Zwei Damenopfer sorgen für Dramatik

  • 6
    Shares

Gutes Omen gegen Nisipeanu? Jungstar Duda gelingt erster Sieg in Dortmund

Trotz des WM-Finales zwischen Frankreich und Kroatien haben sich einige Unentwegte ins Orchesterzentrum begeben, um beim Sparkassen Chess-Meeting dem Spiel auf den 64 Feldern zu frönen. Die erste Partie der zweiten Runde schien aber trotzdem in Dortmund so zu verlaufen, als wollten beide Seiten möglichst schnell remisieren, um zum Fußball-Endspiel ins Hotel zu kommen. „Wenn ich gewusst hätte, dass Georg Fußball-Fan ist …“, ulkte Anish Giri. Aber letztlich machen sich weder der Niederländer noch der deutsche Nationalspieler allzu viel aus dem Sport auf einem Feld. Hauptgrund für den schnellen Friedensschluss war der gegenseitige große Respekt! „Ich dachte mir, wenn diese Variante im Katalanen aufs Brett kommt, ist das Remis für mich okay“, erzählte Georg Meier. Der 30-Jährige wollte nicht noch einmal eine böse Überraschung erleben, als Wladimir Kramnik einst eine Neuerung gegen ihn vorbereitet hatte.

 

Giri hatte nichts Neues in petto und zeigte sich mit dem halben Punkt ebenfalls zufrieden. „Zwei Remis mit Schwarz zum Turnierauftakt sind in Ordnung“, stellte der Weltranglistensechste klar und hob zur Lobpreisung auf seinen Gegner an: „Georg spielt immer sehr solide und hat schon Magnus Carlsen, Fabiano Caruana oder Kramnik am Wickel! Gegen ihn gewinnen zu wollen, ist sehr riskant.“ Daher tauschten beide Seiten bis zum 28. Zug fast alles vom Brett bis auf je drei Bauern und ungleichfarbige Läufer. In der Stellung pochte natürlich auch keiner auf die Regel, die Friedensangebote ausschließt.

Weniger geschlagen, aber mehr gekämpft wurde in den drei weiteren Duellen. Vor allem die Begegnung zwischen Radoslaw Wojtaszek und Wladimir Kramnik stand im Fokus: Vorjahressieger gegen zehnfachen Rekordchampion in Dortmund. Der Russe sprang den Polen auch trotz der schwarzen

 

Programmheft

Steine zuversichtlich an. Die Psychologie spielt hierbei eine große Rolle: „Sein Score steht bei 1:10“, berichteten Giri und Meier von jenem Großmeister, der noch schlechter gegen den Ex-Weltmeister abschnitt als sie selbst mit jeweils 1:7 (ein paar Remis ausgeklammert). Wojtaszek fühlte sich auch bald nicht mehr wohl: „Ich habe den Anzugsvorteil verschenkt und nichts herausgeholt, was aber bei so einem kurzen Turnier immer wichtig ist.“ Nach 14…e5 wähnte sich Kramnik bereits „ein bisschen besser stehend“. Mit dem d-Bauern, der nach vorne stürmte, schien nur er in einem Schwerfigurenendspiel Aussichten auf mehr zu haben – im 21. Zug ging der Russe aufs Ganze und opferte die Dame für Turm und Läufer, um den Bauern noch ein Stückchen vorantreiben zu können. Doch weiter als bis d3 kam er nicht. Wojtaszek fiel auch bei knapper Zeit vor der Kontrolle im 40. Zug auf keine schwarze „Fallen herein“, die Kramnik stellte. „Mit dem Remis war ich am Schluss glücklich“, bekannte der Vorjahressieger.

