Ramadans Bauernopfer: Wer nach oben will, muss solide sein

  • 1
    Share

Die beiden originellsten Spieler aus den Top 100 zu benennen, ist einfach. Der Georgier Baadur Jobava und der Ungar Richard Rapport unterscheiden sich von anderen Top-Großmeistern, weil sie anders spielen. Frei von Schablonen wandeln sie lustvoll auf möglichst unerforschtem Terrain, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Hikaru Nakamura (by Nette-Robinson http://netterobinson-art.co.uk/chess/4569622642)

Diese krude Stellung zum Beispiel, wie sie häufig nach 1.b3 e5 entsteht, haben wir unlängst im Beitrag „Alles schon dagewesen!“ betrachtet und festgestellt, dass sie regelmäßig unter 2.700-Großmeistern debattiert wird – allen voran von den Herren Jobava und Rapport, die hier nur zu gerne die weiße Perspektive einnehmen.

Wenn uns eine Spielstärke-Etage über diesen beiden umsehen, in den Top 10, dann finden wir dort niemanden, der ähnlich gestrickt ist. Einige Herren im Schach-Obergeschoss mögen sich Jobava und Rapport zwar seelenverwandt fühlen, haben sich Originalität aber abtrainiert, um auf höchsten Level mithalten zu können.

Hikaru Nakamura zum Beispiel verbrachte seine jungen Jahre als Schach-Cowboy beim Bulletspiel online, den Finger stets am Abzug. Seine alte Liebe 1.e4 e5 2.Dh5?! hat er in den frühen 2000ern ins ernsthafte Turnierschach zu übertragen versucht, aber das haben ihm seine großmeisterlichen Gegenüber auf der anderen Seite des Brettes schnell abgewöhnt. Im Blitz flammt seine Abenteuerlust gelegentlich heute noch auf, aber im Zirkel der 2.800-Spieler gilt Nakamura vor allem als exzellenter Verteidiger mit solidem Eröffnungsrepertoire.

Weiterlesen auf “Perlen vom Bodensee”

Print Friendly, PDF & Email