DSAM-Skandal mal etwas anders

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Viel ist in den vergangenen Tagen und Wochen über den “DSAM-Skandal” geschrieben und vor allem gemutmaßt worden. Meistens Letzteres. Ich will versuchen, den Blickwinkel ein wenig zu verlagern.

Lobby Magdeburg

Keinen Aufschluss gewinnen wird der Leser hier über irgendwelche steuerlichen Auswirkungen auf den DSB, auf Dr. Dirk Jordan, … weil noch nicht einmal ganz klar wurde, was eigentlich geschah und weil Dergleichen eher in ein Steuerberater-Seminar gehörte, werde ich dazu nichts sagen. Zudem: “Getretner Quark wird breit, nicht stark“, warnte schon Johann Wolfgang von Goethe im “West-östlicher Divan, Buch der Sprüche” – in der Tat, durch Wiederholungen wird selten etwas besser. Das ZDF wird das auch noch lernen – vielleicht.

Klar ist, dass sowohl die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM als auch der Deutschland-Cup, also der D-Cup in Wernigerode, fortgeführt werden wird. Das ist gut. Diejenigen, die sich angemeldet haben, werden also im wahrsten Sinne des Wortes “zum Zuge kommen”. Einleuchtend ist, dass vom DSB vorerst die ominösen Verträge mit den Hotels neu verhandelt werden müssen, was auch heißt:

Sowohl die bisher von mir “kommunizierten” Termine der Turniere als auch die Hotels an sich könnten sich ändern. Ob der DSB den “Nebenvertrags-Rabatt” (der von den Hotels dem Dr. Jordan bisher angeblich eingeräumt wurde) wie nun erhofft auch vom DSB überhaupt erzielt oder sogar übertroffen werden kann, wird so lange unklar bleiben, bis die Papiere unterschrieben sein werden. Aber was sollte dem entgegen stehen?

Natürlich muss das alles “irgendjemand” machen, verhandeln, womöglich neue Hotels ansprechen, … der DSB-Präsident hat nicht nur einen bürgerlichen Job neben dem Schach, sondern im DSB auch noch andere Aufgaben zu erfüllen, so dass jedenfalls ich besorgt nach einer zeitlichen Überlastung frage – was muten wir unseren Funktionären eigentlich zu?

Bevor hier etwas untergeht: Niemand im Team – anscheinend ja außer Dr. Jordan – hat nach meiner Überzeugung je Geld erhalten, abgesehen von

a.) den im DSB üblichen Schiedsrichter-Honoraren (die gnädigerweise auch dem ununterbrochen seit Jan. 2011 tätigen Texter gezahlt wurden, wenn auch erst in den letzten Monaten – vorher gab’s gar nichts),

b.) dem Hotelzimmer und

c.) den Fahrtkosten.

Leipzig 2018 alles nur Amateure

Sogar die meisten Mahlzeiten, auch die “Imbisse”, mussten die “Team”-Mitglieder selbst bezahlen. Die haben also insgesamt bares Geld draufgelegt. Das ist angesichts der geradezu grotesken Summen, die man den Neben-Verträgen des Dr. Jordan zurechnet (aber: Auch hier scheint noch nichts bewiesen zu sein!) jedem Einzelnen im Team gegenüber eine Jahre währende Sauerei.

Von den Spielern wurde jedoch zum Glück niemand geschädigt. Die Turniere wurden mit einem klaren Startgeld und Hotelzimmer-Preis angeboten und die Spieler haben den Preis akzeptiert, ganz einfach. Wie die unglaubliche Nachfrage zeigt, waren und sind diese Konditionen sehr akzeptabel, passend zum organisierenden Service des DSAM-Teams. An dieser Stelle war und ist immer alles tipptopp.

Manche fragen auch, ob man denn nun unbedingt mit dieser H-Dingsbums-Hotelkette weitermachen und auch, ob man in Wernigerode bleiben müsse (geplant war beim Entwurf dieser Veranstaltung ohnehin, sich von Ort zu Ort an der ehemaligen Ost-West-Grenze entlang zu bewegen), aber diese Entscheidungen sind diffizil. Man braucht ja zumindest

a.) ein halbwegs erreichbares Hotel mit

b.) ordentlichem Standard, mit

c.) einem sehr, sehr großen Spielsaal (das schließt leider schon die meisten Anbieter aus) nebst Mobiliar, dessen Management

d.) dem DSB bzw. den Spielern gute Preis-Konditionen einräumt und das erfreulicherweise

e.) zum für uns passenden Termin faktisch leer steht und in der Gesamtheit eine Art

f.) Deutschland-Reise bildet, wir brauchen also also Standorte in allen Himmelsrichtungen. Das ist nicht einfach …

Neben den Spielern und dem Spiel-Palast braucht’s auch Spielmaterial, das aber im DSB-Zugriff hoffentlich in auch präsentabler Form vorhanden ist und jeweils transportiert werden kann (es nutzt ja nichts, wenn es in Berlin steht, aber z.B. in München gespielt wird).