Achtbar schlug sich der Qualifikant im Feld: Vladislav Kovalev schien phasenweise sogar seine Serie vom Aeroflot-Open fortsetzen zu können, wo der Weißrusse mit Schwarz alles remisierte und mit Weiß die Gegner überrollte. Leidtragender wäre dann Ian Nepomniachtchi gewesen. Der Weltranglisten-15. blitzte die Eröffnung runter. Weiß benötigte viel Zeit – entkorkte aber auch im 26. Zug ein brillantes Springeropfer, das nicht auf der Hand lag. Letztlich kam es auch hier zur seltenen Materialverteidigung von Dame gegen Turm und Läufer, wobei Kovalev (anders als Kramnik) sogar zwei Bauern mehr hatte. Das schien „Nepo“ wenig zu bekümmern. Stets zog er schnell – womöglich auch, um sich über den Stand des WM-Endspiels auf dem aktuellen Stand zu halten – und sicher. Er hatte nach 69 Zügen noch fast zwei Stunden auf der Uhr! Angefangen hatte er mit 1:40 Stunden … Selbst nach 90 Zügen hatte „Nepo“ mit 1:50 Stunden mehr Zeit-Guthaben als zu Beginn der Partie. Kovalev verfügte am Schluss über knapp 15 Minuten und sah keinen Weg mehr, den f- und g-Bauern nach vorne zu treiben. Turm und Läufer boten dem König zu wenig Schutz vor Dauerschachs der Dame.

Weniger aufregend, weil zu einseitig verlief das Match, das die erste Entscheidung brachte: Jan-Krzysztof Duda schlug Liviu-Dieter Nisipeanu und führt deshalb mit 1,5 Punkten das Achterfeld in Dortmund an. Der 20-jährige Pole vermied gegen den deutschen Nationalspieler ausgetretene Pfade

 

und zog im 10. Zug seinen Springer zurück aufs Ausgangsfeld g8. „Ich wollte spielen können“, vermied Duda ein Unentschieden und riskierte später außerdem die scheinbar gefährliche große Rochade. Nisipeanu belohnte ihn rasch „mit einer Reihe von idiotischen Zügen“, geißelte sich der 41-Jährige selbst. Schon im 19. Zug patzte er einen Bauern ein, der Rest war einfach für Duda. Ein gutes Omen für den Ersten der Junioren-Weltrangliste? Nisipeanu verlor nämlich in den vergangenen Jahren immer nur gegen den Sieger. „Ich hoffe, das setzt sich mit einem Hattrick fort“, meinte Duda schmunzelnd. Nisipeanu wusste indes ein mögliches Hemmnis: „Gegen Fabiano Caruana und Maxime Vachier-Lagrave verlor ich jeweils in der letzten Runde des Turniers!“ Zumindest aber muss der Youngster aus der Nähe von Krakau jetzt zu den Sieganwärtern beim Sparkassen Chess-Meeting gezählt werden.

Im A-Open weisen acht Spieler die optimale Punktzahl von zwei Zählern auf. Die an Position drei gesetzte Alina Kashlinskaya, Gattin von Radoslaw Wojtaszek, remisierte nur mit Weiß gegen Steven Bärwolf.

TurnierseiteOpen

 

Die Paarungen sind ausgelost:

Runde 1, 14. Juli, 15 Uhr 
Wojtaszek – Meier
Kramnik – Nisipeanu
Duda – Kovalev
Nepomniachtchi – Giri

 

Runde 2, 15. Juli, 15 Uhr 
Meier – Giri
Kovalev – Nepomniachtchi
Nisipeanu – Duda
Wojtaszek – Kramnik

 

Runde 3, 17. Juli, 15 Uhr 
Kramnik – Meier
Duda – Wojtaszek
Nepomniachtchi – Nisipeanu
Giri – Kovalev

 

Runde 4, 18. Juli, 15 Uhr 
Meier – Kovalev
Nisipeanu- Giri
Wojtaszek – Nepomniachtchi
Kramnik – Duda

 

Runde 5, 20. Juli, 15 Uhr 
Duda – Meier
Nepomniachtchi – Kramnik
Giri – Nisipeanu
Kovalev – Wojtaszek

 

Runde 6, 21. Juli, 15 Uhr 
Meier – Nisipeanu
Wojtaszek – Kovalev
Kramnik – Giri
Duda – Nepomniachtchi

 

Runde 7, 22. Juli, 13 Uhr 
Nepomniachtchi – Meier
Giri – Duda
Kovalev – Kramnik
Nisipeanu – Wojtaszek

Text und Fotos “Offizielle Seite”

Print Friendly, PDF & Email