Der lang erwartete Wettkampf

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1908 verließ Lasker Amerika und kehrte nach Deutschland zurück. Hier kam es sehr schnell zu einer Vereinbarung, wonach ein WM-Kampf mit seinem unversöhnlichen Kontrahenten Tarrasch im August des gleichen Jahres beginnen sollte.

Zu diesem Zeitpunkt waren stolze 16 Jahre vergangen, als einst Lasker Tarrasch zu einem Wettkampf aufforderte und eine Absage erhielt. Nach dem Turnier in Nürnberg 1896, wo Tarrasch gegen Lasker verlor, hatten die beiden keine Partie mehr gegeneinander gespielt. Tarrasch mied nach dieser Niederlage stets Turniere an denen Lasker beteiligt war, aus denen Lasker fast immer als Sieger hervorging. Tarrasch selbst bevorzugte andere stark besetzte Turniere, bei denen er auch nicht minder häufig siegte. Dies brachte ihm in der Schachpresse den Spitznamen Turnier -Weltmeister ein.

Zum Zeitpunkt des Tunieres war Tarrasch 46 Jahre alt und hatte vermutlich den Zenit seines Könnens schon lange überschritten. Dennoch bereitete er sich akribisch auf den Weltmeister vor und gab  zu den Partien des Wetkampfes Lasker vs. Marshall ein Buch heraus. Er kannte die Eröffnungsvorlieben seines grossen Kontrahenten, spürte seine Neigung zu aktivem Spiel und schätzte dessen Endspielfähigkeiten sehr.  Dennoch blieb er bei seiner Auffassung, dass Laskers Spiel stark vom Glück begünstigt sei. Damit gab er indirekt zu, dass er Lasker als Mensch, Schachspieler, Philosoph und Kämpfer nicht verstanden hatte.

Der Wettkampf begann am 17.08. 1908 in Düsseldorf, die erste Partie wurde vor mehr als 2000 Zuschauern gespielt. Sieger sollte sein, wer zuerst 8 Partien gewonnen hatte. Die Bedenkzeit betrug 1 Stunde für 15 Züge, wobei nicht mehr als 6 Stunden pro Tag gespielt wurden. Der Preisfond betrug 6.500 Mark, von denen der Gewinner 4.000 Mark erhalten sollte. Zudem erhielt Lasker ein zusätzliches Startgeld von 7.500 Mark.

Die Eröffnung war wie immer für Lasker typisch. Nachlässig in der Eröffnung spielte er ab dem 14. Zug seinen Herausforderer scheinbar nach allen Regeln der Kunst an die Wand. Die wichtige Frage, die man zu dieser Partie stellen sollte, ist, gab es für Tarrasch was besseres als 35… Ld7?

Ich wünsche viel Spass beim Studium der Partie!

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