Leipzig 2018 Sie sind der Deutsche Schachbund

Und ein paar “Verrückte” müssen es eben auch “machen”: Dass sog. “Orga-Team. Das sind Schiedsrichter, pairing-officer (so heißt das heutzutage, also “der wo die Paarungen macht”), Fotograf, Spielsaal-Ausstatter (Figuren nebst Brett, Formulare plus Kulis aufbauen, Schilder aufstellen etc.), … achja, ein Texter wäre auch noch gut und einer für das Marketing, also Logo, “Pokal”-Gestaltung etc.pp. Wer zu diesem neuen Team gehören wird, ob es überhaupt wieder ein aufeinander eingespieltes “festes Team” geben wird, ist noch nicht zu erfahren.

Jürgen Kohlstädt und Frank Jäger, so wird gemunkelt, werden vielleicht weitermachen. Das allein gilt aber schon als “unklare Variante”, weitere Namen erst recht. Mindestens eine der intelligenten jungen Damen aus dem Schach-National-Team bzw. seines Umfelds wird ebenso auf dem Meinungs-Markt gehandelt wie Spitzen-Turnier-Personal aus der DSB- oder doch dessen Landes-Etagen.

Weder gibt es einen Texter der DSAM (ich muss es wissen, denn ich werde es wohl kaum noch machen …) noch einen Turnierdirektor (das wiederum ist unklar). Zur Erinnerung: Das erste Turnier soll(te) “16. bis 18. November 2018 im H+ Hotel Halle-Leipzig” Raum greifen. Die Uhr läuft … ab jetzt sind wir in der Endspurtphase!

Anders gesagt: Man weiß über das künftige Team noch gar nichts und das ist in derartigen Situationen einfach nur normal. Immerhin geht es hier um ehrenamtliche “Jobs”, die mindestens 4 Tage Arbeit pro Turnier beinhalten (wer etwas vor- oder nachbereiten muss, hat mehr Tage) und es sind mit dem Finale 8 Turniere, also 32 Arbeitstage Schach, das ist ein ganzer Monat. Ehrenamtlich. Man ahnt nun, warum auch die Fragen um das Personal nicht ganz einfach sind.

Der DSB informiert recht schleppend. Die Mitteilungen des DSB zeigten den Spielern noch nicht, wie der konkrete, laufende Stand der Sache sei. Klar, es kann noch nicht alles fertig und in trockenen Tüchern sein. Aber eine Wasserstandsmeldung wäre wohl doch recht geschickt. Jedoch sind die zu organisierenden Fragen immens groß, wie es oben skizziert wurde – und rechtliche und steuerliche Fragen, von denen ich keine Ahnung habe, wollte ich hier noch nicht mal antippen.

Einige der ins Auge gefasste Team-Aspiranten denken wohl noch ganz einfach über ihre Zusage / Ablehnung nach oder sie wurden vom DSB schlicht noch nicht erreicht – wir haben Urlaubszeit. Viele, so wie ich, haben sich enttäuscht abgewandt, als man die Ehrenamtler erst komplett ignorierte und dann auch noch mit Verweis auf die bisherige “Bezahlung” zu gängeln versuchte. Gleichwohl: Der DSB möchte seine Gedanken zu den sich auf diversen Plattformen überschlagenden Mutmaßungen vielleicht lieber gesammelt, also überschaubar darstellen, so dass eben noch ein wenig gewartet wurde. Aber:

von Ralf Schreiber beeinflusste Sieger Trophäe

Der Nachteil dieses Vorgehens ist natürlich, dass der DSB der Öffentlichkeit immer nur reagierend hinterher laufen kann. Schon ganz Andere mit hunderten hoch bezahlter Medien-Profis wie der ADAC, der DFB, Daimler etc.pp. haben diese Herausforderung nicht zufriedenstellend lösen können. Auch weil der DSB seit 2012 nach dem Weggängen von Klaus Lais und Raymund Stolze (bewusst?) keinen real existierenden Öff.-Referenten wählte, ist es nun eben doppelt schwer.

Völlig schief gegangen ist im DSB nicht nur, die Spieler – mit denen man ja sonst auch nichts zu tun hat – früh, klar, laufend und umfassend zu informieren, sondern auch der Umgang mit Ehrenamtlern. Ein unbedeutendes Beispiel nur am Rande: In den Augen des DSB-Präsidenten gilt nun auch der Texter, was ich erst gar nicht verstand, zum “Öffentlichkeits-Team des DSB” und seit heute vor allem als “bezahlt” (gestern galt ich noch als ehrenamtlich – leider, ohne nach dem Wechsel auf “bezahlt” eine Eruption auf dem Konto erkennen zu können …). Gemeint ist natürlich das Schiedsrichter-Honorar des DSB, das irgendwann einmal als Gnaden-Geste auch dem Texter belassen wurde.

