Lasker tadellos

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Wie bereits erwähnt, stand Lasker in seinen Partien gegen Albin, Schalopp, Schiffers, Showalter und Tschigorin, beim Turnier in Nürnberg 1896, bei denen er jeweils die weissen Steine führte, zu irgendeinem Zeitpunkt höchst verdächtig. Dank seiner ernormen kreativen Fähigkeiten gelang es ihm jedoch immer wieder,  nicht nur die Initiative an sich zu reissen, sondern auch das Spiel mittels Gegenangriff zu seinen Gunsten zu entscheiden. Es mag seltsam klingen, aber die damaligen Kommentatoren fanden beim Anblick dieser Partien keine natürliche Erklärung für diese Resultate  und vermuteten Hexerei.

28 Jahre später urteilte Richard Reti über Lasker wie folgt: “Bei der heutigen Vollkommenheit der Schachtechnik führt ein ruhiges, korrektes Spiel fast unvermeidlich zum Remis. Um dem auszuweichen, begibt sich Lasker durch theoretisch minderwertige Züge an den Rand des Verderbens. Er selbst hängt bereits über dem Abgrund, während sein Gegner noch auf festem Boden steht. Dank seiner überwältigenden Stärke bringt er es indes fertig, sich selbst zu behaupten, seinen Gegner aber in die Tiefe zu stürzen. Auf diese Art erringt er Siege, die auf normalem Wege, d. h. bei korrektem Spiel, nie möglich wären.”

Dennoch gab es auch Partien die eines Weltmeisters würdig waren, wo die Gegner im klassischen Stil bezwungen wurden und, ja man liest es gerne, der grösste Lasker-Kritiker Siegbert Tarrasch nichts auszusetzen hatte. Aus diesem Grunde heute eine “tadellose Partie” des Weltmeisters, gespielt gegen den polnischen Meister Simon Winawer.

Ich wünsche viel Spass beim Studium der Partie!

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One thought on “Lasker tadellos

  1. Die scharfsinnigen Kommentare Dr. Hübners weisen (wenn ich mich recht erinnere, in seiner epischen Untersuchung des Wettkampfes Lasker – Schlechter) in eine andere als hier zu findende Richtung. GM Dr. Hübner hält die Vermutungen, nach denen Dr. Lasker (in einer Art schachlichem Judogriff) absichtlich schwächere Züge gespielt habe, um den nun unaufmerksamen Gegner im Gegenangriff zu bezwingen, für abwegig. Jeder, so Hübner wie immer einleuchtend, versuche am Schachbrett, den ihm am meisten für den Sieg (das Remis) geeignet erscheinenden Zug zu spielen – es mag unglaublich erscheinen, aber manchmal gelingt das eben auch einem Weltmeister nicht.
    Natürlich wird Lasker öfter zu zweischneidigen Zügen gegriffen haben, in der Erwartung, das Risiko beherrschen zu können. Dergleichen kam vor und nach ihm immer wieder einmal vor. Und das Wort “Risiko” beinhaltet eben, dass es auch übel nach hinten losgehen kann. Warum also heute “Risikobereitschaft” gemeinhin positiv konnotiert wird, erschließt sich nicht.

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