Russische Schachmeisterschaften

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Russland ist in der Breite nach wie vor die führende Schachnation – damit sind nationale Meisterschaften auch dann sehr stark besetzt, wenn einige der stärksten Spieler verzichten und nominell relativ “schwache” Spieler sich über das Halbfinale qualifizieren. Die diesjährige Auflage ist vom 25.8.-5.9. in Satka – Chelyabinsk Oblast, Südwestflanke des Ural-Gebirges nahe der Grenze zu Kasachstan.

Ohne weitere Vorrede nun die Teilnehmer bei den Herren: Nepomniachtchi, Jakovenko, Vitiugov, Andreikin, Fedoseev, Tomashevsky, Dubov, Inarkiev, Khismatullin, Kobalia, Sarana und Oparin. Es fehlen also Karjakin, Grischuk und Svidler (alle beim Sinquefield Cup, Svidler als Kommentator) sowie Kramnik (lebt nicht in Russland und hat nur ab und zu bei der Landesmeisterschaft mitgespielt). Dennoch ist der Eloschnitt immerhin 2685 – in vielen Ländern hat allenfalls ein Spieler dieses Niveau.

Svidler wird seinen Titel also nicht verteidigen, von den Teilnehmern waren drei bereits mal russischer Meister – Tomashevsky 2015, Andreikin 2012 nach Massen-Stichkampf mit sechs Spielern (sein Schnellschach-Talent zeigte er ja auch mal im Weltcup), Nepomniachtchi 2010 nach Stichkampf gegen Karjakin. Drei hatten immerhin einen Stichkampf gespielt – Vitiugov letztes Jahr gegen Svidler, wiederum Nepomniachtchi 2013 gegen wiederum Svidler, Jakovenko gleich dreimal (2006, 2008 und 2012). Sind das die Favoriten, oder gelingt einem Jungstar der große Wurf? Bei Fedoseev und Dubov fehlte letztes Jahr nur ein halber Punkt für einen Platz im Stichkampf.

Wie kann ich die Spieler noch sortieren? Alter hatte ich bereits angedeutet – neben Fedoseev und Dubov sind auch Oparin und Sarana unter 25. Nepo und Andreikin erblickten im goldenen Schachjahr 1990 das Licht der Welt, fünf weitere sind 30-35. Turniersenior ist Kobalia (*1978) – für ihn ist es offenbar die erste russische Meisterschaft (jedenfalls seit 2004, zuvor hat er vielleicht mal bei Turnieren nach Schweizer System oder im KO-Format mitgespielt). Das erste Mal ist es auch für Jungstar Alexey Sarana (*2000), souveräner und für Insider offenbar nicht überraschender Sieger des Halbfinales nach Schweizer System. Geographie: 6 von 12 kommen aus Moskau oder der Hauptstadtregion (Dubov, Inarkiev, Kobalia, Nepomniachtchi, Oparin und Sarana), Vitiugov und Fedoseev aus St. Petersburg, die vier anderen aus dem Rest des riesigen Landes. Das sollte nun zum Herrenturnier reichen.

Bei den Damen ist es fast das stärkste mögliche Feld – aus der russischen top10 fehlen nur die inzwischen semi-inaktive Nummer 2 Kateryna Lagno und die ebenfalls nur noch sporadisch aktive Nummer 10 Turova. Dabei sind Kosteniuk, Goryachkina, Gunina, Pogonina, Girya, Bodnaruk, Kashlinskaya, Galliamova, Shuvalova, Gritsayeva, Protopopova und Tomilova. Das sind auch alle russischen Meisterinnen seit 2009 – neben Kosteniuk (2015 und zuvor 2005) zeigten davor die inzwischen abgetauchten Kosintseva-Schwestern, dass man dafür nicht unbedingt den Buchstaben g im Nachnamen braucht. Girya schaffte es allerdings bei acht Versuchen noch nie, letztes Jahr fehlte ein halber Punkt für einen Stichkampf mit Pogonina und der späteren Meisterin Goryachkina. Goryachkina ist Titelverteidigerin und gewann bereits 2015. Gunina schaffte es 2011, 2013 und 2014, Pogonina 2012, Galliamova 2009, 2010 und zuvor 1997.

Das ist quasi schon das Alters-Spielchen: Galliamova (*1972) ist die bei weitem erfahrenste, Shuvalova (*2001), Protopopova (*2000) und Goryachkina (*1998) sind die “Küken” – wobei Goryachkina bereits zweifache russische Meisterin ist. Der Rest liegt dazwischen (Baujahr 1980-1993). Regional kommen vier aus Moskau (Gunina, Kashlinskaya, Kosteniuk und Shuvalova), zwei aus Saratov (Pogonina und Protopopova), der Rest aus anderen Landesteilen (nur Bodnaruk aus St. Petersburg).

Noch ein paar Fakten: Rundenbeginn ab 15:00 Ortszeit (13:00 in Moskau, 12:00 in Mitteleuropa), Ruhetag am 31.8., letzte Runde zwei Stunden früher. Bedenkzeit 90 Minuten für 40 Züge, 30 Minuten für den Rest und 30 Sekunden Inkrement von Anfang an. Preisgeld: der Sieger bei den Herren wird (wenn er es noch nicht ist) Millionär in Rubel, 1 Million Rubel sind immerhin etwa 12700 Euro. Die Siegerin bekommt die Hälfte, beide bekommen allerdings auch noch ein komplettes Auto (Renault Kaptur) – Rekordmeister Svidler hat vielleicht in St. Petersburg ein Parkplatzproblem und verzichtet deshalb auf die Titelverteidigung. Danach nehmen Geldpreise eher langsam ab und werden bei Punktgleichheit geteilt. Tiebreaks sind eigentlich nur für Platz 3 und direkte Qualifikation für das Superfinale 2019 relevant, um den Titel gibt es ja wenn nötig Stichkämpfe (erst Schnellschach, dann eventuell Armageddon). Remisverbot vor dem 40. Zug, das kann man allerdings (siehe z.B. Sinquefield Cup) mit einer Zugwiederholung umgehen.

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