Aus diesen hundertfuffzich Ocken – müssen versteuert werden – ergaben sich pro Turnier mit ca. 60 Stunden Einsatz – das ließe sich jetzt langweilend aufschlüsseln – üppige zweifuffzich pro Stunde – das gibt man dem Pizza-Boten als Mindest-Trinkgeld. Daraus wird aktuell mehr oder weniger logisch, wenn auch nicht gerade geschickt, abgeleitet, den ehemaligen Texter deutlich beeinflussen (um das Wort “bestimmen” zu umgehen) zu können, wann der nirgendwo angestellte und über Jahre gar nicht und dann ehrenamtlich honorierte Texter dieses oder jenes veröffentliche und wenn ja, in welcher Grund-Diktion. Daran scheiterte schon ein Herr Woltemath. Folglich muss der DSB jetzt eben auch einen Texter für die DSAM suchen … damit wäre das jetzt ja auch geklärt. Es ist eine kuriose Facette des ungeschickten Umgangs mit Ehrenamtlern.

Wie Prof. Dr. Uwe Pfennig, eben noch DSB-Vize, in seinem heutigen brillanten Kommentar auf dem “Schachticker” mit offenbar intimer Kenntnis klar herausarbeitete, genoss das DSAM-Team über Jahre eine gewisse Selbstorganisation – und man fuhr damit gut. Warum nicht weiter so?

http://www.chess-international.de/archive/93219/comment-page-1#comment-4019

Statt wirr loszustürmen und am Rande der Senioren-EM eine “Rückzahlung” in Aussicht zu stellen, von Geld, das man erstens noch gar nicht hat und das den Spielern zweitens womöglich auch nicht zustehen dürfte, hätten andere versucht: “Scusi dottore … wir wissen jetzt alles. Wir machen dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst, eh? Alles geht weiter wie bisher, aber du zahlst uns, deinen padroni, die Hälfte der vergangenen Jahre zurück. Und niemand hat Schwierigkeiten …” Stilecht ist so was nur im Hinterzimmer einer Luxus-Pizzeria.

Überfluessig und viel zu teuer

Zunächst wusste man “in Berlin” wohl nicht, wer denn nun weiter zu “Jordans Jüngern” zu zählen sei und wer andererseits sich vom Dresdner hintergangen fühlt und wortlos ausstieg. Und weil sich die Ereignisse überschlugen, vergaß der DSB anscheinend, diejenigen mindestens mit einer herzlichen, persönlichen Danksagung ein wenig zu versöhnen, die für das vom DSB veranstaltete Premium-Turnier jahrelang ihre Energie, ihre Zeit, manche gar ihre Gesundheit einsetzten. – Übrigens: Wo sind eigentlich all die Anderen? Der im DSB für diese Fragen der DSAM zuständige “Vizepräsident Verbandsentwicklung” (was für ein Titel!)? Der Schatzmeister? Der Geschäftsführer? Der Referent für Breitreifenschach? Alle zusammen im Urlaub? In einem Kloster mit Schweige-Gelübde?

Aber: Eine Wende zum Besseren verhindert in “Berlin” gewiss nur die Mischung aus Überarbeitung, Panik und schlechtem Wetter – alles wird gut! Nein, das ist keine Ironie. Und wenn der DSB sich nun schon so sehr für die DSAM ins Zeug legen muss, wird er es vermutlich nicht mehr hinnehmen, dass von einem seiner Referenten z.B. die Liga-Wettkämpfe der Damen offenbar sehr bewusst auf DSAM-Termine gelegt wurden, so dass die Damen nicht teilnehmen konnten.

Leider wird ohnehin oft übersehen: Die größten Sponsoren des DSB sind keine Firmen oder Mäzene, sondern es sind die Ehrenamtler, die vielen hundert Figurenaufsteller, Kaffeeköche, Fahrer, Kinderbetreuer, Anfängertrainer und Funktionäre in den (zumeist) 30-Mann-Clubs am Dorfrand, es sind die Amateure, also Schach-Liebhaber. Sie sind der Deutsche Schachbund. Und die DSAM ist, neben allen Vorzügen ihrer Organisation, ein Spiegelbild genau dieser enthusiastischen 30-Mann-Vereine. Das macht ihren Charme aus. Ich hoffe, dass es trotz der augenblicklichen Unruhen noch jahrelang so bleiben kann – wir wollen doch nur spielen.

