Kater im Klub

In Paris wurde in einem Vivendi-Fernsehstudio ohne Publikum gespielt (Foto: Lennart Ootes)

Stefan Löffler – Leuven, Paris, vorher Berlin und Stavanger, demnächst St Louis. Die Schauplätze wechseln, die Protagonisten bleiben die gleichen: Sie heißen Anand, Aronjan, Caruana, Karjakin, Mamedscharow, Nakamura, So und Vachier-Lagrave. Binnen der letzten vier Wochen haben sie 72 Turnierpartien mit klassischer, schneller und Blitzbedenkzeit gespielt – ganz überwiegend gegeneinander. Zu diesem elitären Klub gehört eigentlich auch Grischtschuk, der einmal nicht dabei war und daher 18 Partien weniger auf dem Buckel hat. Im August erwarten diese neun Profis nochmal 36 Turnierpartien. Wieder fast nur gegeneinander. Sechs der Genannten trafen auch schon beim Kandidatenturnier im März je zweimal aufeinander. Am Sonntag in Paris häuften sich die Patzer, dass das Zuschauen wehtat. Selbst Nakamura, der diesen zur Grand Chess Tour zählenden Wettbewerb gewann, erklärte sich anschließend für schachmüde und urlaubsreif. Zum faden Beigeschmack kommt, dass Weltmeister Carlsen dem Klub heuer fernbleibt.

Die Grand Chess Tour ist eine Erfindung von Garri Kasparow. Als der Exweltmeister vor vier Jahren darum kämpfte, die Macht im Weltschachbund zu übernehmen, wollte er durch eine internationale Turnierserie mit allen Stars des Spiels aufzeigen, dass es im Westen potente Geldgeber für Schach gab, die nur darauf warteten, sich bei der FIDE zu engagieren, wenn endlich der umstrittene Präsident Iljumschinow weg wäre.

Im ersten Jahr 2015 vereinte die Grand Chess Tour drei Rundenturniere in Stavanger, St. Louis und London mit langer, inzwischen als klassisch bezeichneter Bedenkzeit. Doch die Struktur hielt nur eine Saison. 2016 stiegen die Norweger aus, weil sie ihr Feld lieber selbst zusammenstellen wollten. Die Grand Chess Tour fand ersatzweise Geldgeber in Belgien und Frankreich. Statt einem Turnier mit klassischer Bedenkzeit organisierten sie jeweils ein kürzeres Turnier mit kürzerer Bedenkzeit. So wurde die Tour zu einer Mischung aus je zwei Turnieren mit klassischer Bedenkzeit und zwei Turnieren, die Schnellschach und Blitzschach kombinieren.

Weiterlesen auf dem Schachblog der FAZ

Print Friendly, PDF & Email