Vorschau zum Abu Dhabi Chess Festival

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Wem es in Europa derzeit nicht warm genug ist, der hat als Schachspieler eine Alternative: ab Dienstag ein Open in Abu Dhabi – bei Temperaturen draussen von bis zu 44ºC, der Spielsaal ist dabei vermutlich klimatisiert. Insgesamt 163 Spieler fühlten sich angesprochen – in der A-Gruppe, es gibt auch noch ein B- und ein Juniorenturnier. Darunter 6 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und 90 Inder, die dieses Klima wohl auch gewöhnt sind und ohnehin immer und überall spielen (nicht immer dieselben, aber aus demselben Land).

Ich nenne zunächst die ersten 12 der Setzliste: Le Quang Liem, Rapport, Cheparinov, Wang Hao, Fedoseev, Dubov, Amin, Sargissian, Sjugirov, Korobov, Short, Morozevich. Warum diesmal 12 Namen? Um die beiden vielleicht bekanntesten gleich eingangs zu nennen.

Masters

Nigel Short spielt nach wie vor regelmässig und ein bisschen überall, auch in Asien – zuvor Turniere u.a. in Kolkata, Bangkok und Bacolod City (Philippinen). Letztes Jahr war Short in Abu Dhabi noch an eins gesetzt – einerseits hatte er damals knapp 30 Elopunkte mehr vorzuweisen, andererseits war das Turnier nicht so stark besetzt. Er wurde Zweiter hinter dem damals an zwei gesetzten Bassem Amin, https://www.chessbomb.com/arena/2018-abu-dhabi-internationalgenerell landeten im Laufe der Jahre Favoriten in Abu Dhabi oft weit vorne – bei Opens nicht selbstverständlich oder automatisch. Ausnahme war 2015: der an eins gesetzte Kovalenko teilte den 121. Platz – da er zwar gemeldet hatte aber dann nicht erschien. Der an zwei gesetzte Almasi wurde damals 18. . Shorts neueste Triumphe waren zweimal 8/8 bei Blitzturnieren in Uganda und Nigeria – das brachte bei nicht allzu starken Gegnern (alle Elo unter 2300) 31 Blitz-Elopunkte, wieviele Stimmen es bei der FIDE-Präsidentenwahl einbringt ist unklar.

Open

Schachpolitische Ambitionen hat Morozevich nicht, schachliche als Spieler offenbar auch nicht mehr – denn er spielt nur noch sporadisch, abgesehen von Schnell- und Blitzschach in Russland. Zuletzt im Mai 2018 Sigeman Chess in Schweden, davor 2017 Biel und Serbische Liga, davor Ende 2016 Europacup für Vereinsteams und das Nussknacker-Match – zusammen mit Shirov, Dreev und Gelfand gegen die nächste russische Generation (Oparin, Dubov, Artemiev und Fedoseev – nach Punkten in diesem Turnier sortiert).

Lokalmatador Saleh Salem ist natürlich auch dabei, außerdem u.a. Jungstars vor allem aus der näheren Umgebung: aus dem Iran Maghsoodloo, Tabatabaei und Firouzja, aus Indien (auch nicht allzu viele Flugstunden) Aravindh, Nihal Sarin und Aryan Chopra. Nihal Sarin kommt allerdings aus einer anderen Richtung: nach dem Leiden Open spielte er in der türkischen Liga und sicherte sich da wohl seine dritte und letzte GM-Norm. Eine weitere Anreise haben Nodirbek Abdusattorov und Javokhir Sindarov aus Usbekistan. Vincent Keymer fehlt, deutsche Teilnehmer generell Fehlanzeige. [Deutsche – angeführt von Bluebaum, Donchenko, Svane, Schroeder, Kollars – spielen dafür reihenweise (nicht bei der deutschen Meisterschaft sondern) beim Riga Technical University Open. Da “nur” 21 Inder – bekanntester und elobester ist Praggnanandhaa]

Europa ohne “Ost-” davor ist generell spärlich vertreten – was Großmeister betrifft: Mads Andersen aus Dänemark, Daniele Vocaturo aus Italien und weiter unten in der Setzliste Harmen Jonkman aus den Niederlanden. Jonkman spielt auch nicht mehr so viel wie vor Jahren noch: neben Mannschaftskämpfen in der dritten NL-Liga (Elo 2404 ist kein GM-Niveau) 2017 ein Open in Hoogeveen und eines in Abu Dhabi, 2016 neben Opens in Hoogeveen und Amsterdam diverse kleinere Turniere in Deutschland. Alleine macht er sich nicht auf die weite Reise, seine beiden Töchter vertreten Peru im Juniorenturnier.

Gespielt wird vom 7.-15. August meistens ab 16:00 Ortszeit, Ausnahmen u.a.: Ruhetag am Freitag, also schon nach der dritten Runde (wohl nicht um den Geburtstag meiner Mutter zu respektieren, sondern weil es in islamischen Ländern eben so ist), dafür Doppelrunde am Samstag um 10:00 und 18:00. Letzte Runde bereits um 10:00, in Mitteleuropa ist es immer zwei Stunden früher.

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