(Ralf Mulde)

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8 thoughts on “DSAM-Skandal mal etwas anders

  1. Auf der DSB-Seite ist kein Link mehr auf die DSAM zu finden.
    Auf der DSAM-Seite besteht keine Möglichkeit mehr, sich auch nur für irgendetwas anzumelden.
    https://www.dsam-cup.de/
    Auf der DSAM-Seite wurde der gesamte “Anmelde-Komplex” gelöscht. Dafür immerhin reichte das Engagement des DSB noch.
    Auf der DSB-Seite gibt es keinen Link (mehr) zur DSAM.
    Aber angeblich soll ja alles weitergemacht werden … Man fragt sich: Wann, wo und vor allem mit/von wem?
    Zur Erinnerung: Geplant waren diese Termine und Standorte:
    16. bis 18. November 2018 im H+ Hotel Halle-Leipzig
    21. bis 23. Dezember 2018 im H+ Hotel Limes Thermen Aalen
    04. bis 06. Januar 2019 im H4 Hotel Hamburg-Bergedorf
    25. bis 27. Januar 2019 im H4 Hotel Kassel City Center
    01. bis 03. März 2019 im H+ Hotel Brühl-Köln
    29. bis 31. März 2019 im H+ Hotel Wiesbaden-Niedernhausen
    31. Mai bis 02. Juni 2019 im H4 Hotel München Messe
    20. bis 22. Juni 2019 Finale im H4 Hotel Leipzig
    Die Verträge sollten ja mal eben schnell neu verhandelt werden (können) und, weil die Hotels ja sicher auf uns warten, rasch wieder angeboten werden. Das Ganze, davon härt man erst recht nichts mehr besser und günstiger als zuvor. Und der Geschäftsführer der DSB-Wirtschaftsdienste (gilt die DSAM jetzt als eine Art Firma zur DSB-Gewinn-Erzielung? Was also hat Ossi “Mephisto” Weiner mit diesem Kram zu tun?) gab zum Besten, dass es ja schließlich kein “Hexenwerk” sei, ein Drei-Tage-Turnier zu organisieren – und man wartete gespannt darauf, dass zumindest das Erste der ACHT Turniere überhaupt auch nur angeboten werden würde. Zugunsten der Teilnehmer hoffe ich, dass es dem gewohnten Standard entsprechen oder ihn eben übertreffen wird.
    Bisher sehe ich vom DSB nur Zerstörung des Bestehenden. Zugesagt war, neue Termine oder doch den neuesten Stand 1. auf der DSAM-Homepage und 2. auf der DSB-Homepage zu veröffentlichen, was wohl (mangels Öff.-Referenten) die Aufgabe des Vize-Präsidenten für Verbands-Entwicklung wäre. Oder doch die für den Vizepräsidenten für Sport? Dass einem deren Namen nicht sofort präsent sind, ist nur Zufall und liegt am Leser. Ist doch der eine, mehr seelisch, versteht sich, im Leistungssport hoch aktiv, also im Revers des Amateurschachs und der andere im Jugendschach. https://www.schachbund.de/adressen_praesidium.html
    Schade um ein schönes Turnier. Aber Leistungssport ist ja viel wichtiger als die 99%, die die Amateure im DSB ausmachen – übrigens auch nach Stimmenzahl.

  2. Lieber Ralf,
    Sorry, so hatte ich es auch nicht gemeint.
    Ja, ich meinte ja jeden einzelnen in euren tollen Team. Es war stets eine perfekte Organisation und ein tolles Schachevent, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Ich würde das Turnier sehr vermissen, aber keinen Euro den ich dafür bezahlt habe. Eure Leistung und Euer Einsatz war viel mehr wert …

  3. D.Wolter: “…dass auch die Helfer von Dr.Jordan angemessen für ihren Einsatz belohnt werden sollten, falls dies wirklich nicht geschehen sein sollte.”
    Lieber Detlev, ich kann Dir versichern, dass niemand im Team – außer Meister Jordan – etwas erhalten hat. In den allerletzten Monaten gab es eine minimale “Aufwandsentschädigung” von 150,– für die nominell drei, eigentlich aber vier bis fünf Tage mit mindestens 10 h/d. Und das, während sich der Eine mit beiden Händen in der Kasse bediente. Nebenbei und inzwischen völlig egal: Zumindest ich sah mich nie als “Helfer von Dr. Jordan”, sondern als Teil eines Teams, dessen Umgang untereinander wesentlicher Grund war, diesen ganzen Quatsch zu machen.
    Zwar ist am Wochenende viel telefoniert worden, aber inzwischen ist von der DSAM-Homepage ja sogar (durch den DSB?) der gesamte Komplex “Anmeldung” verschwunden und nicht wieder – im Gegenteil – eröffnet worden. Schade.

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