jahr nur um den Turniersieg – Preisgeld wurde schon letztes Jahr gleichmässig geteilt (in Paris zwischen Carlsen und MVL), dieses Jahr werden im Fall des Falles auch Tourpunkte gleichmässig geteilt. Preisgeld ist insgesamt 150.000$, davon 37.500$ für den (alleinigen) Sieger.

Nun noch ein paar aufgewärmte Fotos:

Anand-Aronian wird es auch dieses Jahr geben, ein- oder zweimal hat Anand Weiß. Ob sie wieder farblich zueinander passende Hemden anziehen ist bei Redaktionsschluss nicht bekannt (Vishy hatte dieses Hemd jedenfalls im Stavanger-Reisegepäck).

Jedenfalls Nigel Short ist wieder vor Ort und kommentiert das Ganze. Kasparov erscheint vielleicht auch wieder – ob der dann FIDE-Wahlkampf macht und für wen (Nigel Short oder Tour-Mitorganisator Malcolm Pein, Teil von Team Makropoulos) ist noch nicht bekannt.

Maurice Ashley ist auch wieder vor Ort und wird wohl auch mal Wesley So befragen. So hat versprochen, zukünftig weniger oft Remis zu spielen und dabei auch die eine oder andere Niederlage zu akzeptieren. Damit brauchen sie im Sinne von “viele Entscheidungen” einen Spieler nicht mehr:

Baadur Jobava, der letztes Jahr in Leuven in 27 Partien nur viermal Remis spielte (daneben ein Sieg und zweiundzwanzig Niederlagen) – gut gelaunt war er dennoch. Die anderen Freiplätze bekamen damals Kramnik (wollte auch 2017 nicht die gesamte Tour spielen), Giri (blieb auch 2017 sonst außen vor) und Ivanchuk. In meinen Berichten bekamen damals Kramnik, Ivanchuk und Jobava Fotoserien, was ich dieses Jahr mache weiss ich noch nicht.

War da noch was? Kurzvorschau zu Paris: dasselbe Format vom 20.-24. Juni, statt Giri spielt dann Kramnik. Das sollte reichen, eigener Vorbericht muss auch eher nicht sein.

Print Friendly, PDF & Email